Buchbesprechung
Ein Muß
Die Gläubigen deutscher Zunge bekommen endlich das Fernrohr zurück, das ihnen von Neuem erlauben wird, mit dem Verstand einen Blick in den Himmel zu werfen. Von der Leere zurück zur Lehre.
(kreuz.net, nova et vetera) Der Glaube und das Wissen um die übernatürlichen Dinge sind in der Kirche der Gegenwart fast völlig dahingeschmolzen – nicht nur bei den Gläubigen, sondern auch bei Bischöfen und Priestern.

Doch mitten in der Sahara tut sich jetzt eine Oase auf.

Denn der „Grundriß der katholischen Dogmatik“ – ein Standardwerk des Eichstätter Dogmatikprofessors Ludwig Ott († 1985) ist endlich wieder erhältlich.

Vom Sein Gottes bis zum Jüngsten Gericht bietet der „Grundriß“ einen Überblick über die gesamte katholische Lehre. Er hebt sich in Zeiten der Bücherschwemme und des Wortschwalls wohltuend ab.

Ott zeigt Schritt für Schritt – knapp und klar – den Weg: ausgehend von Gott dem Einen und Dreifaltigen über die Schöpfung, Erlösung zu Gott dem Vollender.

Bei jedem Punkt erklärt Ott die Lehre und wie sie begründet wird. Dazu werden das Lehramt, die Heilige Schrift, die Kirchenväter und die menschliche Vernunft beigezogen.

Als Beweis für seine Art der Darstellung, sei Ott hier die Möglichkeit gegeben, auf eine konkrete Frage zu antworten.

Konnte Christus während er auf Erden wandelte, Gott schauen?

Antwort: Die Seele Christi besaß vom ersten Augenblick ihres Daseins an die unmittelbare Gottanschauung.

Während die übrigen Menschen – so Ott – die übernatürliche und unmittelbare Gotteserkenntnis erst im Himmel erlangen, besaß sie die Seele Christi schon hier und zwar von der Empfängnis an.

Christus war darum zugleich ein Erdenpilger und einer, der am Ziel der irdischen Pilgerschaft angelangt war.

Daraus folgt, daß er die theologischen Tugenden des Glaubens und der Hoffnung nicht besitzen konnte und mußte.

Als Beweis aus dem Lehramt zitiert Ott die berühmte Enzyklika ‘Mystici Corporis’ von Papst Pius XII. († 1958):

„Auch jene Erkenntnis, die man Erkenntnis der Gottanschauung nennt, besitzt Christus in solcher Fülle, daß sie die beseligende Schau aller Heiligen im Himmel an Umfang und Klarheit weit überragt.“

Und weiter:

„Wegen jener seligen Gottschau, die er sogleich nach der Empfängnis im Schoße der Gottesmutter besaß, sind ihm alle Mitglieder seines mystischen Leibes immer gegenwärtig.“

Spekulativ begründet Ott den Lehrsatz auf vierfache Weise:

a) Die beseligende Gottanschauung ist die Teilnahme an der göttlichen Natur. Die Seele Christi war auf Erden viel inniger mit Gott verbunden, als die Heiligen im Himmel. Darum ist nicht einzusehen, warum ihr die direkte Gotteserkenntnis, die den Heiligen im Himmel zuteil wird, versagt bleiben sollte.

b) Christus ist durch sein Leben, Leiden und Sterben für die Menschen der Urheber des Heils. Das Heil besteht in der unmittelbaren Gottesschau. Für den Urheber gilt der Grundsatz: ‘Die Ursache muß größer sein, als die Wirkung.’ Darum besaß Christus in höherem Maße, was er anderen mitteilte.

c) Christus ist das Haupt der Engel und Menschen. Die Engel dienten Jesus auf Erden. Sie waren im Besitz der direkten Gottesanschauung. Mit der Stellung des Hauptes ist es unvereinbar, daß ihm ein Vorzug mangelte, der einem Teil der Glieder – hier: der Engel – verliehen war.

d) Christus ist der Vollender des Glaubens. Er selbst kann folglich nicht im Dunkel des Glaubens wandeln. Die Vollkommenheit des Eigenbewußtseins Jesu läßt sich nur daraus aus, daß er die mit ihm vereinigte Gottheit direkt erkannte.

Unzählige andere Fragen finden bei der Lektüre des „Grundrisses“ ihre Antwort.

Das neuaufgelegte Werk wird den Gläubigen auch helfen, theologische Fragen zu stellen. Es stößt Denkprozesse an, von denen die heute verdorrte akademische Theologie in wortreichen und trostlosen Vorlesungen nicht einmal zu träumen wagt.

Ott, Ludwig: Grundriß der katholischen Dogmatik
Erscheinen: Ende Juni im Verlag ‘Nova et Vetera’
ISBN 3-936741-25-5;
686 Seiten; Format: 17 x 24 cm

Preis: 50 Euro, die sich auf ewig bezahlt machen.
      
3 Lesermeinungen
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#3   Bokrug †   18:35:43 | Dienstag, 4. September 2007
Hinweise…
Katholischer Verlag für eher seltener verlegte katholische Literatur…
www.abacuscity.ch/abashop?i=jr50qz43uHcM…
www.kreuz.net/?redirect=24ec9…
Metaphysik und Philosophie
de.wikipedia.org/…ian_Friedrich_Krause
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#2   Marcel   09:14:57 | Dienstag, 21. Juni 2005
Tausche Auflage
Habe leider den guten alten Ott in der nicht mehr guten neuen Auflage hier; der 8. von 1969. (Jaja, wir alle fingen mal als Papalisten an, nicht wahr?)
Diese Auflage enthält leider Gottes bereits viele „Berücksichtigungen“ des V.II an zahlreichen Stellen in der Form von „Überarbeitungen“ und „Ergänzungen“ der Texte.
Wenn ein freundlicher Papalist eine Auflage älteren Datums besitzt aus der „Schneckenhaus-Kirchenzeit“, aber gerne neumodisch wäre auch beim Ott, würde ich gerne den Band tauschen.
Oder vielleicht hat ein mit der Tradition verbundender Katholik schon der Zukunft vorgegriffen und eine Liste (Index) erstellt mit allen Seiten, die herauszureißen sind bzw. Stellen, die einzuschwärzen sind?
Weil dann könnte ich das selber durchführen und müßte es nicht mehr machen, wenn es in Zukunft vom zur Tradition zurückgekehrten Rom angeordnet wird.
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#1   virOblationis   08:07:58 | Dienstag, 21. Juni 2005
„Der Schott“ als Weggefährte
Auf dem Weg zur Aufnahme in die Kirche war „der Ott“ für mich ein stets verläßlicher Kamerad. Ich sah in ihm einen guten Repräsentanten katholischer Theologie, wie sie war und stets bleiben wird. Als ich dann einige Vertreter postkonziliaren Elends kennenlernte, hielt ich dies noch für die unbegreifliche Verirrung einzelner; erst später wurde mir das ganze Ausmaß der Krise der Kirche bewußt. – Nun freue ich mich, daß „der Ott“ erneut aufgelegt wird, um auch noch viele weitere Gläubige auf ihrem Weg zu begleiten.
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