09:30:06 | Montag, 30. Mai 2011
Seminaristen, die Freude an der Alten Messe gefunden haben, wechseln in andere Gemeinschaften: „Ich sehe die große Gefahr, daß das Ignorieren des Motu Proprios zu einem Ausbluten der Seminare führt.“

Viele Seminaristen haben Freude an der Alten Messe.
(kreuz.net) „Die deutschen Bischöfe halten sich mit direkter Kritik an der Alten Messe zurück.“
Das
erklärte der bekannte Pfarrer Henrick Jolie aus der Diözese Mainz am 20. Mai in einem Interview mit
der deutschen Webseite ‘katholisches.info’.
Die Bischöfe würden aber altliberale Liturgieprofessoren
vorschicken:
„Nicht wenige von ihnen haben derart fundamentale Kritik an der Alten Messe geübt, daß
sie ungewollt denen in die Hände spielen, die in der Neuen Messe einen »Bruch« in der liturgischen
Entwicklung unserer Kirche zu entdecken meinen.“
Hier könne man – so Hw. Jolie – mit Fug und Recht behaupten,
„daß sich die Extreme berühren.“
Altliberale Verteufelung der Heiligen MesseDer Alte Ritus wird –
so Hw. Jolie – von altliberalen Theologen als Symbol für einen übersteigerten Klerikalismus mit einer
überholten Opfertheologie hingestellt.
Jeder, der diesen Ritus feiert, gerate unter Generalverdacht:
„Wer die Alte Messe liebt, für den sind Laien Menschen zweiter Klasse.“
Die Altgläubigen hätten ein
„falsches, angsteinflößendes Gottesbild“.
Priester, die den Alten Ritus zelebrieren, würden sozial
und theologisch ins pastorale Abseits gestellt:
„In den Augen des theologischen Mainstreams huldigt er
einem Priesterbild, dessen Wurzeln in einer defizitären Persönlichkeitsstruktur anzusiedeln sind“.
Hw. Jolie hört diese Vorwürfe nach eigenen Angaben fast täglich:
„Was wollen Sie Kritikern dann entgegnen,
wenn Ihnen vorgehalten wird, sie wollten mit der Alten Messe doch nur Ihre persönlichen Defizite überspielen?“
Das altliberale Angst-RegimeHw. Jolie zeigt sich angesichts der fundamentalen Krise der Liturgie in
der Pfarrseelsorge – menschlich gesprochen – wenig optimistisch:
„Ich habe unmittelbar nach Veröffentlichung
der Instruktion in meinem Blog einen mir bekannten Seminaristen zitiert.“
Dieser hatte eine Einladung
zu einer Alten Messe mit den Worten zurückgewiesen, da könne er auf keinen Fall hingehen, weil schließlich
noch geweiht werden wolle:
„Kaum war diese Äußerung im Netz veröffentlicht, da meldeten sich weitere
Seminaristen bei mir, die genau diesen Eindruck bestätigten.“
Hw. Jolie zitiert aus einem Brief:
„Jene
Seminaristen, die Freude an der außerordentlichen Form fanden, haben das Seminar zu anderen Gemeinschaften
verlassen oder überlegen das zu tun. Ich sehe die große Gefahr, daß das Ignorieren des Motu Proprios
zu einem Ausbluten der Seminare führt. Momentan gibt es nur sehr wenige Priester, die diese Form öffentlich
feiern, und die es tun gelten als verrückt und bleiben Vikare.“
Die Altliberalen bei der Hexenjagd
Auch Hw. Jolie sieht sich persönlich einer regelrechten Hexenjagd ausgesetzt: „Ich leide weder unter
Verfolgungswahn noch lehne ich die Gültigkeit des neuen Ritus ab.“
In seinen Landpfarreien gibt es eine
„völlig normale Seelsorge mit Zeltlagern, Familiengottesdiensten und so weiter.“
Dennoch werde er mittlerweile
als Extremist verschrien, „der mit Antisemiten (= Piusbruderschaft) sympathisiert.“
Für die deutschen
Diözesen gelte nach wie vor das Wort des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger aus dem Jahre 2000:
„Wer
sich heute für den Fortbestand dieser Liturgie einsetzt oder an ihr teilnimmt, wird wie ein Aussätziger
behandelt; hier endet jede Toleranz.“
Rom muß endlich aufwachenFür Hw. Jolie wäre höchste Zeit,
daß den Römischen Behörden die Augen für diese Zustände in Deutschland aufgehen:
„Der Sprecher der
‘Deutschen Bischofskonferenz’ kann sich sonst weiterhin siegessicher zurücklehnen und behaupten, das
Interesse an der Alten Messe sei gering.“
Denn: „Solange Priester, die den Alten Ritus feiern, in ihren
Diözesen belächelt, mit Sanktionen belegt, sozial kaltgestellt oder als „Piusbruder“ verunglimpft werden
(und solange die Obrigkeit dazu schweigt), sehe ich der Zukunft mit gemischten Gefühlen entgegen.“
Hw.
Jolie sieht das Problem auch bei Benedikt XVI.:
„Solange der Papst Bischöfe ernennt, die für seine
liturgischen Anliegen außer Lippenbekenntnissen wenig übrig haben, liegt der Ball natürlich in gewisser
Weise auch wieder beim Heiligen Vater selbst.“
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