[ « 433 434 435 436 437 » ]
Mittwoch, 29. Juni 2005 09:25
Ökumenische Bischofsweihe
Das kommunistische Regime der Volksrepublik China hat eine Bischofsernennung des Heiligen Stuhls anerkannt – oder eher umgekehrt. Jetzt beginnt man zu hoffen oder zu bangen.
Ökumenische Bischofsweihe am 28. Juni Rechts: Weihbischof Josef Xing Wenzhi Links: Der patriotische Bischof Aloysius Dschin Luxian
Ökumenische Bischofsweihe am 28. Juni
Rechts: Weihbischof Josef Xing Wenzhi
Links: Der patriotische Bischof Aloysius Dschin Luxian
(kreuz.net, Schanghai) Mons. Josef Xing Wendschi (42) wurde am Dienstag zum Weihbischof der regimehörigen Diözese von Schanghai konsekriert. Schanghai ist eine Hafenstadt im Osten Chinas.

Der neue Weihbischof studierte in den USA und war bisher Generalvikar der Patriotischen Diözese von Schanghai.

Mons. Xing wurde für die sogenannte „Patriotische Vereinigung“ geweiht. Sie ist eine vom kommunistischen Staat kontrollierte und organisierte Gegenkirche mit ungefähr fünf Millionen Anhängern. Auf staatliche Anordnung lehnt sie die römische Jurisdiktion ab.

Die romtreuen Katholiken, für welche die „Patriotische Vereinigung“ ein Greuel ist, leben in China im Untergrund und werden von den Kommunisten brutal verfolgt.

Es war darum eine Sensation, als der angehende Weihbischof vor seiner Konsekration in aller Öffentlichkeit erklärte, daß er auch ein Ernennungsschreiben des Heiligen Stuhls besitze.

Der patriotische Bischof von Schanghai, Mons. Aloysius Dschin Luxian (89), war bei der Bischofsweihe der Hauptkonsekrator.

Am Ende der Messe mußte er wegen seiner Altersbeschwerden im Rollstuhl weggefahren werden. Am anschließenden Festessen nahm der regimehörige Bischof nicht teil. Der neue Weihbischof soll zukünftig für ihn die Amtsgeschäfte führen.

Nach seiner Konsekration erklärte der Neugeweihte, daß das Bischofsamt keine Ehre, sondern eine Aufgabe sei. Er bezeichnete sich selbst als „der kleine Bruder“, der allen in der Diözese dient und ein Vorbild sein möchte.

Mons. Josef Xing Wendschi war der Wunschkandidat der kommunistischen Partei.

Dennoch beurteilt der katholische Nachrichtendienst ‘AsiaNews’ die Weihe des von Rom bestätigten Weihbischofs vorsichtig positiv.

Sie könnte bedeuten, daß das Regime die Verbindung eines Bischofs mit dem Heiligen Stuhl zukünftig nicht mehr als Bedrohung und Einmischung eines fremden Staates in die inneren Angelegenheiten Chinas betrachten wird.

Die doppelte Anerkennung ist vielleicht auch ein Gewinn für die chinesischen Katholiken. Sie könnte einen Beitrag zur Überwindung der schweren Spaltung leisten, die zwischen der katholischen Untergrundkirche und der regimehörigen Staatskirche besteht.

Allerdings hat auch das Regime ein konkretes Interesse, daß die Patriotischen Bischöfe den römischen Segen bekommen.

Denn in den letzten Jahren sind regimehörige Bischöfe nicht selten auch von ihren eigenen Gläubigen abgelehnt worden. Letztere blieben den Bischofsliturgien fern und nahmen nicht einmal an Beerdigungen von Regimebischöfen teil.

Außerdem halten die Kommunisten durch die vatikanische Anerkennung von Mons. Josef Xing einen Trumpf gegen die verfolgten Katholiken in der Hand.

Diese sind gezwungen Mons. Xing anzuerkennen, obwohl er im wesentlichen von ihren Verfolgern ernannt wurde.

Es ist ferner unklar, wieviele Freiheiten die Regierung dem neuen Bischof gewähren will. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang, ob dem Bischof erlaubt wird, normale Beziehungen mit dem Papst und der Römischen Kurie aufzunehmen.

Eine offene Frage ist auch das Schicksal des gegenwärtigen katholischen Märtyrerbischofs von Schanghai, Mons. Joseph Fan Schongliang.

Das Haus des greisen Bischofs wird seit Jahren von der Polizei beschattet. Ihm wird jeder Zugang zu den Gläubigen verwehrt.

Jetzt ist die Stimmung in Schanghai verhalten positiv. Einige Gläubige erhoffen sich von der katho-kommunistischen Doppelnominierung eine Verbesserung der Beziehungen zwischen der Volksrepublik und dem Heiligen Stuhl. Das berichtet ‘AsiaNews’ mit Bezug auf Quellen in Schanghai.

Andere äußern Zweifel an der Persönlichkeit von Mons. Xing. Er besitze eine zu schwache Persönlichkeit, um dem Druck und der Kontrolle des Regimes standzuhalten.
4 Lesermeinungen:
Samstag, 2. Juli 2005 11:10
Athanasius: Man kann ja auch deutlich an den Kaseln sehen…
…wie sehr die Patriotisch Chinesisch-COmmunistisch-„Katholische“ Kleriker an der Neuen Theologie und dem neuen Messritus mit Missbräuchen hängen.

Modernismus ist ja eigen am Kommunismus.

Schreckliche Kasel.

„Gott ist SChönheit“, sagte Augustinus. Und wer von Ihm gesegnet ist, hat äussere UND innere Schönheit.
Mittwoch, 29. Juni 2005 22:54
Sebastijonas: „Patriotische“ Kirche?
„Jede Fremde ist für sie Vaterland und jede Heimat ist für sie Fremde.“
Mittwoch, 29. Juni 2005 20:40
Athanasius: Jaja…
Ist ja auch schön, wenn man bedenkt, dass die „Patrioten“ (lies Kommunisten) der Regimeskirche, nichts von ihrer Gutheissung der Abtreibung abnehmen müssen.

Aber dieses Verrat und diese Kapitulation war ja zu erwarten nach dem Verratskonzelebrieren von Kardinal Etchegaray.

Ist ja auch nicht schlimm, wenn man schismatisch ist, den Papst als „Nationsfeind“ bezeichnet, und 1000e von Bischöfen weiht. So lange man nur unbedingt dem II. Vatikanum zustimmt und ihrem Geiste. Dann schaut das neokonservative Establishment schon über Abtreibung, Ketzerei und Schismatismus hinweg.

Das II. Vaticanum wurde praktisch nie abgelehnt von der Regimesklerusorganisation, da ja in Rom von 1962-1965 auch russische „Kontrolleure“ dabei waren. Und die Verurteilung des Kommunismus wie gefragt von der „Coetus Internationalis Patrum“ von kard. Spellman, Ottaviani, msgrs. Lefebvre, De Castro Mayer, Bacci usw. wurde ja vorneherein bereits abgelehnt von den Konzilsvorsitzenden. Und das kommunistische Régime hat schnellstens eingesehen, dass die tridentinische hl. Messe zu sehr die Leute an der alten Lehre bindet und hat den Novus Ordo imitiert.
Mittwoch, 29. Juni 2005 11:01
roemkath: Vielschichtig…
… und mit reiner Schwarz-Weiß-Malerei kaum zu erfassen ist die Situation der Katholiken in China. An der Objektivität und am Informationsgehalt Ihres Artikels zweifle ich sehr. Mittlerweile gibt es vielfache Kontakte zwischen der Patriotischen Vereinigung und den verfolgten, romtreuen Katholiken und umgekehrt. Mehrere Bischöfe der Patriotischen Vereinigung wurden bereits von Rom und von Bischöfen der Untergrundkirche als rechtmäßig anerkannt bzw. bestätigt. Die Patriotische Vereinigung hat heute alle Beschlüsse des II. Vaticanum rezipiert und kommemoriert den Heiligen Vater in ihren Liturgien. Das war vor einigen Jahren noch völlig anders. Eine Wiedervereinigung von Patriotischer Vereinigung und den romtreuen Katholiken ist in nicht mehr weiter Ferne auszumachen. Die politischen Beziehungen zwischen China und Vatikan verbessern sich außerdem zunehmend. Dabei will ich nicht verschweigen, dass es immer noch Rückfälle, wie Verhaftungen von romtreuen Klerikern und Gläubigen gibt. In letzter Zeit wurden aber vermehrt positive Signale durch baldige Freilassungen gesetzt.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
Copyright © 2008 kreuz.net