14:20:58 | Sonntag, 6. November 2011
Ein vernichtendes Urteil: Die Glaubenskrise in Westeuropa spielte angesichts der Binnenfixierung auf innerkirchliche Struktur- und Machtverteilungsfragen sowie Einzelfragen der Sexualmoral keine Rolle.

Die Alte Messe während des Zweiten Vatikanums.
(kreuz.net) Ein großer Teil der – altliberalen – Delegierten kam zur
Mannheimer Diskussions-Veranstaltung
der deutschen Bischöfe, um notfalls ein weiteres Mal mit dem Kopf gegen die gleiche Wand zu laufen.
Das schreibt der Bonner Politikwissenschaftler Andreas Püttmann (47) im August in der katholischen Zeitschrift
‘Die Neue Ordnung’.
Der Text ist im
Internet abrufbar.
Binnenfixierung auf Sex und MachtDie Enttäuschung
war nicht nur bei den katholischen Teilnehmern groß.
Püttmann zitiert einen altliberalen Delegierten:
„Ich habe in den Runden nichts, aber auch gar nichts gelernt.“
Es sei kaum Bereitschaft erkennbar gewesen,
„das eigene Suchen in eine neue Richtung zu wenden“, wofür der altliberale Zivilbischof Franz-Josef Bode
von Osnabrück bei seiner Predigt warb.
Püttmanns Urteil ist vernichtend: „Die Glaubenskrise in den
westeuropäischen Gesellschaften spielte angesichts der Binnenfixierung auf innerkirchliche Struktur-
und Machtverteilungsfragen sowie Einzelfragen der Sexualmoral keine Rolle.
Altliberale Argumentenresistenz
Püttmann erwähnt einen altliberalen Redakteur, der auf das missionarische Defizit angesprochen wurde.
Dazu meinte er: Wenn erst die Steine des Anstoßes aus dem Weg geräumt seien, könnten die fundamentaleren
Botschaften mit mehr Aussicht auf Erfolg verkündet werden.
„Davon konnte ihn auch der Verweis auf leere
evangelische Kirchenräume ganz ohne anstößige Kirchenordnung und Moralvorschriften nicht abbringen“ –
kommentiert Püttmann.
Man einigt sich auf WahlkämpferphrasenPüttmann erwähnt, daß die kirchliche
Sozialarbeit bei dem Mannheimer Treffen am wenigstens angefochten war:
„Doch auch das meistens mehr in
dem Sinne, daß die Kirche »Herz und Ohr an den Menschen« haben müsse – einer beliebten Wahlkämpferphrase
ähnlich, jedenfalls auch als Devise eines weltimmanenten Humanismus geeignet.“
Am Samstag morgen ging
es um „Zukunftsbilder von unserer Kirche“.
Dazu hatte eine Gruppe die folgende Vision: „Die Beschlüsse
des II. Vatikanums und der Würzburger Synode und Dresdner Pastoralsynode sind umgesetzt und werden gelebt.“
Püttmann kommentiert:
Dazu gehört aber auch die Bitte des Konzils, daß »alle Gläubigen sich die
kostbare Gabe des priesterlichen Zölibats ein wirkliches Anliegen sein lassen«, denn dieser sei »eine
köstliche göttliche Gnadengabe« (LG 42), „ein Zeichen und zugleich ein Antrieb der Hirtenliebe und
ein besonderer Quell geistlicher Fruchtbarkeit« (PO 16).“
Seine Frage: „Wird dies von der in Mannheim
versammelten Katholikenelite »umgesetzt und gelebt«?“
Die Konzilsverteidiger sind HeuchlerPüttmann
stellt die Frage, ob die Konzilsverteidiger die vom Konzil bekräftigte Unfehlbarkeit des Papstes, dessen
„Definitionen mit Recht aus sich und nicht erst aufgrund der Zustimmung der Kirche unanfechtbar“ sind
(LG 25) verteidigen.
„Wer pocht auf die Umsetzung der Konzilsbestimmung?“ – fährt er weiter:
„Das Recht,
die heilige Liturgie zu ordnen, steht einzig der Autorität der Kirche zu. Diese Autorität liegt beim
Apostolischen Stuhl und nach Maßgabe des Rechtes beim Bischof.“
Und: „Deshalb darf niemand sonst, auch
wenn er Priester wäre, nach eigenem Gutdünken in der Liturgie etwas hinzufügen, wegnehmen oder ändern“
(SC 22)?
Soll das Konzil gelten oder nicht?Püttmann räumt mit Konzils-Illusionen ab:
„Werden nicht
gerade jene Gläubigen, die hier das Konzil »umgesetzt und gelebt« wissen wollen, von Diözesanräten
und manchmal sogar Bischöfen als »Denunzianten“ verunglimpft?“
Seine Frage: „Also was nun? Soll das
Konzil gelten oder nicht?“
Wenn Bretter gegeneinanderschlagenVon den Dialogteilnehmern verlangt Püttmann,
daß sie für Selbstkorrektur offen sind und die wichtigen Konzilstexte lesen.
Sonst werde der Dialog
zu einem fruchtlosen, frustrationsverschärfenden Dialogismus abgleiten, bei dem es nur um die Aushandlung
individueller Geltungsansprüchen der Einzelakteure geht.
Püttmann warnt: „Gespräche über die Kirche
verkommen ohne Grundkenntnisse ihres Wesen und ihrer Sendung zum puren Palaver und Reflex auf Suggestionen
medialer Stichwortgeber“.
Diese würden jedes Thema in zwei Minuten abhandeln und dabei öffentliche
Meinung erzeugen.
Diese entspricht nach Püttmann dem Lärm, der entsteht, wenn die Bretter aneinander
schlagen, welche die Leute vor dem Kopf haben.
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mult 16:55:49 | Sonntag, 6. November 2011
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mult 15:58:13 | Sonntag, 6. November 2011