08:41:00 | Freitag, 25. November 2011
Es wird keiner nachempfinden können, wie es ist, abends alleine durch den Kreuzgang zu gehen, das leere Refektorium und das Kalefaktorium zu sehen. Von Frater Linus OSB, Liquidator der Abtei Michaelsberg.

Das Kloster auf dem Michaelsberg
© morpheus1879, Filckr, CC(kreuz.net) Da ich in einem gestrigen
‘kreuz.net’-Artikel über die Abtei Michaelsberg mehrfach erwähnt
werde, möchte ich dieses Medium nutzen und mich mitteilen.
Es entspricht nicht den Tatsachen, daß die
Abtei einer kommerziellen Nutzung zugeführt wird.
Ich habe vor ein paar Wochen der in Bonn erscheinenden
Tageszeitung ‘General-Anzeiger’ nur deutlich gesagt, daß eine rein geistliche Nutzung eher unwahrscheinlich
ist.
Daraus abzuleiten, daß die Abtei kommerziell umfunktioniert wird, halte ich für eine Verdrehung
meiner Worte.
Hier werden Gerüchte in die Welt gesetzt, die keine Grundlage haben.
Benediktinerabtei
Michaelsberg

© Gemeinfrei

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© Bild: Beckstet, Wikipedia
CC

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CC

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Bild: Beckstet, Wikipedia
CC

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CC
Großer SchmerzWeder ‘kreuz.net’ noch der
‘Kölner Stadt-Anzeiger’ – oder sonst einer kann den Schmerz nachempfinden, den wir Siegburger Mönche
in den letzten Monaten erlitten haben.
Wir mußten unsere Heimat aufgeben, den Ort unserer monastischen
Stabilitas.
Es wird uns Dekadenz unterstellt. Aber hier haben Mönche – zum Beispiel Pater Mauritius –
über sechzig Jahre lang treu ihren Dienst versehen.
Es wurde alles versuchtIch kenne alle Hintergründe.
Daher muß ich sagen: Auch mit der Erzdiözese Köln wird nicht fair umgegangen.
Sowohl wir Benediktiner
als auch der Kardinal haben etliche Ordensgemeinschaften angesprochen.
Es wurde wirklich nichts unversucht
gelassen, um eine Lösung zu finden, die tragfähig ist und dem Ort gerecht wird.
Viele Beteiligte und
Befragte schrecken vor dem Riesengebäude mit 21.000 Quadratmetern zurück.
Wir haben monatelang nach
einer Lösung gesucht.
Ich bin dafür eigens zur Visitatorenkonferenz der Benediktinerkongregation von
Subjaco nach Brasilien gereist, um das Votum unserer Kongregation einzuholen.
Es geht mir sehr an die
Nieren, wenn ich sehe, wie die Reaktionen sind.
Anstatt für die Kirche zu beten, für einen guten weiteren
Weg eines jeden Mitbruders, werden wir öffentlich an manchen Stellen demontiert.
Es gibt nichts, was
spruchreif wäreWie in der Vergangenheit, so werden wir auch – was die Zukunft der Abtei angeht – die
Öffentlichkeit zeitnah informieren.
Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es nichts, was spruchreif wäre.
Ich
kann diese ganzen Spekulationen nicht nachvollziehen. Sie schaden der Abtei und sind der Sache nicht dienlich.
Es bedarf daher der Zeit und der Geduld.
Nach den Mönchen fragt keinerWir Mönche mußten Verständnis
für so viele Dinge haben.
Es wird uns gesagt, daß Siegburg sein „geistliches Zentrum“ verliert, die
Menschen traurig seien und, ach, wie wichtig die Abtei doch im Leben der Menschen gewesen sei.
Wie es
aber uns Mönchen während der Ereignisse der letzten Monate ergangen ist – da hat außerhalb der Kirche
selten einer nachgefragt.
Es kann hier kaum einer nachvollziehen, wie es für mich ist, 947 Jahre Geschichte
und Tradition abzuwickeln.
Wie es ist, abends alleine durch den Kreuzgang zu gehen, das leere Refektorium
und das Kalefaktorium zu sehen – wie es ist, „mein“ Kloster sterben zu sehen.
Diesen Schmerz wird keiner
verstehen können, der nicht beteiligt ist.