Orden
Der letzte der Siegburger Mönche nimmt Stellung
Es wird keiner nachempfinden können, wie es ist, abends alleine durch den Kreuzgang zu gehen, das leere Refektorium und das Kalefaktorium zu sehen. Von Frater Linus OSB, Liquidator der Abtei Michaelsberg.
Das Kloster auf dem Michaelsberg
Das Kloster auf dem Michaelsberg
© morpheus1879, Filckr, CC
(kreuz.net) Da ich in einem gestrigen ‘kreuz.net’-Artikel über die Abtei Michaelsberg mehrfach erwähnt werde, möchte ich dieses Medium nutzen und mich mitteilen.

Es entspricht nicht den Tatsachen, daß die Abtei einer kommerziellen Nutzung zugeführt wird.

Ich habe vor ein paar Wochen der in Bonn erscheinenden Tageszeitung ‘General-Anzeiger’ nur deutlich gesagt, daß eine rein geistliche Nutzung eher unwahrscheinlich ist.

Daraus abzuleiten, daß die Abtei kommerziell umfunktioniert wird, halte ich für eine Verdrehung meiner Worte.

Hier werden Gerüchte in die Welt gesetzt, die keine Grundlage haben.

Benediktinerabtei Michaelsberg
Die Stadt Siegburg mit dem Michaelsberg und der BenediktinerabteiAbtei Michaelsberg in SiegburgLanghaus der Abteikirche

Großer Schmerz

Weder ‘kreuz.net’ noch der ‘Kölner Stadt-Anzeiger’ – oder sonst einer kann den Schmerz nachempfinden, den wir Siegburger Mönche in den letzten Monaten erlitten haben.

Wir mußten unsere Heimat aufgeben, den Ort unserer monastischen Stabilitas.

Es wird uns Dekadenz unterstellt. Aber hier haben Mönche – zum Beispiel Pater Mauritius – über sechzig Jahre lang treu ihren Dienst versehen.

Es wurde alles versucht

Ich kenne alle Hintergründe. Daher muß ich sagen: Auch mit der Erzdiözese Köln wird nicht fair umgegangen.

Sowohl wir Benediktiner als auch der Kardinal haben etliche Ordensgemeinschaften angesprochen.

Es wurde wirklich nichts unversucht gelassen, um eine Lösung zu finden, die tragfähig ist und dem Ort gerecht wird.

Viele Beteiligte und Befragte schrecken vor dem Riesengebäude mit 21.000 Quadratmetern zurück.

Wir haben monatelang nach einer Lösung gesucht.

Ich bin dafür eigens zur Visitatorenkonferenz der Benediktinerkongregation von Subjaco nach Brasilien gereist, um das Votum unserer Kongregation einzuholen.

Es geht mir sehr an die Nieren, wenn ich sehe, wie die Reaktionen sind.

Anstatt für die Kirche zu beten, für einen guten weiteren Weg eines jeden Mitbruders, werden wir öffentlich an manchen Stellen demontiert.

Es gibt nichts, was spruchreif wäre

Wie in der Vergangenheit, so werden wir auch – was die Zukunft der Abtei angeht – die Öffentlichkeit zeitnah informieren.

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es nichts, was spruchreif wäre.

Ich kann diese ganzen Spekulationen nicht nachvollziehen. Sie schaden der Abtei und sind der Sache nicht dienlich.

Es bedarf daher der Zeit und der Geduld.

Nach den Mönchen fragt keiner

Wir Mönche mußten Verständnis für so viele Dinge haben.

Es wird uns gesagt, daß Siegburg sein „geistliches Zentrum“ verliert, die Menschen traurig seien und, ach, wie wichtig die Abtei doch im Leben der Menschen gewesen sei.

Wie es aber uns Mönchen während der Ereignisse der letzten Monate ergangen ist – da hat außerhalb der Kirche selten einer nachgefragt.

Es kann hier kaum einer nachvollziehen, wie es für mich ist, 947 Jahre Geschichte und Tradition abzuwickeln.

Wie es ist, abends alleine durch den Kreuzgang zu gehen, das leere Refektorium und das Kalefaktorium zu sehen – wie es ist, „mein“ Kloster sterben zu sehen.

Diesen Schmerz wird keiner verstehen können, der nicht beteiligt ist.
      
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