Lateinamerika
Schlechte Zeiten?
Katholische Bischöfe bejammern die schlechten Zeiten – den Konsumismus und Materialismus – wenn sie auf den Absturz ihrer Kirche angesprochen werden. Doch liegen die Probleme wirklich bei den anderen?
(kreuz.net, Los Angeles) Die Fernsehstation KCET im US-Bundesstaat Los Angeles veranstaltete kürzlich eine Diskussion über den rasanten Aufstieg der protestantischen Sekten in Lateinamerika.

KCET ist ein südkalifornisches Kulturfernsehen.

In der Reportage kamen verschiedene Zeugen zu Wort.

Einer von ihnen ist Arnulfo Urla. Urla ist Pastor der „Kirche Christi“, einem Gebetshaus der Pfingstbewegung in der Stadt Guatemala.

Guatemala befindet sich südlich von Mexiko.

In den letzten Jahren haben evangelikale Protestanten – so Pastor Urla – Millionen von Katholiken in Lateinamerika angezogen und sie „vom Rand des religiösen Lebens zu einem praktizierten Glauben geführt“, erklärt der Prediger:

„Das Land Guatemala hat sich in den letzten 20 Jahren aufgrund des evangelikalen Einflusses vollständig gewandelt. Das ist mehr als Religion. Es ist eine ganzheitliche Art zu leben.“

„Guatemala war fast zu 100% katholisch. Der Katholizismus war der traditionelle Glaube. Dann erweckte Gott im Volk das Bedürfnis, den Evangelikalismus zu verbreiten. Jetzt ist Guatemala kein katholisches Land mehr.“

Pastor Urla ist davon überzeugt, daß der mächtigste kulturelle Exportartikel Guatemalas in Zukunft sein Glaube sein wird: „Guatemala wird ein Licht für andere Nationen werden“. Aus Guatamala seien bereits viele Missionare ausgesendet worden: „Ich erinnere mich, als ausländische Missionare nach Guatemala kamen, um das Wort Jesu Christi zu verbreiten. Jetzt sendet Guatemala Missionare in andere Länder.“

Ungefähr 25 bis 40 Prozent der Einwohner des Landes sind inzwischen zu evangelikalen Gruppen oder Pfingstsekten übergelaufen. Damit ist Guatemala unter allen spanischsprechenden Ländern das protestantischste.

In Lateinamerika ist zur Zeit bereits ein Fünftel der Bevölkerung protestantisch.

„Ich fühle, wie sich mein Leben ändert, wenn ich in diesem Gebetshaus bin“, erklärt Auria Sandoval.

Frau Sandoval ist Mitglied einer evangelikalen Sekte: „Es fühlt sich an, wie wenn ein Feuer im Herzen ist, durch das ich ganz verwandelt werde. Ich fühle die Gegenwart Gottes, als ob er genau hier wäre mit mir“, sagt sie.

Dennis Smith, der Direktor des Evangelikalen Zentrums für Pastorale Studien in Zentralamerika, stellt fest, daß es in der religiösen Haltung einen wachsenden Abgrund zwischen den armen und reichen Ländern gibt.

„Inzwischen bekennen mehr Menschen in der südlichen Hemisphäre der Weltkugel den christlichen Glauben als in den reichen Ländern des Nordens.“

„Das ist teilweise ein Hinweis auf die tägliche Erfahrung der ökonomischen, politischen und kulturellen Unterdrückung.“

Ein anderer protestantischer Pastor, Saul Gonzales, erklärt den Erfolg der Protestanten so: „Die Attraktivität der evangelikalen Kirchen besteht in ihrer Fähigkeit, dem Volk einen Sinn für Werte und für seine Identität zu verleihen und ihm in Leiden und Schmerz Trost und Unterstützung zu geben.

Die aggressive Verwendung der Massenmedien sei ein weiterer Grund, warum die Protestanten in der spanischsprechenden Welt blühen, fügt Pastor Gonzales hinzu.

Viele große evangelikale Gemeinden und Pfingstgruppen besitzen ihre eigenen Fernseh- und Radiostationen, die über ganz Lateinamerika senden.
      
7 Lesermeinungen
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#7   Irenäus   20:35:21 | Dienstag, 21. Juni 2005
Klarstellung
Der Begriff „Sekte“ wird hier im Sinne des alten Kirchenrechtes von 1917 verwendet; es handelt sich dabei um irreguläre Verbünde von Getauften, die zwar noch irgendwie christlich geprägt, aber von der Kirche sich getrennt haben. Sekten sind immer schismatisch, meist auch häretisch, da sie (wie z.B. die evangelikalen Sekten) ihre eigenen Sonderlehren haben. Wer einer Sekte angehört, verfällt automatisch der Exkommunikation.
Anmerkung: Laut obiger Definition ist auch die „orthodoxe Kirche“ eine Sekte.
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#6   hlux   20:23:54 | Dienstag, 21. Juni 2005
Evangelikale Gemeinden
@Athanasius
Nicht jede Pfingstgemeinde und evangelikale Gemeinde ist gleich eine Sekte. Vielleicht könnte man damit ein bisschen differenzierter umgehen. Die meisten sind ganz normale christliche Gemeinden, die den Missionsauftrag noch ernst nehmen.
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#5   Athanasius   18:49:57 | Dienstag, 21. Juni 2005
Proppie.
Die Evangelische Kirche Deutschlands ist nicht zu vergleichen mit den Evangelikalen Sekten Südamerikas.
Die Evangelikalen Sekten vertreten ihre Wahrheit und stehen für diese ein, während die EKD eine „Dialoginstitution“ geworden ist, ohne wirklichen Inhalt oder Wahrheitsanspruch.
Wie die Katholische Kirche in Südamerika auch langsam wird.
Da füllen andere Raubvögel schnell die ethische Leere.
Und Evangelikal- und Pfingstler-Protestanten sind sehr gut in der Propaganda.
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#4   kreuzi   18:30:19 | Dienstag, 21. Juni 2005
.
Da ich weder im südlichen Teil der Welt war und gleichzeitig den ,,Protestantismus“ in Deutschland durch die Medien sehe, weiß ich nicht wieso sich die Menschen vom Protestantismus angezogen fühlen.
Sicher ist es möglich, dass Menschen vom Glauben abkommen und als Heiden leben und um den Prozess Gewissengerecht zu vollziehen treten sie halt in die EKD ein, wenn überhaupt. Doch über kurz oder lang, verschwinden sie auch da wieder, denn ob nun Heide oder Heide in der EKD, spielt keine Rolle mehr und da die EKD nicht heidnischer als das ,,Heidentum“ wenn es so etwas überhaupt gibt, werden kann – ist die EKD völlig unbrauchbar.
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#3   Athanasius   17:46:10 | Dienstag, 21. Juni 2005
Südamerika, die Perle Mariens wird am Ende nicht vergehen!
„Inzwischen bekennen mehr Menschen in der südlichen Hemisphäre der Weltkugel den christlichen Glauben als in den reichen Ländern des Nordens.“
Man bezeichnet hiermit implizit den traditionellen Römischen-Katholizismus als NICHT-Christlich.
Denn zuvor war dies auch bereits der Fall.
In Südamerika ist das Problem aber, dass die katholische Geistlichkeit weitestgehend mit Politik beschäftigt ist und genauso sekularisiert wie die europäische „WannaBeLaien“-Kleriker.
Glaube und Sinn haben dem Materialismus platzgemacht (Befreiungstheologie oder andere Politik).
Glaube ist keine Politik, sondern göttliche Wahrheit. Und das hat „der Geist des Konzils“ den armen Menschen Südamerikas genommen, in dem er Glauben in Politik verwandelte und die katholischen Medien in marixistischen oder sekularen.
Wahrhaft katholische Missionsstationen wachsen aber, trotz Mangel an traditionalistischen Priestern, gewaltig weiter.
Werden aber vom lokalen „kath.“ Klerus verfolgt.
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#2   Rosa von Lima   17:40:08 | Dienstag, 21. Juni 2005
@Irenäus
Genau so ist es. Nach dem Konzil ging es los mit dem „schlechten“ Klerus, welcher durch seinen Modernismus das ganze Debakel hervorgerufen hat.
Die 10 Gebote wurden „abgeschafft“, nichts ist ja mehr Sünde, also braucht man auch nicht zur Kirche zu gehen. Die Autorität des Papstes wurde angezweifelt etc. Die Annäherung an den Protestantismus wurde immer mehr gefördert. Es bedarf nun einer totalen Umkehr und einer Neu-Evangelisierung, um wieder auf den vorkonziliären Status zu gelangen.
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#1   Irenäus   16:20:37 | Dienstag, 21. Juni 2005
Aggiornamento!
Tut mir leid, aber dieser Massenabfall vom Glauben ist selbstverschuldet. Marcel Lefebvre hat in seinem denkwürdigen Buch Sie haben ihn entthront die verhägnisvollen Auswirkungen von Dignitatis humanae sehr klar und hellsichtig dargestellt. Daran ändert auch die ewige Leier aller V2-Fans, man dürfe das Konzil nicht kritisieren, nichts.
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