Kinderabtreibung
Denken statt handeln
Das italienische Referendum zur Entrechtung der Kleinstkinder ist gescheitert. Sogleich entbrannte eine Diskussion über die Abschaffung der Kinderabtreibung. Doch Kardinal Ruini will lieber nachdenken.
(kreuz.net, Rom) Das italienische Abtreibungsgesetz sollte zugunsten der Kinder verbessert werden. Das erklärte der für die Regionen zuständige Minister Enrico La Loggia vor der Turiner Tageszeitung ‘La Stampa’.

„Italien hat heute bewiesen, daß es vom Italien von Gestern verschieden ist. Es ist für die Werte der katholischen Tradition empfänglicher.“ Die im Referendum bestätigten Prinzipien des Lebensschutzes müßten in Zukunft stärker berücksichtigt werden.

Eine grundsätzliche Revision des Abtreibungsgesetzes sei zwar für die unmittelbare Zukunft nicht zu erwarten. Der Minister schließt aber nicht aus, darüber eine Diskussion zu starten. Vielleicht könne man Lösungen vorantreiben, die dem Heute mehr entsprächen.

La Loggia stieß mit seinen Aussagen nicht nur auf Gegenliebe.

Mehrere Politiker erklärten, daß das Abtreibungsgesetz – gleich einer heiligen Kuh – nicht angerührt werden dürfe.

Auch der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz, Camillo Kardinal Ruini, goß Wasser in den brausenden Wein. Die Kirche werde sich nicht gegen die gegenwärtige Abtreibungsgesetzgebung einsetzen, erklärte der Kirchenfürst im Fernsehen.

Er habe über sich gelesen, daß er sich nun einer Verbesserung des Abtreibungsgesetzes zuwenden werde. Er habe keine Ahnung, wer dieses Gerücht in die Welt gesetzt habe.

Natürlich sei er gegen die Kinderabtreibung: „Aber, wir wollen das Gesetz nicht verändern“ – erklärte der Kardinal: Man wolle zum Nachdenken anregen.

In Italien ist das ungeborene Kind aufgrund des Paragraphen 194 des Strafgesetzes aus dem Jahr 1978 in den ersten drei Lebensmonaten vogelfrei.
      
4 Lesermeinungen
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#5   Irenäus   22:00:39 | Freitag, 17. Juni 2005
@Athanasius
Du „verkennst“, daß Ruini ganz auf Linie von V2 ist. Schließlich verlangt Dignitatis humanae, daß alle Weltanschauungen vom Staat gedultet werden müßten. So gesehen ist Ruini mit seinem Anliegen, nur zum Nachdenken anzuregen, ausgesprochen konziliar. Ansonsten würde er die „himmelsschreiende Sünde“ der Konzilskirche vollbringen, Andersdenkenden seine Überzeugungen aufzuzwingen.
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#3   Athanasius   10:47:01 | Freitag, 17. Juni 2005
Feiger!
Auch der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz, Camillo Kardinal Ruini, goß Wasser in den brausenden Wein. Die Kirche werde sich nicht gegen die gegenwärtige Abtreibungsgesetzgebung einsetzen, erklärte der Kirchenfürst im Fernsehen.
Er habe über sich gelesen, daß er sich nun einer Verbesserung des Abtreibungsgesetzes zuwenden werde. Er habe keine Ahnung, wer dieses Gerücht in die Welt gesetzt habe.
Wirklich Schande. Natürlich muss die Kirche sich widersetzen. So eine Feigheit!
Er ist schon vom Mediendruck beeindruckt und gibt jetzt schon nach. Das sind unsere Hirten. Dialog anstatt Bekehrung, Diskutieren anstatt Handeln. Das ist die wahre 68-er Krankheit.
Die Kirche macht sich unglaubwürdig mit Karrieristen die als Vatikandiplomaten wohl die (ethisch falsche) Zeugung von Embyonen verbieten und da aktiv in die Politik einmischen, sich aber beim weit schlimmeren Mordakt von dem Zeitgeist einschüchtern lassen. Oder ist es weil die deutschen Konziliarkollegen mit ihren Beratungsscheinen auch den Mord rechtfertigten?
Natürlich sei er gegen die Kinderabtreibung: „Aber, wir wollen das Gesetz nicht verändern“ – erklärte der Kardinal: Man wolle zum Nachdenken anregen.
Wo kennen wir diese Haltung von? Wo hörte ich öfter „Dialog“ anstatt Bekehrung?!
Durchaus feig. Die Abtreibung ist noch viel verwerflicher als die embryonale Stammzellenuntersuchung.
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#2   roemkath   10:27:06 | Freitag, 17. Juni 2005
Würde der Ungeborenen
Ich habe großen Respekt vor Ihrem unerschütterlichen Eintreten für die Rechte der ungeborenen Kinder. Sie rufen diesen massenmörderischen Skandal immer wieder in Erinnerung und mahnen an das (verblendete) Gewissen der Menschen unserer Zeit. Das verdient höchste Anerkennung.
Allerdings habe ich meine Anfragen an die Veröffentlichung von Bildern zermetzelter Kleinstkinder. Meines Erachtens widerspricht das der Würde der Ungeborenen, für die Sie ja eintreten. Einen ermordeten, zerstückelten, erwachsenen Toten würden Sie hier auch nicht abbilden, oder? Wo bleibt da die Menschenwürde?
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#1   ulrich   10:22:46 | Freitag, 17. Juni 2005
Angst vor der eigenen Courage
Dieser Herr Bischof hat – wie viele andere uns bekannte Vorsitzende von Bischofskonferenzen – Angst vor seiner eigenen Courage. Unglaublich! Anstatt die Stimmung zu nutzen und eine richtige Diskussion anzuheizen, gibt es wieder nur Beschwichtigungen. Vor wem hat er den Angst? Welche „Partei“ vertritt er denn? Ich fühle mich nicht vertreten.
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