Legionäre Christi
Die Atheisten machen sich Sorgen um den Exorzismus
Die „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ ist ein deutscher Verein, der sich für „Aufklärung“, „kritisches Denken“ und die „Popularisierung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden“ einsetzen. Wenigstens letzteres ist ihr kürzlich gelungen. Ein Kommentar.
(kreuz.net) Man befasse sich „kritisch“ mit Behauptungen, die am Rande oder außerhalb der anerkannten Wissenschaften stehen oder oft voreilig dem Bereich des Übersinnlichen zugeordnet würden.

Die „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ stellt sich vordergründig als weltanschaulich neutral dar.

Doch in Wirklichkeit ist sie atheistisch ausgerichtet und personell und organisatorisch sehr eng mit atheistischen Verbänden verbunden.

So gab es in Köln-Deutz eine gemeinsame Tagung der „Gesellschaft“ mit dem „Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten“. Der Präsident der „Gesellschaft“ hielt die Festrede.

Im Einleitungstext zur Tagung kam man zur Einsicht, daß die traditionellen Religionen „in vielerlei Hinsicht theoretisch widerlegt“ seien. Sie hätten sich auch „in ihrer Praxis als schlechte Ratgeber für die Menschheit erwiesen“. Das belege nicht zuletzt – man rührt mit der großen Kelle an – der islamische Fundamentalismus oder die „Kriminalgeschichte des Christentums“.

Fühlt man der „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ auf den Zahn, stellt man freilich fest, daß auch Wissenschaftsgläubige nur mit Wasser kochen.

Aufschluß darüber gibt ein Artikel auf der Homepage der „Gesellschaft“. Er steht unter dem Titel „Exorzismus-Kurs im Vatikan“.

Der Artikel ist nicht die Ausgeburt einer wissenschaftlich sauberen Berichterstattung.

So heißt es dort, daß man im Vatikan für 180 Euro zum „Teufelsaustreiber“ werden könne. Der „Aufschwung von Okkultismus“ habe den Papst „auf den Plan“ gerufen.

Der Artikel bezieht sich auf eine im Februar international verbreitete Meldung, wonach die Universität der Legionäre Christi in Rom einen Exorzismuskurs anbietet.

Besagte Universität befinden sich weder im Vatikan, noch ist sie mit ihm organisatorisch oder finanziell verbunden.

Der kurze Artikel der Atheisten unterstützt seine Behauptungen mit fünf Quellenhinweise. Man nimmt es bei den Wissenschaftlichen eben ganz wissenschaftlich.

In der Einleitung wird der arme Galileo Galilei – kein Fachmann in der Teufelsaustreibung – bemüht.

Galileo sei ein Beweis dafür, daß die Kirche nicht schnell auf Zeitströmungen reagiere. Man habe ihn erst nach vierhundert Jahren rehabilitiert.

Na ja.

Der Galileo ist für den, der die ganze Geschichte kennt und kennen will, kein einfaches Thema. Aber man erspart sich viele Argumente, wenn man es sozusagen aus dem Bauch heraus behandelt.

Zwerchfellwissenschaft.

„Geradezu schnell“ – so die wissenschaftsgläubigen Atheisten weiter – „hat Rom auf die seit Jahrzehnten beobachtbare Zunahme von Okkultismus, Magie und mystischen Erfahrungen reagiert.“

„Allerdings mit den Mitteln von gestern“ – meint der Artikel.

Anstelle von „Aufklärung“ biete die katholische Regina Apostolorum-Universität in Rom nun ein Seminar über Satanismus und Exorzismus an.

Priestern und Theologen solle „in einem 180 Euro teuren, nur dreistündigen (!) Seminar“ beigebracht werden, wahre Fälle von Teufelsbesessenheit von psychischen Störungen zu unterscheiden.

Drei Stunden? Eine echte Schnellbleiche.

Die Legionäre Christi sind zweifellos für ihre Effizienz bekannt, aber 180 Euro für eine dreistündige Vorlesung?

Irgendwie hätte bei den wissenschaftlichen Atheisten an dieser Stelle die Alarmglocke des gesunden Menschenverstandes läuten müssen. Doch offensichtlich haben die antikirchlichen Vorurteile den Verstand um sein Licht gebracht.

Letzterer hätte die Wissenschaftler dazu angehalten, die Zuverlässigkeit ihrer Quelle zu erforschen.

Dann wären sie darauf gekommen, daß das Exorzisten-Seminar nicht „dreistündig (!)“ ist, sondern – immerhin – drei Monate dauert.

Wir dummen Gläubigen verstehen natürlich, daß sich ein hochgebildeter Wissenschaftler nicht auf etwas so Kommunes wie den gesunden Menschenverstand verlassen kann.

Nicht umsonst heißt das Mitteilungsblatt des besagten Vereines „Skeptiker“. Radikale Skepsis vertraut auch der eigenen Geisteskraft nicht.

Darum läßt der Rest des Artikels den Verstand ganz auf sich beruhen und wühlt statt dessen in den Gefühlen.

Man müsse angesichts des Exorzismus-Kurses „Schlimmes befürchten“ – heißt es da: Im fernen 1976 habe es in Klingenberg eine Epilepsiekranke gegeben, die nach einer langandauernden Teufelsaustreibung zu Tode kam.

Was will dieses Argument beweisen? „Abusus non tollit usum“ – der Mißbrauch stellt den richtigen Gebrauch nicht in Frage. Auch die Wissenschaft kann davon ein Liedlein singen.

Doch eines fällt auf.

Wenn es um religiöse Themen geht, werden selbst nüchterne Wissenschaftler emotional.

Dagegen gibt es ein Mittel.

Statt Gott und seine Kirche anzuklagen, würden sie besser daran tun, die eigenen Sünden zu bekennen und zu bereuen. Das ist ein unfehlbares Mittel, um die persönlichen Gefühle zu beruhigen.

Denn so wie es im Seesturm keine Atheisten gibt, gibt es im Sturm der Gefühle keinen seriösen Wissenschaftler.
      
8 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#8   HeinrichvonOfterdingen   21:50:36 | Freitag, 27. Juni 2008
Da ist die Frau wohl schon jahrelang in Behandlung
und den Exorzismus www.bild.de/…ler,geo=4976502.html, der ihr helfen könne, den bietet man ihr nicht an. Die Geistlichen, die in Klingenberg den Exorzismus – allerdings ohne die erforderliche ärztliche Begleitung – ausführten wurden wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Geschieht hier nun gleiches mit den behandelnden Ärzten, die fahrlässig den Exorzismus verweigerten? Nun, natürlich nicht, weil der Exorzismus ja gegen die Dogmen des herrschenden Liberalismus verstößt, der in diesem Falle wieder mal Opfer gefordert hat. Nun Liberalismus fordert weltweit so viele Opfer, da kommt es auf ein paar nicht an.
Redaktion benachrichtigen
#7   Claus   14:03:36 | Samstag, 16. Juli 2005
@ methusalix
Zitat: „Die GWUP hat jedoch keinerlei Verankerung innerhalb der Scientific Community.“
methusalix:
„Das halte ich doch für, euphemistisch ausgedrückt, reines Wunschdenken.“
+++++++++++++++++++
Gehe ich gemäß folgender Quelle
www.diejungeakademie.de/…ache01_fruehwald.pdf
von 6,07 Forschern je Erwerbstätiger und aktuell 38,892 Mio. Erwerbstätigen in Deutschland aus, so gibt es in Deutschland rund 236.000 Forscher.
Die GWUP verfügt nach eigener Darstellung über ca. 700 Mitglieder, verschweigt jedoch, wieviele davon interessierte Laien und wieviele aktiv forschende und hochkarätige Wissenschaftler sind. Soweit ich weiß handelt es sich hier in der großen Mehrzahl um interessierte Laien, welche nicht in der wissenschaftlichen Forschung aktiv sind.
Mir ist es bisher nicht gelungen, die Anzahl der hochkarätigen Wissenschaftler (d.h. Wissenschaftler mit Publikationen in renommierten Zeitschriften wie z.B. Nature) herauszufinden. Sollten sich wider erwarten 10 bis Wissenschaftler finden lassen – man nenne mir bitte die Namen – so ist die Verflechtung der GWUP mit der Scientific Community schon rein zahlenmäßig homöopathischer Natur.
Redaktion benachrichtigen
#6   Irenäus   23:27:46 | Donnerstag, 23. Juni 2005
Verspätung
Tut mir leid, aber Methusalix muß ich recht geben: gerade die Tatsache, daß sich viele Wissenschaftler für diesen Unsinn hergeben, ist schockierend; das blinde Festhalten einer gewissen Scott (Mitglied der US-amerikanischen Schwesterorganisation CSICOP) am Neodarwinismus ist geradezu erschreckend; die dümmlichen Erwiderungen der Organisation National Center for Science Education auf Jonathan Wells’ Buch Icons of Evolution haben mich u.a. überzeugt, daß er mit seiner Abrechnung der Evolutionstheorie gar nicht so falsch lag. Wie schrieb noch mal Sagan:„CSICOP ist in der Tat unvollkommen. In gewissen Fällen hat ein Kritiker bis zu einem gewissen Grade recht…Früher war es so… daß die Medien mit jedem levitierendem Guru, außerirdischem Besucher, Channeler und Glaubensheiler oberflächlich und unkritisch umgingen.“(Taschenbuchausgabe 2000, Seite 363)
PS: ich rate allen Forumsteilnehmern, über obige Begriffe und Personen zu googeln, es lohnt sich!
Redaktion benachrichtigen
#5   methusalix †   23:20:23 | Montag, 20. Juni 2005
@Claus
Zitat: „Die GWUP hat jedoch keinerlei Verankerung innerhalb der Scientific Community.“
Das halte ich doch für, euphemistisch ausgedrückt, reines Wunschdenken.
Die Wissenschaftler die sich dort in die Bresche werfen, haben in der deutschen Wissenschaftsszene durchaus Rang und Namen. Ich empfehle, vor solch kühnen Aussagen einen Blick in die entsprechenden Bibliotheken/ Vorlesungsverzeichnisse/ Fachzeitschriften zu werfen.
Redaktion benachrichtigen
#4   Claus   15:42:51 | Montag, 20. Juni 2005
Pseudowissenschaft als Ersatzreligion
Bei der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V. (GWUP) handelt es sich nach meiner Einschätzung um eine Köpenickiade. „Wissenschaft“ ist hier nur ein Etikett, um für mediale Aufmerksamkeit zu sorgen. Die GWUP hat jedoch keinerlei Verankerung innerhalb der Scientific Community. In der Regel fallen nur Journalisten auf die Verpackung der GWUP herein.
Über die wahren Hintergründe der GWUP klärt folgende Homepage auf:
www.skeptizismus.de
Hintergründe eines aktuellen religiös anmutenden „Feldzuges“ der GWUP gegen die Homöopathie beschreibt folgender Link:
www.psychophysik.com/…tml/ak03-gwup03.html
Mit anderen Worten:
Es darf über diese Herren (und in homöopathischer Dosis auch Damen) geschmunzelt werden … :-)
Claus Fritzsche
Redaktion benachrichtigen
#3   Irenäus   18:55:27 | Sonntag, 19. Juni 2005
Blender
Vor vier Jahren habe ich Carl Sagans „Der Drache in meiner Garage-oder die Kunst der Wissenschaft, Unsinn zu entlarven“ gelesen. Das Buch ist wirklich beeindruckend und an einigen Stellen, wo er mit der Ufo-und Esoterik Bewegung abrechnet, auch relativ gut. Allerdings finden sich auch ziemlich dümmliche Aussagen, etwa wo er bestreitet , daß Darwin Rassist gewesen sei. Wer sich eingehender und kritisch mit den selbsternannten Skeptikern befassen will, die sich „wissenschaftlich“ mit behaupteten übernatürlichen Phänomenen beschäftigen, dem sei der folgende Link empfohlen:
www.skeptizismus.de www.skeptizismus.de/
Redaktion benachrichtigen
#2   Zur Kenntnisnahme   17:43:06 | Sonntag, 19. Juni 2005
Zwei sehr gute Artikel zum selben Kurs…
kann man auf der Webseite der Tagespost lesen:
www.die-tagespost.de/…iv/titel_anzeige.asp?ID=14023
www.die-tagespost.de/…iv/titel_anzeige.asp?ID=14183
Redaktion benachrichtigen
#1   Romano   17:17:24 | Sonntag, 19. Juni 2005
Exorzismus
In einem rumänischen Kloster ist offenbar eine Nonnen an den Folgen eines Exorzismus-Rituals gestorben. www.nzz.ch/…zEA2K4F9P-12.htmlSie war von einem Mönch und vier Nonnen an ein Kreuz gekettet worden und musste so während drei Tagen ohne Essen ausharren.
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
Legionäre ChristiEine Erklärung aus dem falschen Faxgerät? Legionäre ChristiDementiert Legionäre ChristiDer Vatikan forscht weiter Legionäre ChristiDer Papst richtet sich an die Legionäre Christi und an ihren Gründer Legionäre ChristiDie „Legionäre Christi“ haben einen neuen Generaloberen Legionäre ChristiNeu aufgerollt: Der Gründer der Legionäre Christi wieder unter Anklage
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net