Gentechnik
Ein Sohlenfänger
Ein Schweizer Missionar in Taiwan hat sich nicht nur auf die Seelen, sondern auch auf die Sohlen der Menschen spezialisiert. Patienten hat er viele behandelt. Einer von ihnen war ein ganz berühmter.
(kreuz.net) Pater Josef Eugster von der Missionsgesellschaft Bethlehem, die im Schweizerischen Immensee stationiert ist, hat nicht nur die Seelen, sondern auch die Sohlen von Zehntausenden von Menschen auf der ganzen Welt bearbeitet.

Immensee ist eine Ortschaft im Kanton Schwyz. Sie befindet sich rund 30 Kilometer südlich von Zürich.

Beruflich ist Pater Eugster (65) seit Jahrzehnten Pfarrer in Osttaiwan. Inzwischen ist er landesweit als „Taiwans Vater der Fußreflex-Massage“ bekannt.

Alles begann, als der noch junge Pater an einer Arthritis im Knie zu leiden begann. Die Schulmedizin konnte ihm nicht helfen. Da behandelte ihn ein Schweizer Mitbruder mit der Fußreflex-Massage. Er gab ihm auch ein Buch der Schweizer Krankenschwester Hedi Masafret.

Die Behandlung war zuerst sehr schmerzhaft. Doch sie zeigte Wirkung. Die Symptome ließen nach. Nach einigen Wochen spürte der Pater keine Beschwerden mehr. Die Arthritis war weg. Für immer.

Jetzt versuchte sich Pater Eugster selber an der Fußreflex-Massage. Er nahm das Buch von Hedi Masafret als Ausgangspunkt und verband es mit alten chinesischen Lehren. So entwickelte er seine eigene Fußreflex-Massage. Er hat auch verschiedene Bestseller zum Thema publiziert.

Die ersten Patienten waren Pfarreiangehörige. Sein Ruf begann, dem Pater bald vorauszueilen. Menschen aus ganz Taiwan begannen, in seine entlegene Pfarrei zu reisen.

„Die Fußreflex-Massage bringt mich den Menschen näher. Das ist eine hervorragende Weise, um das Evangelium zu verkündigen“, erklärt der Pater der Nachrichtenagentur AFP.

„Christus wusch den Menschen die Füße, um ihnen zu dienen. Wir müssen sein Werk fortsetzen.“ Auch der Papst wasche am Karfreitag die Füße von zwölf Priestern.

„Unsere Füße reflektieren die Probleme verschiedener Teile unseres Körpers, weil alle Nerven miteinander verbunden sind.“

Die große Zehe ist mit dem Hirn und dem Nacken verbunden. Die zweite und dritte Zehe hängen mit den Augen zusammen. Auch die Form des Fußes offenbart etwas über die Gesundheit eines Menschen.

„Die Fußmassage kann die Blutzirkulation, das Lymphsystem und den Stoffwechsel verbessern. So können die verschiedenen Körperorgane ihre normalen Funktionen wieder übernehmen“, erklärt der Pater.

Pater Eugster hat viele Nachahmer gefunden. Daraus ist in Taiwan eine ganze Fußmassage-Industrie entstanden. 5.000 Fußreflexinstitute soll es inzwischen im Land geben.

Nicht nur zur Freude des Paters.

Manches Institut benützt seinen Namen ohne Erlaubnis: „Viele Menschen glauben, daß jedes Fußreflexinstitut mit mir verbunden ist. Sie reisen zu mir, um sich über dieses oder jenes Institut – das mit mir nichts zu tun hat – zu beschweren.“

In den 80er Jahren kam der Pater ins Schußfeld der Schulmedizin. Seine Kunst wurde sogar verboten. Dann intervenierte der damalige Vizepräsident Hsieh Tung-Min persönlich für den Geistlichen.

Auch in der Kirche war man der Ansicht, daß sich ein Priester eher auf die Seelen als auf die Sohlen seiner Schäfchen konzentrieren sollte. Doch im Jahre 2003 vermittelte ihm der Taiwanesische Botschafter beim Heiligen Stuhl einen besonderen Patienten: Papst Johannes Paul II. Pater Eugster reiste nach Rom.

„Ich erklärte dem Papst, daß die Fußreflex-Massage meine Art ist, in Taiwan das Evangelium zu verbreiten. Dann erklärte ich ihm, wie sie funktioniert. Danach erfuhr ich von Seiten der Kirche keine Opposition mehr“, erinnert sich der Geistliche.

Dennoch. Selber übt er seine Kunst kaum mehr aus, es sei denn für Unterrichtszwecke. Seine Hauptaufgabe sieht er in seiner Mission als Priester und Pfarrer.

Pater Eugster verbreitet seine Kunst auch in vielen asiatischen Ländern, in den USA, in Bolivien und Zimbabwe.

„Viele AIDS-Patienten in Zimbabwe können sich keine Medizin leisten. Die Fußreflex-Massage ist eine Möglichkeit, ihre Symptome zu lindern.“

Dennoch kann die Fußreflex-Massage alleine – so der Pater – eine gute Gesundheit nicht garantieren:

„Wir müssen gesund essen und leben, uns regelmäßig bewegen und Streß abbauen. Die Fußreflex-Massage ist eine natürliche Behandlung. Aber sie ist kein Allesheiler.“

In der Volksrepublik China wurde Pater Eugster sogar einmal als vatikanischer Spion verhaftet. Man ließ ihn schon nach vier Stunden frei, nachdem klar wurde, daß der Hinweis an die Polizei von zwei miteinander konkurrierenden Fußreflex-Vereinigungen ausgegangen war.
      
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