Der Kölner Priester Heinz Schütte hat seine Lebenserinnerungen vorgelegt. 1958 publizierte er sein erstes Buch „Um die Wiedervereinigung im Glauben“. Rom intervenierte. Der Priester verlor seine Stelle als Religonslehrer – und gewann einen Freund.
(kreuz.net, Köln) Obendrein bekam der damals gerade 34jährige Schütte von Rom auch ein Rede- und Schreibverbot.
Im Jahre 2003 bekam der Priester wieder einmal Post von einem römischen Kardinal.
Der Kirchenfürst
erinnerte sich in seinem Schreiben an Schüttes Buch von 1958: Das sei damals „eine richtige ökumenische
Leuchtrakete“ gewesen und habe den Impuls des II.Vatikanums vorweggenommen. Das erzählte Schütte Ende
Mai der Tageszeitung ‘Neue Westfälische’.
Der Kardinal, der Schütte mit solchen Worten ehrte, war der
damalige Chef der Glaubenskongregation und heutige Papst.
Nach dem römischen Monitum von 1958 studierte
Schütte weiter Theologie – und zwar bei Professor Joseph Ratzinger in Bonn und später in Münster.
Er schrieb bei Ratzinger seine summa cum laude bewertete Doktorarbeit über ein ökumenisches Thema.
Inzwischen kennen sich der Lehrer und sein Schüler seit 45 Jahren. Das habe sein Leben geprägt, meint
Heinz Schütte heute.
Ähnlich äußerte sich Kardinal Ratzinger im Jahre 2003: Aus einer Weggemeinschaft
sei „eine bleibende Freundschaft geworden“.
Das zeigt sich auch in den jetzt von Schütte vorgelegten
Lebenserinnerungen. Keine andere Person ist darin häufiger genannt als sein Lehrer Joseph Ratzinger.
Der heute 81jährige Priester hat seinen Erinnerungen den Titel ,„Nicht ich, sondern Gottes Gnade mit
mir“ gegeben. Sie berichten von einem Leben im Dienst der Annäherung der Kirchen.
In seinem Buch berichtet
Schütte, welchen Anteil er daran hatte, daß die schon für gescheitert erklärte gemeinsame lutherisch-katholische
Erklärung zur Rechtfertigungslehre im Jahre 1999 doch noch unterzeichnet wurde.
Schütte ist eine ungewöhnliche
Persönlichkeit. So ist er zum Beispiel Vater zweiter Adoptivsöhne. Er macht sich in seinen Erinnerungen
auch Gedanken um den Priestermangel.
Der Zölibat „sollte nicht fallen“, meint er. Er hält es aber für
„dringlich“, sogenannte bewährte Männer nach einer Vorbereitungszeit zu Priestern zu weihen – auch wenn
sie verheiratet sind.
Die Kirche von morgen werde „neue Formen des Amtes kennen und bewährte Christen,
die im Beruf stehen, zu Priestern weihen.“
„In vielen kleinen Gemeinden beziehungsweise in zusammengehörigen
sozialen Gruppen wird die normale Seelsorge auf diese Weise erfüllt werden“, zitiert Schütte einen bekannten
deutschen Theologen aus dem Jahre 1970.
Den Mann, der sein Freund ist und neuerdings auch der Papst.
Heinz Schütte: ,,Nicht ich, sondern Gottes Gnade mit mir.’’ 154 Seiten, 24 Abbildungen, 9 Euro, MuNe
Verlag Paderborn, ISBN 3-933425-35-2.
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13 Lesermeinungen
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#13 Dr. Otterbeck 08:22:31 | Freitag, 17. August 2007
@Laurentius2, späte Antwort: Das von Ihnen vermisste Zitat vom 29.06.1972 findet sich auf S. 707 der
Insegnamenti Paolo VI, Bd. X (1972); bzw. www.vatican.va, Paul VI., Predigten (Datum).
#12 stat crux 14:06:22 | Mittwoch, 16. August 2006
Carlo, da ich diese Antwort erst heute sehe: Die UNO ist sicherlich nicht am Ziel dessen angelangt, was
Pius XII. unter „Völkergemeinschaft“ versteht. Aber der Weg dahin ist offen!
#11 Agiafortuni 23:10:19 | Montag, 14. November 2005
Dr. Otterbeck’s Paul VI Die Begeisterung der Otterbecks für den Frevler Paul VI ist schlechthin unnachvollziehbar.
Sein Kniefall im Tempel menschlicher Selbstherrlichkeit – sprich UNO, sein unter völliger Missachtung
der Erklärung seines Vorgägngers Leo XIII hinsichtlich der Gültigkeit anglikanischer Weihen Auftreten
mit dem Erzbischof von Canterbury in Sankt Paul ausser den Mauern, seine Verunmöglichung der Messe aller
Zeiten lassen auf eine frevelhafte Gesinnung schliessen. Als der katholischen Tradition verpflichteter
Katholike kann ich mit dem Bewunderer Teilhard de Chardin Nichts anfangen. Leider hatte Pius XII nicht
mehr die Macht, um gegen ihn die Sanktionen zu ergreifen, die der heilige Pius X gegen den abbé und späteren
Kardinal Liénart ergriffen hatte. Hätte er ihn wie sein heiligmässiger Vorgänger in die Wüste geschickt,
wäre uns seine Besetzung des Stuhles Petri erspart geblieben.
Dialog, nicht Dialektik Die Neuordnung der Messfeier steht im missionarischen Kontext des heraufziehenden
3. Jahrtausends. Das Missale Paul VI. erging „in letzter Minute“; der Rückenwind des II. Vatikanukms
und die überragende persönliche Autorität haben der Kirche dieses Geschenk gemacht, das seit 1776 überfällig
war. Juristisch gesehen ist auch an den wesentlichen Entscheidungen (insb. Einsetzungsworte) nicht mehr
zu rütteln. So muss gedeutet werden, dass Paul VI. sogar repressive Maßnahmen gegen die Messe Pius V.
ergriff. Diese Härte ist ein Indiz für die Sicherheit, mit der kraft Apostolischer Autorität die Identität
der Messe (speziell d. Einsetzungsworte in neuer Fassung) in allen Formularen gewahrt werden soll. Eine
Aussöhnung mit dem Traditionalismus wird daher wohl nur möglich sein, wenn die Legitimität dieser Neufassung
anerkannt wird, über deren Zweck wohl noch nicht angestrengt genug nachgedacht wurde; m.E. wird sämtlichen
Erscheinungsformen hermetischer Religiosität damit der „Krieg“ erklärt und die Liturgie wird für das
III. Jahrtausend fit gemacht, um jede Form von okkultem Ritual, Neuheidentum, Esoterik, Hollywood und
viele andere Phänomene heidnisch-„liturgischen“ Verhaltens zu überwinden. Mit einem Wort: Paul VI hat
den Sonntag gerettet! Senza Domenica non possiamo vivere.
@Dr.Otterbeck Vielen Dank. Zu Humanae vitae: Ja, eine Glanztat des obersten Pontifex. Leider mißachten
dies die meisten deutschen Bischöfe bis heute ! Wie könne wir sie noch achten ? Zum Rauch Satans: wenn
selbst Sie es nicht genauer wissen, wird dieser schrille Alarmruf des Papstes wohl ein Geheimnis bleiben
…
Paul VI Schwierige Frage, Laurentius II. Meine (lernbereite) Position ist von einigen zeithistorischen
Prämissen abhängig. Möglicherweise war G.B. Montini anfangs zu optimistisch ggü. der „modernen Welt“.
Vielleicht suchte er phasenweise den Applaus der ganzen Menschheit. Aber der Kulturbruch 1968 wäre „sowieso“
gekommen. Paul VI. handelte somit in „letzter Minute“. Denken wir in topoi: Was wäre gewesen „wenn“.
Wenn P. VI. die „Geburtenkontrolle“ (statt verantworteter Elternschaft) freigegeben hätte: Es wäre kein
Halten mehr! Es sind die heroischen Familien, denen die Zukunft der Welt anvertraut ist (vielleicht noch,
mit Abstand, einschl. jener, die „mit schlechtem Gewissen“ der Verhütungsmentaliät folgen). Was aber
hat die Sittlichkeit mit der Liturgie zu tun? Auch hier: In Alternativen denken! Was wäre wenn? In „letzter
Minute“ wagte die Kirche, ein drohendes Ghetto der für das III. Jahrtausend unzulänglichen Litiurgie
zu verlassen. „Die Kirche feiert die Geheimnisse Christi zum Heil der Welt“ (so die ao. Synode 1985).
Der „Rauch Satans“, das ist der feindselige Kampf (etwa um das 1900. Jahr das Martyriums Petri + Pauli)
gegen den Sieg der Gnade Gottes, die sich im II. Vatikanum als Wort an die Welt mitgeteilt hat.
@Dr.Otterbeck Als Experte zu diesem Thema Papst Paul VI. , habe ich an Sie eine Frage: Wie kommt es, daß
sich Papst Paul VI. zB bei der Abfassung des neuen Meßbuchtextes einfach von den Modernisten überrumpeln
ließ und in der ersten Textausgabe vom Meßopfer gar nicht mehr die Rede war ? Was meinte der Papst eigentlich
mit seinem verzeifelt wirkenden Hinweis, der Rauch Satans sei in (!) der Kirche ? Ich habe zum genauen
Kontext dieses schrillen Alarmrufes noch nie etwas gefunden (ist ja auch nicht so wichtig … [ <-- IRONIE ]
…)
Ernstzunehmende Erwiderung Jetzt kommt der Holzhammer: Wann nimmt ein Papst für sich Unfehlbarkeit in
Anspruch? Wenn er definitiv spricht. Woran erkennt die Kirche das? An der Endgültigkeit der Entscheidung,
„ex cathedra“. Paul VI war sich nicht nur bei Humanae Vitae (1968) sondern auch bei Missale Romanum (1969)
sehr sicher, dass er richtig entscheidet. Er hat den Nachfolgern zwar einen Spalt breit offen gelassen
für Korrekturen, aber wohl nur, um kein „Unfehlbarkeitsgehabe“ (H.U. Balthasar) vorzuführen. In der
Sache ist selten eine pp. Entscheidung so unbedingt durchgedrückt worden wie in diesen beiden nachkonziliaren
Fällen. Und Montini wusste, dass er in letzter Minute zur Rettung der Weltkirche agierte (vgl. Credo
von 1968). Das bedeutet meiner unmaßgeblichen Ansicht nach, dass nicht nur die kath. Ehemoral im Kern
unerschütterlich ist, sondern auch jene Definition der Wandlungsworte, die Paul VI. angeordnet hat. Wahrscheinlich
kann eine Hl. Messe nicht mehr gültig gefeiert werden, wenn nicht der Ausruf „Mysterium fidei“ an das
Volk gerichtet wird. Denn nur so („Ite, missa est!“) bleibt das Messopfer als „Sendung“ gewahrt. Roma
locuta, causa finita.
Schütte – ein psychiatrisches Problem Schütte lebt in einer Phantasie- und Scheinwelt ohne jede Realitätskenntnis
oder Realitätsbezug. Auf Argumente kann er schon seit langer Zeit nicht mehr eingehen und man kann sich
nur wundern, daß die TAGESPOST ihm regelmäßig ganze Seiten für seine Phantasmagorien überläßt.
Aber der Rest der Veröffentlichungen dort ist auch nicht viel besser, teils sogar schlechter.
@Pelagius Die Anführungszeichen treffen doch auch eher auf Sie zu. Ich jedenfalls habe von Ihnen noch
nie eine ernstzunehmende Erwiderung auf traditionalistische Argumente gelesen. Es gab eigentlich nur dezente
Beschimpfungen, jedenfalss so dezent, daß die Redaktion es gerade noch durchgehen ließ. Mal abgesehen
davon, denke ich, daß das Niveau der FSSPX eigentlich noch besser sein könnte. Aber die Vorstellung,
daß ein Lefebvre-Anhänger so differenziert denkt, paßt doch nicht in dieses schlichte Klicheedenken!
Schonphase vorüber! Nachdem kreuz.net in den ersten Tagen des neuen Pontifikates ein eher positives Bild
Benedikt XVI. zeichnete, setzt es jetzt – zunächst noch auf indirekten Wegen – zur Kritik an. Eine leicht
durchschaubare Taktik. Die eifrigen „Diskussions“-Teilnehmer bekommen so wieder Anlaß genug, ihr altbekanntes
Lieblingsliedchen anzustimmen. Viel Spaß dabei!
schütte – rechtgläubig die ausführungen von prof. schütte zur „annäherung“ der „kirchen“, wie sie
in der tagespost und anderorts zu vernehmen sind (z.b. beim kongress „freude am glauben“ in fulda 2003),
sind ganz auf der linie des kirchlichen mainstreams und offenbaren ein erschütterndes maß an blauäugigkeit
und zweckoptimismus („wir sind schon viel weiter, als ihr alle denkt“). mag sein, dass das die (psychologisch
verständliche) folge zahlloser konsensgespräche und -papiere ist.
Beispiel Ich kenne obige Person nicht und weiß auch nicht, ob obiges Buch (das von 1958) rechtgläubig
oder häretisch-ökumenisch im Sinne von Mortalium animos ist; angesichts der Tatsache, daß diese disziplinarischen
Maßnahmen zu einer Zeit stattfinden, als die Kurie noch zu 100% glaubenstreu war, ist wohl eher letzteres
anzunehmen. Jedenfalls sei dieses Beispiel all denen ins Stammbuch geschrieben, die meinen, Ecclesia Dei
müsse kritiklos hingenommen werden; disziplinrische Entscheidungen sind nun mal grundsätzlich revidierbar!