16:08:32 | Dienstag, 21. Juni 2005
„Ein einziges Jahr der Französischen Revolution – die Terrorherrschaft von 1793 – hinterließ mehr Opfer als alle vorausgehenden Jahrhunderte mit all ihren Inquisitionen zusammen.“

Der Heilige Dominikus leitet ein Inquisitionsgericht.
(kreuz.net, Rom) Der bekannte italienische Journalist Vittorio Messori hat vor zwei Wochen einen Artikel
kritisiert, der in der italienischen Tageszeitung ‘Il Manifesto’ erschienen ist.
Messori wurde durch
sein Buch-Interview „Zur Lage des Glaubens“ mit Kardinal Joseph Ratzinger und durch sein im Jahr 1994
erschienenes Buch-Interview mit Papst Johannes Paul II. „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“ bekannt.
‘Il Manifesto’ bezeichnet sich als „kommunistische Tageszeitung“.
Es gehört damit zu den letzten Publikationen
in der westlichen Welt, welche die verstorbene kommunistische Ideologie vertreten.
Der Inquisitions-Artikel
stammt aus der Feder eines gewissen Adriano Petta.
Er trägt den Titel: „Die Skelette der Heiligen Inquisition“.
Die Inquisition habe Hunderttausende, gar Millionen, Menschen auf dem Gewissen, behauptet der Bericht.
GeschichtsklitterungMessori erklärt, daß ihn die Dummheit – oder Schamlosigkeit – der Inquisitionspropaganda
immer wieder erstaune.
„Aufgewärmtes“ – ist sein Kommentar zu dem Artikel.
Petta verkaufe Geschichtsklitterungen
aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Harmlose InquisitionUm einen Vergleichsmaßstab zu besitzen, stellt
Messori die Inquisition der Französischen Revolution gegenüber, die als Beginn der Moderne gilt:
„Ein
einziges Jahr der Französischen Revolution – die Terrorherrschaft von 1793 – hinterließ mehr Opfer als
alle vorausgehenden Jahrhunderte mit all ihren Inquisitionen zusammen.“
Auch mit den protestantischen
Exzessen könne die heilige Inquisition nicht mithalten:
„Das Genf des Calvin war von den Scheiterhaufen
entzunden. Das lutherische Deutschland betrieb eine Hexenjagd als wäre es ein Nationalsport.“
Messori
erwähnt auch die ‘Hexenprozesse von Salem’, die in den jetzigen USA stattfanden.
Damals veranlaßten
hexenjagende puritanische Pastoren noch an der Schwelle des 18. Jahrhunderts 25 Hinrichtungen und Dutzende
von Verhaftungen.
Die Inquisition war ein faires ProzeßwesenMessori erinnert an die Hunderten von
Millionen Menschen, die von den kommunistischen Regimen niedergemäht wurden.
Es sei deshalb schwer,
die Predigt von der Kanzel von ‘Il Manifesto’ Ernst zu nehmen.
Messori unterstreicht, daß eine solide
historische Analyse der Inquisition dem Ruf der Kirche sehr förderlich ist.
Diese lasse die morschen
Pfeiler der schwarzen Legenden über die Inquisition einstürzen.
Im Lichte der Geschichtswissenschaft
erweise sich die Inquisition als ein Prozeßwesen, das an Genauigkeit und Fairneß seinesgleichen auch
bei den Gerichtsverfahren unserer Zeit sucht.
„Todesurteile und Folter waren eine seltene Ausnahme“,
erklärt Messori.
Das giftigste aller GifteDie typischen Vorurteile, die in den Köpfen der Leute über
die Inquisition herumspuckten, entstammten der protestantischen Propaganda, welche die spanische Vormachtstellung
im Atlantik zu unterminieren suchte.
Ein ernstzunehmender Historiker werde die „moralische Sünde des
Anachronismus“ vermeiden:
„Die Vergangenheit muß im Kontext ihres Zeitalters betrachtet werden.“
Die
modernen Politiker würden es als ihre Pflicht betrachten, ein funktionierendes Gesundheitssystem zu erhalten,
erklärt Messori:
„Genauso war die Kirche davon überzeugt, daß sie Gott gegenüber Rechenschaft über
das ewige Heil ihrer Kinder ablegen muß. Das Heil war vom giftigsten aller Gifte gefährdet: der Häresie.“
Das heutige Fehlen dieses geistlichen Gesundheitssystems und die daraus resultierenden grausamen Folgen
beweisen für Messori, daß die Kirche so ganz nicht danebenlag.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#4
kreuzi 18:20:07 | Dienstag, 21. Juni 2005
#1
mrnka 16:45:54 | Dienstag, 21. Juni 2005