Schweiz
Wie man aus einem Notfall einen Normalfall macht
Die Laienpredigt sei etwas „sehr Wichtiges“ – meinte kürzlich ein Schweizer Weihbischof – umso mehr, als die Laientheologen in den letzten dreißig Jahren „sehr gut“ ausgebildet worden seien.
(kreuz.net, Chur) Mons. Paul Vollmar, Weihbischof von Chur und Generalvikar in Zürich, nahm kürzlich auf eindeutige Weise zu einigen zweideutigen Reizthemen der Schweizer Seelsorge Stellung.

Die Stadt Chur befindet sich in der Südostschweiz. Sie ist der Sitz des gleichnamigen Bistums, zu dem die Stadt Zürich gehört.

Das Interview mit dem Weihbischof erschien in der neuesten Ausgabe der Züricher reformierten Quartalsschrift „notabene – Notizen aus der Zürcher Landeskirche“.

Der reformierte Journalist erkundigte sich beim Weihbischof zunächst, ob ihm die Laienpredigt „ein besonderes Anliegen“ sei.

„Ja“ – antwortete Mons. Vollmar ohne Umschweife. Die Laienpredigt sei in der Schweiz etwas sehr Wichtiges.

Ohne die Laienpredigt wären die Priester – nach Ansicht des Weihbischofs – überfordert: „Ich bin wirklich der Meinung, daß die Verkündigung sowohl von Priestern als auch von den Laientheologen gemacht werden soll.“

Die Laientheologen seien in den letzten dreißig Jahren sehr gut ausgebildet worden, begründet der Weihbischof seine Meinung.

Was für Erfahrungen er bei der Begegnung der Schweizer Bischöfe mit dem damaligen Kardinal Ratzinger beim Ad-Limina-Besuch im vergangenen Februar gemacht habe.

Er habe mit dem heutigen Papst Benedikt XVI. über die Situation des Priestermangels und über die Laienpredigt gesprochen, antwortet Mons. Vollmar.

Die Reaktion des damaligen Präfekten der Glaubenskongregation sei bemerkenswert gewesen:

„Kardinal Ratzinger sagte: »Ja, Bischof Vollmar, ich verstehe Ihre Situation.« Er wisse um dieses Problem und begreife die offene Haltung der Schweizer Bischofskonferenz in der Frage der Laienpredigt.“

Neben dem für die Ökumene verantwortlichen Kurienkardinal Walter Kaspar habe Kardinal Ratzinger die Schweizer Bischöfen am stärksten ermutigt, „vorwärts zu gehen“.

Doch der damalige Präfekt der Glaubenskongregation habe eine bedeutsame Einschränkung gemacht und erklärt, daß aus dem Notfall kein Sonderfall werden dürfe.

Der neue Papst werde noch alle überraschen, meinte der Weihbischof: Er sei sich dessen sicher und hege große Hoffnungen. Benedikt XVI. werde einen von Mons. Vollmar georteten „innerkirchlichen Problemstau“ lösen.

„Das Verhältnis zwischen der Universalkirche und den Ortskirchen, die Fragen der Ökumene – da muß vieles überdacht und geklärt werden.“

„Ich würde mit Hans Küng sagen, seien wir fair und lassen wir uns überraschen…“

Anschließend kommt Mons. Vollmar auf die sogenannte Interkommunion zu sprechen. In der Schweiz wird der Leib Christi in der Regel ohne Rücksicht auf den Glauben des Empfängers gereicht.

Er sehe zwei Ebenen – setzt der Weihbischof an – und zieht eine scharfe Trennlinie zwischen Theologie und Praxis.

Die erste Ebene sei jene der offiziellen kirchlichen Verlautbarungen. Dort werde die heilige Kommunion – unter anderem – als das äußere Zeichen der kirchlichen Einheit verstanden.

Da diese Einheit der Kirchen noch nicht existiere, dürften konfessionsverschiedene Christen das Abendmahl – wie sich der Weihbischof ausdrückt – leider noch nicht gemeinsam feiern.

Eine andere Ebene sei der seelsorgliche und persönliche Bereich.

Er denke hier an Mischehen. In dieser Situation solle – so der Weihbischof und Generalvikar – die einzelne Person selbst entscheiden, ob sie den Empfang der Kommunion mit ihrem Gewissen vereinbaren kann.

„Wir sind mündige Christen. Ich überlasse jedem und jeder den Entscheid zum Empfang der Kommunion.“

Auf die Frage seines Gegenübers, ob der Empfang der heiligen Kommunion durch Nichtkatholiken konkret „erwünscht“ sei, erklärt Mons. Vollmar:

Er könne nicht offiziell sagen, daß alle zum Tische des Herrn geladen seien: „Für mich ist es aber immer großartig, wenn jemand zur Eucharistie kommt. Denn ich bin sicher, daß diese Person weiß, was sie macht.“

Auch die Kardinäle, mit denen er gesprochen habe, hätten nie jemanden abgelehnt.

Im Einzelfall gehe es immer um eine seelsorgliche Haltung und um einen menschlichen Umgang mit äußeren Vorgaben. Zumindest halte er es so bei seinen Gottesdiensten im Kanton Zürich.

Abschließend bemerkt Weihbischof Vollmar, daß in Zürich vieles modellhaft möglich sei: „Das könnte in die ganze Schweiz und darüber hinaus ausstrahlen.“

Zürich ist neben Basel jener Teil der Schweiz, wo der Verfall des katholischen Glaubens und die Abkehr der Gläubigen von der Kirche mit Abstand am weitesten fortgeschritten sind.
      
8 Lesermeinungen
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#8   Athanasius   23:33:41 | Dienstag, 14. Juni 2005
Irenäus,
Ich stimme Dir zu.
Lange Zeit wagte ich es gar nicht daran zu denken jemals eine hl. Messe in einer Piuskapelle zu besuchen.
Auch Laien, sogar uninformierte und dumme, reagierten immer wie die Indult- sowie konservative Novus Ordo-Geistlichen: „DU DARFST DA NIEMALS HINGEHEN, DIE STEHEN AUSSERHALB DER KIRCHE UND SIND EXKOMMUNIZIERT.“
Als ob Exkommunikation eine Seuche ist und die Tatsachen so sind wie da gesagt.
Die gleichen sagen aber man könne ruhig zu einer Ostliturgie der Orthodoxen gehen. Und ein neokonservativer Laienmann, guter Freund von mir übrigens, sagte mir: „Ich habe bereits zusammen mit einem Muslimen gebetet und ihm gesagt in unserer Hauskapelle: betest Du zu Deinem Gott, ich bete das Vater Unser und das Ave Maria.“
Der Indifferentismus kennt gar keinen Halt, mit Ausnahme der „Piussschismatiker“. Wenn man das länger ansieht, wird es fast lächerlich, obwohl die Seelen der Irrgeführter natürlich auf dem Spiel stehen und wir sie nicht verloren gehen lassen dürfen!
Und diese Neigung sogar vieler treuen Katholiken eine Allergiereaktion zu bekommen wenn die FSSPX genannt wird, ist wirklich typisch und diabolisch. Viele Massen besuchen deren hl. Messen einfach aus Furcht vor Exkommunikation und „Schisma“ nicht. Obwohl man zusammenbeten mit Ketzern und Heiden kein Problem findet. „Macht ja der Papst auch in Assisi.“
Irgendwie schizophren.
Aber die Spaltungen unter den Römischen-Katholiken bleiben leider. Und der Teufel lacht noch dazu.
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#7   Irenäus   17:06:07 | Dienstag, 14. Juni 2005
Lieber Athanasius!
Ich möchte Deinem Artikel noch die Bemerkung hinzufügen, daß dieselben Leute sich ganz schrecklich aufregen, wenn man sagt, daß man zur Piusbruderschaft geht. Frage ich dann nach, wo man eine Messe in einem ostkirchlichen Ritus besuchen könne, wird man wie selbstverständlich auf echte Schismatiker verwiesen. Ich habe einmal ganz seelenruhig einem halbtraditionellen Priester, der sogar die Soutane trug und von Zeit zu Zeit sogar die alte Messe zelebriert, gesagt, daß ich demnächst eine Messe bei der FSSPX besuchen werde „ WAAAS!??! ABER DOCH NICHT ZU PIUS!!!“ Dann kam das Gespräch auf meine Motive zu sprechen, daß der Korankuß des alten Papstes, Assisi, Ökumene und der ganze Kram auf mich ziemlich abstoßend wirkt. „Ja, aber so rechtfertigt jede Sekte ihre Trennung von der Kirche.“ Dann kam das Gespräch auf die EKD zu sprechen, die ja die Trinität ablehnt (siehe Bultmann). Folglich sind sie genau so wenig Christen wie die Zeugen Jehovas. „ So habe ich früher auch gedacht, aber dann begegnete ich einem Protestanten, der seine Krankheit in Christus annahm.“ Die Neokatholiken merken gar nicht, wie absurd und inkonsistent sie wirken.
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#6   Athanasius   16:37:03 | Dienstag, 14. Juni 2005
Ich stimme euch völlig zu…
Bischof Mixa aus Eichstätt beispielsweise konzelebrierte schon mehrmals in seiner Kathedrale mit orthodoxen Priestern, die nicht in voller Gemeinschaft mit der römisch-katholischen Kirche stehen.
NICHT IN GEMEINSCHAFT mit der hl. Kirche stehen. Nicht „in voller“, heisst „NICHT IN GEMEINSCHAFT“.
Im dortigen Orientalischen Kolleg wird solche verbotene Interzelebration tagtäglich praktiziert, einem protestantischen Pfarrer sogar die Kommunion gereicht.
1. Tony Blair (Anglikaner) bekam vom hl. Vater Johannes-Paul II. bei Audienzen mehrmals „aus Respekt für die Familie Blair“ die hl. Kommunion.
2. Eine anglikanische „Priesterin“ (Frau!) in römischen Kragen war beim Papst JP II. zu Audienz und bekam „aus Freundschaft“ die hl. Kommunion.
3. Frère Roger Schutz bekam öffentlich als Lutheraner die hl. Kommunion vom damaligen Kardinal Ratzinger. Schutz ist ein schwieriger Fall, natürlich, weil er neben Ökumeniker auch einmal Katholisch werden wollte, aber es vom kath. Bischof nicht durfte.
4. In Taizé wird mit Genehmigung des hl. Stuhles Interkommunion praktiziert zwischen Orthodoxen, Protetanten, Katholiken usw.
Soll man etwa „römischer als der Papst“ sein im abtreibungsnazistischen Deutschlandepiskopat?
Oder liegen die Probleme tiefer als das worüber die neokonservative Jammerei immer weiterweint?
Ich gib nicht nach und bleibe bei dem Erbe der Kirche aller Zeiten. Non schismaticis, nec hereticis.
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#5   Irenäus   16:15:18 | Dienstag, 14. Juni 2005
Zynisch…
muß man die Behauptung nennen, die Laientheologen seien gut ausgebildet. Zumindest hier in Deutschland ist die Lage katastrophal. Und in der Schweiz wohl kaum besser. Jedenfalls weiß ich aus eigener Erfahrung, daß diese Leute etwa im Religionsunterricht banales Geschwätz oder modernistische Märchen erzählen. Und da wundert man sich, daß die Jugendlichen keine Lust haben, in die Kirche zu gehen. Denn die Predigten sowohl der Priester als auch der oftmals überwiegend überalterten Laien sind genauso schlimm.
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#4   roemkath   14:35:40 | Dienstag, 14. Juni 2005
Sonderfall…
… ist die Schweiz schon längst geworden, nicht nur in Fragen der Laienpredigt bei der Eucharistiefeier oder der Interkommunion und Interzelebration. Aber was zeigen wir mit erhobenem Zeigefinger auf die Schweiz? Auch in Deutschland wird mittlerweile mehr und mehr die Predigt von Laien in der Messfeier geduldet, Interkommunion gewohnheitsmäßig praktiziert und Experimente der Interzelebration gewagt. Auch in scheinbar gut katholischen Diözesen – wie etwa Eichstätt – dulden Bischöfe solche Missbräuche oder praktizieren sie sogar selbst. Bischof Mixa aus Eichstätt beispielsweise konzelebrierte schon mehrmals in seiner Kathedrale mit orthodoxen Priestern, die nicht in voller Gemeinschaft mit der römisch-katholischen Kirche stehen. Im dortigen Orientalischen Kolleg wird solche verbotene Interzelebration tagtäglich praktiziert, einem protestantischen Pfarrer sogar die Kommunion gereicht. Wo soll das alles noch hinführen?
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#3   Benedikt   13:13:20 | Dienstag, 14. Juni 2005
Würde auch nichts bringen…
…man sollte eher Methoden wie zur Zeit der Christianisierung Europas im 8 Jh. anwenden: Unterweisung und Mission durch auswärtige Bischöfe (wie damals dem Hl. Bonifatius).
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#2   Niclaas   09:59:51 | Dienstag, 14. Juni 2005
@DoctorSubtilis
A M E N !
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#1   DoctorSubtilis   09:40:55 | Dienstag, 14. Juni 2005
Die beste Lösung…
Die Schweiz ist ein in kirchlicher Hinsicht derart verkommenes Land, daß man vor einem totalen Neuanfang am besten ein 20jähriges Interdikt verhängt und vorher die 100 übrig gebliebenen Katholiken nach Liechtenstein ausfliegt. Die Schweizer Bischöfe werden dabei sicherlich niemandem den Platz wegnehmen…
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