15:07:10 | Mittwoch, 8. Juni 2005
Pfarrer, die liturgischer Mißbräuche schuldig werden, fürchten sich angeblich davor, von ihren Gläubigen verpfiffen zu werden. Inwiefern ist diese „Bespitzelung“ verwerflich? – fragt sich der Münchner Jesuit und Philosoph Giovanni Sala in einem Leserbrief.
(kreuz.net) Ende März äußerte sich der Jesuitenpater Giovanni Sala (75) in einem Leserbrief in der
„Tagespost“.
Pater Sala SJ stammt ursprünglich aus Norditalien. Ab 1971 unterrichtete er an der „Hochschule
für Philosophie“ in München, die von den Jesuiten geführt wird. Er ist dort immer noch als außerordentlicher
Professor tätig.
Die
„Tagespost“ ist die führende katholische Tageszeitung im deutschen Sprachraum.
Sie wird in Würzburg publiziert.
In seinem Leserbrief stellt Pater Sala die Frage, worin das Verwerfliche
bestehe, wenn liturgische Mißbräuche von Priestern an die kirchlichen Oberen weitergeleitet werden.
Heute werden Beschwerden vor Ort von den zuständigen kirchlichen Stellen kaum mehr zur Kenntnis genommen.
Darum sehen sich Gläubige oft gezwungen, ihre Bedenken an die Bischöfe, die Presse oder gar an römische
Instanzen weiterzuleiten.
Zur Beantwortung der Frage trifft der Jesuit eine Unterscheidung.
Eine erste
Möglichkeit bestehe darin, daß die gegen einen Priester erhobenen Anschuldigungen falsch sind. Dann
liege nicht der Tatbestand der Bespitzelung vor, sondern schlicht und einfach eine Verleumdung.
In diesem
Fall sei die Verleumdung nicht zu fürchten. Denn da die Liturgie öffentlich ist, könne man leicht beweisen,
daß die erhobenen Vorwürfe aus der Luft gegriffen wurden.
Die zweite Möglichkeit ergibt sich nach
den Ausführungen von Pater Sala, wenn den zuständigen kirchlichen Stellen tatsächliche liturgische
Mißbräuche weitergeleitet werden.
Auch in diesem Fall gebe es eine einfache Lösung.
Wer sich in der
öffentlichen Liturgie der Kirche auf Experimente und Mißbräuche einlasse, könne sich nicht wundern,
daß sein Handeln bekannt wird.
Wenn sich ein Priester eine solche Bekanntheit nicht wünsche, solle
er darum besser auf liturgische Experimente verzichten, statt einen Prozeß gegen jene zu führen, die
sein Tun an seine Oberen weiterleiten.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#7
Laurentius2 18:37:05 | Donnerstag, 9. Juni 2005
#6
Marcel 08:34:00 | Donnerstag, 9. Juni 2005
#5
mrnka 05:36:57 | Donnerstag, 9. Juni 2005
#4
Konrad 23:07:33 | Mittwoch, 8. Juni 2005
#3
Agiafortuni 22:58:42 | Mittwoch, 8. Juni 2005
#2
turnschuhfan 20:09:17 | Mittwoch, 8. Juni 2005
#1
roemkath 16:39:02 | Mittwoch, 8. Juni 2005