11:13:16 | Montag, 20. Juni 2011
Der Protestantismus ist ein Sack ohne Inhalt. Wenn ein evangelischer Laienbischof redet, gibt es darum nur zwei Themen: die Mitte-Links-Tagespolitik und die Katholische Kirche.

Heinrich Bedford-Strohm auf einem Pressebild der bayerischen Landeskirche.
(kreuz.net) Im April 2011 wurde Genosse Heinrich Bedford-Strohm (51) zum Laienbischof der Evangelisch-Lutherischen
Kirche in Bayern gewählt.
Der Genosse unterrichtete bisher in Bamberg Systematische Theologie und Theologische
Gegenwartsfragen. Er stammt aus einem evangelischen Pfarrhaus.
Ein Frauen-QuotlerNach seiner Wahl gab
Bedford-Strohm der ‘Süddeutschen Zeitung’ ein aufschlußreiches Interview.
Weil Glaubens- und Sittenfragen
im Protestantismus bedeutungslos sind, ging es in dem Interview vor allem um eine Mitte-Links-Tagespolitik.
Artig erklärt der Genosse, daß er sich mehr Frauen im evangelischen Laienbischofs-Amt wünsche.
Er
werde Frauen auch bei künftigen Personalentscheidungen „besonders berücksichtigen“.
Prompt mußte sich
Bedford-Strohm von dem ihn interviewenden Journalisten anhören: „Sie hören sich fast an wie Ministerpräsident
Horst Seehofer.“
Seehofer hat in der CSU gerade das Jahr der Frau ausgerufen.
Die gleiche Taktik für
die CSU und den IslamBedford-Strohm glaubt an nichts.
Schließlich ist er schon als Schüler in die
SPD eingetreten.
Aber er habe sich „nie Scheuklappen aufgesetzt“ – relativiert er auch sein Genossentum
und gibt sich paritätisch:
Er freue sich, daß der frühere bayrische CSU-Ministerpräsident Günther
Beckstein evangelischer Synodale sei.
Es gebe in der CSU „eindrucksvolle, sozial denkende Menschen“ –
wickelt er um den Finger: „Die werde ich stärken, wo immer ich nur kann.“
Mit den Muselmanen will der
Genosse auch so umgehen: Er möchte jene von ihnen stärken, „die sich für einen liberalen, demokratiefreundlichen
Islam einsetzen.“
Was sind die Kernthemen des Christentums?Dann wird’s langweilig. Auf die Frage, warum
man heute Christ sein soll, antwortet Bedford-Strohm einfallslos:
„Wer die Frage nach dem Glück stellt,
der stößt auf die Kernthemen des christlichen Glaubens: Dankbarkeit, soziale Beziehungen, Nächstenliebe,
Vergebung.“
Auf die Frage „Macht Christsein glücklich?“ sagt er vorsichtshalber: „Christsein ist kein
Rezept fürs Glücklichsein.“
Dann dreht er sich dialektisch ein bißchen in die andere Richtung:
„Ich
glaube aber, daß Menschen, die sich auf den Glauben einlassen, Stärkung erfahren, auch in schweren Tagen.“
Sorgfältig vermeidet er es, konkret zu werden: „Die Menschen merken, daß diese tiefe Erfahrung mehr
trägt als der schnelle Kick.“
Kirche ist mehr als ein schönes WortWeil das Gespräch immer belangloser
wird, sucht die ‘Süddeutsche’ Rettung im katholischen Kick.
Die Frage: „Welches Verhältnis haben Sie
zum Vorsitzenden der bayerischen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx?“
Die Antwort: „Persönlich
ein sehr gutes. Auch in den sozialethischen Fragen sehe ich große Übereinstimmung.“
Die ‘Süddeutsche’
sucht verzweifelt nach Griffigerem: „Wie selbstbewußt sollte ein evangelischer Landesbischof gegenüber
seinen katholischen Amtsbrüdern auftreten?“
Genosse Bedford-Strohm versteckt sich hinter Parteisprache:
Der Ökumenismus sei nur dann Ökumenismus, wenn er „auf Augenhöhe“ geschehe – winselt er:
„Beide Kirchen
müssen von sich sagen können, Kirche im eigentlichen Sinne zu sein.“
Das theologische Problem bleibt
unerkannt: Wenn der Genosse „Kirche“ sein will, muß er auch das akzeptieren, was Kirche konstituiert.
Denn die Kirche ist mehr als nur ein schöne Leerformel.
Jetzt muß der böse Katholik herDie ‘Süddeutsche’
versucht den weichgespülten Genossen mit Bischof Gerhard Ludwig Müller von Regensburg in Fahrt zu bringen.
Dieser wolle mit den Protestanten nur dann das Lutherjahr feiern, wenn der „fromme und nicht der revolutionäre“
Luther im Mittelpunkt stünde, zündelt die Zeitung.
Der Laienbischof bleibt ruhig. Er gehe als Lernender
in diese Gespräche:
„Vielleicht habe ich ja tatsächlich die vor-protestantischen, katholischen Aspekte
Luthers bisher übersehen.“
Dann zaghaft: „Wir könnten uns da aber auch streiten.“
Aber er tut es nicht.
Die ‘Süddeutsche’ muß nachhaken:
„Was nützt es, wenn nur die Evangelischen lernbereit sind, aber
die Katholiken nicht?“ – beschwört das Blatt den bösen Katholiken.
Genosse Bedford-Strohm bleibt unberührt:
„Wenn es, in welcher Konfession auch immer, Blockaden bei der Lernbereitschaft gibt, werden wir sie durch
Offenheit überwinden.“
Er fügt eine Tautologie an: „Und wer sich nicht daran beteiligt, schließt sich
selber aus.“
Weltfremder ProtestantismusDie ‘Süddeutsche’ fragt Bedford-Strohm, was man von den vielen,
die „mit Kirche“ nichts zu tun haben wollen, lernen könne.
Verständnisvoll antwortet er: „Einiges.“
Denn: „Ich glaube, daß wir Glauben und soziale Gerechtigkeit stärker verknüpfen müssen.“
Die protestantische
Flucht aus der Glaubensleere in ein Mitte-Links-Politik steht also erst am Anfang.
Der Genosse zitiert
den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer († 1945):
„Die Gotteswirklichkeit kann ich nur verstehen,
wenn ich mich ganz in die Weltwirklichkeit hineinbegebe.“
Und umgekehrt: Die protestantische Entfernung
von der Gotteswirklichkeit zeigt, wie weit sich die Jünger Luthers von der Welt entfernt haben.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.