Ein außergewöhnlicher Unfall: Soweit ich das sehen kann, war es ein Wunder. Niemand wurde verletzt. Von Mons. Robert Vasa, Bischof von Baker, Oregon.
(kreuz.net) Der Chauffeur riß den Wagen nach links, um einem Hirsch auszuweichen. Da verlor er die Kontrolle
über das Fahrzeug. Er riß den schleudernden Wagen nach rechts. Dann wieder nach links.
Gerade hatte
der Fahrer den Wagen nach links gerissen und wollte wieder nach rechts korrigieren. Doch das hätte unvermeidlich
zu einer Frontalkollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug geführt.
Darum konnte der Fahrer seinen
Wagen nicht länger auf der Straße halten. Der weiße Chevrolet Tahoe raste mit fast 90 Stundenkilometern
in einem 45 Grad Winkel über die Fahrbahn hinaus und schlitterte seitlich und rückwärts über eine
sechs Meter tiefe Böschung.
Schließlich prallte das Fahrzeug an einen Felsbrocken, kippte seitwärts
aufs Dach und rutschte weiter.
Der Wagen kam auf dem Dach in einem ungefähr 20 cm tiefen Rinnsal, das
unterhalb der Schnellstraße entlang floß, zum Stillstand.
Der Chauffeur, der in seinem umgekippten
Wagen hing, erkannte zwei sehr bedeutsame Details.
Zum einen stellt er fest, daß er nicht tot war, wie
er es fest erwartet hatte. Zum anderen realisiert er, daß er sich wahrscheinlich gar nicht verletzt hatte.
Angesichts dieser zwei Tatsachen war der Chauffeur in der Lage, sich aus dem Wagen zu befreien. Die zerbrochenen
Rückscheiben boten einen willkommen Ausgang.
Der Fahrer stellte fest, daß es ganz einfach ist, sich
in einem Chevrolet Tahoe von vorne nach hinten zu arbeiten, vor allem wenn das Fahrzeug auf dem Dach liegt.
Die schlimmsten Verletzungen fügte er sich zu, als er versuchte, sich durch die Brombeerbüsche emporzukämpfen,
um die Schnellstraße wieder zu erreichen.
Schließlich stellte er fest, daß es am einfachsten war,
dem Pfad der Zerstörung zu folgen, den sein Wagen, der sich kurzfristig in einen Schlitten verwandelt
hatte, zurückgelassen hatte.
Nach einigen Minuten am Rand der Schnellstraße erkannt er, daß ihn niemand
sehen konnte. Es wurde noch nicht erwähnt, daß sich alles nachts um 23.00 Uhr abspielte.
Da entschloß
sich der Verunglückte, zu seinem Wagen zurückzukehren, um eine Taschenlampe zu holen. Er stieg durch
die Sträucher hinab zu seinem Wagen. Doch die Taschenlampe war nicht zu finden.
Immerhin entdeckte er
seinen Schlafsack, die Tasche mit dem Computer und einen seiner zwei Koffer, außerdem das vom Wasser
leicht beschädigte Brevier. Der Koffer enthielt eine Mitra und einen 100 Jahre alten Bischofsstab.
Beide
hatten keinen Schaden davongetragen.
Zur Straße zurückgekehrt erkannt er, daß seine schwarzen Kleider
im Dunkel der Nacht kaum auffielen. Darum entledigte er sich seines Priesterhemdes. Bekleidet mit einem
weißen Unterhemd wurde er schon vom nächsten Wagen erkannt.
Die Leute waren sehr hilfsbereit. Doch
seltsamerweise wollten sie um keinen Preis anwesend sein, wenn die Polizei erscheinen würde.
Sie besaßen
ein Funktelephon. Es hatte aber keinen Empfang. Das ist in Zentraloregon keine Seltenheit.
Ich glaube,
die Leute waren darüber erleichtert. Sie erklärten sich aber gerne bereit, die Anhöhe hinunterzufahren,
bis sie ein Signal hätten, um die Polizei zu benachrichtigen.
Ich fragte, ob ich von ihnen eine Taschenlampe
kaufen könnte. Sie schenkten mir eine, bevor sie davonfuhren, ziemlich in Eile, wie mir schien, auf der
Suche nach einem Signal.
Ich hegte keine Zweifel, daß sie ihre Mission ausführen würden. Mit der geschenkten
Taschenlampe in der Hand, arbeitete ich mich zurück zu meinem Wagen.
Ich fand meine Albe, meinen Pullover,
meine Brille. Sie befanden sich im Wageninneren, wo sich 20 cm Wasser angesammelt hatten. Schließlich
fand ich auch meinen zweiten Koffer, meine Werkzeugkiste und ein Paar Batteriekabel.
Die Kabel hingen
in einem Baum, ungefähr drei Meter über dem Ort, wo der Wagen zum Stillstand gekommen war.
Die Tasche,
die meinen Laptop Computer enthielt, auf dem ich diese Geschichte um 3.00 morgens schreibe, wurde vom
Wasser kaum beschädigt, und ihr Inhalt, scheint – wie ich selber – unversehrt geblieben zu sein.
Da
mich diese Erfahrung ein bißchen aufgewühlt hat, war ich bisher nicht in der Lage zu schlafen. Diese
Aufzeichnung ist auch ein Versuch einer persönlichen Bewältigung.
Der Polizist, der mich nach Madras –
einer Stadt im Nordosten des Bundesstaates Oregon – brachte, kennt den Buchhalter unserer Diözese sehr
gut. Er hätte nicht freundlicher und hilfsbereiter sein können.
Der Pfarrer von Madras war glücklich,
daß es sein Bischof und nicht irgendein Landstreicher war, der bei ihm um 2.00 Uhr morgens an der Haustüre
läutete. Er empfing mich gerne in seinem Haus.
Dort sitze ich gerade und versuche mich – erstaunt über
die schützende Hand Gottes – zu sammeln. Befinde ich mich vielleicht in meinem gekippten Chevrolet Tahoe
im Koma, in einem tiefen Loch irgendwo neben einer sehr dunklen und verlassenen Schnellstraße?
Nein,
ich bin mir sicher, daß ich hier bin. Und wenn ich hier bin, dann ist das so aufgrund der Gnade eines
wunderbaren, mächtigen und liebenden Gottes.
Sie mögen sich fragen, was ich um diese Zeit auf der Straße
trieb.
Ich war auf dem Rückweg von einem Firmgottesdienst in den Städten Boardman und Hermiston und
von einem Besuch im Sommerlager einer Schule.
Das Wochenende war wunderbar. Die 25 Firmlinge in der Stadt
Boardman waren etwas schüchtern, aber sie freuten sich auf die Firmung.
Die 88 Schüler in Hermiston
waren lebendiger. Es war eine Freude, bei ihnen zu sein.
Ich konnte es mir auch nicht nehmen lassen,
die ungefähr 30 Camper aus der ganzen Diözese zu grüßen, die ebenfalls dort waren.
Trotz der Art,
wie das Wochenende endete, möchte ich daran nichts ändern – höchstens vielleicht den letzten Teil.
Doch auch dieser letzte Teil war erstaunlich. Da ging ich an einer Schnellstraße auf und ab und betete
den Rosenkranz. Dabei wartete ich auf einen vorbeikommenden Wagen, auf die Polizei oder auf einen Schock,
wie er nach solchen Unfällen gewöhnlich eintritt.
Aber der Schock kam nicht.
Ich war und bin glücklich
und überrascht, noch zu leben und unverletzt zu sein. Ich werde noch einige Zeit über die Ereignisse
dieser Nacht meditieren müssen.
Für alles, was an diesem Wochenende geschah, kann ich nur sagen: Gepriesen
sei Gott! Ich bin nicht in der Lage, eine andere Erklärung zu finden und brauche auch keine andere. Gepriesen
sei Gott!
Mons. Robert Francis Vasa (54) wurde im November 1999 vom Papst Johannes Paul II. zum Bischof
der Diözese Baker ernannt. Die Diözese Baker befindet sich im Osten des US-Bundesstaates Oregon. Oregon
liegt im Nordwesten der USA am Pazifischen Ozean. Vor seiner Ernennung zum Bischof war Mons. Vasa Generalvikar
und Moderator Curiae der für ihre sehr katholische Linie bekannten Diözese Lincoln im US-Bundesstaat
Nebraska.
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