Der Priesterrat der Diözese Fulda hat sich kürzlich zur geplanten Zusammenlegung der Pfarreien in Pastoralverbünde geäußert: Man sei dafür. Wo die Überzeugung fehlte, half der Gruppendruck nach.
(kreuz.net, Fulda) Mit einem einzigen Satz nimmt der Fuldaer Priesterrat Stellung zu den geplanten Pastoralverbünden
im Bistum Fulda. Der Satz lautet:
„Der Priesterrat des Bistums Fulda unterstützt die notwendige Erneuerung
der Pastoral im Bistum Fulda, wie sie im Rahmen des Pastoralen Prozesses im Jahr 2002 begonnen wurde,
und sagt dem Bischof von Fulda seine volle Solidarität und Hilfe zu.“
Der Priesterrat ist ein Gremium
von Geistlichen aus der Diözese, die den Bischof in seiner Leitungsaufgabe unterstützen sollen. Fulda
liegt rund 100 Kilometer nördlich von Würzburg im Bundesland Hessen.
Aus Teilnehmerkreisen verlautet,
daß es bei einer Reihe anwesender Priester erhebliche Bedenken gegeben habe. Diese Bedenken konnten aber
weder geäußert und noch weniger ausgeräumt werden.
Die zustandegekommene „Erklärung“ scheint vielmehr
das Ergebnis bischöflichen Drucks und das Werk des Sprecher des Priesterrates, Pfarrer Winfried Hahner,
zu sein.
Pfarrer Hahner gehört – zusammen mit zwei weiteren Mitgliedern des Priesterrats, Pfarrer Alfons
Gerhard und Pfarrer Ewald Biedenbach, zu den Gründern des „Fuldaer Kreises für eine offene Kirche“.
Dieser unterstützt die Anliegen des sogenannten „Kirchenvolksbegehrens“ der „Kirche von unten“ ausdrücklich.
Erst am 8. Juni 2005 verlangte Pfarrer Winfried Hahner auf dem Priestertag in Fulda öffentlich die Aufhebung
des Zölibats der Weltpriester.
Aus dem Priesterrat wurde weiter bekannt, daß einige seiner Mitglieder
den Strukturveränderungen im Rahmen des Pastoralen Prozesses durchaus nicht positiv, sondern kritisch
bis ablehnend gegenüberständen.
Doch auf eine offene Meinungsäußerung möchten sie sich nicht einlassen.
Das Klima dazu sei nicht gegeben. Man fürchtet Repressalien.
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35 Lesermeinungen
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#35 Laurentius2 11:08:56 | Dienstag, 28. Juni 2005
@adlimina & Romano Rührende Zeilen, aber wer am Grab des verstorbenen Glaubenswächters Johannes Dyba
betet und dieses Grab schmücken will, wird schnell auf den kirchenpolitischen Boden der Tatsachen zurückgeholt.
Probieren Sie es doch mal selbst aus, dann können Sie gerne Entwarnung geben … kompetent.
Esto vir @ Romano Zur Vereindeutigung der Identität und Behebung von Zweifeln: ich bin ein Mann. Auch
bei Ihnen, werter Romano, habe ich auch meine Vermutungen … Immerhin haben andere bei mir doch auch
schon den Priester vermutet, indem sie meine Wortmeldungen ernst nahmen. AUf all das kommt es aber überhaupt
nicht an. Wir treffen uns ganz sicher im gut katholischen ET…ET: ich wollte keinen moralinsauren Lebensverdruß
ausgießen, Sie möchten nicht nur den deutschen Lebensstil etablierter Kirchenstrukturen pflegen. Ich
halte Ihren Einfluß auf den Fuldaer Bischof für notabel und erkenne darin eine Hoffnung. Trotzdem bleibe
ich bei meiner Warnung gegenüber uns allen (mich eingeschlossen): wir müssen unsere Dekadenz entlarven
bzw. überwinden und zu einer glaubwürdigen Glaubensexistenz zurückfinden. Aus unserer gegenwärtigen
abgrundtiefen Tristesse im Bistum Fulda werden uns nicht die Debattenhengste und Sich-selbst-Bestätiger
führen! Die in der bonifatianischen Klostergründung zu Fulda ehedem GELEBTE BENEDIKTSREGEL- das wär’s
eigentlich auch hier und heute und zumal für den Pastoralen Prozess …
@adlimina Tafelrunde, Solarium und Podiumsdiskussionen – oder: Rosenkranz, Fasten und Stille … Wir sind
hier nicht immer einer Meinung, aber: das gefällt mir aus mancherlei Gründen sehr! (Ich würde es allerdings
nicht mit Bitterkeit, sondern in „katholischer Gelassenheit“ mit einem Augenzwinkern über menschliche
Schwächen sagen, die wir alle haben…) Vielleicht ist es nicht richtig, aber „Aspekte, Theorien, Strategien“
sind mir auch wichtig. Wahrscheinlich ist die wahre Kunst, das eine zu tun und das andere nicht zu lassen.
Aber nochmals, adlimina (ich dachte zwischendurch, sie seien eine Frau, inzwischen vermute ich doch einen
Mann…), vielen Dank für diese zwei Zeilen!
Versuchungen Auch unsere Diskussion hier steht in der Gefahr, sich in die geistigen und lebenspraktischen
Räume der Dekadenz zu begeben und mit mehr oder weniger Nonchalance wohldotiert über Aspekte, Theorien
und Strategien zu diskutieren, anstatt selber den Weg von Buße und Gebetzu betreten – das Ganze freilich
in Verborgenheit. Nur in Deutschland können wir uns solchen Luxus leisten. Eine Selbstverhinderung des
Pastoralen Prozesses ist ja bei Befürwortern und Gegnern, daß er betrieben oder verhindert werden soll,
ohne die wahren Preise bezahlen zu wollen. Tafelrunde, Solarium und Podiumsdiskussionen – oder: Rosenkranz,
Fasten und Stille …
@Maximilian Dem, was Sie jetzt gesagt haben, stimme ich ausdrücklich zu! Dialog mit „offenem Visier“
ist natürlich o.k., zumal wenn der Bischof selbst dazu aufgefordert hat. Ich habe nur von „Stellvertreter“-Briefen
nach Rom abgeraten, die schon auf den ersten Blick ohne Substanz sind (nicht böse gemeint, sondern nur
die erste Einschätzung von jemandem, der persönlich nicht mit Fulda „verwoben“ ist!). Selbst wenn bisherige
Gespräche nicht viel („gar nichts“ sagen Sie ja auch nicht…) gefruchtet haben, sind sie m.E. auch für
die Zukunft der beste Weg. Denn, mit Verlaub: glauben Sie ernsthaft, Bischof Algermissen lässt sich durch
einen Leserbrief in der Tagespost umstimmen? Und noch etwas: ich halte den deutschen „Run“ auf die Pastoralverbünde
durchaus nicht für das Allheilmittel zur Lösung der kommenden finanziellen, personellen und demographischen
Probleme. So viele ernsthafte Alternativen gibt es aber auch nicht. Sie können die Pfarreien z.B. gleich
zusammenlegen (wie in „meinem“ Bistum). Das hilft evt., das Geld ein wenig schneller zu sparen, ist aber
vermutlich gegenüber „Pastoralverbünden“ der härtere Einschnitt. Ausländische Priester werden die
hiesigen Engpässe nicht lösen können, und ich kann Zurückhaltung in diesem Punkt zumindest nachvollziehen.
Ich denke jedenfalls, hier sind keine „finsteren“ Mächte am Werk, sondern starke, vor allem auch wirtschaftliche
Sachzwänge. Wie man diesen pastoral am besten begegnet, das ist die Frage, die offen diskutiert werden
muss.
#30 Laurentius2 15:16:26 | Donnerstag, 23. Juni 2005
@Großmutter Wie wäre es mit der 1999 (?) erschienenen Laieninstruktion aus Rom, in der Priester- und
Laienfunktionen nochmals klar voneinander abgegrenzt werden ? Lag monatelang an allen nichtmodernistischen
Schriftenständen aus …
@Rotkäppchen Algermissen ist konservativ und gehorsam gegenüber Rom? Darüber, dass er letzteres nicht
sei, weiß ich nichts. Ersteres: ja. Nicht nur nach seinem eigenen Selbstverständnis, sondern auch nach
meinem unmaßgeblichen Eindruck. Dass er im Stil und in mancher Einzelfrage anders ist als sein Vorgänger,
ändert doch an seinem „Kompass“ nichts. Er würde aber wohl auch gegenüber anderen darauf bestehen,
dass der Konservatismus mit Esprit und Klugheit gepaart sein sollte.
#28 Laurentius2 14:20:17 | Donnerstag, 23. Juni 2005
@Romano Algermissen ist konservativ und gehorsam gegenüber Rom ? Ja klar ! Und Prof. Küng ist ein katholischer
Theologe und der Bischof von Limburg ist romtreu (siehe Scheinvergabe) und die Katholische Nachrichtenagentur
ist objektiv und ich heiße Rotkäppchen …
Gehorsam Werter Maximilian und werte andere, ich möchte niemandem zu nahe treten, aber: wenn sie auf
dem bisherigen Niveau den „pastoralen Prozess“ in Fulda angreifen wollen, werden Sie weder bei Bischof
Algermissen noch in Rom etwas. Kirchenrechtlich sind die von Ihnen genannten Vorschriften als Legitimation
völlig ausreichend. Es handelt nicht um „Ausnahme-“ (vgl. dafür z.B. Can. 925 cic), sondern um Ermessensvorschriften.
Und da die in Fulda geplanten Maßnahmen in ähnlicher Weise in den meisten anderen deutschen Bistümern
getroffen werden, wird man auf einen Willkürvorwurf nur Lächeln ernten. Arbeit im Team – auch mit Laien –
ist nichts Unanständiges, und ein profilierter Priester wird auch im Team seine Position vertreten. Ich
bin persönlich in keiner Weise in die Fuldaer Verhältnisse involviert, und ich sehe andernorts durchaus
die Schwierigkeiten bei der Zusammenlegung von Pfarreien (und letztlich geht um nichts anderes). Mein
gut gemeinter Rat an die betroffenen Priester ist aber: lassen Sie Aktionen „hinter dem Rücken“ des Bischofs
bleiben, sie schaden der Sache! Sprechen Sie mit Herrn Algermissen persönlich! Sie werden sich zwar warm
anziehen müssen, weil er ein kluger – aber durchaus konservativer! – Mann ist und vermutlich gute Argumente
hat. Aber ich bin ziemlich sicher, dass er zumindest zuhören und sich mit Ihren Argumenten auseinandersetzen
wird. Ob danach Raum für einen Rekurs nach Rom oder für (schlichten) Gehorsam ist, kann man dann immer
noch entscheiden.
#26 Laurentius2 09:49:43 | Donnerstag, 23. Juni 2005
@Dr.Otterbeck Sehr geehrter Herr Dr. Otterbeck, hier nun folgende Adresse: Erzbischof Paul-Josef Cordes
Pontificio consiglio Cor Unum 00120 Città del Vaticano oder corunum@corunum.va Der ehrwürdige Herr Erzbischof
ist in Deutschland kaum bekannt, aber ein Freund unseres Papstes und mit der desolaten Lage der Kirche
in Deutschland gut vertraut. Bitte schreiben Sie ihm von der Mitgliedschaft „führender Priester“ beim
pastoralen Umbau in Fulda in höchst zweifelhaften Organisationen etc. und von der hierarchischen Hilflosigkeit
der romtreuen, z.T. recht jungen Priester in der Diözese des Hl. Bonifatius. Ich würde selbst schreiben,
wenn ich mich statt für eine zu versorgende Familie für den (Laien-)Zölibat entschieden hätte …
(ein Beweis mehr für dessen Vorteile).
Ortskirche „Konstitutiv für die Ortskirche. für die ‘Gemeinde’, ist weniger der Ort, das Geographische,
als die Gemeinschaft mit dem Bischof – das Theologische also“ (J. Ratzinger, Prinzipienlehre 305). Das
ist die „communio hierarchica“ (LG), die durch den Kooperationismus aufgelöst und zur Lächerlichkeit
gebracht wird. Man fragt sich, was den irregeleitet planenden Bischöfen in D ins Hirn gefahren ist, da
sie sich indirekt auch gegen die Eúcharistie wenden, der nur ein geweihter Priester leitend vorstehen
kann. Gerade diese geistlich-eucharistische Leitungskompetenz wird im Kooperationismus aufgelöst und
zersetzt.
romano-cattolico Die Parole sollte doch nicht lauten, werter Romano: „Wehe dem, der sich keinen guten
Draht zum Bischof sichert!“ Der eine Draht – vinculum unitatis – kann doch nur im objektiven Glauben wie
in lauterem Sentire cum Ecclesia und nicht im subjektiven Gefallen liegen. Diese Gedanken verdanke ich
Gesprächen mit einem jüngeren Priester, der mit der Diskussion hier in kreuz.net überhaupt nicht einverstanden
ist und nicht in der ersten Reihe auftritt, weil dort momentan kein gegenseitiges Verstehen möglich sei
(ein Teil der Bitterkeit rühre daher, daß die Bistumsleitung die Priester in den Pastoralen Prozess
getrieben habe, sie hätten sich dort eingesetzt, dann seien Schwenke der Verantwortlichen gekommen, so
daß sie vor den Gläubigen unglaubwürdig dastanden – da liegen genauso viele Wunden wie in der letzten
Fuldaer Bischofswahl; zudem jetzt die Verquickung des Pastoralen Prozesses mit ideologischen Ansätzen
zur Zölibatsaufhebung, etc.). Eine Frage ist doch: Wer hat beim letzten Fuldaer Priestertag, zumal aus
der jüngeren Generation, gefehlt?!? Viele, die in keiner Weise in die Lagerkämpfe involviert sind, sondern
sich mißbraucht fühlen als Manöverfeld und ihr Bistum als inneren Ort verlässlicher Beheimatung nicht
wiedererkennen. Bald ist die Diözese Fulda kaputt gebombt. Wenn das alles zur Läuterung wird, dann liegen
Sinn und Segen darin … – Heiliger Bonifatius, hilf!
Antwort an Romano das Kirchenrecht kennen wir, das brauchst du nicht zu zitieren. Aber du scheinst es
kaum kapiert zu haben, denn immer ist dort der oder ein Pfarrer der verantwortliche Leiter, der die Autorität
des Bischof (und Papstes) vertritt, die ihrerseits nicht willkürlich-autonom, sondern gebunden an Schrift
und Tradition die Kirche leiten. „Liebst du mich?“ Dann weide meine Schafe! Das ist ein personaler Ruf,
kein anonymes und jede Verantwortung delegierendes „Kooperieren“. Lese also statt im CIC etwas mehr in
der Bibel oder in der Geschichte der Heiligen (die es auch unter Priestern, Bischöfen und Päpsten gab,
nie aber wurde ein „Team“ selig- oder heiliggesprochen). Mit der kooperativen Pastoral unter Einbindung
von Laientheolog/innen wird, so meine These, das bisherige Priestertum der kath. Kirche abgeschafft!!
Ganz klar und sehr einfach Die Hauptstörfaktoren und Aufregungsquellen sind verletzte Eitelkeit und kein
guter Draht zum Bischof. Per definitionem auszuschließen sind also selbstverständlich die Denkunmöglichkeiten,
daß die Bistumsleitung weit mehr Priester verletzt, als sich mit durchaus fragwürdigen Machenschaften
in nicht immer transparenten Netzwerken publikumswirksam organisieren, und daß die Leitungsriege keinen
guten Draht zum real existierenden Presbyterium hat, das aber nicht nur aus verqueren Profilneurotikern
und nicht satisfaktionsfähigen Nostalgikern besteht, die mit Zwang verändert werden müssen. Wir verletzen
niemand, einige mühen sich halt nicht genug um den guten Draht oder verweigern – so klar und einfach
die Diagnose des Freundeskreises um den Bischof. Fortsetzung im nächsten Abschnitt …
@ Romano Das ist ja alles schön und gut. Aber nach Abschätzung der Lage im Bistum Fulda ist die dort
geplante Umstrukturierung überhaupt nicht notwendig. Diese Feststellung hat nichts mit Borniertheit und
mangelnder Aufgeschlossenheit zu tun. Frage: Warum tut die Fuldaer Diözesanleitung eigentlich nichts
gegen den immer größer werdenden Gläubigenmangel???
@Konrad Ich denke, so groß sind meine Irrtümer dann auch wieder nicht… Was Sie über den Pfarrer sagen,
steht zwar in Can. 515 cic, aber eben genau mit dem Zusatz, den ich gemacht habe. Dort heißt es nämlich:
„Die Pfarrei ist eine bestimmte Gemeinschaft von Gläubigen, die in einer Teilkirche auf Dauer errichtet
ist und deren Seelsorge unter der Autorität des Diözesanbischofs einem Pfarrer als ihrem eigenen Hirten
anvertraut wird.“ Was ich sage, wird durch Can. 369 cic bestätigt: „Eine Diözese ist der Teil des Gottesvolkes,
der dem Bischof in Zusammenarbeit mit dem Presbyterium zu weiden anvertraut wird…“. Also: das Hirtenamt
des Pfarrers leitet sich aus der Zusammenarbeit des Bischofs mit dem Presbyterium ab! Diese Unterschiede
spiegeln sich im unterschiedlichen Weihegrad. Weil das alles so ist, ist Can. 517 cic eine „logische“
Konsequenz: „Wo die Umstände es erfordern, kann die Seelsorge für eine oder für verschiedene Pfarreien
zugleich mehreren Priestern solidarisch übertragen werden, jedoch mit der Maßgabe, daß einer von ihnen
Leiter des seelsorglichen Wirkens sein muß, der nämlich die Zusammenarbeit zu leiten und dem Bischof
gegenüber zu verantworten hat.“ Selbst die „solidarische“ Beauftragung (natürlich nicht: Weihe) ist
also keine Erfindung von Bischof Algermissen; m.E. ergibt sie sich (als Möglichkeit) bereits aus der
„Bezogenheit“ der Priester eines Bistums auf ihren Bischof (und damit auch untereinander).
#19 Laurentius2 17:30:13 | Dienstag, 21. Juni 2005
@Dr.Otterbeck & Romano & Konrad Sehr geehrter Herr Dr. Otterbeck, ich reiche eine einschlägige Adresse
nach. Lieber Romano, das Wort Karriere war natürlich gänzlich unpassend, mea culpa. Ich bin nunmal Laie …
weiß aber aus erster Hand, wie sich Fuldaer Priester verzweifelt gegen diese Revolution der Gemeindehierarchien
nach 68er Art mit Händen und Füßen wehren, weil damit der relativ junge + oft sehr glaubenstreue (auch
dank Dyba) Klerus in Fulda endgültig „gleichgeschaltet“ wird. P.S.: Wären Sie, Romano, jedem Kirchenmann
immer gehorsam ? Es gab einen ganzen Haufen schlechter bis sehr schlechter Bischöfe in der Kirchengeschichte !
Der totale Gehorsam ist wenn überhaupt bei den Ordensleuten angesagt. Nicht unbedingt bei anderen Katholiken
(ungehorsame Katholiken haben die Kirche sogar manchmal gerettet …). Lieber Konrad, danke, so ist es.
Antwort an Romano Dein schöner an Guardini gemahnender Vorname verhindert nicht wesentliche Irrtümer:
der Priester ist „Hirt und Leiter der Pfarrgemeinde“, wie eine Instruktion der Kleruskongregation vom
4.08.2002 es ausdrückt. Er ist nicht wie ein Funktionär oder Beamter „verlängerter Arm des Bischofs“,
sondern steht selbst und unmittelbar in der Nachfolge des guten Hirten, ist also in deiner etwas spöttischen
Sprache durchaus ein „kleiner Bischof“, ja sogar ein „kleiner Papst“. Selbstverständlich muss er diesen
Hirtendienst in Einheit mit dem Bischof (der in Einheit mit der Weltkirche steht und zum Beispiel keine
amtlichen Abtreibungsermöglichungen dulden darf) und dem diözesanen Priesterkollegium ausüben. Gerade
weil der Gehorsam der gegen „kooperative Pastoral“ protestierenden Priester aus Fulda „reflektiert“ ist,
lassen sie sich nicht in ein rein pragmatisch und am Ende kollektivistisches „Pastoralteam“ einspannen.
Christus beruft einzeln, nicht gruppenweise. Die Priesterweihe und die Verleihung der Vollmachten wird
einzel, nicht einem Team oder Jahrgang gespendet.
@Konrad Im Ausgangspunkt stimme ich Ihnen natürlich zu: es sollte einem Priester nicht um Karriere, sondern
um Dienst an der Gemeinde in „reflektiertem“ Gehorsam zu seinem Bischof gehen. Zum Hirtenamt muss man
aber sagen: dieses Amt übt der Priester nur in Gemeinschaft mit seinem Bischof aus. Der Pfarrer ist also
nicht der „kleine“ Bischof vor Ort! Daher wundere ich mich, welche Bedeutung diese Statusfrage für manche
Priester offenbar hat. Es geht eben nicht darum, vor Ort schalten und walten zu können, wie man mag,
sondern im Auftrag des Bischofs dessen Herde zu weiden. „Weite und Sicherheit“ des katholischen Glaubens
können m.E. vor diesem Hintergrund überhaupt nicht davon berührt werden, ob ein Priester allein für
eine Gemeinde zuständig ist oder gemeinsam mit ein oder zwei Mitbrüdern mehrere Gemeinden betreut. Das
zu entscheiden, ist doch gerade originäre Aufgabe des Bischofs.
Karriereschaden? Ein Priester sollte an so etwas wie „Karriere“ überhaupt nicht denken. Er soll dienen
und seinem Bischof gehorchen, natürlich in der Weite und Sicherheit des katholischen Glaubens. Letzteres
ist aber nun in Gefahr geraten und da wehren sich in Fulda und beim „Priesternetzwerk“ Priester mit Recht!
Nicht weil ihre Karriere gefährdet wäre (da haben sie zur Zeit ohnehin keine Chance), sondern weil es
um Wesen und Auftrag des katholischen Priestertums geht. Dieses ist ein Hirtenamt, das vor Gott (nicht
vor dem Bischof!!) Rechenschaft ablegen muss. Man schaue auf das Beispiel des hl. Pfr. von Ars, der für
nur 320 Katholiken zuständig war und eine ganze Welle der Heiligung auslöste. Zählt dieses Beispiel
noch bei den Pastoralstrategen in Fulda und anderswo?
#15 Dr. Otterbeck 15:21:05 | Dienstag, 21. Juni 2005
Briefe an wen? Gern würde ich vermitteln, wenn ich könnte… Aber ich verfüge über keine nennenswerten
Kontakte. Außerdem bin ich ja, ersichtlich, bekennender Spät-„Montinianer“. Schon in den 1950er Jahren
nannte man diejenigen Katholiken so, die in G.B. Montini (Dr.jur. Dr.theol.) den kommenden Mann sahen.
In meiner frühen Jugend, fast noch Kindheit, hat sich bei mir eine Glaubenswende vollzogen, die mittelbar
darauf beruht, dass Montini 1978 sein Leben für seinen Freund Moro angeboten hat. Ich kann nicht anders
als alle wesentlichen Entscheidungen seines Pontifikats für richtig halten, insb. „Missale Romanum“ und
„Humanae vitae“. Aber wenn Sie meinen, dass ich vermitteln könnte, nehmen Sie bitte Kontakt auf.
Existenzvernichtende Maßnahmen? Laurentius, bei allem Respekt: ich wüßte gern einmal eine „existenzvernichtende“
Maßnahme, die ein deutscher Kleriker, der praktisch Beamtenstatus hat, besorgen müsste. Das Gehorsamsversprechen
gegenüber dem Bischof gilt natürlich nicht selektiv „je nach Gusto“. Ich halte aber die Vorstellung
für geradezu absurd, dass ein Priester in Fulda, der seinem Bischof in einem persönlichen Gespräch
(!) seine Bedenken gegen die neuen Strukturen vorträgt, dafür in irgendeiner Form gemaßregelt wird.
Wenn überhaupt, dürfte es Ärger geben, wenn sich der Bischof durch Aktionen „hinter seinem Rücken“
hintergangen fühlen muss.
#13 Laurentius2 10:36:12 | Dienstag, 21. Juni 2005
@ Dr.Otterbeck Können Sie vielleicht nach Rom schreiben ? Ich weiß von einem Priester in Fulda, daß
dort im Klerus große Angst vor existenzvernichtenden Maßnahmen herrscht. Wer verliert schon gerne seine
Stelle ? Die Furcht vor dem karriererelevanten Rotariernetzwerk ist „real präsent“ … Bin selbst zu
feige – wegen kirchlicher Stelle …
Ganz so einfach sind die Dinge in der Tat nicht. Daher taugen die abstrusen „Rotary-Verschwörungstheorien“
eben auch nicht. Manchmal denkt man, einige Kritiker schreiben aus verletzter Eitelkeit, weil sie selbst
nicht über einen so guten Draht zum neuen Bischof verfügen… Im übrigen muss man auch die Frage stellen,
ob der von vielen verehrte Bischof Dyba seinem Nachfolger wirklich einen so gut bestellten Acker hinterlassen
hat. Eines ist jedenfalls klar: wenn sich die Kirche nicht auf die riesigen personellen und finanziellen
Engpässe der kommenden Jahrzehnte vorbereitet, wird die pastorale Not noch sehr viel größer werden.
So gut wie keine deutsche Diözese verzichtet derzeit auf Überlegungen, die über kurz oder lang in eine
Zusammenlegung von Pfarreien münden werden. Vielfach werden dabei im übrigen bloß die Verhältnisse
um die Mitte des 20. Jhdt. wiederhergestellt. Wenn sich die Kritik darin erschöpft, dass es in Zukunft
weniger kanonische Pfarrer als bisher geben wird, wird Bischof Algermissen, über dessen „Katholizität“
niemand urteilen sollte, der ihn nicht wirklich kennt, das Nötige ruhig und bestimmt tun. Wer auf dem
Weg anderer Meinung ist als er, soll ihm „ins Angesicht widerstehen“. Offenbar fehlen manchem im Bistum
Fulda Mut oder Argumente dazu.
Catholicissimus So einfach, wie manche das sehen und meinen, ist die Gesamtlage nicht. In kath.net wird
fast jede schriftliche Stellungnahme des Fuldaer Bischofs abgedruckt bzw. ins Netz gestellt und als besonders
kirchentreu präsentiert. Seine Rotarier-Freunde unterhalten auch innerkirchlich ein weit verzweigtes
Netz gegenseitiger Förderung und Vertreidigung (da ist es dann möglich, daß der Bischof seinen Rotary-Club
am Aschermittwoch zum Heringsessen einlädt). Im Zweifelsfall ist alles römischst katholisch und katholischst
fuldisch. Und es kann ja wohl kaum darum gehen, daß uns pharisäisches Denunziantentum rettet. Notfalls
biegen auch in Rom mächtige Freunde die ganze Sache wieder zurecht. Bekehrung – Gebet – Durchhalten.
Das dabei vergossene Blut wird verdrängt – die dabei draufgehen, haben es halt nicht kapiert, worauf
es ankommt. Oh Glaubensvater Bonifatius …!
@ Konrad Apropos „Donum vitae“: Wie ich erfahren habe, ist die Vorsitzende des Lndesverbands Hessen von
„Donum vitae“, Frau Dipl.-Theol. Margit Hartmann, aktives Mitglied des Fuldaer Domchores. Es passt leider
Gottes alles ins Bild. Es wird in der Tat höchste Zeit, in Rom vorstellig zu werden.
Europa ist noch nicht am Ende, Konrad, wenn auch schwer in der Klemme. Freilich müsste ein neuer „Schuman-Plan“
her, etwa so, dass sich Kerneuropa (D, F, A, NL, B, L später I) dazu bekennt, künftig seine Rechte als
Konföderation innerhalb der EU auszuüben (außer im Fiskalischen und bei der Wehrverfassung, was Gauweiler
vermutl. zu Recht angreift); das Referendum in Italien hat doch gezeigt, dass die Kirche, weit entfernt
von Kulturkampftaktik, zu kultureller Inspiration fähig ist. Vertrauen wir doch nicht zu sehr den Untergangspropheten,
bei allem Ernst der Situation.
Fulda Der neue Bischof hat seinen Dienst gleich mit einem Verrat am Wirken seines Vorgängers begonnen:
er hat seine Toleranz gegenüber den christlichen Abtreibungsermöglichern von „Donum Vitae“ zum Ausdruck
gebracht. Dass er jetzt das bisherige katholische Priestertum unter Mithilfe von „Wir sind Kirche“-Klerikern
abschafft, ist die Folge. So wie die Auflösung Europas die Folge eines gottlosen Verfassungsprojektes
war. Man kann auf Sand oder auf Felsen (Wort Gottes; Petrus) bauen – das Evangelium sagt, was dann folgt.
Hilferuf ! – Gebet. – Rom ! Dieser Priester ruft um Hilfe. Nirgendwo wird die Kirchenspaltung, von der
auch in indirekter aber unmißverständlicher Weise Bischof Mixa kürtlich sprach, so deutlich wie hier
auch am Beispiel Bischof Müller einerseits und Algermissen andererseits. Rom muß informiert werden .
Wir kleinen Sünder von der letzten Kirchenbank müssen feste beten. Ich übernehme einen Rosenkranz für
die verratenen Fuldaer Priester und Gläubigen und bitte Erzbischof Dyba um Hilfe, wer übernimmt es,
nach Rom zu schreiben ?
„Oh Glaubensvater, sieh’ die Not …!“ Ohne alle Ihre Haltungen, Einstellungen und Verhaltensweisen in
kreuz.net zu teilen, eines müssen wir in Fulda – ich rede jetzt für eine Reihe von Priestern – eingestehen:
Das Erbe Erzbischof Dybass wird systematisch zerstört – bis dahin, daß im Dom keine Blumen und Kerzen
mehr an sein Grab gebracht werden dürfen, Zeichen lebendiger Kirche und vitalen Glaubens. Wir rutschen
momentan ins Bodenlose, vielleicht retten uns die Rotarier. Es bleibt nur, von ganzem Herzen die letzte
Strophe des Bonifatius-Liedes – in Fortsetzung obiger Titelzeile – zu singen: „… still Gottes Zorn,
wenn er uns droht, zu strafen unsere Sünden …!“ und zu vertrauen, daß die Heiligen ihr Werk nicht
vergessen …
@ Maximilian Weißt Du zufällig, wie lange schon Pfarrer Winfried Hahner das Sprecheramt des Priesterrats
der Diözese Fulda ausübt? Ich nehme doch sehr an, dass dies erst in der Nach-Dyba-Ära möglich werden
konnte. Ein Geistlicher als Sprecher des Priesterrats, der di Ziele von „Wir sind Kirche unterstützt“!
Könnte und sollte man da nicht offiziell Beschwerde einlegen, nötigenfalls bei der Kleruskongregation
in Rom?
Im Bistum Regensburg … entzog Bischof Müller vor wenigen Wochen einem kath. Religionslehrer konsequenterweise
die kichliche Lehrbefugnis, weil dieser sich im Vorstand des sogenannten KirchenVolksBewegung „Wir sind
Kirche“ engagierte. Es stellt sich in der Tat die Frage, warum solche Leute im Bistum Fulda kirchliche
Ämter bekleiden und sogar als Sprecher des Priesterrats, einem offziellen Gremium der Diözese, fungieren
dürfen. Am besten wäre es, wenn Bischof Müller seinem Amtsbruder Algermissen bei der nächsten Vollversammlung
der Bischofskonferenz ins Gewissen reden würde.
@ highnoon Gemach, gemach, bitte form und Inhalt nicht verwechseln. Wenn Kirchenrebellen wie die Hahner
und Gerhard im Fuldaer Priesterrat das Sagen haben, dann muss sich Bischof Algermissen schon die Frage
gefallen lassen, auf welche Leute er sich da stützt. Der sogenannte „Fuldaer Kreis für eine offene Kirche“
war im letzten Jahr durch ein Referat der „Priesterin“ Dr. Ida Raming aufgefallen, ohne dass die Diözesanleitung
gegen diese auch on Klerikern maßgeblich getragenen Veranstaltung interveniert wäre. In diesem Jahr
wurde eine Veranstaltung mit Prof. Hasenhüttl kurzfristig abgesagt worden, nachdem dies in Medien bekannt
wurde. Ich frage mich aber schon, was das für Pfarrer sind, die solche Leute einladen …
#2 highnoon † 15:13:44 | Donnerstag, 16. Juni 2005
Priesterrat weil der Redaktion die Unterstützung des Bischofs durch sein wichtigstes Beratungsgremium –
den Priesterrat – nicht passt, werden die Mitglieder als ängstliche Duckmäuser dargestellt und der Sprecher
dieses Gremiums als indiskutabel geschrieben. Also echter Journalismus.
#1 Laurentius2 09:44:32 | Donnerstag, 16. Juni 2005
@Algermissen Ich möchte nicht in Ihrer Haut stecken, Eminenz. Sie werden sich eines Tages für die Verschleuderung
des Erbes von Erzbischof Dyba verantworten müssen. Daran glaube ich fest.