11:17:24 | Donnerstag, 19. Mai 2011
Die Bin Laden-Geschichte ist jetzt in Stein gemeißelt – immun gegen die Faktenlage. Von Dr. Paul Craig Roberts.

Propaganda-Photo des Weißen Hauses: Obama beratschlägt mit seinem Sicherheitsstaab die Tötung Osamas.
(kreuz.net/
antikrieg.com) Am 13. Mai hörte ich ein Dutzend Mal in den Medien, daß Osama Bin Laden von
den USA in Pakistan getötet worden sei.
Dreimal vernahm ich es im US-Kultursender NPR, zweimal im ‘Britischen
Rundfunk’ und bei jeder Fernseh- und Radiostation, die ich einstellte – sogar auf Sendern, die nur Rock&Roll-Musik
der 50er und 60er spielen.
Die Tötung Bin Ladens ist in die Legenden unserer Zeit eingegangen – ohne
Zweifel auch in die Geschichtsbücher.
Ich besitze eine Brücke in BrooklynDie US-Regierung ließ uns
in der Vergangenheit wissen, daß Saddam Hussein über „Massenvernichtungswaffen“ und „Verbindungen zu
al Qaeda“ verfügte.
Sie teilte uns mit, daß der Iran Atomraketen besitzt, die es erforderlich machen,
Rußland mit US-Raketenabwehrsystemen zu umstellen.
Doch jetzt hat uns die US-Regierung endlich einmal
die Wahrheit gesagt: Obama fand Osama.
Er ließ den offenkundig Unbewaffneten, der von zwei unbewaffneten
Frauen – nicht von al Qaeda, den „best ausgebildeten, gefährlichsten und bösartigsten Killern auf dem
Planeten“ – verteidigt wurde, in Unterwäsche umbringen.
Für jene, die das glauben, habe ich noch etwas:
Ich besitze in Brooklyn eine Brücke, die ich zu einem günstigen Preis überlassen kann.
Wir haben es
wieder einmal geschafftFür uns Proleten hat die US-Regierung eine neue Realität geschaffen.
Wir haben
wieder gewonnen.
Wir Anständigen haben den Übeltäter gefaßt, wie im Wildwestfilm.
Phantasie ist
besser als Fakten. Wir Guten schaffen es.
Das macht alle glücklich, sogar jene, die ihre Arbeit, ihre
Häuser und ihre Pensionen verloren haben.
Wer ist der nächste Übeltäter?So, und wer ist der nächste
Übeltäter?
Der US-Militärkomplex kommt ohne einen Übeltäter nicht aus.
Sonst besteht die Gefahr,
daß das Budget gekürzt wird und Milliarden Dollars an Profiten verlorengehen.
Ohne den Amerikanern
ein Haßobjekt vorzusetzen, kann die Show nicht weitergehen.
Die Heimatlandsicherheit teilt uns mit,
daß die nächsten Übeltäter „Extremisten im Inland“ sind.
Die CIA sagt, daß der Nachfolger Bin Ladens
uns Anständige terrorisieren wird, weil wir Bin Laden getötet haben.
Die neokonservativen Braunhemden
sagen, daß es Pakistan ist, das Bin Laden vor uns versteckt und ihn davor beschützt hat, daß der Gerechtigkeit
Genüge getan werden konnte.
Hillary Clinton sagt, daß es China ist. Während der Zusammenbruch der
US-Wirtschaft weitergeht, werden mehr und mehr Finger auf China zeigen.
Die Flughafensicherheit wird
mehr Babies abtasten, mehr Geschlechtsteile befühlen und mehr Flugpassagiere bestrahlen.
Keine Zukunft
ohne HaßfigurAber ohne Bin Laden werden wir uns sicherer und weniger gefährdet fühlen.
Das ist für
die US-Militärmaschine kontraproduktiv.
Obama hat einen fundamentalen Fehler gemacht.
Er tötete Emanuel
Goldstein (Bin Laden), die Haßfigur, die das Milliarden-Budget rechtfertigte, das wir verschleudert haben,
um ihn zu schnappen.
Erst, wenn die Heimatlandsicherheit, die CIA und das Weiße Haus bestimmen, wer
die neue Haßfigur zu sein hat, wird es mit uns wieder weitergehen.
Viele InteressenIch habe schon
früher darauf hingewiesen, daß Bin Ladens Tötung vielen verschiedenen Interessen dient.
Es haben sich
sogar Kreise darangehängt, die gar nicht an die Geschichte glauben.
Al Qaeda kann terroristische Handlungen
nicht länger für sich beanspruchen, ohne zu erklären, daß sie aus Rache für Bin Laden erfolgten.
Die Bin Laden-Geschichte ist jetzt in Stein gemeißelt, immun gegen die Faktenlage.
Was Bin Laden selber
sagte‘Global Research’ hat uns das letzte bekannte Interview mit Bin Laden zugänglich gemacht.
Es
erschien am 28. September 2001 in einer pakistanischen Tageszeitung.
Der ‘World Monitoring Service’ des
Britischen Rundfunks übersetzt es am 29. September 2001.
In dem Interview sagt Bin Laden:
„Ich habe
bereits gesagt, daß ich mit den Attacken am 11. September in den USA nichts zu tun habe […].
Jene,
welche die Tat des 11. Septembers begangen haben, sind keine Freunde des amerikanischen Volkes.
Ich habe
schon gesagt, daß wir gegen das amerikanische System sind, nicht gegen das Volk, und in diesen Attacken
wurden ja einfache Amerikaner getötet […].
Die Medien des Westens entfesseln eine dermaßen grundlose
Propaganda, die uns überrascht, die aber wiedergibt, wie es in ihren Herzen aussieht und wie sie Schritt
für Schritt selbst zu Gefangenen dieser Propaganda geworden sind […].
Terror ist die am meisten gefürchtete
Waffe der modernen Zeit.
Die Medien des Westens setzen sie gnadenlos gegen ihre eigenen Völker ein.“
Das ist antiamerikanischAber wer soll schon einem dämonisierten Bin Laden glauben, wenn das voraussetzt,
einem George W. Bush, Dick Cheney oder den Medien des Westens nicht Glauben zu schenken?
Wir wissen doch
alle, daß die US-Regierung nur das Beste für die einfachen Menschen im Sinn hat und ihnen immer die
Wahrheit sagt?
Wenn Sie das nicht glauben, sind Sie antiamerikanisch.
Dr. Paul Craig Roberts (72) war
beigeordneter Sekretär des US-Schatzamtes und Mitherausgeber der Tageszeitung ‘Wall Street Journal’.
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