15:39:15 | Mittwoch, 22. Juni 2005
Benedikt XVI.
Warum finden wir uns nicht damit ab, den Kampf gegen die staatliche Legitimierung der Kinderabtreibung verloren zu haben und bündeln unsere Kräfte statt dessen für Projekte, für die es einen breiten sozialen Konsens gibt? – fragt Papst Benedikt XVI. in seinem gestern erschienenen Buch und gibt sogleich die Antwort.
(kreuz.net, Vatikan) Am Dienstag erschien das erste Buch des neuen Papstes. Das Werk trägt den Titel
„Das Europa Benedikts: In der Krise der Kulturen“. Es wurde gestern von Kardinalvikar Camillo Ruini vorgestellt.
Kardinal Ruini ist der Verantwortliche für die tagtägliche Leitung der Diözese Rom.
Das Buch wurde
vom Verlag ‘Cantagalli’ in italienischer Sprache herausgegeben. Derzeit sind noch keine Übersetzungen
des rund 150 Seiten langen Buches geplant.
Das Werk besteht aus drei Abhandlungen, die vom ehemaligen
Präfekten der Glaubenskongregation in den Jahren 1992, 1997 und im Frühjahr diesen Jahres verfaßt wurden.
Beim dritten Teil handelt es sich um die
letzte Rede von Kardinal Ratzinger am Vorabend des Todes von
Johannes Paul II. in Subiaco. Subiaco liegt unweit von Rom und ist die Wiege des westlichen Mönchtums.
Hier hat der Heilige Benedikt – der Patron Europas – seine ersten Klostergründungen vorgenommen. Auch
der Titel des Buches bezieht sich auf den Heiligen Benedikt von Nursia († 547).
Im Buch finden sich auch
Gedanken des Papstes zur Kinderabtreibung.
So schreibt der jetzige Papst: „Die Anerkennung der heiligen
Natur des menschlichen Lebens und seiner ausnahmslosen Unantastbarkeit ist keine Nebensächlichkeit oder
etwas, das im Rahmen des Meinungspluralismus der modernen Gesellschaft verstanden werden könnte.“
Warum
finden wir uns nicht damit ab – fragt der Papst weiter –, daß wir den Kampf gegen die staatliche Legitimierung
der Abtreibung verloren haben?
Wäre es nicht klüger, die Kräfte zu bündeln und dort einzusetzen,
wo ein größerer sozialer Konsens herrscht.
Nein, antwortet Benedikt XVI: „Das wäre eine oberflächliche
und heuchlerische Lösung.“
„Es gibt so etwas wie ‘kleine Morde’ nicht. Am Respekt vor jedem einzelnen
Menschen kommt keine menschliche Gesellschaft vorbei, die sich als solche bezeichnen will.“
Der Papst
stellt sich die brennende Frage, warum die Gesellschaft zwar die Kindstötung bestraft, aber gegenüber
der Kinderabtreibung eine wachsende Unempfindlichkeit zeigt:
„Vielleicht, weil man bei der Abtreibung
das Gesicht desjenigen nicht sieht, der verstoßen wird und das Licht niemals erblicken wird.“
Eltern,
die ihre eigenen Kinder abtreiben, werden blind für das Lebensrecht eines anderen, der keine Stimme hat
und der jüngste und schwächste ist, erklärt der Papst.
Ein weiterer sehr aktueller Punkt im neuen
Buch des Heiligen Vaters ist die
gottlose EU-Verfassung. Dazu schreibt der Heilige Vater, daß Europa
eine Kultur entwickelt hat, die Gott in einer nie da gewesenen Art aus dem öffentlichen Gewissen ausschließt:
„Gottes Existenz wird entweder verneint oder als unsicher dargestellt.“
Benedikt XVI. weist darauf hin,
daß sich Juden und Moslems durch eine Erwähnung Gottes in der Verfassung nicht vor den Kopf gestoßen
fühlten:
„Es ist nicht die Erwähnung Gottes, die Anhänger anderer Religionen beleidigt, sondern der
Versuch, eine menschliche Gemeinschaft ohne Gott aufzubauen.“
Der dritte Vortrag im neuen Buch des Papstes
ist auf kreuz.net in deutscher Übersetzung bereits vollständig publiziert worden.
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#7
Benedikt 17:28:11 | Donnerstag, 23. Juni 2005
#6
thaumaturgos 09:43:00 | Donnerstag, 23. Juni 2005
#5
Peccator 08:55:16 | Donnerstag, 23. Juni 2005
#4
GerdEric 08:43:00 | Donnerstag, 23. Juni 2005
#3
Laurentius2 08:18:38 | Donnerstag, 23. Juni 2005
#2
Karl 17:24:04 | Mittwoch, 22. Juni 2005
#1
highnoon † 16:50:19 | Mittwoch, 22. Juni 2005