Politik
„Zentralkomitee“- Generalsekretär gescheitert
Der Generalsekretär des „Zentralkomitees der deutschen Katholiken“, Dr. Stefan Vesper, ist gestern mit seiner Kandidatur für den Deutschen Bundestag gescheitert.
(kreuz.net, Köln) Dr. Vesper unterlag auf einem CDU-Parteitag im Wahlkreis 98. Der Wahlkreis umfaßt die Städte und Gemeinden im Umland der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn.

Als Kandidatin wurde die 42jährige Familienrichterin Elisabeth Winkelmeier-Becker gekürt. Der deutsche Bundestag wird wahrscheinlich am 18. September gewählt.

Der promovierte Theologe Dr. Stefan Vesper ist 49 Jahre alt. Seit 1999 ist er Generalsekretär des „Zentralkomitees der deutschen Katholiken“ in Bonn.

Das „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ – kurz: ZdK – ist ein Zusammenschluß von katholischen Verbänden, Gremienvertretern und Politikern und nicht – wie der mißverständliche Name nahelegt – eine demokratisch legitimierte Vertretung der kirchlichen Laien in der Bundesrepublik.

Die Vollversammlung des „Zentralkomitees“ besteht aus rund 230 Mitgliedern.

97 Mitglieder werden von der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Organisationen Deutschlands (AGKOD) gewählt. 84 Mitglieder kommen aus den Diözesanräten. 45 Mitglieder werden als Einzelpersönlichkeit hinzugewählt.

Unter ihnen befinden sich zum Beispiel der SPD-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, die CDU-Politikerin Annette Schavan oder die „Grünen“-Politikerin Christa Nickels.

Das „Zentralkomitee“ ist unter Katholiken umstritten.

Der gescheiterte Dr. Vesper war ursprünglich Lehrer. Anschließend arbeitete er für ein katholisches Bildungsinstitut, später als Ökumenismus-Referent der Europäischen Bischofskonferenz. Er lebt mit Frau und zwei Kindern in der Nähe von Köln.

Dr. Vespers Bruder Michael war Bauminister von Nordrhein-Westfalen. Er ist Bundesvorstandsmitglied der „Grünen“.

Dr. Vesper ist ein Seiteneinsteiger in die Politik. Beobachter sehen in seiner Kandidatur einen verzweifelten Kampf des Verbandskatholizismus um den schwindenden Einfluß auf die Christdemokraten.

Die Haltung des „Zentralkomitees“ gegenüber Rom ist sehr kritisch.

In den letzten Jahren gab es immer wieder Konflikte mit den Bischöfen. Grund: Die vom Papst verbotenen und vom deutschen Abtreibungsrecht verlangten Tötungslizenzen werden durch den vom „Zentralkomitee“ initiierten Verein „Donum vitae“ immer noch ausgestellt.

Dr. Vesper ist maßgeblich am fortgesetzten Ungehorsam gegen die Bischofskonferenz beteiligt. Dieser offene Konflikt mit den Hirten wird von vielen Priestern und hauptamtlichen Kirchenangestellten unterstützt.

Dennoch wird das ZdK weiter durch die deutsche Bischofskonferenz finanziert.

Das „Zentralkomitee“-kritische „Forum deutscher Katholiken“ wurde in der Vergangenheit von Kardinal Joseph Ratzinger offen unterstützt.

Der Konflikt mit den Bischöfen war auch Thema der Kandidatenrede von Dr. Vesper.

Vom Podium herab rügte Vesper den Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, weil er der CDU eine Streichung des ersten Buchstabens im Parteinamen angeraten hatte.

Ansonsten spielte der Verbandsfunktionär in seiner Vorstellung ganz die „katholische Karte“.

Sogar den Weltjugendtag nahm er in seiner Vorstellungsrede für sein Kandidatenprofil in Anspruch. Es ist kein Geheimnis, daß der deutsche Verbandskatholizismus seine distanzierte Haltung zu den vom Papst einberufenen Jugendtreffen erst sehr spät aufgegeben hat.

Die Kritik am Erzbischof von Köln und seine Anbiederung an die überwiegend zeitgeistkonformen CDU-Mitglieder war aber ein strategischer Fehler.

Kirchlich gebundene Parteimitglieder empfanden Vespers Profilierung auf Kosten seines erzbischöflichen Arbeitgebers als „Kardinalsbeschimpfung“. Das brachte ihn sicher auch um die zwei Stimmen, die ihm für die Stichwahl fehlten und vielleicht sogar zu einer Kandidatur geführt hätten.
      
10 Lesermeinungen
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#10   Benedikt   12:39:23 | Donnerstag, 30. Juni 2005
@ Athanasius
Zum ersten:
Schon Benedikt XVI. sagte ja vor seiner Wahl, dass der Hl. Geist nicht immer bei der Wahl gewirkt haben könne, weil es ja auch schon „schlimme“ Päpste gegeben habe. Das ist sicherlich richtig, könnte aber auch nur bedeuten, dass einige Kardinäle sich wohl bei ihrer Stimmabgabe absichtlich nicht vom Hl. Geist, sondern von Profangedanken haben leiten lassen.
Zum zweiten Punkt: Ich habe habe doch nichts anderes gesagt, da steht doch „alleinig“!
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#9   virOblationis   12:28:55 | Donnerstag, 30. Juni 2005
ad sirilo
„Alle … Getauften gehören der Katholischen Kirche an.“ – Gewiß; doch können sie die heiligmachende Gnade auch wieder verlieren, z.B. indem sie das katholische Bekenntnis verleugnen.
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#8   Athanasius   23:54:40 | Mittwoch, 29. Juni 2005
Njet
Die Wahl des Papstes ist ebenfalls göttlich inspiriert.
Das ist Unsinn. Sie wird zugelassen, ist aber eine menschliche Wahl. Man möchte doch wirklich nicht sagen, dass etwa Alexander VI., Honorius I. oder Julius II. Heilige waren?
Gott toleriert also, und es ist Sein Entscheidung die Wahl weitergehen zu lassen oder eben nicht. Aber die Wahl ist rein menschlich und nicht göttlich (war ja auch nicht immer Wahl, oft auch Streit oder Ernennung).
Darüberhinaus hat der Papst nach der Kirchenlehre die umfassende und alleinige Lehr- und Jurisdiktiongewalt inne.
Und die Kirche hat nur ein Oberhaupt: den hl. Vater. Und die Bischöfe ohne ihn haben keine doktrinäre Macht. Gar nichts. Zumindest nicht bindend und allgemein gültig. Nein zur falschen Kollegialität!
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#7   Benedikt   23:35:39 | Mittwoch, 29. Juni 2005
@sirilo
Vielen Dank für ihre nüchterne und profane Darstellung. Leider wird sie der Glaubenswirklichkeit nicht gerecht. Die Bischöfe stehen durch die Handauflegung nicht nur in direkter Nachfolge der Apostel, ihnen wird auch die Inspiration des Hl. Geistes auf besondere Weise zu teil. Die Wahl des Papstes ist ebenfalls göttlich inspiriert. Darüberhinaus hat der Papst nach der Kirchenlehre die umfassende und alleinige Lehr- und Jurisdiktiongewalt inne. Ein so genanntes Zentralkommitee kann zwar legitim Interessen vertreten, wenn diese aber der Lehre der Kirche wiedersprechen sind diese Vertretungen null und nichtig.
Es würde ihnen sicherlich auch nicht gefallen, wenn ein Uni-Debattierklub für sie verbindliche Auslegungen der Staats-Verfassung vornehmen würde.
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#6   Sirilo   22:00:25 | Mittwoch, 29. Juni 2005
@graham amor
1. Nach der Lehre der Kirche gehören alle gültig Getauften der katholischen Kirche an.
2. Die Bischöfe werden nicht von Gott eingesetzt, sondern vom Papst. Und der Papst wird von den Kardinälen gewählt. Und das sind Bischöfe, die vom Papst ernannt wurden. Gott tritt bei keiner dieser Einsetzungen, Wahlen und Ernennungen in Erscheinung.
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#5   graham amor   20:40:08 | Mittwoch, 29. Juni 2005
Wer repräsentiert den Katholiken?
Grüße an Yesina!
Ich wundere mir wie Sie Menschen als Katholiken anerkennen können, die die Katholische Lehren und so den Glauben ausdrücklich ablehnen? Katholischsein ist nicht zu vergleichen mit „Deutschsein“ oder „Bayernsein“, wo man gar nichts dafür kann, da man so geboren ist.
Wenn man die Kirche und den Glauben ablehnt, ist man klipp und klar NICHT katholisch, egal was in staatlichen Standesämte geschrieben steht, oder nicht.
ZdK hat mehrmals deutlich die Katholischen Grundsätze abgelehnt. Also, kann es nicht behaupten entweder katholisch zu sein, noch für Katholiken zu sprechen. Nur die von Gott eingesetzen Bischöfen zusammen mit dem Heiligen Vater haben diese Recht.
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#4   Yersinia   19:35:06 | Mittwoch, 29. Juni 2005
alle Katholiken? auch jene
die im Zentralkomitee sitzen? oder maßt du dir da nicht eine Generalisierung der eigenen Weltsicht an?
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#3   Brandenburgis   15:21:24 | Mittwoch, 29. Juni 2005
Zentralkommitte (ZdK)
Das ZdK ist unter Katholiken überhaupt nicht umstritten. Alle Katholiken lehnen es als diabolisch inspirierten Verein ab!
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#2   Didimus   13:46:25 | Mittwoch, 29. Juni 2005
@Benedikt
Hast natürlich recht. Allerdings spielt sich das ZdK als legitime Laienvertretung auf und sieht sich als eine Art institutionalisierte Opposition gegen Rom, die die Interessen „der“ Laien gegenüber dem Klerus zu vertreten hat.
Dabei vertritt es nur die Interessen einer kleinen Klientel. Die meisten Laien, die dem Papst und der Lehre der Kirche treu sind, dürften sich nicht durch das ZdK vertreten fühlen und die große Mehrheit der Taufscheinkatholiken interessiert sich ohnehin nicht für innerkirchliche Vorgänge. Was die ZdK-Leute nicht daran hindert, sich unglaublich wichtig zu fühlen.
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#1   Benedikt   13:22:58 | Mittwoch, 29. Juni 2005
Demokratisch legitimiert
Das „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ – kurz: ZdK – ist ein Zusammenschluß von katholischen Verbänden, Gremienvertretern und Politikern und nicht – wie der mißverständliche Name nahelegt – eine demokratisch legitimierte Vertretung der kirchlichen Laien in der Bundesrepublik.
Liebe Redaktion, wie kommt ihr darauf, dass man annehmen könnte, dass ein Zentralkomitee demokratisch legitimiert sei? Zentralkomitee ist ein Begriff, zu dem mir als allererstes Kommunismus einfällt.
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