10:41:50 | Freitag, 3. Juni 2011
„Hätte ich eine katholische Schule besucht, wäre ich heute kein Katholik – und schon gar nicht Priester“

Kardinal Raymond Burke
© Screenshot, gloria.tv(kreuz.net) Ich bin mir gewiß, daß Ihnen, Eminenz, klar ist, daß ihre
Absage für uns ein gewaltiger
Schlag ist.
Gewiß respektieren wir Ihre Entscheidung, Ihren Vortrag bei unserem Kongreß zu annullieren.
Ich möchte dennoch einige Punkte vorbringen, die ich wohl bereits bei der Einladung hätte klarmachen
sollen.
Da Sie nicht in England wohnen, können sie über die traurige Situation hier nicht so im Bild
sein wie wir.
Altliberale HeckenschützenIch hätte Sie davor warnen müssen, daß es Versuche geben
wird, Sie davon abzuhalten, vor uns zu sprechen.
Das ist immer der Fall – manchmal von unerwarteter Seite.
Bisher waren wir zum Glück immer in der Lage, unsere Vortragenden zu halten.
Mutter Angelica, Professor
Alice von Hildebrand und andere respektierten unbeirrt ihre Verpflichtungen.
Aber wir verstehen, daß
Sie in einer anderen Position sind.
Dennoch möchten wir Ihnen versichern, daß wir immer einen großen
und gebührenden Respekt für das Bischofsamt haben.
Der Oratorianer, Pater Southwell, und so viele gute
junge Priester, würden nicht mit uns zusammenarbeiten, wenn das anders wäre.
Was immer man Ihnen auch
gesagt hat: Ein Vortrag für uns wird Sie nicht in Verlegenheit bringen.
Sogar das Opus DeiEs stimmt,
daß wir eine warnende Stimme sind, die deshalb beim Establishment nicht beliebt sein kann.
Sogar das
Opus Dei, das sehr eng mit den Bischöfen zusammenarbeitet und diese nie kritisiert, hat versucht, uns
zum Schweigen zu bringen.
Als ich bei unserer Konferenz im Jahr 1996 über die Probleme des Religionsunterrichtes
an katholischen Schulen sprach, sagte mir Hw. Peter Bristow, der bis zu diesem Zeitpunkt ein guter Freund
war, daß ich nie mehr über diese Probleme sprechen solle.
Das würde die Bischöfe ärgern und die
Kirche spalten.
Ich antworte ihm, daß ich der Meinung wäre, daß katholische Eltern zu warnen seien,
damit sie ihre Kinder schützen könnten.
Seit diesem Zeitpunkt gehen wir getrennte Wege. Das Opus Dei
schweigt über das, was der große Oratorianer, Pater Wilfrid Faber († 1863) vor hundert Jahren als „die
Sünde der Sünden“ beschrieb – „das abscheulichste Ding, auf das Gott in dieser bösen Welt herabschaut.“
Wir dagegen bringen das ans Licht, um die Leute vor dieser Gefahr zu warnen, damit sich vielleicht einmal
etwas ändert.
Diese Offenlegung trug insofern Früchte, als gute Eltern unsere Warnungen in den letzten
Jahrzehnten beachteten und katholische Schulen vermieden haben.
Deshalb besitzen wir heute einige gute
Priester und Laien.
Ein ausgezeichneter junger Priester sagte mir: „Hätte ich eine katholische Schule
besucht, wäre ich heute kein Katholik – und schon gar nicht Priester.“
Zurechtweisung ist ein Gebot
der LiebeDiese kostbaren Früchte wiegen unseren Mangel an Popularität auf, obwohl es nicht angenehm
ist, unpopulär zu sein.
Die einzige Alternative wäre ein Schweigen über die falsche Katechese, die
jährlich 97 Prozent der Absolventen katholischer Schulen von der Kirche wegführt, und ein Schweigen
über die
Homo-Messen mit ihren sakrilegischen Kommunionen.
Wir glauben, daß das falsch wäre.
Wir
müssen uns daran erinnern, daß der Heilige Thomas von Aquin sagt, daß „die Zurechtweisung sogar eines
Bischofs durch seine Untergebenen, ein Gebot der Liebe ist“.
Sie wissen besser als ich, Eminenz, daß
Kanon 212 des Kirchenrechtes diese Zurechtweisung eine „Pflicht“ nennt.
Viele treue und fromme Katholiken
warten auf den KardinalWir sind über die „verschiedenen frommen und treuen Katholiken“, die sich wegen
Ihres Vortrags vom 18. Juni Sorgen machen, sehr verwundert.
Ich hätte erwartet, daß Sie sich über
Ihr Kommen freuen, so wie sich einige hundert wirklich fromme und treue Katholiken freuen, die bereits
eine Eintrittskarte gekauft haben und die sehr darauf warten, Ihren Vortrag zu hören.
Natürlich sind
sie nicht alle Unterstützer von ‘Pro Ecclesia et Pontifice’. Aber unter ihnen gibt es eine große Zahl
junger Laien und auch sehr viele unserer ausgezeichneten jungen Priester.
Sie werden sich daran erinnern,
welch herrlicher Erfolg der Papstbesuch im vergangenen September war und wie die jungen Leute darauf positiv
reagierten.
Wegen Ihrer Stellung als enger Mitarbeiter des Heiligen Vaters hofften wir, daß Sie darauf
aufbauen und diesen Menschen noch mehr helfen würden.
Gegenwärtig sind Sie in der idealen Position,
das zu tun, weil Sie von diesen Menschen so bewundert werden.
Ich hoffe, daß sich das nicht ändern
wird, wenn das Schlimmste geschehen würde und diese Menschen erfahren müßten, daß Sie letztlich nicht
kommen werden.
Ist es falsch, vor Gift zu warnen?Wir geben gerne zu, daß wir Fehler machen. Aber wir
achten darauf, nie Einzelpersonen anzugreifen.
Allerdings weisen wir auf wirklich ernsthafte Fehler und
Unterlassungen in den offiziell approbierten Schulbüchern für den Religionsunterricht hin, weil diese
in den Seelen der Kinder und Jugendlichen so viel Schaden anrichten.
Wie Sie, Eminenz, das auch selber
machen, rufen wir manchmal Bischöfe allgemein auf, Rechenschaft für die Genehmigung (gewöhnlich über
einen delegierten Zensor) und die Durchsetzung des Gebrauchs dieser Schulbücher zu geben, für die sie
die Verantwortung tragen.
Denn wenn wir wüßten, daß ein Arzt seinen Patienten Gift verabreicht, würden
wir hoffentlich auch den Mund aufmachen.
Die falsche Lehre ist Gift für die Seelen der Kinder, wie wir
von den vielen wissen, deren Glaube zerstört wurde.
Zuviel Wahrheit?Ich bedaure das Flugblatt, das
die Bischöfe beleidigte. Es war, obwohl es nichts als die reine Wahrheit sagt, deutlicher formuliert
als nötig.
Das Flugblatt wurde von einem Mitglied des Vorstandes geschrieben. Aber ich habe es genehmigt.
Jetzt sehe ich, daß ich das nicht hätte tun sollen.
Das Problem besteht darin, Eminenz, daß ich 83
Jahre alt bin.
Ich werde also nicht mehr lange unter den Lebenden weilen.
Weil meine früheren Weggefährten
alle verstorben sind, habe ich junge Vorstands-Mitglieder. Ich versuche, sie vorzubereiten, die Vereinigung
zu übernehmen.
Dabei lasse ich sie so viel machen wie möglich, und ich ermutige sie, ohne zu kritisch
zu sein.
Aber das war ein Fehler und soll wiedergutgemacht werden.
Der Zorn von Kardinal Joseph Ratzinger
Um die Dinge in den richtigen Zusammenhang zu stellen: Vielleicht muß daran erinnert werden, daß sich
unsere Vereinigung seit vierzig Jahre für eine angemessene Katechese in unseren Schulen bemüht hat.
Darum ist unser Geduldsfaden vielleicht etwas dünn geworden.
Das ist ein Thema, das Katholiken sehr
am Herzen liegt, welche die Muttergottes und die Lehren Christi lieben.
Ich erinnere mich, als wir dem
gegenwärtigen Papst ein englisches Schulbuch für den Religionsunterricht in die Glaubenskongregation
brachten.
Er wurde darüber richtig zornig, hob es drei Mal über seinen Kopf und knallte es auf den
Tisch.
Dabei sagte er: „Es gibt eine Häresie auf jeder Seite. Wie kann dieses Buch ein Imprimatur bekommen
haben?“
Wenn man die Wahrheit wirklich liebt, wie man sollte, dann wird man es hassen, daß sie durch
Häresien ersetzt wird.
Dieses Buch wird – nebenbei gesagt – trotz unserer Anstrengungen in den katholischen
Schulen des ganzen Landes immer noch für den Religionsunterricht bei Fünfzehnjährigen verwendet.
Die
Rechnung bezahlen die LaienSie erwähnen in Ihrem Schreiben die Auslagen, die wir in diesen Anlaß investiert
haben und die natürlich sehr beträchtlich sind.
Unter den Kosten ist die Miete für den Saal und das
Abendessen in einem sehr guten Restaurant, in dem der Vorstand Sie und einige hervorragende junge Priester
bewirten wollte.
Wir haben auch eine Reihe Zeitungsinserate aufgegeben, die wir mit den Einnahmen für
die Eintrittskarten zu bezahlen hofften.
Wenn wir das Geld für die Eintrittskarten zurückschicken müssen,
haben wir diese Summe nicht mehr vorrätig.
Ich sorge mich auch um die große Zahl von Katholiken, die
von Schottland, Wales und sogar Irland kommen wollten. Sie haben ihre Zug- oder Flugtickets gebucht und
auch für Hotelzimmer bezahlt, die in London mitten in der Touristenzeit nicht billig sind.
Dieses Geld
werden sie leider nicht zurückerhalten.
Der falsche Vortrag?Ich frage mich, ob der von ihnen selber
gewählte Titel ihres Vortrages – „Die Wiederherstellung der kirchlichen Disziplin und Evangelisation“ –
einer der Gründe für den gegenwärtigen Widerstand ist.
Wenn Sie Ihre Entscheidung, den Vortrag abzusagen,
revidieren, wäre es vielleicht eine gute Idee, Ihrem Vortrag einen anderen Titel zu geben.
Ich hoffe,
daß Sie nicht denken, daß ich kritisch bin.
Wir waren von dem Titel und Inhalt alle begeistert. Besonders
die jungen Leute begrüßten ihn.
Viele wollten genau darum kommen, weil man Sie genau darüber hören
wollte.
Sie werden offensichtlich und zurecht von diesem Problem umgetrieben.
Aber wenn es um die Erneuerung
der kirchlichen Disziplin geht, wird das einige Bischöfe und Erzbischöfe unvermeidlicherweise verärgern.
Denn diese ziehen es vor, ihren eigenen Weg ohne Einflußnahme der römischen Autoritäten zu gehen.
Den Schritt überdenkenBisher haben wir niemanden über ihre Pläne, den Vortrag abzusagen, informiert.
Nur der Vorstand weiß es.
Wenn Sie – wie wir alle beten – diesen Schritt noch einmal überdenken und
die Entscheidung fällen, daß ihr Gewissen es nicht erlaubt, so viele Katholiken in diesem späten Augenblick
hängenzulassen, dann wird niemand erfahren, daß sie je daran gedacht haben, ihr Kommen in Frage zu stellen.
Wenn Sie glauben, daß einige von uns in unseren „brüderlichen Zurechtweisungen“ zu weit gehen, dann
haben Sie vielleicht die brüderliche Pflicht zu kommen und uns zum Wohl unserer Seelen und zum Wohl der
Kirche zurechtzuweisen.
Wir haben die beiden Londoner Erzbischöfe und Kardinal Keith O’Brien von Schottland
eingeladen, Sie zu hören.
Leider waren alle zu dem Zeitpunkt bereits verhindert.
Kardinal O’Brien wird
in Rom Diakone für das Collegio Beda weihen.
Er bat uns, Ihnen die besten Glückwünsche zu überbringen.
Ich leite Sie Ihnen jetzt schon weiter für den Fall, daß ich Sie nicht sehen sollte.
Wie weiter?Ich
wollte Ihnen nicht so lange schreiben, Eminenz.
Aber ich mußte Sie ins Bild setzen, da sie auf genannte
„treuen und frommen Leute“ gehört haben, ohne uns die Chance zu geben, uns zu verteidigen, und da Sie
diese verhängnisvolle Entscheidung in letzter Minute trafen, was uns wirklich in Schwierigkeiten bringt.
Könnten Sie mir empfehlen, was ich tun soll.
Zu diesem Zeitpunkt haben wir die Verpflichtung übernommen,
für den Saal 4.000 Pfund und für das Essen 1.000 Pfund zu bezahlen.
Wo werden wir das Geld für diese
Rechnungen herbekommen, wenn ich das Geld für die Eintrittskarten zurückbezahlen muß?
Wir sind keine
reiche Vereinigung, und es bereitet mir Sorgen, daß mein Name auf den Verträgen steht.
Bitte übermitteln
Sie mir ihre endgültige Entscheidung bis morgen, erster Juni, um 10.00 Uhr.
Ich habe eine Anzeige gebucht,
die mit „ABGESAGT“ überdruckt werden muß, wenn Sie wirklich nicht kommen.
Die Zeitung kann oder will
die Anzeige nicht zurückhalten, aber sie kann diese Änderung bis morgen 10.00 Uhr noch vornehmen.
Ich
hoffe und bete, daß Sie mir mitteilen, daß Sie sich diese Sache noch einmal überlegt haben.
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