09:38:41 | Montag, 20. Juni 2005
Der Gouverneur von Florida beantragte eine polizeiliche Untersuchung gegen Michael Schiavo. Schiavo hatte im März für eine gerichtliche Verfügung gesorgt, die es erlaubte, seine schwer behinderte Ehefrau verhungern zu lassen.
(kreuz.net, Florida) Jeb Bush, der Gouverneur des US-Bundesstaates Florida, will gegen den Ehemann der
ermordeten Wach-Komapatientin Terri Schiavo ermitteln lassen.
Frau Schiavo war Ende März das
Opfer eines
grausamen Justizmordes geworden. Nach einem Kreislaufzusammenbruch im Jahre 1990 lebte Terri im Wachkoma.
Jetzt möchte Gouverneur Bush das Verhalten von Terris Ehegatten Michael Schiavo beim Kollaps im Jahr
1990 untersuchen lassen.
Nach Angaben eines Beraters des Gouverneurs stimmte der Staatsanwalt der Aufnahme
der Untersuchungen zu.
Jeb Bush ist ein Bruder des amtierenden US-Präsidenten. Er ist bereits vor Jahren
zum Katholizismus konvertiert und stellte sich mit verschiedenen Rechtsmitteln gegen den Justizmord an
Terri Schiavo. Gouverneur Bush war der Leiter der US-amerikanischen Delegation, die an der Amtseinsetzung
von Papst Benedikt XVI. teilnahm.
Am vergangenen Mittwoch hatte der entfremdete Ehemann von Terri Schiavo
einen von ihm in Auftrag gegebenen Autopsiebericht veröffentlicht.
Zwei Tage später wies Gouverneur
Bush die Staatsanwaltschaft in einem Brief auf eine auffällige Lücke im Autopsiebericht hin: Nach dem
Kollaps seiner Gattin habe Terris Ehemann Michael Schiavo eine Stunde zugewartet, bevor er den Notruf
alarmierte.
Im Jahr 2002 gewann Schiavo einen Prozeß gegen Terris Ärzte wegen Falschdiagnosen. Im Zuge
der Verhandlungen erklärte er, daß er seine Ehefrau um 5.00 Uhr morgens im bewußtlosen Zustand vorgefunden
habe.
Nur ein Jahr später sagte er in einem Fernsehinterview mit dem US-amerikanischen Fernsehsender
CNN, daß er seine ohnmächtige Frau bereits um 4.30 Uhr bemerkt habe.
Doch den Notarzt verständigte
Terris entfremdeter Ehemann erst um 5.40 Uhr.
„Zwischen 40 und 70 Minuten verstrichen, bevor der Ruf
getätigt wurde und ich habe dafür keine Erklärung“, erklärt Gouverneur Jeb Bush dem Staatsanwalt.
Der Gouverneur stellt klar, daß er Michael Schiavo kein Vergehen unterstellen wolle. Aber es handle
sich um eine bedeutsame Frage, die nie geklärt worden sei.
„Die Familie von Frau Schiavo verdient“ –
so Bush im Brief an den Staatsanwalt – „alles zu erfahren, um die Ursache und die Umstände des Zusammenbruchs
vor 15 Jahren zu klären.“
Michael Schiavo nannte Bushs Ersuchen eine „Freveltat“. Er selber habe die
Autopsie der Leiche seiner verhungerten Frau veranlaßt. Damit habe er sich bemüht, alle Zweifel zu zerstreuen,
wonach er etwas in der Krankengeschichte seiner Frau habe verheimlichen wollen.
Der Rechtsbeistand von
Michael Schiavo veröffentlichte eine Stellungnahme, welche eine Zeitdifferenz zwischen Kollaps und Notruf
leugnet: Sein Mandant habe den Notarzt sofort verständigt.
Der Schritt von Gouverneur Bush sei der haltlose
Versuch, eine Kontroverse aufrechtzuerhalten, die nicht mehr existiere.
Terris Familie sieht das anders.
Es sei entscheidend zu wissen – so Terris Schwester bei einer Pressekonferenz –, was damals wirklich
geschah: „Wenn das Gehirn einer Person nicht mehr mit Blut und Sauerstoff versorgt wird, sind 70 Minuten
eine entsetzlich lange Zeit.“
Terris Eltern hatten im letzten Jahr mehrmals eine Gewalttat des Ehegatten
als Ursache für den Kollaps vermutet.
Die Autopsie bestätigte diesen Verdacht nicht. Es gebe keine
Anzeichen auf Mißhandlungen – lautete der von Michael Schiavo in Auftrag gegebene Bericht.
Die Angehörigen
der ermordeten Wachkomapatientin zeigten erneut ihr Unverständnis über die Tatsache, daß sich die Polizei
nicht schon vor Jahren mit dem Hergang des Zusammenbruchs ihrer Tochter beschäftigt hat.
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