09:31:28 | Dienstag, 14. Juni 2005
Die Laienpredigt sei etwas „sehr Wichtiges“ – meinte kürzlich ein Schweizer Weihbischof – umso mehr, als die Laientheologen in den letzten dreißig Jahren „sehr gut“ ausgebildet worden seien.
(kreuz.net, Chur) Mons. Paul Vollmar, Weihbischof von Chur und Generalvikar in Zürich, nahm kürzlich
auf eindeutige Weise zu einigen zweideutigen Reizthemen der Schweizer Seelsorge Stellung.
Die Stadt Chur
befindet sich in der Südostschweiz. Sie ist der Sitz des gleichnamigen Bistums, zu dem die Stadt Zürich
gehört.
Das Interview mit dem Weihbischof erschien in der neuesten Ausgabe der Züricher reformierten
Quartalsschrift „notabene – Notizen aus der Zürcher Landeskirche“.
Der reformierte Journalist erkundigte
sich beim Weihbischof zunächst, ob ihm die Laienpredigt „ein besonderes Anliegen“ sei.
„Ja“ – antwortete
Mons. Vollmar ohne Umschweife. Die Laienpredigt sei in der Schweiz etwas sehr Wichtiges.
Ohne die Laienpredigt
wären die Priester – nach Ansicht des Weihbischofs – überfordert: „Ich bin wirklich der Meinung, daß
die Verkündigung sowohl von Priestern als auch von den Laientheologen gemacht werden soll.“
Die Laientheologen
seien in den letzten dreißig Jahren sehr gut ausgebildet worden, begründet der Weihbischof seine Meinung.
Was für Erfahrungen er bei der
Begegnung der Schweizer Bischöfe mit dem damaligen Kardinal Ratzinger
beim Ad-Limina-Besuch im vergangenen Februar gemacht habe.
Er habe mit dem heutigen Papst Benedikt XVI.
über die Situation des Priestermangels und über die Laienpredigt gesprochen, antwortet Mons. Vollmar.
Die Reaktion des damaligen Präfekten der Glaubenskongregation sei bemerkenswert gewesen:
„Kardinal
Ratzinger sagte: »Ja, Bischof Vollmar, ich verstehe Ihre Situation.« Er wisse um dieses Problem und
begreife die offene Haltung der Schweizer Bischofskonferenz in der Frage der Laienpredigt.“
Neben dem
für die Ökumene verantwortlichen Kurienkardinal Walter Kaspar habe Kardinal Ratzinger die Schweizer
Bischöfen am stärksten ermutigt, „vorwärts zu gehen“.
Doch der damalige Präfekt der Glaubenskongregation
habe eine bedeutsame Einschränkung gemacht und erklärt, daß aus dem Notfall kein Sonderfall werden
dürfe.
Der neue Papst werde noch alle überraschen, meinte der Weihbischof: Er sei sich dessen sicher
und hege große Hoffnungen. Benedikt XVI. werde einen von Mons. Vollmar georteten „innerkirchlichen Problemstau“
lösen.
„Das Verhältnis zwischen der Universalkirche und den Ortskirchen, die Fragen der Ökumene –
da muß vieles überdacht und geklärt werden.“
„Ich würde mit Hans Küng sagen, seien wir fair und
lassen wir uns überraschen…“
Anschließend kommt Mons. Vollmar auf die sogenannte Interkommunion zu
sprechen. In der Schweiz wird der Leib Christi in der Regel ohne Rücksicht auf den Glauben des Empfängers
gereicht.
Er sehe zwei Ebenen – setzt der Weihbischof an – und zieht eine scharfe Trennlinie zwischen
Theologie und Praxis.
Die erste Ebene sei jene der offiziellen kirchlichen Verlautbarungen. Dort werde
die heilige Kommunion – unter anderem – als das äußere Zeichen der kirchlichen Einheit verstanden.
Da diese Einheit der Kirchen noch nicht existiere, dürften konfessionsverschiedene Christen das Abendmahl –
wie sich der Weihbischof ausdrückt – leider noch nicht gemeinsam feiern.
Eine andere Ebene sei der seelsorgliche
und persönliche Bereich.
Er denke hier an Mischehen. In dieser Situation solle – so der Weihbischof
und Generalvikar – die einzelne Person selbst entscheiden, ob sie den Empfang der Kommunion mit ihrem
Gewissen vereinbaren kann.
„Wir sind mündige Christen. Ich überlasse jedem und jeder den Entscheid
zum Empfang der Kommunion.“
Auf die Frage seines Gegenübers, ob der Empfang der heiligen Kommunion durch
Nichtkatholiken konkret „erwünscht“ sei, erklärt Mons. Vollmar:
Er könne nicht offiziell sagen, daß
alle zum Tische des Herrn geladen seien: „Für mich ist es aber immer großartig, wenn jemand zur Eucharistie
kommt. Denn ich bin sicher, daß diese Person weiß, was sie macht.“
Auch die Kardinäle, mit denen er
gesprochen habe, hätten nie jemanden abgelehnt.
Im Einzelfall gehe es immer um eine seelsorgliche Haltung
und um einen menschlichen Umgang mit äußeren Vorgaben. Zumindest halte er es so bei seinen Gottesdiensten
im Kanton Zürich.
Abschließend bemerkt Weihbischof Vollmar, daß in Zürich vieles modellhaft möglich
sei: „Das könnte in die ganze Schweiz und darüber hinaus ausstrahlen.“
Zürich ist neben Basel jener
Teil der Schweiz, wo der Verfall des katholischen Glaubens und die Abkehr der Gläubigen von der Kirche
mit Abstand am weitesten fortgeschritten sind.
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