10:29:27 | Mittwoch, 17. November 2004
Bei Kritik dreht sich Österreichs „offener Kirchenführung“ der Magen um – und für die Kritiker der Geldhahn zu. Ein aktuelles Beispiel zeigt, daß die kirchlichen Würdenträger, ihren Ruf, wenn es sein muß, zu verteidigen wissen. Ein Kommentar.
(kreuz.net, Wien) An der Herbstvollversammlung der österreichischen Bischofskonferenz, die letzte Woche
in Salzburg stattfand, wurde unter anderem auch der Finanzkuchen für das Jahr 2005 gebacken und verteilt.
Auffallend sind dabei die Kriterien, die der Verteilung von Kirchensteuergeldern zugrundeliegen. Ein
interessantes Beispiel betrifft die bischöfliche Behandlung der katholischen Internetplattform „kath.net“.
Österreichs Bischöfe haben gewöhnlich ein weites Herz. An den katholischen Universitäten und Fakultäten
herrscht vor allem im ultralinken Spektrum eine erstaunliche Bandbreite von Professorenmeinungen. Diözesane
Kirchenzeitungen werben für Kinderabtreibung und Frauenpriestertum und sprechen sich offen gegen den
Zölibat aus. In den Pastoralämtern werden Mandalas gemalt, der Zen-Buddhismus geübt und Rockkonzerte
als „Jugendgottesdienste“ angepriesen.
Religionskritik, Kirchenkritik und Papstkritik sind für das weite
österreichische Bischofsherz kein Problem. Die Hirten Österreichs sind für jede Form der Kritik offen,
mit einer Ausnahme: Kritik an ihnen. Das muß „kath.net“ jetzt spüren.
Kath.net ist die führende katholische
Internetplattform im deutschsprachigen Raum, die von Linz aus publiziert. Für das Jahr 2005 stellte der
Herausgeber der Plattform, der Diplomtheologe Roland Biermeier, vergangenen Juli in einem Brief an den
Vorsitzenden der österreichischen Bischofskonferenz, Christoph Kardinal Schönborn, ein Ansuchen um Subvention
des Internetdienstes in der Höhe von 50.000 Euro. Im Jahr zuvor hatte die Bischofskonferenz der Plattform
bereits eine Unterstützung von 10.000 Euro zukommen lassen.
Doch im kommenden Jahr wird der bischöfliche
Rubel für die katholische Plattform nicht rollen. Was ist der Grund? Kath.net re-publizierte einen für
die in Köln erscheinende Zeitschrift „Theologisches“ geschriebenen Kommentar des Schweizer Theologen
Dr. Don Reto Nay mit dem Titel „
St. Pölten liegt zwischen Linz und Wien“.
In diesem Kommentar werden
die jüngsten Ereignisse um die Diözese St. Pölten aufgearbeitet und die Tatenlosigkeit der Bischöfe
angesprochen. Der Kommentar zieht einen Vergleich zwischen den Kartoffelsackpolitikern der christdemokratischen
Parteien und den Bischöfen der Katholischen Kirche.
Außerdem ‘prophezeite’ der Kommentar in einigem
Detail die später tatsächlich eingetretene Zukunft von Bischof Krenn und der Diözese St. Pölten.
Darf man sich angesichts dieser Strafaktion die Frage stellen, ob Österreichs Episkopat mehr um seine
eigenen Eitelkeiten bemüht ist als um Wahrheit und Ehrlichkeit im Umgang miteinander?
Darf man auch
darauf hinweisen, daß der besagte bischöfliche Beitrag für ein ausnehmend katholisches Projekt übrigens
genau in dem Moment gestoppt wurde, als Bischof Kurt Krenns Zuständigkeit für die Finanzen der Bischofskonferenz
beendet war. Gelegenheit macht den Dieb?
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#1
ottaviani 13:51:13 | Mittwoch, 17. November 2004