Der kürzlich zuende gegangene Moskau-Besuch von Kardinal Kasper läßt eine Verbesserung der Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem russisch-orthodoxen Patriarchat erwarten. Die Gründe dafür sind nicht theologischer Natur.
(kreuz.net, Moskau) Walter Kardinal Kasper, der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der
Christen, ist letzte Woche vorsichtig optimistisch aus Moskau zurückgekehrt.
Seine Reise hat vielleicht
eine neue Etappe in den Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und den russisch-orthodoxen eingeleitet.
„Kardinal Kasper erhielt in Moskau einen außerordentlich freundlichen Empfang“, erklärte der katholische
Erzbischof von Moskau, Mons. Tadeusz Kondrusiewicz, vor der französischen Tageszeitung ‘La Croix’.
Während
des vergangenen Pontifikates gab es zwei stereotype orthodoxe Anklagen: der angebliche „Proselytismus“
der Katholiken in Rußland und die Präsenz der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine.
Die griechisch-katholische
Kirche ist mit Rom uniert. Sie besitzt aber die identische byzantinische Liturgie und Tradition wie die
Orthodoxen.
Zeichen eines Tauwetters ist vielleicht die Medienerklärung des Moskauer Patriarchates nach
dem Treffen mit Kardinal Kasper. Darin ist der erste Stein des Anstoßes – der „Proselytismus“ – gar nicht
mehr erwähnt.
Stattdessen sieht man in den „moralischen Herausforderungen“ eines sich immer aggressiver
gebärdenden Laizismus eine Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche.
Mons. Kondrusiewicz meint, daß
die verbesserten Beziehungen zwischen Russen und Katholiken auf die Vorarbeiten des verstorbenen Papstes
Johannes Paul II. zurückzuführen seien.
Zeichenhafte Handlungen wie die Übergabe der Ikone von Kasan
hätten den Boden bereitet, auf dem Benedikt XVI. weiterschreiten könne.
Die Analyse des Erzbischofs
stimmt wohl nur zum Teil. Die Annäherung des russisch-orthodoxen Patriarchates hat eher andere Gründe.
Der Vorwurf, daß die katholische Kirche den Orthodoxen Gläubige abwirbt, war von Anfang an eine Scherzbehauptung.
Die katholische Kirche hat im Osten in den letzten fünfzehn Jahren keinen nennenswerten missionarischen
Eifer entfaltet.
In der Frage der ukrainischen Unierten dürfte die Politik ein gewichtiges Wort mitreden.
Seit der Machtübernahme von Präsident Viktor Juschtschenko hat Rußland – und die russisch-orthodoxe
Kirche – in der Ukraine an Einfluß verloren.
Dort bilden die Russisch-Orthodoxen nur eine von vier byzantinischen
Gemeinschaften. Wegen ihrer Orientierung nach Moskau sind sie nicht in erster Linie berufen, mit Rom Fragen
zu diskutieren, welche die Ukraine betreffen.
Auf eine solche russische Einflußnahme wäre man heute
in der Ukraine besonders empfindlich.
Darum ist der Augenblick für die griechisch-katholische Kirche
jetzt besonders günstig, ihren Sitz von Lemberg in der Westukraine nach Kiew zu verlegen.
Der Umzug
in die Hauptstadt, wo die russische Nation getauft wurde, ist für die Russisch-Orthodoxen keine erfreuliche
Perspektive.
Rom sitzt in dieser Frage zwischen Stuhl und Bank.
Einerseits will man die Griechisch-Katholiken
nicht verärgern und hat darum grundsätzlich nichts gegen einen Umzug. Andererseits will man den Orthodoxen
gefallen, und bittet die Griechisch-Katholischen den Wechsel nach Kiew auf den St. Nimmerleinstag zu verschieben.
Doch der Großerzbischof Lubomyr Kardinal Husar hat bereits am 13. Mai angekündigt, daß er in dieser
Frage schnell handeln will.
Anläßlich einer Audienz am 23. Juni versuchte der Papst den Kardinal durch
die Blume zu bremsen. Gut eingepackt in viel Lob, bat er ihn in seiner Ansprache, alles zu fördern, was
zur Versöhnung unter den Christen der Ukraine beiträgt.
Sollte Kardinal Husar auf den Papst hören,
dann sind alle Probleme gelöst.
Die Unierten verhalten sich still und überlassen den „Proselytismus“
den Sekten und neoprotestantischen Gruppen.
Diese bauen gegenwärtig im Osten eine Kirche nach der anderen
und haben den Orthodoxen wie den Katholiken, die beide zu ethnischen Kirchen degenerieren, aufgrund ihres
religiösen Elans längst den Rang abgelaufen.
Dafür sind die Zeichen für eine Versöhnung unter den
traditionellen Kirchen im Osten günstig.
Viele Dinge lassen sich nämlich mit dem neuen Pontifex in
deutscher Vertrautheit besser lösen als mit einem polnischen Papst.
Schließlich heißt der römische
Pontifex Ratzinger und der aus Estland stammende, offensichtlich deutschstämmige, Patriarch von Moskau
und ganz Rußland – Rüdiger.
Email-Adressen der Empfänger
5 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
. Natürlich hat die russische Staatskirche, die über Russland nicht hinausgeht, paar Sachen, die sich
der Weltkirche ähneln und somit tuen es sich ehemalige Mitgleider der russischen Kirche lechter, in der
Katholischen Kirche Fuss zu fassen. Aber ,,Einheit“ mit Protestanten, Heiden, Juden, Moslems oder welchen
Gruppen auch immer, kann es nutr geben, wenn sich diese Menschen zu Gottes Gesetz bekennen. Und da Gottes
Gesetz weder Homoehe noch Kindstötung vorsieht, fehlt schon mal die EKD aus dem Raster.
zur putinianischen Staatskirche @Knecht Ruprecht: Das ist eben das Problem an der Sache. Nur kann man
die Liturgie der Orthodoxen nicht über den Haufen werfen oder etwa so betrachten wie die „Liturgie“ der
Protestanten! Eigentlich könnte das heutige Rom bei einem ehrlichen Vergleich mit der östlichen Liturgie
erkennen, daß es vor der supertollen Liturgiereform näher an ihr war als danach. Die Machenschaften
und Korrumpierereien sind es, was die orthodoxe Hierarchie so abstoßend macht und hier soll sich Rom
ja nichts vormachen. Sonst verkommt die Sache wirklich zum Kasperltheater. Wenn aber Einheit, dann ist
der Zugang zu den Orthodoxen leichter und einfacher als zu den Protestanten. Allerdings besteht eine echte
Bemühung immer in der Rückkehr zur einzigen Kirche Christi, und die ist meines Erachtens unabhängig
davon, ob das Meßopfer nun lateinisch oder griechisch dargebracht wird. Die russische Variante ist da
schon etwas zweifelhafter.
. Die russische Staatskirche ist ebenso untragbar wie die syrische Staatskirche und alle anderen Staatskirchen.
Wer sich zu Christus bekennt, wird Mtglied in der katholischen Kirche. Aber nicht Mitgleid staatlicher
Organisationen.
Zum Kasperltheater Vorweg eins: Die Einheit mit den Orthodoxen liegt mir sehr am Herzen. Alleine schon
deswegen, weil sie genauso wie wir apostolische Wurzeln hat. Aber das darf nicht wieder auf Kosten des
katholischen Glaubens gehen. Einheit in Vielfalt ist Schmarrn. Richtiger wäre ein uniertes Verhältnis.
Letzendlich sind die Unterschiede zwischen der katholischen und der orthodoxen Theologie nicht so groß,
daß sie unüberwindbar wären. Oft handelt es sich um Spitzfindigkeiten, wenn man das berühmte filioque
einmal außen vor läßt! Daneben kann das heutige Rom die Ostliturgie mit der alten Messe vergleichen.
Nehmen wir mal die Ikonostase. Früher, im Hochmittelalter, nannte man dieses bei uns „Lettner“. Die eucharistische
Frömmigkeit des Ostens kennt keine Handkommunion. Leider auch keinen Tabernakel, die Priester verzehren
alles. Betrachtet man also die Gemeinsamkeiten der Katholiken und der Orthodoxen, besonders bis zu unserer
„tollen“ Liturgie-Unreform, dann erkennt man urchristliches Erbe. Sei noch beigefügt, daß nach 1965
der „urchristliche“ Aufbruch in der katholischen Kirche, also „back to the roots“, eigentlich ein „back
to Cranmer und Luther“ war. Nichts mehr, nichts weniger. Deswegen eine Einigung mit der Orthodoxie wäre
wünschenswert. Allerdings müßten jene sich erst selbst untereinander einigen und ihre politischen Machenschaften
ablegen und man in Rom langsam die Liturgie wieder in die richtige Richtung drücken.
Der Kasper Kardinal Kasper losschicken und katholische Interessen vertreten… Das heißt ja den Bock
zum Gärtner machen. „Proselyten machen“, d.h. Missionieren, wird ja ohnehin schon erfolgreich von den
wenigen Kirchenfeinden in der Hierarchie verhindert. Genauso Exorcieren, wirkungsvolles Predigen und Seelsorge
im Sinne von zu den Schäfchen gehen und sagen wo es lang geht. Der lauen Masse ist das gleich.