Generalvikar des Bistums Basel: „Herr Zuber, das Gefühl ist nicht entscheidend.“
„Ich verstehe nicht, warum reformierte Theologen so leichtfertig über Katholiken und ihre Tradition meinen verfügen zu können.“ Generalvikar Roland-Bernhard Trauffer im Gespräch mit Pfarrblatt-Redaktoren.
(kreuz.net, Solothurn) Kürzlich stellte sich der Generalvikar der Diözese Basel, Pater Roland-Bernhard
Trauffer OP (59), einem Interview mit dem reformierten Kirchenboten und mit dem katholischen Pfarrblatt
der Nordwestschweiz. Die Diözese Basel ist das größte Bistum der Schweiz. An ihrer Spitze steht der
ehemalige Luzerner Theologieprofessor, Dr. Kurt Koch (54). Der Bischof der Diözese Basel residiert nicht
in Basel selber, sondern in der Nordschweizer Stadt Solothurn.
Im Interview ging es um die Erklärung
der Schweizer Bischöfe zur Frage der Interkommunion: „Wir können nicht so tun, als sei die Kirchenspaltung
bereits behoben und als hätten die Kirchen zur vollen Einheit gefunden. Nach katholischer Auffassung
ist die Eucharistie nicht der Weg zur Einheit, sondern deren Besiegelung“, meinte der Generalvikar zur
Frage des Kommunionempfanges durch Protestanten.
In der heutigen Situation sieht Pater Trauffer die ökumenischen
Wortgottesdienste als eine reale Möglichkeit, weil die Gegenwart Jesu Christi im Wort ohne Einschränkung
von allen, Katholiken und Protestanten, geglaubt und bezeugt werde.
Als mögliche Ausnahme in der Frage
der Interkommunion kann sich der Generalvikar die konfessionell gemischten Ehen und Familien vorstellen.
Sie seien in besonderer Weise berufen, die Einheit zu leben. Hier sei der Gewissensentscheid des einzelnen
entscheidend.
Der Empfang der hl. Kommunion sei immer mit einem Bekenntnis zum Papst und zur katholischen
Tradition und Glaubensüberzeugung verbunden: „Dies muß man den Nicht-Katholiken klar machen, vor allem
jenen Amtsträgern und Verantwortlichen, die jetzt so tun, als habe es die Reformation und die Unterschiede
im Glauben nie gegeben oder sie seien überwunden.“
Ob ein Katholik am protestantischen Abendmahl teilnehmen
solle, sei ein Gewissensentscheid. Für sich selber lehnt der Generalvikar eine solche Teilnahme ab. Er
könne „nicht bei einem Abendmahl kommunizieren, denn dies bedeutete für mich eine Absage an meinen eucharistischen
Glauben, der mir geschenkt und anvertraut wurde und mit dem die Reformation gebrochen hatte“. Sowohl in
der Theologie wie in der Praxis „wollten die Reformatoren etwas anderes als die Heilige Messe. Mit der
Nichtanerkennung des katholischen Sakramentes hat eine neue Tradition begonnen, die ich als Katholik respektieren
muß und mich nicht einfach darüber hinwegsetzen kann. Deshalb kann eine ganze katholische Gemeinde nicht
an einem evangelisch-reformierten Abendmahl teilnehmen.“
Pater Trauffer betonte, daß das Sakrament der
Beichte der Kommunion vorausgeht: „Kurz, die Kommunion ist mit Bedingungen verknüpft, die wir von den
Reformierten wohl kaum einfach so verlangen können.“
Auf den Einwand des reformierten Journalisten,
daß die Menschen spürten, daß es Christus selbst sei, der sie über alle Konfessionsgrenzen hinweg
zu Wein und Brot einlade und die Katholische Kirche darum doch nicht nein sagen könne, meinte der Generalvikar:
„Herr Zuber, das Gefühl ist nicht entscheidend. Jesus Christus ist nicht eine abstrakte Figur. Er ist
der Messias, der die Jünger berufen und nach unserem Verständnis die Kirche gegründet hat. Er wollte
diese sichtbare Kirche und gab beim letzten Abendmahl der Glaubensgemeinschaft klar den Auftrag: Dies
tut zu meinen Gedächtnis. Dieser Auftrag wird an die von der Kirche bezeichneten (geweihten) Beauftragten
weitergegeben, damit auch garantiert ist, daß die Einladung von Jesus Christus authentisch bleibt. Das
ist das katholische Verständnis. Ich verstehe nicht, warum reformierte Theologen so leichtfertig über
Katholiken und ihre Tradition meinen verfügen zu können.“
Der Dominikanerpater wehrte sich auch gegen
die Unterstellung, daß es in der Frage der Interkommunion um „Spitzfindigkeiten“ gehe: „Das stimmt nicht:
Es geht um etwas ganz Wesentliches in unserm Glaubensverständnis. Das müssen wir in einfachen und verständlichen
Worten aufzeigen.“
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