09:31:49 | Donnerstag, 30. Juni 2005
In einem Mai-Interview mit der Monatszeitschrift ‘Der Fels’ nahm der Bischof von Fulda den von ihm entworfenen „Pastoralen Prozeß“ in Schutz. Kritische Anfragen glaubenstreuer Priester und Laien bezeichnete der Bischof dabei als „tendenziöse Kampagne“. Das Interview.
(kreuz.net/
Der Fels) In den Medien wird heftig und kontrovers über die Einführung von Pastoralverbünden
im Bistum Fulda diskutiert. Im folgenden stellt der Bischof von Fulda seine Sicht der Dinge dar.
Frage:
Exzellenz, seit wann befaßt sich die Leitung der Diözese mit dem „Pastoralen Prozeß“ und was waren
die maßgeblichen Gründe dafür? Wenn der Priestermangel dabei eine wichtige Rolle spielt, hat man auch
daran gedacht, das Problem unter Beibehaltung der bisherigen Strukturen durch eine ausgewogenere Zuordnung
von Pfarreien und Priestern oder durch Einbeziehung von Priestern aus der Weltkirche zu lösen?
Mons.
Heinz Josef Algermissen: In einigen Presseorganen wird der Pastorale Prozeß, der 2002 in Gang gesetzt
wurde, plötzlich tendenziös dargestellt, einer Kampagne gleich.
Aus einer pastoralen Notwendigkeit
heraus haben wir uns vor nunmehr drei Jahren diesem Prozeß als Antwort auf die Wirklichkeit der Seelsorgesituation
und des Priestermangels gestellt.
Ich will bekennen, daß die zukünftigen notwendigen Änderungen zweifellos
eine Antwort auf Not und Mangelerscheinung in unserer Kirche in diesem Land sind. Angesichts der faktischen
Einbrüche muß ich als Bischof reagieren. Seit Jahren schon bewegt mich die Frage: „Was hat Gott mit
uns vor?“.
Der von Ihnen angesprochene „Lösungsansatz“ ist de facto keiner:
Die Erfahrung der vergangenen
Jahre zeigt deutlich, daß der Einsatz von ausländischen Priestern mitunter zu Schwierigkeiten in den
Gemeinden führte, über die ich als Bischof nicht hinwegsehen kann.
Die von Ihnen angemahnte „ausgewogenere
Zuordnung von Pfarreien und Priestern“ ist gerade und ausdrücklich Gegenstand des Pastoralen Prozesses
im Bistum Fulda, das sich wie andere deutsche Diözesen auch, überlegen muß, wie es zu zukunftsfähigen
Gemeinden findet.
Frage: Wie berücksichtigt der vorliegende Entwurf die umfassende priesterliche Aufgabe
für die Gläubigen? Ist die Aufteilung der priesterlichen Dienste auf verschiedene Personen dem Priesterbild
und der Gewinnung von Priesterkandidaten nicht abträglich?
Mons. Heinz Josef Algermissen: Ihre Frage
könnte den Eindruck erwecken, als würden priesterliche Aufgaben nun Laien übertragen werden. Dem ist
nicht so! Es geht in dem Konzept der Pastoralverbünde um die Befreiung der Priester zur Seelsorge unter
Beibehaltung ihrer sakramental begründeten und nicht aufgebbaren Leitungsfunktion. Im Gegenteil können
zukünftige Priester oder Priesteramtskandidaten sicher sein, von zuviel Verwaltungsballast, der sie von
der eigentlichen Seelsorge abhält, entlastet zu werden.
Frage: Wie kommen Pastoralverbünde zustande?
Werden die bisherigen Pfarreien gehört und in den Entscheidungsprozeß eingebunden? Müssen Pastoralverbünde
flächendeckend in der Diözese eingerichtet werden?
Mons. Heinz Josef Algermissen: Die Pastoralverbünde
sind Ergebnis eines bistumsweiten, von mir in 2002 angestoßenen Dialogprozesses in allen Gemeinden. Den
Vorschlägen der Gemeinden und Dekanate zu einer neuen Pastoralstruktur konnte ich zumeist zustimmen,
d.h., daß die sich abzeichnende Form der Pastoralverbünde aus den Gemeinden selbst gekommen ist und
nach Prüfung im Bistum umgesetzt wird.
Frage: Wer leitet den Pastoralverbund und wie kommen verbindliche
Entscheidungen zustande? Werden die Entscheidungen mit den Pfarreien des Verbundes abgestimmt und umgesetzt?
Mons. Heinz Josef Algermissen: Die Leitung eines Pastoralverbundes obliegt immer einem Priester, der
sich mit den weiteren, im Verbund tätigen Priestern berät und verständigt.
Frage: Wie endgültig ist
der vorliegende Entwurf des „Gesetzes über Pastoralverbünde im Bistum Fulda“?
Mons. Heinz Josef Algermissen:
Den vorliegenden Entwurf des „Gesetzes über Pastoralverbünde im Bistum Fulda“ habe ich den Gemeinden
und allen Verantwortlichen des Bistums vorgelegt. Er wurde gründlich kirchenrechtlich durchgearbeitet.
Eine endgültige Entscheidung dazu steht noch aus, weil die Anmerkungen der Gemeinden und Dekanate derzeit
noch berücksichtigt werden. Klärende Änderungen sind noch zu erwarten.
Herzlichen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Prof. Dr. Hubert Gindert. Das Interview wurde in der Mai-Ausgabe der katholischen
Monatszeitschrift ‘Der Fels’ publiziert.
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Romano 12:06:42 | Freitag, 1. Juli 2005
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thaumaturgos 11:40:23 | Freitag, 1. Juli 2005
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Laurentius2 18:24:42 | Donnerstag, 30. Juni 2005
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zwobbel 10:42:46 | Donnerstag, 30. Juni 2005