15:21:06 | Sonntag, 19. Juni 2005
Die „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ ist ein deutscher Verein, der sich für „Aufklärung“, „kritisches Denken“ und die „Popularisierung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden“ einsetzen. Wenigstens letzteres ist ihr kürzlich gelungen. Ein Kommentar.
(kreuz.net) Man befasse sich „kritisch“ mit Behauptungen, die am Rande oder außerhalb der anerkannten
Wissenschaften stehen oder oft voreilig dem Bereich des Übersinnlichen zugeordnet würden.
Die „Gesellschaft
zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ stellt sich vordergründig als weltanschaulich
neutral dar.
Doch in Wirklichkeit ist sie atheistisch ausgerichtet und personell und organisatorisch
sehr eng mit atheistischen Verbänden verbunden.
So gab es in Köln-Deutz eine gemeinsame Tagung der
„Gesellschaft“ mit dem „Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten“. Der Präsident der „Gesellschaft“
hielt die Festrede.
Im Einleitungstext zur Tagung kam man zur Einsicht, daß die traditionellen Religionen
„in vielerlei Hinsicht theoretisch widerlegt“ seien. Sie hätten sich auch „in ihrer Praxis als schlechte
Ratgeber für die Menschheit erwiesen“. Das belege nicht zuletzt – man rührt mit der großen Kelle an –
der islamische Fundamentalismus oder die „Kriminalgeschichte des Christentums“.
Fühlt man der „Gesellschaft
zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ auf den Zahn, stellt man freilich fest, daß
auch Wissenschaftsgläubige nur mit Wasser kochen.
Aufschluß darüber gibt ein Artikel auf der Homepage
der „Gesellschaft“. Er steht unter dem Titel „Exorzismus-Kurs im Vatikan“.
Der Artikel ist nicht die
Ausgeburt einer wissenschaftlich sauberen Berichterstattung.
So heißt es dort, daß man im Vatikan für
180 Euro zum „Teufelsaustreiber“ werden könne. Der „Aufschwung von Okkultismus“ habe den Papst „auf den
Plan“ gerufen.
Der Artikel bezieht sich auf eine im Februar international verbreitete Meldung, wonach
die Universität der Legionäre Christi in Rom
einen Exorzismuskurs anbietet.
Besagte Universität befinden
sich weder im Vatikan, noch ist sie mit ihm organisatorisch oder finanziell verbunden.
Der kurze Artikel
der Atheisten unterstützt seine Behauptungen mit fünf Quellenhinweise. Man nimmt es bei den Wissenschaftlichen
eben ganz wissenschaftlich.
In der Einleitung wird der arme Galileo Galilei – kein Fachmann in der Teufelsaustreibung –
bemüht.
Galileo sei ein Beweis dafür, daß die Kirche nicht schnell auf Zeitströmungen reagiere. Man
habe ihn erst nach vierhundert Jahren rehabilitiert.
Na ja.
Der Galileo ist für den, der die ganze
Geschichte kennt und kennen will, kein einfaches Thema. Aber man erspart sich viele Argumente, wenn man
es sozusagen aus dem Bauch heraus behandelt.
Zwerchfellwissenschaft.
„Geradezu schnell“ – so die wissenschaftsgläubigen
Atheisten weiter – „hat Rom auf die seit Jahrzehnten beobachtbare Zunahme von Okkultismus, Magie und mystischen
Erfahrungen reagiert.“
„Allerdings mit den Mitteln von gestern“ – meint der Artikel.
Anstelle von „Aufklärung“
biete die katholische Regina Apostolorum-Universität in Rom nun ein Seminar über Satanismus und Exorzismus
an.
Priestern und Theologen solle „in einem 180 Euro teuren, nur dreistündigen (!) Seminar“ beigebracht
werden, wahre Fälle von Teufelsbesessenheit von psychischen Störungen zu unterscheiden.
Drei Stunden?
Eine echte Schnellbleiche.
Die Legionäre Christi sind zweifellos für ihre Effizienz bekannt, aber 180
Euro für eine dreistündige Vorlesung?
Irgendwie hätte bei den wissenschaftlichen Atheisten an dieser
Stelle die Alarmglocke des gesunden Menschenverstandes läuten müssen. Doch offensichtlich haben die
antikirchlichen Vorurteile den Verstand um sein Licht gebracht.
Letzterer hätte die Wissenschaftler
dazu angehalten, die Zuverlässigkeit ihrer Quelle zu erforschen.
Dann wären sie darauf gekommen, daß
das Exorzisten-Seminar nicht „dreistündig (!)“ ist, sondern – immerhin – drei Monate dauert.
Wir dummen
Gläubigen verstehen natürlich, daß sich ein hochgebildeter Wissenschaftler nicht auf etwas so Kommunes
wie den gesunden Menschenverstand verlassen kann.
Nicht umsonst heißt das Mitteilungsblatt des besagten
Vereines „Skeptiker“. Radikale Skepsis vertraut auch der eigenen Geisteskraft nicht.
Darum läßt der
Rest des Artikels den Verstand ganz auf sich beruhen und wühlt statt dessen in den Gefühlen.
Man müsse
angesichts des Exorzismus-Kurses „Schlimmes befürchten“ – heißt es da: Im fernen 1976 habe es in Klingenberg
eine Epilepsiekranke gegeben, die nach einer langandauernden Teufelsaustreibung zu Tode kam.
Was will
dieses Argument beweisen? „Abusus non tollit usum“ – der Mißbrauch stellt den richtigen Gebrauch nicht
in Frage. Auch die Wissenschaft kann davon ein Liedlein singen.
Doch eines fällt auf.
Wenn es um religiöse
Themen geht, werden selbst nüchterne Wissenschaftler emotional.
Dagegen gibt es ein Mittel.
Statt Gott
und seine Kirche anzuklagen, würden sie besser daran tun, die eigenen Sünden zu bekennen und zu bereuen.
Das ist ein unfehlbares Mittel, um die persönlichen Gefühle zu beruhigen.
Denn so wie es im Seesturm
keine Atheisten gibt, gibt es im Sturm der Gefühle keinen seriösen Wissenschaftler.
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