15:05:09 | Mittwoch, 28. September 2011
Pater Wolfgang Ockenfels: Der innerkirchlich vorherrschende psychologisierende Tonfall, die gestelzten Pathosformeln und vagen Doppeldeutigkeiten sind zu einem großen Ärgernis geworden – und zu einem Problem kirchlicher Glaubwürdigkeit.

Pater Wolfgang Ockenfels auf der Webseite der ‘Theologischen Fakultät Trier’.
(kreuz.net) Der Papst treffe bei seinem Deutschland-Besuch auf eine „ziemlich demoralisierte und konfuse“
Gesellschaft. Diese bedürfe „dringend der Orientierung“.
Benedikt XVI. begegne zudem einer Kirche, „die
nicht mehr viel zu sagen hat.“
Das erklärte der Dominikaner, Pater Wolfgang Ockenfels (64), am 22. September
im Vorfeld des vergangenen Deutschland-Besuchs von Benedikt XVI.
Der Beitrag erschien in der oppositionellen
Berliner Wochenzeitung ‘Junge Freiheit’.
Pater Ockenfels ist Publizist. Er lehrt christliche Sozialethik
an der Theologischen Fakultät in Trier.
Die Altliberalen drehen sich dialogisch im KreisPater Ockenfels
sieht klar: „Die Kirche in Deutschland ist von einem antirömischen Virus befallen, selbstquälerisch
mit sich selber beschäftigt und dreht sich »dialogisch« ständig im Kreise.“
Mager ist für ihn auch
der Leistungsausweis des hochgejubelten Ökumenismus:
„Einige protestantische Kirchenleitungen rücken
in bioethischen Fragen immer weiter von den Positionen des Lebensrechts ab und entfernen sich damit auch
von einem wesentlichen Ziel der Ökumene.“
Kollektive DiffamierungSogar den Mißbrauchs-Hoax hat Pater
Ockenfels durchschaut.
Die Katholische Kirche werde in Deutschland wegen „beklagenswerter“ Einzelfälle
„kollektiv diskreditiert“:
„Sie wurde wegen der ihr allein angekreideten pädophilen Mißbrauchsfälle
derart in die Zange genommen, daß sie sich in Sachen Moral- und Soziallehre kaum mehr zu äußern wagt.“
Der Dominikaner täuscht sich: Über achtzig Prozent der aufgebauschten Vorfälle waren nicht pädophiler,
sondern homosexueller Natur.
Ökumenische DegenerationPater Ockenfels macht eine interessante Beobachtung:
„Obwohl die evangelischen Gemeinschaften die gleichen Probleme gehabt haben wie die Katholiken, die ins
Kreuzfeuer der Massenmedien gerieten, haben sie kaum einen Finger gerührt, um die antikatholische Hetzkampagne
zurückzuweisen.“
Auch diese Haltung wirft für ihn „kein gutes Licht auf die ökumenische Solidarität“.
Es ist für ihn vielmehr ein Zeichen der ökumenischen Degeneration.
Man weiß nicht, woran man ist
Der Pater stellt fest, daß sich die innerkatholischen Debatten in den letzten Jahren verschärft haben.
Er hofft, daß langsam auch der höhere Klerus daraus lernt, „Klartext zu reden.“
Denn: „Dieser innerkirchlich
vorherrschende psychologisierende Tonfall, diese gestelzten Pathosformeln, diese vage Doppeldeutigkeit:
Das alles ist inzwischen zu einem großen Ärgernis geworden, zu einem Problem kirchlicher Glaubwürdigkeit.“
Und: „Man weiß bei der Kirche in Deutschland kaum mehr, woran man ist.“
Wie in der Politik drücke
man sich vor klaren Entscheidungen.
Das Verschwommene frustiertIn Zeiten der Krise sehnen sich viele
nach Klarheit und Wahrheit, analysiert der Pater:
„Das Verschwommene überzeugt nicht, sondern desorientiert
und frustriert.“
Denn: „Wir leben, auch gesellschaftlich und politisch, in Zeiten der Entscheidung: Entweder –
oder.“
Es sei nicht möglich gleichzeitig katholisch, protestantisch oder muslimisch zu sein.
Pater
Ockenfels erwartet von den Bischöfen, daß sie sich klar äußern – „in Abgrenzung zu jenen Opportunisten,
die sich immer noch Vorteile erhoffen, wenn sie sich anti-römisch positionieren.“
Aus der Not lernen
Finanzieller Reichtum, institutionelle Festigung und öffentliche Privilegien können – so der Pater –
nicht verbergen, „daß sich hinter prächtigen kirchlichen Fassaden geistliches Elend ausbreitet.“
Als
Heilmittel sieht er eine Öffnung der Horizonte: „Der Blick auf die Weltkirche befreit von Kleinkariertheit
und Selbstbezogenheit.“
Pater Ockenfels betont, daß die Bedrohungen weltweit wachsen.
Von diesen Zeiten
der Prüfung und der Bewährung des Glaubens hofft er, daß vielleicht gerade diese Not, wieder das Beten
lehrt und den Mut zum öffentlichen Bekenntnis herausfordert.
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