Kurie
Glaubenswächter mit Samtpfoten
Der zukünftige Präfekt der Glaubenskongregation äußerte sich kürzlich über seine neue Aufgabe: Was sind seine Qualitäten? Wie wird er mit irrenden Theologen verfahren? Wie stellt er sich zum interreligiösen Dialog?
(kreuz.net, Vatikan) Erzbischof William Levada vertraut vor allem auf seine pastoralen Erfahrungen, um sein Amt als oberster Glaubenshüter auszuüben.

Er werde für die Bischöfe der ganzen Welt Verständnis haben, die sich Angriffen gegen die katholische Lehre gegenübersehen. Der Erzbischof sprach vor rund einer Woche mit dem Nachrichtendienst der US-Bischofskonferenz.

Zwar müsse die Glaubenskongregation auch irrende Theologen zurechtweisen. Doch ihre primäre Aufgabe sei eine positive: die Vermittlung der gesunden Lehre. Diese Aufgabe komme auch allen Theologen zu.

Erzbischof Levada übernahm sein neues Amt Anfang Juni. Er wird aber erst Ende Sommer nach Rom übersiedeln. Zuvor muß er seine Aufgabe in der Erzdiözese von San Francisco zuendebringen.

Die Glaubenskongregation habe durch die Wahl von Kardinal Ratzinger zum neuen Papst einen großartigen Theologen verloren, meinte Mons. Levada im Interview: „Ich bin jemand, der die pastorale Erfahrung mitbringt, wie man mit Glaubensfragen umgeht, so wie sie in der Lokalkirche gelebt werden.“

Er glaube, daß dies für die Bischöfe ein wichtiger Punkt sei: „Sie können darauf vertrauen, daß es im Gespräch mit unserer Kongregation jemanden gibt, der für ihre pastorale Situation und Erfahrung Verständnis aufbringt.“

Es sei die primäre Aufgabe der Kongregation zu verkünden, wie schön und wunderbar die Liebe Gottes ist.

Ein negativer Aspekt seiner Arbeit bestehe darin, korrigierend einzuschreiten: „Die Kongregation muß auch Theologen darüber befragen, wie sie ihre Positionen rechtfertigen oder mit dem Glauben vereinbaren können.“ Das könne als Repression mißverstanden werden.

„Manche glauben, daß man die Denk- und Gewissensfreiheit beschneidet, wenn man einen Theologen nicht alles sagen läßt, was ihm gerade einfällt oder wenn man zu ihm sagt: ‘Moment mal, das ist nicht korrekt.’“

„Wir haben die Freiheit nachzufragen und zu untersuchen.“

Ein Theologe müsse wissen, wohin seine Forschungen führten und ob sie mit dem Glauben, den die Kirche empfangen hat und aus dem sie lebt, übereinstimmen.

Ansonsten betreibe der Theologe keine wahre Theologie.

Die Theologie müsse einen Dialog mit der Offenbarung führen: „Man kann nicht einfach behaupten, daß die Offenbarung etwas enthält, nur weil man das so haben möchte.“

Einer der interessantesten Bereiche der theologischen Forschung ist – nach Erzbischof Levada – der interreligiöse Dialog, speziell im modernen Kontext der Vermischung der Kulturen.

„Wir befinden uns noch in einem sehr frühen Stadium der Entwicklung“ – erklärte der neue Glaubenshüter im Bezug auf die Haltung der Christen gegenüber den verschiedenen Kulturen und Religionen.

Daß die theologische Arbeit über den religiösen Pluralismus Kritik einsteckt, empfindet der Erzbischof als „normal“: Dieses Forschungsgebiet befinde sich noch in den Kinderschuhen.

„Es wundert mich nicht, daß es dafür so viel Interesse gibt“ – erklärte Mons. Levada: „Das ist ein sehr gutes Zeichen. Die Kirche, die Theologie und auch unsere Kongregation sollten hier interessierte Dialogpartner sein.“

Zu religiös-politischen Themen – wie die US-Debatte über die Zulassung von katholischen Abtreibungspolitikern zur Heiligen Kommunion – erklärte Mons. Levada salomonisch: „Die Glaubenskongregation ist da, um zu helfen, nicht, um sich einzumischen.“

Er werde jede erdenkliche Hilfe zur Klärung dieser Frage leisten.

Aber – unterstreicht der Erzbischof – die Antwort auf die Frage, wie sich Katholiken in einer pluralistischen Gesellschaft der Politik stellen sollten, sei zuerst Sache der Bischöfe und der Bischofskonferenzen.

Der Bioethik werde die Glaubenskongregation schließlich eine besondere Aufmerksamkeit schenken.

Es sei aber nicht nur für die Diözesen, sondern auch für katholische Universitäten schwierig, die notwendige wissenschaftliche und ethische Beratung zu bekommen, um in diesem Bereich zu einem reifen Urteil zu gelangen.
      
6 Lesermeinungen
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#6   Pelagius   17:54:43 | Freitag, 17. Juni 2005
Und wenn…
… die Theologen wissen, wohin ihre Auffassungen führen? – Und wenn sie es so wollen?
Was dann?
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#5   Athanasius   16:04:15 | Freitag, 17. Juni 2005
Zum Artikel Jesuitenschiff. (oben)
Wer würde schon mit den Jesuiten heutzutage gehen? Wer würde Ihre Kinder den liberalen Apostaten vertrauen?
Denn wenn man hier über ignatianische Spiritualität spricht:
1 Die Seele muss gerettet werden.
2 Die falschen Religionen müssen bekehrt und ausgetrieben werden (der hl. Franz Xaver SJ wusste es sehr politisch inkorrekt: anstatt Inkulturation wie bei den apostatischen Jesuiten Chinas, zerbrach dieser HEILIGE in Indien am Laufenden Bande die Götzenbilder, aber auch der Luxus des Westens heutzutage).
3 Eine Berufung zur Priesterschaft? Zum hl. Opfer. (Ach ja, jetzt seit 1969 ist der Priester „Vorsitzender der Mahlfeier“.)
4 Eine missionarische anstatt „dialogierende“ Mission für die Laien.
(Das ist der Inhalt der Ignatianischen Exerzitien des Heiligen. Und die findet man nur noch bei etwa der FSSPX und der FSSP.)
Ich geh’ nicht und wenn mit JUVENTUTEM.
Und nicht mit etwa dieser Gruppe (WYD 1997 + 2002) – Fotos:
www.traditio.com/comment/com0311g.jpg
www.traditio.com/comment/com0312h.jpg
Ich frage mich weshalb Kreuz.net für einen WJD mit einem Beratungsscheinbischof und den Jesuiten wirbt. Weshalb? Oder ist dies ein Free Posting Nachrichtendienst? Morgen WIr Sind Kirche?
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#4   Didimus   15:58:46 | Freitag, 17. Juni 2005
Levada richtig verstehen
Ich glaube eher, daß Ignatius den Erzbischof Levada falsch verstanden hat.
Ein Theologe müsse wissen, wohin seine Forschungen führten und ob sie mit dem Glauben, den die Kirche empfangen hat und aus dem sie lebt, übereinstimmen.
Ansonsten betreibe der Theologe keine wahre Theologie.
Die Theologie müsse einen Dialog mit der Offenbarung führen: „Man kann nicht einfach behaupten, daß die Offenbarung etwas enthält, nur weil man das so haben möchte.“
Das kann doch nur heißen, daß er die Theologen aufruft, nicht ihre Privatmeinung zu verkünden. Diese Äußerungen Levadas sind ein hoffnungsvolles Zeichen, daß er die Arbeit seines Vorgängers in dessen Sinn fortführt und dem Bestreben mancher Theologen, eine Art Gegen-Lehramt aufzubauen, einen Riegel vorschiebt. Daß dies mühsam ist und Jahre, vielleicht Jahrzehnte braucht, steht auf einem anderen Blatt.
PS: Wie wird denn hier im Forum das Duzen und Siezen gehandhabt? Ich nehme Deine Anrede einfach mal auf und duze Dich jetzt auch. Mir ist das Duzen in Internet-Foren ehrlich gesagt auch lieber.
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#3   Athanasius   15:32:46 | Freitag, 17. Juni 2005
Falsch verstanden
Vielleicht hast Du, Didimus, Ignatius falsch verstanden?
Er hat das Wort Dialog und Auseinandersetzung im gängigen post-konziliaren Sinne interpretiert, und ich fürchte er hat recht.
Natürlich ist ihre Einfüllung von Auseinandersetzung gültig bei den Leuten bonae voluntatis. Aber in Sache heutige Theologen geht es dann eher um Nicht-Anpassung.
Wenn man ihr Verständnis von „Auseinandersetzen“ meinen würde, hätte man „Anpassung“ gesagt. Denn darin besteht ja der richtige Umgang und Auseinandersetzung mit der Offenbarung. Anpassung, Bekehrung.
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#2   Didimus   14:31:39 | Freitag, 17. Juni 2005
Selbstverständlich Dialog!
Wenn ich Msgr. Levada richtig verstanden habe, ist der Aufruf zum „Dialog mit der Offenbarung“ eine Mahnung an die Theologen, nicht ihre eigenen Ideen auf Biegen und Brechen durchzusetzen, sondern sie immer an der Offenbarung zu messen. Was ist daran schlimm?
Im übrigen ist jeder Christ aufgerufen, einen „Dialog mit der Offenbarung“ zu führen oder anders ausgedrückt, sich mit der Offenbarung auseinanderzusetzen. Das nämlich liegt im Wesen der Offenbarung. Der dreifaltige Gott offenbart sich dem Menschen, der dieses Angebot Gottes annehmen oder ablehnen kann. Im Gegensatz zu Engeln hat der Mensch eine diskursive Intelligenz, so daß er den sich selbst offenbarenden Gott nicht ein für alle Mal annehmen oder ablehnen kann, er muß sich also immer wieder damit auseinandersetzen.
Das gilt erst recht für Theologen. Und das haben Theologen immer wieder getan. Von den Kirchenvätern über die großen Theologen des Mittelalters und der Neuzeit bis zu den heutigen kirchentreuen Theologen.
Eine naive Betrachtung der Bibel – das steht so und so drin und muß wortwörtlich befolgt werden – würde uns auf das Niveau evangelikaler Sekten zurückwerfen.
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#1   Ignatius   13:59:35 | Freitag, 17. Juni 2005
Dialog mit der Offenbarung
„Die Theologie müsse einen Dialog mit der Offenbarung führen.“
Potzblitz. Was ganz neues. Macht die Bibel es vor? Ist das Evangelium ein Dialog mit dem offenbarenden Christus?
Der Vater sagt: Folge mir nach, tue dies und das.
Der Nachfolger: Also Momentchen mal, das muss ich erst mal erörtern und dann mit dir dialogisieren und dann ganz behutsam, also unter Berücksichtigung aller dafürsprechenden subjektiven Belange, und … um nicht zu sagen dass … verstehe mich nicht falsch, aber … und überhaupt …
„Die spinnen, die Römer.“
Gott helfe der Kirche bzw was davon noch übrig ist!
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