Pastoraler Prozeß
Kommt der Fuldaer Pastoralprozeß von unten?
Im Bistum Fulda sollen durch einen „Pastoralen Prozeß“ die Pfarreien zusammengelegt und die meisten Pfarrer zu pastoralen Mitarbeitern degradiert werden. Die „Kirche von unten“ läßt dabei herzlich grüßen.
(kreuz.net) Es ist kein Zufall, daß der „Pastorale Prozeß“, der im Bistum Fulda um jeden Preis durchgesetzt werden soll, von den Mitgliedern des „Fuldaer Kreises für eine offene Kirche“ unterstützt wird. Denn vieles von dem, was man dort seit Jahren verlangt, wird durch den „Pastoralen Prozeß“ in die Tat umgesetzt.

Der „Fuldaer Kreis für eine offene Kirche“ kann sich erlauchter Mitglieder rühmen.

Der Sprecher des Priesterrates der Diözese Fulda, Pfarrer Winfried Hahner, gehört sogar zu seinen Gründungsmitgliedern. Von Anfang an dabei sind auch die Pfarrherren Alfons Gerhardt und Ewald Biedenbach. Beide sind ebenfalls Mitglieder des Priesterrates.

Im Internet besitzt der „Fuldaer Kreis“ seinen eigenen Auftritt. Über die Link-Seite verbindet man sich mit so glaubenszersetzenden Vereinen wie die „Kirchen Volks Bewegung“ oder die „Initiative Kirchen von unten“.

Sein Gründungsdokument aus dem Jahr 1994 und sein Statut aus dem Jahre 1999 zeigen ebenfalls, wessen Geistes Kind der „Fuldaer Kreis für eine offene Kirche“ ist.

In diesen Papieren sucht und findet der „Fuldaer Kreis für eine offene Kirche“ die angeblichen Ursachen für die derzeitige schwere Krise der Kirche in Deutschland. Im wesentlichen sind es die gleichen, die auch vom sogenannten Kirchenvolksbegehren vermutet werden.

Hier die Litanei der angeblichen Mängel: eine „ungenügende Mitverantwortung von Laien in Entscheidungsgremien“, ein „mangelndes Einbringen von Sicht und Erleben der Frauen“ in die Kirche, ein „starres Festhalten am Pflichtzölibat“, die katholischen Positionen zur „Gestaltung menschlicher Sexualität und Empfängnisverhütung“, der „Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen“, die „Disziplinierung von kritischen Theologen“ sowie Bischofsernennungen „ohne ausreichende Beteiligung der Ortskirchen“.

Die Medizin ist schnell zur Hand.

Der „Fuldaer Kreis für eine offene Kirche“ fordert: eine allgemeine „Dialogbereitschaft“ als Ausdruck der „Geschwisterlichkeit“, die „Pluralität in Glaubensinhalten und Glaubensformen“ entsprechend der „persönlichen Gewissensentscheidung“, die Einführung „synodaler Strukturen“ sowie „Pastoralkonzepte“, die auf „Notlösungen“ verzichten.

Als Notlösungen werden genannt: ein Priester, der mehrere Pfarreien betreut, oder die Sicherung der Sonntagsgottesdienste durch fremde Priester.

Das Statut aus dem Jahre 1999 beweist, daß die Gruppe im ganzen Bistum Fulda mit einer straffen Struktur verbreitet ist. Der Kreis wird durch ein siebenköpfiges „Diözesanteam“ geleitet. Dieses besteht aus drei gewählten und vier aus den Regionen abgeordneten Kreismitgliedern.

Wohl nicht zufällig ist die ideologische Übereinstimmung mit dem „Aktionskreis Regensburg“. Dieser wurde für die schweren Angriffe bekannt, die er über seine Zeitschrift „Pipeline“ gegen den Bischof von Regensburg, Mons. Gerhard Ludwig Müller, geführt hat. Verbindungen bestehen offenbar auch zum kirchenfeindlichen sogenannten „Kölner Netzwerk“.

Eitlere Wonne scheint dagegen zwischen dem umstrittenen „Fuldaer Kreis“ und dem dortigen Bischof, Mons. Heinz Josef Algermissen, zu herrschen. Die Begründung seines „Pastoralen Prozesses“ hört sich jedenfalls an, als ob sie der Bischof aus den Schriften des „Fuldaer Kreises für eine offene Kirche“ abgeschrieben hätte.

So begründet Mons. Algermissen die Umkrempelung der Pfarreien seiner Diözese ebenfalls mit einem angeblichen akuten Priestermangel.

Auch er will keine Beauftragung eines Pfarrers für mehrere Pfarreien.

Die Zelebration des Sonntagsgottesdienstes oder die Sicherstellung der pfarrlichen Grundstruktur soll ebenfalls nicht durch fremde Priester geschehen.

Den Mitgliedern des „Fuldaer Kreises für eine offene Kirche“ gewährt er eine gehörige Portion Narrenfreiheit. So durfte der Sprecher des Priesterrates der Diözese Fulda, Pfarrer Winfried Hahner, auf dem Priestertag in Fulda – vom Bischof unbeanstandet – die Aufhebung des Priesterzölibats verlangen.

Doch wehe dem Priester, der es wagt, seine Stimme gegen die umstrittenen pastoralen Projekte von Bischof Algermissen zu erheben. Dann hört der Spaß auf.
      
8 Lesermeinungen
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#8   Benedikt   17:25:57 | Freitag, 24. Juni 2005
@ Maximilian:
Ich kenne jetzt die Verhältnisse im Bistum Fulda nicht so genau, aber:
Um zu verhindern, dass immer mehr Aufgaben von Laien usw. übernommen werden (müssen) kann es doch nur eine einzige Lösung geben: Es müssen Pfarreien zusammengelegt werden. Gab es vorher zB 160 Priester und 240 Pfarreien, so könnte man durch Zusammenlegung 120 Pfarreien mit 160 Priestern (dann sind die Pfarreien ja größer, da braucht es ab und an zwei Priester pro Pfarrei) erreichen. Wer aber gar nichts verändern will, der hat ein ziemlich irreales Bild von der Wirklichkeit. Es gibt nicht nur zu wenig Priester, die Kirche kann sich die ganzen leerstehenden Pfarrhäuser auch gar nicht mehr leisten.
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#7   Toby   05:29:25 | Freitag, 24. Juni 2005
@ Benedikt
Wenn es so einfach wäre, könntest du theoretisch recht haben. Aber die Wirklichkeit ist nicht so. Das ist nicht das Thema.
Der Kern des Problems ist, dass man einen vermeintlichen Priestermangel als Argument vorschiebt, um an der hierarchisch verfassten Grundstruktur der Kirche zu rütteln. Wo man das nachlesen kann? Beispielsweise auf der Homepage des sogenannten „Fuldaer Kreises für eine offene Kirche“. Da kann man u. a. lesen: „Neue Strukturen und Wege müssen zugelassen werden, z.B.: Mehr Kompetenz und Eigenverantwortung für hauptamtliche Laien, neue Wege in der Berufungspastoral, neue Zugänge zum Amt, …“
Wie es aussieht, stützt sich Bischof Algermissen beim Durchziehen seines Pastoralprozesses vor allem auf die Aktivisten des „Fuldaer Kreises“, zum Beispiel im Priesterrat der Diözese.
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#6   Benedikt   21:56:20 | Donnerstag, 23. Juni 2005
Von der sinkenden Zahl der Gläubigen
…kann nicht darauf geschlossen werden, dass es keinen Priestermangel gäbe. Wenn es vor 100 Jahren eine Million Gläubige in 1000 Pfarreien gab und nun nur noch 500.000 Gläubige aber immer noch 1000 Pfarreien, dann hat sich am Bedarf an Priestern trotz Halbierung der Gläubigenzahl nichts verändert.
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#5   Laurentius2   08:27:56 | Donnerstag, 23. Juni 2005
@Eminenz
Geehrter Herr Bischof,
Sie begründen die Laisierung der Gemeindestrukturen mit einem angeblichen Priestermangel. Dies ist unwahr.
Tatsächlich hat sich das Verhältnis von praktizierenden Katholiken (Tendenz in Mitteleuropa sinkend) und Priestern (Tendenz sinkend, weltweit aber steigend) nicht dramatisch geändert.
Kleine Polemik zur „offenen Kirche“: Wer nach allen Seiten offen ist, ist nicht ganz dicht …
2 Abschlußfrage an alle Leser:
1.Ist es richtig, daß die Gründer von Rotary beide bekennende Freimaurer (wahrscheinlich niedriger, naiver Logen) waren und ausdrücklich erklärt haben, Rotary kämpfe für dieselben Ziele wie die Freimaurer ?
2. Wieviele Mitglieder von „offene Kirche“, „des Kreises in regensburg“ und des „Kölner Netzwerkes“ sind Mitglied bei Rotary ? Welche Bischöfe außer Lehmann ebenfalls ?
Katholiken, aufwachen !
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#4   Konrad   07:40:10 | Donnerstag, 23. Juni 2005
Fulda und anderswo
Was den Umgang mit „Wir sind Kirche“-Aktivisten angeht, so nehme man sich in Fulda und anderswo ein Beispiel an dem mutigen Regensburger Bischof, der kürzlich einem Religionslehrer deswegen die kirchliche missio entzogen hat. Es gibt keinen „Dialog“ mit diesen von Drewermann und Küng besessenen Menschen. Man muss sie isolieren und stehen lassen. Dafür hat der Bischof seinen Hirtenstab erhalten!
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#3   kreuzi   18:28:05 | Mittwoch, 22. Juni 2005
.
Ich finde es ohne hin erstaunlich, dass die Kirche es duldet, wenn freiwillige angehörige der Kirche sowohl der Kirche angehören, als antikirchlichen Organisationen. Selbst die Zugehörigkeit zu antikirchlichen Parteien, die Abtreibung und Kindstötung propagieren wird anscheind geduldet. Ich würde einen Prozess unterstützen, der die Menschen vor die Wahl stellt, so wie es Jesus tut. Sich für oder gegen Gottes Gesetz zu entscheiden. Aber Kirchmitglied sein und gleichzeitig öffentlich mit Homosexualismus und Kindstötung propagandierenden Organisatoren zu sympathisieren ist eine nicht zu haltender Zustand.
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#2   Toby   18:14:48 | Mittwoch, 22. Juni 2005
Wie, um Himmels willen,
konnte es passieren, dass Aktivisten des „Wir-sind-Kirche“-Netzwerks in den Fuldaer Priesterrat gewählt wurden? Gibt es keine rechtliche Handhabe dagegen? Wenn das alles vom Bischof gedeckt wird, müsste Rom in der Tat bald einschreiten.
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#1   Konrad   15:46:00 | Mittwoch, 22. Juni 2005
Fulda uns anderswo
In dem bekannten Interview-Buch „Zur Lage des Glaubens“ mit Vittorio Messori nannte der heutige Hl. Vater es eine „Versuchung“, von „jener übernatürlichen ‘Autorität der Vergegenwärtigung’, die das katholische Priestertum kennzeichnet, zu einem viel natürlicherem ‘Dienst der Koordination des Konsenses’, das heißt zu einer verständlichen, weil nur menschlichen und obendrein der heutigen Kultur entsprechenden Kategorie überzugehen“ (Seite 56). Dieser Versuchung ist man in Fulda und anderswo inzwischen voll erlegen. Der „pastorale Prozess“ und die „kooperative Pastoral“ ist ein Fall für die Klerus- und Glaubenskongregation!
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