19:44:52 | Samstag, 11. Juni 2011
Was ist der Grund, warum sich der ehemalige US-Präsident George W. Bush bei der Vorstellung seiner Memoiren nicht nach Europa getraute? Von Eric Walberg.

US-Präsident George W. Bush mit dem Mediengiganten und Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg,
im Jahr 2005.
© gothamgazette.com, Wikimedia, CC(kreuz.net/
antikrieg.com) Ratko Mladic war der vom ‘Internationalen Tribunal für das ehemalige Jugoslawien’
meistgesuchte Flüchtling.
Er wurde kürzlich nach sechzehn Jahren Flucht verhaftet.
Mladic kommandierte
die Armee der damaligen Republika Srpska von 1992 bis 1996.
Als solcher wurde er vom ‘Internationalen
Tribunal’ nach der Einnahme der Stadt Srebrenica in Ostbosnien im Juli 1995 angeklagt.
Richter Richard
Goldstone beschuldigte ihn, von 1992 bis 1995 Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen
und Gesetze und Praktiken der Kriegsführung verletzt zu haben.
Die gleiche Anklage wurde auch gegen
Radovan Karadzic erhoben, der damals Präsident der Republika Srpska war.
Der HintergrundAb Mai 1992
übernahmen bosnisch-serbische Kräfte unter Mladics Kommando die Kontrolle über die frisch ausgerufene
serbische Republik Bosnien und Herzegowina, die sich Republika Srpska nannte.
Tausende Muslime flüchteten
aus dem Gebiet dieser Republika in die von der Regierung von Bosnien und Herzegowina kontrollierten Gebiete –
zum Beispiel nach Srebrenica oder nach Sarajewo.
Im Jahr 1995 wurden auch diese Gebiete angegriffen und
dabei 8.000 hauptsächlich muslimische Bosniaken getötet.
Die kleinen Gauner hängt manDas ‘Internationale
Tribunal’ hat wegen dieser Vorfälle bereits Serben verurteilt.
Im Jahr 2001 erhielt Mladics Stellvertreter
Radislav Krstic 46 Jahre Gefängnis, die später auf 35 reduziert wurden.
Im Jahr 2002 wurde Biljana
Plavsic zu 11 Jahren verurteilt.
Der Ex-Präsident Serbiens Slobodan Milosevic starb im Jahr 2006 während
des Verfahrens gegen ihn.
Momcilo Krajisnik wurde im Jahr 2008 zu 20 Jahren verurteilt.
Karadzic wurde
2008 in Belgrad verhaftet. Sein Verfahren begann 2009.
Er weigert sich, die Rechtmäßigkeit des Gerichts
anzuerkennen oder einen Antrag zu stellen und behauptet, Opfer einer Verschwörung zu sein.
Die großen
Gauner spielen RichterBei der Zersplitterung Jugoslawiens wurden Verbrechen begangen, wie sie bei Bürgerkriegen
typisch sind.
Die Anführer der bosnischen Serben sind allerdings nur Bauern in einem geopolitischen
Schachspiel auf dem Balkan.
Die Haupttäter saßen in den europäischen Hauptstädten und in Washington.
Milosevics Verteidigung ist bereits Gegenstand von Legenden.
Karadzic bezeichnete das Tribunal als ein
„NATO-Gericht“, das sich als Gerichtshof der internationalen Gemeinschaft präsentiert.
Die US-israelischen
TäterMan kann einmal davon absehen, daß diese Verfahren von den Siegern inszenierte Schauprozesse
sind.
Denn selbst wenn das ‘Internationale Tribunal’ wirklich unparteiisch wäre, bliebe dennoch die
Tatsache, daß ähnliche Anklagen wie gegen Mladic und Karadzic problemlos auch gegen den ehemaligen US-Präsidenten
George W. Bush vorgebracht werden könnten.
Anklagepunkte wären „Verstöße gegen die Gesetze und Praktiken
der Kriegsführung“ sowie die Führung eines illegalen Krieges gegen den Irak.
Ägyptens Mohamed ElBaradei
hat das in seinen Memoiren oder vor dem US-Fernsehen auch getan.
Er verlangte tapfer, daß gegen Vertreter
der Bush-Regierung internationale Strafverfahren wegen der „Schande eines unnötigen Irak-Krieges“ eingeleitet
würden.
Mladic wird wegen ethnischer Säuberungen und Tötungen „aus politischen, rassistischen und
religiösen Gründen“ verfolgt.
Ebenso sollte die gesamte politische Elite Israels der letzten sechs
Jahrzehnte aufgrund eklatanter ethnischer Säuberungen „aus politischen, rassistischen und religiösen
Gründen“ verfolgt werden.
George W. Bush traut sich nicht nach EuropaViele Europäer und sogar einige
US-Amerikaner haben Zivilverfahren gegen israelische und US-amerikanische Politiker und Offiziere angestrengt.
Es ist bemerkenswert, daß sich Bush während der Werbekampagne für seine Memoiren „Decision Points“
fern von Europa hielt.
Trotzdem wird es wohl keinen internationalen Strafgerichtshof für die USA oder
für Israel geben.
Hans Blix war der Leiter des UN-Inspektionsteams für die Untersuchung der Existenz
von irakischen Massenvernichtungswaffen. Er antwortete auf die Frage, ob der frühere britische Premierminister
Tony Blair wegen Kriegsverbrechen vor Gericht gestellt werden könnte:
„Ja, das ist möglich. Wird aber
eher nicht der Fall sein.“
Blix machte letztes Jahr vor einem britischen Untersuchungsausschuß Aussagen
über die Widerrechtlichkeit des Irak-Krieges.
Doch das blieb ohne Folgen.
Versuche, ein Amtsenthebungs-Verfahren
gegen Bush einzuleiten, wurden ebenso vom US-Kongreß abgeschmettert.
Dennoch werden gegen einfache palästinensische,
irakische oder westliche Bürger weiterhin Verhaftungen veranlaßt oder rechtliche Schritte eingeleitet –
zumindest bis zionistische Kräfte in Europa eine Gesetzgebung durchgeboxt haben, welche die Verbrecher
beschützt, so wie es derzeit in Großbritannien geschieht.
Im Vergleich zu Israel verblassen Mladics
VerbrechenIn der Anklageschrift steht, daß Mladics Kräfte über 200 UNO-Mitarbeiter als Geiseln behielten
und verhafteten, „um weitere Luftangriffe von den Gebieten abzuwenden, in denen die Geiseln festgehalten
wurden.“
Doch was ist mit den Dutzenden von Israel beschossenen und getöteten UN-Friedenssoldaten, die
seit dem Jahr 1948 die von Israel entzündeten Brandherde unter Kontrolle zu bringen versuchen?
Als Israel
im Jahr 1967 in Ägypten einmarschierte, töteten israelische Bomber 14 UNO-Friedenssoldaten.
In der
Anklageschrift gegen Mladic heißt es: „Einige der Geiseln wurden in der Gefangenschaft beschimpft und
anderweitig schlecht behandelt.“
Ich bin mir sicher, daß die von Israel getöteten UN-Friedenssoldaten
es bevorzugt hätten, „beschimpft und anderweitig schlecht behandelt“ zu werden.
Wie würde eine vergleichbare
Anklage gegen die USA und Israel lauten?
ElBaradei schätzte, daß Hunderttausende Iraker unnötigerweise
durch die US-Invasion getötet wurden.
Israel hat Hunderttausende Palästinenser ethnisch gesäubert,
Zehntausende getötet und mehrere Zehntausend als politische Gefangene eingesperrt und gefoltert.
Im
Vergleich dazu verblassen Mladics Verbrechen.
Die USA und Israel entziehen sich der RechtsprechungDas
‘Internationale Tribunal’ ist ein Ad-Hoc-Gericht.
Es wurde vom UN-Sicherheitsrat im Jahr 1993 mit Berufung
auf den Nürnberger Gerichtshof abgesegnet.
Das Gericht fungiert zusammen mit dem ‘Internationalen Strafgerichtshof’.
Dieser wurde bereits im Jahr 1919 vorgeschlagen, aber erst im Jahr 2002 nach dem Ende des Kalten Krieges
beschlossen.
Seither untersucht der ‘Internationale Gerichtshof’ Verbrechen gegen die Menschlichkeit
oder illegale Kriege in Ländern, wo es Gerichte gibt, die das wünschen.
Angesichts der Unfähigkeit
der USA und Israels, sich ihren Verbrechen zu stellen, wäre daher der ‘Internationale Gerichtshof’ die
geeignete Einrichtung, US-Amerikaner und Israelis zu verfolgen.
Aber diese sind zu ihrem Vorteil keine
Mitglieder des ‘Internationalen Strafgerichtshofs’ – im Gegensatz zu den Ländern Südamerikas, halb Afrika,
ganz Europa und sogar der Palästinenserbehörde.
Die USA erpressen StraffreiheitDie USA haben – wo
es möglich war – jedes Land erpreßt und gedrängt, sogenannte Artikel 98-Vereinbarungen zu unterzeichnen.
Diese zielen darauf ab, US-Bürgern in diesen Ländern Immunität gegenüber den Anklagen des Weltgerichtshofs
zu gewähren.
Im Jahr 2003 stellten die USA ihre Militärhilfe an 35 dagegen verstoßende Länder ein –
darunter neun europäische Länder.
Im Jahr 2005 wurde Angola das hundertste Land, das sich dem Druck
der USA beugte.
‘Amnesty International’ und der Rechtsdienst der Europäischen Kommission sagen, daß
diese Abkommen keine Gültigkeit haben.
Bis jetzt hat es allerdings niemand gewagt, diese Ansicht auf
die Probe zu stellen.
Bis heute hat der ‘Internationale Gerichtshof’ ganze sechs Verfahren in Gang gebracht –
alle in Afrika.
Das letzte richtete sich gegen Libyen oder gegen das, was davon nach über zwei Monaten
NATO-Bombardierungen noch übriggeblieben ist.
Die Täter als AnklägerDie NATO-Staaten unter der Leitung
von Frankreich und Großbritannien einen eindeutig illegalen Krieg gegen Libyen.
Doch der ‘Internationale
Gerichtshof’ ermittelt bizarrerweise nicht gegen diese, sondern gegen Muammar Gaddafi und seinen Sohn
Saif Al-Islam – die Opfer der verbrecherischen Invasion der Europäer.
Das geschieht ungeachtet der herzlichen
Beziehung zwischen Großbritannien, Frankreich und den glücklosen Gaddafis, die noch vor wenigen Monaten
andauerten.
Der ‘Internationale Gerichtshof’ ist eher der Kettenhund des Imperiums als dessen Gewissen.
Von Weltgewissen kann man schon gar nicht reden.
Die Antwort lautet neinElBaradei äußerte sich zum
Irak, obwohl er genauso von der Zerstörung Jugoslawiens oder Palästinas hätte reden können:
„Verfügen
wir als Gemeinschaft von Nationen über die Klugheit und den Mut, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen,
um zu gewährleisten, daß es nie mehr zu einer derartigen Tragödie kommt?“
Es ist traurig, aber die
Antwort lautet nein.
Ebenfalls unter UNO-Schirmherrschaft versuchte [der jüdische] Richter Goldstone,
Israel nach dessen
Gaza-Überfall im Jahr 2009/2010 vor Gericht zu bringen.
Die Sache endete damit, daß
Goldstone nach einem weiteren illegalen Krieg der USA und Israels – dieses Mal war es ein Krieg der Worte
gegen einen sich angeblich „selber hassenden Juden“ schnell Deckung suchte.
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