Euthanasie
Neue Ermittlungen im Fall Terri Schiavo
Der Gouverneur von Florida beantragte eine polizeiliche Untersuchung gegen Michael Schiavo. Schiavo hatte im März für eine gerichtliche Verfügung gesorgt, die es erlaubte, seine schwer behinderte Ehefrau verhungern zu lassen.
(kreuz.net, Florida) Jeb Bush, der Gouverneur des US-Bundesstaates Florida, will gegen den Ehemann der ermordeten Wach-Komapatientin Terri Schiavo ermitteln lassen.

Frau Schiavo war Ende März das Opfer eines grausamen Justizmordes geworden. Nach einem Kreislaufzusammenbruch im Jahre 1990 lebte Terri im Wachkoma.

Jetzt möchte Gouverneur Bush das Verhalten von Terris Ehegatten Michael Schiavo beim Kollaps im Jahr 1990 untersuchen lassen.

Nach Angaben eines Beraters des Gouverneurs stimmte der Staatsanwalt der Aufnahme der Untersuchungen zu.

Jeb Bush ist ein Bruder des amtierenden US-Präsidenten. Er ist bereits vor Jahren zum Katholizismus konvertiert und stellte sich mit verschiedenen Rechtsmitteln gegen den Justizmord an Terri Schiavo. Gouverneur Bush war der Leiter der US-amerikanischen Delegation, die an der Amtseinsetzung von Papst Benedikt XVI. teilnahm.

Am vergangenen Mittwoch hatte der entfremdete Ehemann von Terri Schiavo einen von ihm in Auftrag gegebenen Autopsiebericht veröffentlicht.

Zwei Tage später wies Gouverneur Bush die Staatsanwaltschaft in einem Brief auf eine auffällige Lücke im Autopsiebericht hin: Nach dem Kollaps seiner Gattin habe Terris Ehemann Michael Schiavo eine Stunde zugewartet, bevor er den Notruf alarmierte.

Im Jahr 2002 gewann Schiavo einen Prozeß gegen Terris Ärzte wegen Falschdiagnosen. Im Zuge der Verhandlungen erklärte er, daß er seine Ehefrau um 5.00 Uhr morgens im bewußtlosen Zustand vorgefunden habe.

Nur ein Jahr später sagte er in einem Fernsehinterview mit dem US-amerikanischen Fernsehsender CNN, daß er seine ohnmächtige Frau bereits um 4.30 Uhr bemerkt habe.

Doch den Notarzt verständigte Terris entfremdeter Ehemann erst um 5.40 Uhr.

„Zwischen 40 und 70 Minuten verstrichen, bevor der Ruf getätigt wurde und ich habe dafür keine Erklärung“, erklärt Gouverneur Jeb Bush dem Staatsanwalt.

Der Gouverneur stellt klar, daß er Michael Schiavo kein Vergehen unterstellen wolle. Aber es handle sich um eine bedeutsame Frage, die nie geklärt worden sei.

„Die Familie von Frau Schiavo verdient“ – so Bush im Brief an den Staatsanwalt – „alles zu erfahren, um die Ursache und die Umstände des Zusammenbruchs vor 15 Jahren zu klären.“

Michael Schiavo nannte Bushs Ersuchen eine „Freveltat“. Er selber habe die Autopsie der Leiche seiner verhungerten Frau veranlaßt. Damit habe er sich bemüht, alle Zweifel zu zerstreuen, wonach er etwas in der Krankengeschichte seiner Frau habe verheimlichen wollen.

Der Rechtsbeistand von Michael Schiavo veröffentlichte eine Stellungnahme, welche eine Zeitdifferenz zwischen Kollaps und Notruf leugnet: Sein Mandant habe den Notarzt sofort verständigt.

Der Schritt von Gouverneur Bush sei der haltlose Versuch, eine Kontroverse aufrechtzuerhalten, die nicht mehr existiere.

Terris Familie sieht das anders.

Es sei entscheidend zu wissen – so Terris Schwester bei einer Pressekonferenz –, was damals wirklich geschah: „Wenn das Gehirn einer Person nicht mehr mit Blut und Sauerstoff versorgt wird, sind 70 Minuten eine entsetzlich lange Zeit.“

Terris Eltern hatten im letzten Jahr mehrmals eine Gewalttat des Ehegatten als Ursache für den Kollaps vermutet.

Die Autopsie bestätigte diesen Verdacht nicht. Es gebe keine Anzeichen auf Mißhandlungen – lautete der von Michael Schiavo in Auftrag gegebene Bericht.

Die Angehörigen der ermordeten Wachkomapatientin zeigten erneut ihr Unverständnis über die Tatsache, daß sich die Polizei nicht schon vor Jahren mit dem Hergang des Zusammenbruchs ihrer Tochter beschäftigt hat.
      
Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
Weiterlesen:
EuthanasieTerri Schiavo war auf dem Weg der Besserung EuthanasieStreng nach dem Gesetz EuthanasieEs war furchtbar EuthanasieBischöflicher Racheakt EuthanasieWar die ermordete Frau Terri Schiavo überhaupt im Wachkoma? EuthanasieDie Asche seiner ermordeten Frau EuthanasieHilflosenmord EuthanasieRettung in der Sterbestunde? EuthanasieDie andere Frau im Herzen von Michael Schiavo EuthanasieVerurteilt – zu grausamen Todesqualen EuthanasieTerri muß weiter verhungern EuthanasieDie Verhungerungsaktion wird unterbrochen EuthanasieHinrichtungskommando: Terris Magensonde ist entfernt EuthanasieLetzte Chancen EuthanasieSchweigen ist Gold
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net