Liturgie
Bespitzelung
Pfarrer, die liturgischer Mißbräuche schuldig werden, fürchten sich angeblich davor, von ihren Gläubigen verpfiffen zu werden. Inwiefern ist diese „Bespitzelung“ verwerflich? – fragt sich der Münchner Jesuit und Philosoph Giovanni Sala in einem Leserbrief.
(kreuz.net) Ende März äußerte sich der Jesuitenpater Giovanni Sala (75) in einem Leserbrief in der „Tagespost“.

Pater Sala SJ stammt ursprünglich aus Norditalien. Ab 1971 unterrichtete er an der „Hochschule für Philosophie“ in München, die von den Jesuiten geführt wird. Er ist dort immer noch als außerordentlicher Professor tätig.

Die „Tagespost“ ist die führende katholische Tageszeitung im deutschen Sprachraum. Sie wird in Würzburg publiziert.

In seinem Leserbrief stellt Pater Sala die Frage, worin das Verwerfliche bestehe, wenn liturgische Mißbräuche von Priestern an die kirchlichen Oberen weitergeleitet werden.

Heute werden Beschwerden vor Ort von den zuständigen kirchlichen Stellen kaum mehr zur Kenntnis genommen. Darum sehen sich Gläubige oft gezwungen, ihre Bedenken an die Bischöfe, die Presse oder gar an römische Instanzen weiterzuleiten.

Zur Beantwortung der Frage trifft der Jesuit eine Unterscheidung.

Eine erste Möglichkeit bestehe darin, daß die gegen einen Priester erhobenen Anschuldigungen falsch sind. Dann liege nicht der Tatbestand der Bespitzelung vor, sondern schlicht und einfach eine Verleumdung.

In diesem Fall sei die Verleumdung nicht zu fürchten. Denn da die Liturgie öffentlich ist, könne man leicht beweisen, daß die erhobenen Vorwürfe aus der Luft gegriffen wurden.

Die zweite Möglichkeit ergibt sich nach den Ausführungen von Pater Sala, wenn den zuständigen kirchlichen Stellen tatsächliche liturgische Mißbräuche weitergeleitet werden.

Auch in diesem Fall gebe es eine einfache Lösung.

Wer sich in der öffentlichen Liturgie der Kirche auf Experimente und Mißbräuche einlasse, könne sich nicht wundern, daß sein Handeln bekannt wird.

Wenn sich ein Priester eine solche Bekanntheit nicht wünsche, solle er darum besser auf liturgische Experimente verzichten, statt einen Prozeß gegen jene zu führen, die sein Tun an seine Oberen weiterleiten.
      
7 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#7   Laurentius2   18:37:05 | Donnerstag, 9. Juni 2005
Zurück zum Thema
An alle Modernis oder Ökumenis und alle brav-katholischen „et is doch alles nich so schlimm, wie die bösen Tradis sagen“ – Forumsteilnehmer
Bitte erklärt mir in nachvollziehbarer Weise folgende Fragen:
1. Ist es eine schwere Sünde, laufend und vorsätzlich sowie ohne priesterlichen Dispens dem Hl. Meßopfer (von mir aus auch Eucharistiefeier) fernzubleiben oder nicht ?
2. Ist es ein Sakrileg – also etwas, das Gott zutiest zuwider ist – mit schwerer Sünde (zB s.o. „1.“) wissentlich beladen zur Kommunion zu rennen oder nicht ?
3. Ist es schlimm, wenn beim herumfummelnden Weggehen, kleine bis mittelgroße Teilchen der Hostie auf den Boden fallen und anschließend vom nächsten Kommunikanten mit Straßenschuhen zertrampelt werden oder nicht ?
4. Falls Ihr nur eine der drei Fragen mit ja beantwortet, wie könnt Ihr die Praxis in unseren amtskirchlichen Gemeinden spirituell andauernd ertragen ?
Mit aufrichtiger Neugier
+
ganz unpolemisch
Laurentius
Redaktion benachrichtigen
#6   Marcel   08:34:00 | Donnerstag, 9. Juni 2005
Der Inhalt zählt
Herr Mrnka liegt mit seiner Aussage goldrichtig.
Was für ein Phantomkonrad schreibt denn da eigentlich, wo sich doch der letzte erst vor wenigen Tagen unüberhörbar aus dem Forum verabschiedet hat?
Redaktion benachrichtigen
#5   mrnka   05:36:57 | Donnerstag, 9. Juni 2005
Dr. Regazzoni
Was Dr Regazzoni in dieser Sache sagt, ist richtig. In diesem Zusammenhang ist es unerheblich, ob er Sedisvakantist ist.
Redaktion benachrichtigen
#4   Konrad   23:07:33 | Mittwoch, 8. Juni 2005
Dr. Regazzoni
ist kein Pseudonym, sondern ein echter „Sedisvakantist“. Bitte einschreiten Marcel!!
Redaktion benachrichtigen
#3   Agiafortuni   22:58:42 | Mittwoch, 8. Juni 2005
Zu den liturgischen Missbräuchen.
Johannes Paul II ist mit dem schlechten Beispiel vorangegangen als er am Eucharistischen Kongress in Bologna auf dem Altar zu tanzen anfing.
Auch Paul VI hatte offensichtlich vergessen, dass die wichtigsten Aufgabe der Liturgie in der Verherrlichung Gottes und nicht in der Veranstaltung von Volksfesten zu bestehen hat.
Redaktion benachrichtigen
#2   turnschuhfan   20:09:17 | Mittwoch, 8. Juni 2005
Kinder, was habt Ihr für Angst???
Da schreibt Fray X oder Herr Y an den Generalvikar und beschwert sich über Missstände in der Liturgie von Pfarrer Z. Der Generalvikar wird Pfarrer Z den Brief von Frau X bzw., Herrn Y zusenden und den Pfarrer um Stellungnahme birttén. Wenn er polemisch ist, kann der Pfarrer ihn’im Schaukasten aushängen. Dere Generalvikar weiss aber um die gute Arbeit von Pfarrewr Z und schreibt der Gemeinde, dass er den Brief unter „Kurioses aus der Gemeinde AB“ abglegt hat.
Redaktion benachrichtigen
#1   roemkath   16:39:02 | Mittwoch, 8. Juni 2005
Problematisch…
dürfte in erster Linie nicht das Melden liturgischer Missbräuche bei den Vorgesetzten sein, sondern die Art und Weise, wie dies geschieht. Ob ein anonymer an den Bischof adressierter Brief etwas bewirken kann, ist fraglich. Ohnehin landen solche Denunziationen in der Regel sofort in der Ablage Papierkorb.
Wer mit Brief und Siegel, das heißt mit seinem Namen zu seinem Recht (Liturgie nach den Normen der Kirche) steht, hat wohl größere Chancen, gehört zu werden. Ob dann solche Vergehen näher unter die Lupe genommen werden, hängt von den jeweiligen Bischöfen bzw. Liturgiereferenten in den Ordinariaten ab. Manche davon nehmen es selbst nicht so genau mit der Feier der Liturgie…
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
Liturgie„Die Lage ist ernster denn je“ LiturgieEin ganz normaler Sonntagsgottesdienst LiturgieGlaubwürdigkeitsproblem LiturgieNostalgie LiturgieEin Heiligtum für Freund Judas Iskariot? LiturgieWortreicher Rückzug in Würzburg LiturgieWorte und Wirklichkeit LiturgieWider den liturgischen Wildwuchs LiturgieBrief nach Rom LiturgieAußer es sei ein ganz reaktionärer Professor am Werk… LiturgieUnerwartet: Die Bistumsleitung verurteilt LiturgieNeueste Erkenntnisse zur Heiligen Messe: Es geht auch ohne die Wandlung LiturgieInterkommunion in der Schweiz: Der Glaube spielt keine Rolle LiturgieDie Fehlentwicklungen in der Liturgie begannen nicht mit dem Zweiten Vatikanum LiturgieBeerdigung mit Bierflasche: Liturgische Mißstände sprengen die Grenzen des Anstandes
RSS Feed  •  News Ticker  •  Werbebanner  •  Visitenkarte  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net