Modernismus
Päpstin im Kloster Einsiedeln
Eine „andere Wallfahrt“ soll sie werden, die „Clinch-Wallfahrt“. Das Kloster Einsiedeln lädt Mitte Juli zu einem kontroversen Programm. Es soll jene ansprechen, die sich von der Kirche nicht angesprochen fühlen.
(kreuz.net, Einsiedeln) Zum dritten Mal findet heuer im Kloster Einsiedeln die sogenannte Wallfahrt „Kirche im Clinch“ statt. Das Kloster Einsiedeln befindet sich im Innerschweizer Kanton Schwyz.

Mitte Juli bekommen Unzufriedene, Kirchenferne und Ausgetretene dort die Gelegenheit, zum wahren katholischen Glauben zurückzufinden.

Das zumindest ist die Absicht von Abt Martin Werlen OSB (43), dem Initiator der sogenannten „Clinch-Wallfahrt“ und Mitglied der Schweizerischen Bischofskonferenz.

Nach der Wahl von Benedikt XVI. brachte Abt Werlen in einem „Offenen Brief“ seine Unzufriedenheit über den Ausgang der Papstwahl zum Ausdruck.

„Hörten Adam und Eva den Urknall? Besitzt die Kirche Antworten auf die großen Fragen von heute? Stimmt es, daß die Kirche ein verschworener Klub von Patriarchen ist?“

Das sind Fragen, mit denen die Un- und Andersgläubigen in den Schoß der Heilige Mutter Kirche gelockt werden sollen.

Einführungsreferate dienen dazu, um auf die Lieblingsbeschäftigung der Kirche von heute einzustimmen – aufs Parlieren, das im kirchlichen Jargon „Dialog“ und „Diskussion“ genannt wird.

„Kirche – arrogant?“ ist das erste Thema, das zerpflückt wird.

Ihm folgt ein anderes Thema: „Kirche – ignorant?“ Darin sollen Fälle wie jener des umstrittenen italienischen Astronomen Galileo Galilei († 1642) beleuchtet werden.

Das Abschlußgespräch steht unter dem Motto „Kirche – dominant?“ Bei dieser Gelegenheit wird darüber gebrütet, ob die Kirche ein verschworener Klub von Patriarchen sei.

Wichtig dabei sei die „Gesprächsbereitschaft“, erklärt Abt Martin Werlen auf der Homepage. Auch bei Meinungsverschiedenheiten sei ein gegenseitiger Respekt gefordert.

Jeder müsse bereit sein, seine Positionen hinterfragen zu lassen. Dabei dürften Themen zur Sprache kommen, die sonst kaum tiefer angesprochen und aufgearbeitet werden.

Der gemeinsame Nenner sei die ehrliche Gottsuche.

Der erste Kirchenmann, der dabei helfen will, ist kein geringerer als der Erzbischof von Prag, Miroslav Kardinal Vlk. Kardinal Vlk ist Mitglied der Fokolarbewegung und gilt theologisch als sehr liberal. Er spricht in der Klosterkirche zum Thema „Christentum und Kirche im Gegenwind der Zeit“.

Gegenwind wird auch am zweiten Abend blasen.

Gottfried Locher, Vizepräsident des reformierten Weltbundes, Archimandrit Sofian Pâtrunjel, der Weihbischof der Rumänisch Orthodoxen Metropolie von Deutschland und Zentraleuropa, und Abt Martin Werlen höchstpersönlich, tauschen sich in einer Podiumsdiskussion über die Ökumene aus.

Die beiden letzten haben zu verschiedenen Zeiten unter anderem an der Theologischen Hochschule der Diözese Chur studiert.

Noch Windigeres verspricht man sich vom Abschlußabend der Wallfahrt. Um – hoffentlich – in die Schlagzeilen zu kommen, setzt man auf eine Dosis Schocktherapie. Für einen zeitgemäßen kirchlichen Anlaß ist sie unverzichtbar.

Erstmals tritt in der Einsiedler Klosterkirche eine Päpstin auf. Es handelt sich um die Theateraufführung „Die Geschichte der Päpstin Johanna“.

Wer wolle, könne sagen, daß das Kloster Einsiedeln auch in diesem Jahr „über seinen Schatten gesprungen“ sei, kommentiert das Kloster diesen Abtaucher ins Mythologische.
      
8 Lesermeinungen
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#8   Josef Gadient   16:52:00 | Dienstag, 3. Januar 2006
Beten wir für den Abt!
Wiederholen sich auch in diesem Jahr die Provokationen des Abtes gegenüber allem wahrhaftig röm. katholischen Denken, Glauben und Handeln? Wie lange muss sich dieses wohl schönste Marien-Heiligtum und Gottes Haus in der Schweiz solche Aktionen noch gefallen lassen? Hl. Maria, Mutter Gottes, bitte für ihn…
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#7   Yersinia   19:33:09 | Mittwoch, 29. Juni 2005
ja, wie schon J.B. Metz es sagte
allerdings: Glaubensverkündigung geschieht wohl am dichtesten durhc das gelebte Beispiel; Standpunkte und Meinungen kann man vertreten, sie werden eben als Standpunkte und Meinungen wahrgenommen; wenn manche meinen, Glaubensverkündigung sollte autoritärer geschehen, kann das vielleicht die Lust am Autoritären bei den Betreffenden hervorrufen, für die Glaubensverkündigung ist es wohl eher sinnlos.
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#6   Benedikt   17:33:42 | Donnerstag, 23. Juni 2005
@ Yersinia:
Und genau deswegen muss man den Glauben offensiver vertreten (was die Bischöfe auch stets fordern, nur ihre Mittel sind seltsam). Dann kommen auch wieder mehr Leute. Wer die Kirche nur als Ort für Spielkreise, Zeltlager und Diskussionsrunden kennenlernt, der wendet sich alsbald irgendwelchen Sekten zu, die zwar pseudospirituell sind, aber da der Betreffende auf der Suche nach Spiritualität war, so nimmt er eben diese.
Merke: Der Christ der Zukunft wird Mystiker sein, oder er wird nicht sein.
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#5   Peccator   08:40:29 | Donnerstag, 23. Juni 2005
Mit einer Kritisierveranstaltung
wird es ganz gewiß niemandem gelingen, Menschen für den katholischen Glauben zu gewinnen. Ganz im Gegenteil. Die Menschen sehnen sich zutiefst nach der klaren, einfachen und schönen Lehre der Katholischen Kirche. Dies ist meine Erfahrung. Kirchenkritik ist nur was für „laue Katholen“, die einen Weg suchen, um ihre Lauheit zu rechtfertigen.
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#4   Didimus   23:00:40 | Mittwoch, 22. Juni 2005
@Yersinia
tatsächlich ist das gesellschaftliche Wissen gewachsen, das religöse Angebot gestiegen – und die Menschen sind frei, sich daraus auszusuchen, was sie für richtig halten; das wird kein Kirchenmann ändern.
Richtig. Nur sollten sie dann auch so konsequent sein und gegebenenfalls die religiöse Gemeinschaft verlassen, die etwas anderes lehrt, als das, was sie für richtig halten. Das wäre ehrlich. Es gibt allein im Weltkirchenrat über 300 christliche Kirchen und kirchliche Gemeinschaften, rechnet man noch die vielen Gruppen und Grüppchen auf den amerikanischen Kontinenten hinzu, dürften es über 10.000 sein. In einigen ist bereits alles erfüllt, was katholische „Reformer“ fordern: Frauenordination, Aufhebung des Zölibats, demokratische Strukturen, liberale Morallehre u.s.w.
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#3   Yersinia   19:24:32 | Mittwoch, 22. Juni 2005
dass „Kernaussagen“ unter den Tisch fallen?
zB, dass Jesus auferstanden ist? – nee, diese Botschaft wird wohl nicht „unter den Tisch fallen“; wobei Glaubenssätze nicht „glaubwürdiger“, nicht tiefer geglaubt werden, wenn sie lauter oder deutlicher oder mit mehr Autorität gesagt werden – „glaub-würdig“ ist allemal das konkrete Leben. Wozu soll einheutiger Mensch seine Glaubensüberzeugung ändern, vertiefen, überhaupt christlich-katholischen Glauben annehmen?
Heutige Menschen sind weniger materiell abhängig, weniger autoritätsgläubig, besser gebildet als noch vor 30 Jahren; da kann man jetzt viel einwenden, tatsächlich ist das gesellschaftliche Wissen gewachsen, das religöse Angebot gestiegen – und die Menschen sind frei, sich daraus auszusuchen, was sie für richtig halten; das wird kein Kirchenmann ändern.
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#2   Benedikt   15:31:01 | Mittwoch, 22. Juni 2005
Teilweise…
…ist das aj nichts schlechtes, wenn man Kirchenferne erstmal behutsam anpackt. Allerdings befürchte ich, dass es bei dieser Behutsamkeit bleibt, spricht auch über längere Zeit die Kernaussagen des Glaubens unter den Tisch fallen und sich allerhöchstens eine Dialogrunde entwickelt, die sich kritisch mit der Amtskirche auseinandersetzt und dabei glaubt, selbst die neue Kirche zu sein. So wird das natürlich nichts…
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#1   Irenäus   11:01:20 | Mittwoch, 22. Juni 2005
Banal
So, wie es aussieht, wird das ganze wieder in nichtssagendes Geschwätz ausarten. Wenn man Leute in die Kirche (zurück)-holen, wäre es sinnvoller, das Christentum von seinen Ursprüngen her zu beleuchten. Dumm nur, daß C.P. Thiede, der sich auf dem Feld sehr verdient gemacht hat, vor einiger Zeit verstorben ist.
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