12:59:00 | Sonntag, 24. Juli 2011
„Was Sie vielleicht nicht verstehen können, ist, daß ich nie auf einer persönlichen Ebene mit Pater Maciel zu tun hatte.“

Pressebild der Legionäre Christi zum Tod von Pater Macial Maciel
(kreuz.net) Er habe den Anschuldigungen gegen den Gründer der Legion Christi,
Pater Marcial Maciel, bis
zuletzt nicht geglaubt.
Das erklärte Pater Luis Garza am Mittwoch vor der US-Zweiwochenzeitung ‘National
Catholic Register’.
Im Februar 2006 teilte der Vatikan der Legion intern mit, daß ein Verfahren gegen
Pater Maciel zu einem Schuldspruch gekommen war.
Der ‘National Catholic Register’ gehört bis im vergangenen
Januar der Legion Christi.
Späte Erkenntnis?Pater Garza stammt aus Mexiko.
Er war jahrelang Generalvikar
und zweite Mann der Legion. Ab dem 1. August wird er nur noch als Regionaloberer für Nordamerika tätig
sein.
Er ist ein Berater der vatikanischen Kleruskongregation.
In dem Interview berichtet der Pater,
daß im Juni 2006 eine Frau auftauchte, mit der Pater Maciel ein Kind hatte:
„Damals beschloß ich, auf
eigene Faust eine Untersuchung zu unternehmen.“
Bis zum September des gleichen Jahres kam der Pater zur
sicheren Erkenntnis, daß der Gründer der Vater eines Kindes war:
„Nach und nach kamen mehr Fakten ans
Licht – im Jahr 2008 hatten wir fast das ganze Bild.“
Zahlreiche Rücktritts-AngeboteAuf eine entsprechende
Frage antwortet Pater Garza, daß er seinen Rücktritt als Generalvikar im Jahr 2005 und im Jahr 2009
angeboten habe.
Beide Male habe der Generalobere der Legion, Pater Alvaro Corcuera, diesen Schritt abgelehnt.
Nach Amtsantritt des gegenwärtigen Päpstlichen Delegierten für die Legion, Velasio Kardinal De Paolis,
habe er sein Rücktrittsangebot erneuert:
„Vor einem Monat kam die Idee auf, daß ich in die USA gehen
sollte, und ich war damit einverstanden.“
Geheimniskrämerei des GründersDann die unvermeidliche Frage:
„Hätten Sie nicht über die Verbrechen und das Doppelleben von Pater Maciel im Bild sein müssen?“
Die
Antwort: „Was Sie vielleicht nicht verstehen können, ist, daß ich es nie auf einer persönlichen Ebene
mit Pater Maciel zu tun hatte.“
Er sei als Generalvikar nur alle zwei Wochen im Rahmen seines Amtes zu
Pater Maciel gegangen, um ihm Angelegenheiten zu unterbreiten: „Danach ging ich wieder“.
„Ich habe nie
gewußt, wohin er reiste“ – erklärte Pater Garza: „Er hat es nie jemandem erlaubt, in sein Leben einzutreten.“
Pater Garza fügt hinzu: „Ich besaß nicht einmal seine Mobil-Telephonnummer.“
Der Pater weist darauf
hin, daß er vierzig Jahre jünger war als der Gründer: „Er erlaubte mir nicht, in sein persönliches
Leben einzutreten“.
Jene, die einen engeren Kontakt mit ihm hatten, habe Pater Maciel ermahnt: „Sagt
niemandem, was ihr mit mir zu tun habt.“
Man habe das nach Jahren der Verehrung für den Gründer und
des vatikanischen Lobes für ihn so akzeptiert.
Ausstehende UntersuchungNach Angaben von Pater Garza
hat es bisher keine interne Untersuchung gegeben, um festzustellen, ob es neben dem Gründer in der Legion
noch andere Verantwortliche für das gegenwärtige Debakel gibt.
Der Päpstliche Delegat denke immer
noch darüber nach.
„Er ist ein Jurist und Kirchenrechtler – von einem rechtlichen Standpunkt aus braucht
er eine glaubwürdige Anklage, um eine Untersuchung einzuleiten“ – kommentiert Pater Garza.
Man habe
mit ihm über diese Frage persönlich und in Sitzungen des Generalrates gesprochen:
„Wenn das nicht geklärt
wird, ist die Glaubwürdigkeit der Legion auf dem Spiel.“
Der Gründer hatte im Vatikan vor allem zwei
FreundeWas Pater Garza in den USA erwartet, drückt ein ehemaliger Priester der Legion in den Lesermeinungen
unter dem Artikel anonym so aus:
„Die US-Amerikaner haben die geringste Ausdauer unter den Priestern
der Legion: Einer von drei für die Legion geweihten US-Amerikaner haben diese wieder verlassen.“
Ein
Leser ‘James’ schreibt:
„Ich frage mich nach der Wahrhaftigkeit der Behauptung von Pater Garza, daß
er von dem Verhalten des Gründers erst im Jahr 2006 erfahren habe, wenn doch in den Exerzitienhäusern
der Legionäre Christi Photos aufgenommen wurden, wo die Tochter und die Mutter, Pater Maciel und geweihte
Mitglieder – eine davon war Pater Garzas eigene Schwester – zu sehen sind. Das muß über ein Jahr vorher
geschehen sein.“
Ein Leser „Ignazio Romesh Seimon“ schreibt auf Italienisch:
„Ich gehörte zu den Legionären
Christi in Cheshire, Connecticut, (1993-1996) und habe dort viele Vorträge von Pater Garza gehört.
Als engster Mitarbeiter des Gründers und Nummer 2 der Legionäre hat Pater Garza immer über den Gründer
gesprochen. Garza stand ihm sehr nahe.“
Der Leser zweifelt an Pater Garzas Darstellung seines Verhältnisses
zum Gründer:
„Pater Garza sprach während meiner Zeit mit den Legionären Christi nicht so. Er war einer,
der Pater Marcial immer verehrte und sich vor ihm auf die Knie warf.“
Der Pater habe auch einmal gesagt,
daß der damalige Staatssekretär, Angelo Kardinal Sodano und der damalige Privatsekretär von Papst Johannes
Paul II., der heutige Kardinal Stanislaw Dziwisz von Krakau, immer bereit gewesen seien, das zu tun, was
Pater Maciel wollte.
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