11:07:15 | Samstag, 28. Mai 2011
Während der afghanische Widerstand wächst, sinken die USA weiter in das Grab der Weltreiche. Von Tom Judd.

Der afghanische Volkszorn gegen die Besatzung wächst.
© isafmedia, Flickr, CC(kreuz.net/
antikrieg.com) Tausende Einheimische gingen im Nordwesten Afghanistans zum zweiten Mal auf
die Straßen.
Sie protestierten gegen die jüngste Tötung von vier Menschen bei einem nächtlichen Überfall
durch NATO-Soldaten.
Ein Krieg gegen die BevölkerungViele Bewohner der 200.000-Seelen-Stadt Taloqan
im äußersten Norden des Lande und die lokale Polizei erklärten, daß die Getöteten unschuldig waren.
Dagegen behauptete die NATO, es hätte sich um bewaffnete Rebellen gehandelt.
Bisher stürmten die Demonstranten
eine Militärbasis und brannten eine Polizeistation nieder.
Die kriegsführenden Parteien des Westens
und ihre Medien haben behauptet, daß diese Proteste von Mitgliedern der Taliban vereinnahmt und infiltriert
worden seien.
Das ist zu bezweifeln. Beweise dafür gibt es keine.
Die westliche Schmutzkampagne dient
eher dazu, die Legitimität des Protestes in Frage zu stellen.
In Wirklichkeit geht die Wut der Afghanen
gegen die Besetzung ihres Landes so tief, daß Tausende bereit waren, zwei Tage hintereinander gegen die
Tötungen zu protestieren.
Der Volkszorn wächstIn Afghanistan kommt es häufig zu Demonstrationen.
Erst vor ein paar Tagen gab es in der nordöstlichen Grenzprovinz Nangarhar eine Protestaktion, weil ein
fünfzehnjähriger Junge bei einem Überfall auf ein Haus erschossen worden war.
Im vergangenen Monat
demonstrierten Zehntausende Menschen fünf Tage lang gegen die Verbrennung des Koran durch den Pastor
Terry Jones in Florida.
Bei diesen und vielen anderen Protestaktionen wurden Parolen gegen die Besetzung
gerufen. Es gab Angriffe auf UNO-Kräfte, Soldaten und Polizei.
Der Zorn der afghanischen Öffentlichkeit
wird der Tod der Besetzung sein.
Dieser öffentliche Zorn richtet sich nämlich gegen die Ermordung von
Zivilisten, die Auslöschung von Dörfern durch US-Luftangriffe, die Besetzung.
Das treibt die Widerstandsbewegung
an.
Die Taliban leben nicht im luftleeren RaumIn Artikeln über die Protestbewegungen wird laufend
gemeldet, daß Angriffe durch Aufständische viel mehr Zivilisten töten als die Überfälle und Bombenangriffe
der NATO.
Doch die Tötungen durch die NATO erzeugen in der Bevölkerung viel mehr Wut.
Widerstandsbewegungen
sind immer umfassender als die Kämpfer, die Gewehre haben und Sprengstoffangriffe durchführen.
Hinter
den 20.000 bis 25.000 Taliban-Kämpfern – und einigen weiteren bewaffneten Gruppierungen – stehen weitere
Tausende, die diese Kämpfer mit Unterkunft und Gebrauchsgütern unterstützen.
Sie lügen die Kräfte
der Koalition an, wenn sie in die Dörfer kommen.
Sie schauen weg, wenn Gefangene aus dem Gefängnis
entkommen.
Probleme mit den SoldatenDie USA sind nicht dabei, die Schlacht um die „Herzen und Hirne“
zu gewinnen. So viel ist sicher.
Darüber hinaus gehen auch Herzen und Hirne der Soldaten verloren, welche
die Besetzung Afghanistans durchführen.
Die psychologischen und physischen Schäden aus der Besetzung
und Barack Obamas Truppenaufstockung gehen tief.
Die Zahlen der Soldaten mit psychischen Problemen sind
so hoch wie noch nie.
Etwa zwanzig Prozent sind betroffen.
Rund achtzig Prozent von ihnen haben einen
Freund im Kampf sterben sehen.
Die Belastung, die auf den Soldaten lastet, ist gewaltig.
Die Überlebenden
tragen physische und geistige Wunden zurück in die Heimat.
US-Bestechungstaktik hat nicht funktioniert
Mit der verkündeten Ermordung von Osama bin Laden haben die USA und ihre dahinschwindenden Alliierten
eine Chance, sich aus Afghanistan zurückzuziehen.
Sie können mit einer Art Kampfziel-erreicht-Botschaft
den US-Amerikanern das Gefühl geben, daß alles nicht nur ein tragisch teurer Angriffskrieg war.
Es
sieht allerdings nicht so aus, als ob Washington diesen Weg einschlagen will.
Die von den Taliban angeführte
Widerstandsbewegung gewinnt, obwohl die USA 141 Millionen Dollar ausgegeben haben, um die Kämpfer zu
bestechen, ihre Waffen niederzulegen.
Dieser Ansatz war im Irak erfolgreicher, wo der Widerstand mehr
von Sekten gesteuert war und weniger die gesamte Öffentlichkeit umfaßte.
Doch in Afghanistan konnte
sich diese Taktik nicht durchsetzen.
Sogar Großbritannien – der immer gefügige Partner der USA – hat
begonnen, sich in Richtung Truppenabzug zu bewegen, obwohl die USA sich größte Mühe geben, das zu verhindern.
Während die Frühlingsoffensive der Taliban in Bewegung kommt, werden wir mehr vom Gleichen sehen –
mehr Tötungen durch die NATO, mehr Protestaktionen, und die USA, die immer tiefer in das Grab der Weltreiche
sinken.
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