15:03:40 | Montag, 20. Juni 2005
Die Gläubigen deutscher Zunge bekommen endlich das Fernrohr zurück, das ihnen von Neuem erlauben wird, mit dem Verstand einen Blick in den Himmel zu werfen. Von der Leere zurück zur Lehre.
(kreuz.net,
nova et vetera) Der Glaube und das Wissen um die übernatürlichen Dinge sind in der Kirche
der Gegenwart fast völlig dahingeschmolzen – nicht nur bei den Gläubigen, sondern auch bei Bischöfen
und Priestern.
Doch mitten in der Sahara tut sich jetzt eine Oase auf.
Denn der „Grundriß der katholischen
Dogmatik“ – ein Standardwerk des Eichstätter Dogmatikprofessors Ludwig Ott († 1985) ist endlich wieder
erhältlich.
Vom Sein Gottes bis zum Jüngsten Gericht bietet der „Grundriß“ einen Überblick über
die gesamte katholische Lehre. Er hebt sich in Zeiten der Bücherschwemme und des Wortschwalls wohltuend
ab.
Ott zeigt Schritt für Schritt – knapp und klar – den Weg: ausgehend von Gott dem Einen und Dreifaltigen
über die Schöpfung, Erlösung zu Gott dem Vollender.
Bei jedem Punkt erklärt Ott die Lehre und wie
sie begründet wird. Dazu werden das Lehramt, die Heilige Schrift, die Kirchenväter und die menschliche
Vernunft beigezogen.
Als Beweis für seine Art der Darstellung, sei Ott hier die Möglichkeit gegeben,
auf eine konkrete Frage zu antworten.
Konnte Christus während er auf Erden wandelte, Gott schauen?
Antwort: Die Seele Christi besaß vom ersten Augenblick ihres Daseins an die unmittelbare Gottanschauung.
Während die übrigen Menschen – so Ott – die übernatürliche und unmittelbare Gotteserkenntnis erst
im Himmel erlangen, besaß sie die Seele Christi schon hier und zwar von der Empfängnis an.
Christus
war darum zugleich ein Erdenpilger und einer, der am Ziel der irdischen Pilgerschaft angelangt war.
Daraus
folgt, daß er die theologischen Tugenden des Glaubens und der Hoffnung nicht besitzen konnte und mußte.
Als Beweis aus dem Lehramt zitiert Ott die berühmte Enzyklika ‘Mystici Corporis’ von Papst Pius XII.
(† 1958):
„Auch jene Erkenntnis, die man Erkenntnis der Gottanschauung nennt, besitzt Christus in solcher
Fülle, daß sie die beseligende Schau aller Heiligen im Himmel an Umfang und Klarheit weit überragt.“
Und weiter:
„Wegen jener seligen Gottschau, die er sogleich nach der Empfängnis im Schoße der Gottesmutter
besaß, sind ihm alle Mitglieder seines mystischen Leibes immer gegenwärtig.“
Spekulativ begründet
Ott den Lehrsatz auf vierfache Weise:
a) Die beseligende Gottanschauung ist die Teilnahme an der göttlichen
Natur. Die Seele Christi war auf Erden viel inniger mit Gott verbunden, als die Heiligen im Himmel. Darum
ist nicht einzusehen, warum ihr die direkte Gotteserkenntnis, die den Heiligen im Himmel zuteil wird,
versagt bleiben sollte.
b) Christus ist durch sein Leben, Leiden und Sterben für die Menschen der Urheber
des Heils. Das Heil besteht in der unmittelbaren Gottesschau. Für den Urheber gilt der Grundsatz: ‘Die
Ursache muß größer sein, als die Wirkung.’ Darum besaß Christus in höherem Maße, was er anderen
mitteilte.
c) Christus ist das Haupt der Engel und Menschen. Die Engel dienten Jesus auf Erden. Sie waren
im Besitz der direkten Gottesanschauung. Mit der Stellung des Hauptes ist es unvereinbar, daß ihm ein
Vorzug mangelte, der einem Teil der Glieder – hier: der Engel – verliehen war.
d) Christus ist der Vollender
des Glaubens. Er selbst kann folglich nicht im Dunkel des Glaubens wandeln. Die Vollkommenheit des Eigenbewußtseins
Jesu läßt sich nur daraus aus, daß er die mit ihm vereinigte Gottheit direkt erkannte.
Unzählige
andere Fragen finden bei der Lektüre des „Grundrisses“ ihre Antwort.
Das neuaufgelegte Werk wird den
Gläubigen auch helfen, theologische Fragen zu stellen. Es stößt Denkprozesse an, von denen die heute
verdorrte akademische Theologie in wortreichen und trostlosen Vorlesungen nicht einmal zu träumen wagt.
Ott, Ludwig: Grundriß der katholischen Dogmatik
Erscheinen: Ende Juni im Verlag ‘Nova et Vetera’
ISBN
3-936741-25-5;
686 Seiten; Format: 17 x 24 cm
Preis: 50 Euro,
die sich auf ewig bezahlt machen.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#3
Bokrug † 18:35:43 | Dienstag, 4. September 2007
#2
Marcel 09:14:57 | Dienstag, 21. Juni 2005