08:46:21 | Montag, 19. September 2011
Benedikt XVI.
Papstbruder Georg Ratzinger: „Es ist ja gar nicht mehr so einfach, noch eine Kirche zu finden, wo der Pfarrer seinen Gottesdienst noch nach den Vorschriften der Kirche feiert.“

(kreuz.net) Der Bruder des Papstes, Prälat Georg Ratzinger, sagt über Benedikt XVI., daß ihn „doch
auch das Alter allmählich erreicht“.
Der Prälat äußerte sich vor dem Journalisten Paul Badde für
die deutschen Tageszeitung ‘Die Welt’.
Dem Papst werde das Gehen „anscheinend mühsamer“.
Und: „Die
Stimme ist auch etwas leiser geworden.“
Geistig bemerkt Prälat Ratzinger „überhaupt kein Nachlassen“
bei seinem Bruder.
Der Weltjugendtag Ende August in Madrid sei ein Triumph gewesen: „Aber er war wirklich
müde hernach.“
Eine PrivatnummerPrälat Ratzinger besitzt ein Telephon, dessen Nummer nur der Papst
kennt: „Da weiß ich immer gleich, daß er es ist.“
Dieses Telephon klingelt mehrmals pro Woche.
Natürlich
spricht er seinen Bruder mit Joseph an und nicht mit Heiliger Vater.
Die beiden reden Bairisch: „Unsere
Muttersprache ist nicht Deutsch, sondern Bairisch – eine eigene Sprache sozusagen, neben dem Deutschen.“
Noch im hohen Alter einen Witz paratDie Brüder tauschen Erinnerungen und Gedanken aus, aber keine
Scherze mehr: „Das entspricht unserem Alter an sich nicht mehr.“
Dennoch erzählt Prälat Ratzinger im
Interview einen Witz:
„Er handelt von einem bedeutsamen CDU-Granden, der früh nach Amerika kam. Da wurde
ihm auf einem Empfang Jackie Kennedy vorgestellt. »Kenn i di?«, hat er darauf zurückgefragt: »I glaub
net. Ich bin zum ersten Mal in Amerika.«“
Der Papst mag keine bissigen Hunde sowie Wespen und so Viecher
Der Prälat erzählt auch, daß der Papst keinen bösen und bissigen Hund mag: „Hunde an sich hat er
gern. Aber einen bissigen Hund mag er absolut nicht. Und Wespen und so Viecher.“
Es tue dem Papst leid,
daß im Vatikan nicht mehr wie früher viele Katzen herumlaufen.
Der Papst war begabt, aber kein „Genie“
Benedikt XVI. hat schon als Kind im Gegensatz zu seinem Bruder „immer Ordnung gehabt“:
„Sein Schreibtisch
später war von Anfang an immer in Ordnung – aber auch er muß dort manchmal suchen.“
Der Prälat hat
sich nie gedacht, daß sein Bruder „ein Genie“ sei:
„Ich hab’ natürlich früh gesehen, daß er in der
Schule mit Abstand der hellste Kopf war.“
Papst läßt sich von den Medienbossen desinformierenEinmal
am Tag schaue der Papst gemischt italienische und deutsche Nachrichten.
Ferner lese er die vatikanische
Tageszeitung ‘Osservatore Romano’ und blättere mehrere Zeitungen durch – „sogar die alte Heimatpresse“.
Feierabend zur ErholungDer Papst habe immer enorm viel gearbeitet.
Nach dem Abendessen arbeite er
„im Allgemeinen“ nicht mehr.
Das sei schon immer so gewesen: „Er kann sich untertags enorm konzentrieren
und arbeitet sehr schnell und konzentriert, aber er ist überhaupt kein Nachtarbeiter – auch wenn das
Licht in seinem Arbeitszimmer vielleicht noch länger leuchtet.“
Im Alter würde „alle Leistungsfähigkeit
reduziert, das merken wir natürlich auch.“
Ohne jedes Karrierestreben bis ganz nach oben?Als Mensch
hat sich Benedikt XVI. laut seinem Bruder durch die Papstwahl nicht verändert:
„Er schlüpft in keine
Rolle. Er trägt keine Maske.“
Prälat Ratzinger beteuert, daß der Papst nicht ehrgeizig auf eine Karriere
war: „Für 2002 hatte er fest die Pensionierung erhofft.“
Er sei pflichtbewußt und trage jede Last,
die man ihm auferlegte, nach bestem Vermögen:
„Dabei hatte er immer seine Zweifel, ob er das, was von
ihm verlangt wird, auch wirklich auf die bestmögliche Weise erledigt und tut, was er kann, um dem Vertrauen
gerecht zu werden, das in ihn gesetzt wurde.“
Der Papst habe „bestimmt nicht“ insgeheim mit der Wahl
gerechnet.
Äußere Ehrungen seien ihm „immer eher unangenehm gewesen“.
Durchschaut der Papst die Medienbosse?
Prälat Ratzinger beschreibt seinen Bruder als „sehr sensibel“.
Doch bei Medienattacken wisse er, „aus
welcher Ecke“ die Angriffe kommen: „Er weiß, was meist dahintersteckt.“
Dadurch überwinde er das leichter:
„Es hilft ihm natürlich auch die enorme Sympathie, die er immer wieder erfährt.“
Benedikt XVI. will
eine würdige LiturgiePrälat Ratzinger erwähnt, daß dem Papst an einer würdigen Liturgie viel liege:
„Denn es ist ja gar nicht mehr so einfach, noch eine Kirche zu finden, wo der Pfarrer seinen Gottesdienst
noch nach den Vorschriften der Kirche feiert.“
Viele Priester glaubten, sie müßten da etwas hinzufügen
und dort etwas ändern.
Der Papst hingegen wünsche sich „eine ordentliche und gute Liturgie, die den
Menschen ergreift als Anruf Gottes.“
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