19:38:29 | Freitag, 23. Dezember 2011
Als 22jähriger erlitt er in Rußland einen Kieferdurchschuß. Im Juli 1945 kam er aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Zwei Monat später trat er ins Kloster ein.

(kreuz.net) In der Benediktinerabtei Ettal verstarb in der Nacht zum Gaudete-Sonntag Abt Thomas Niggl
OSB. Er stand in seinem 89. Lebensjahr.
Die 800-Seelen-Gemeinde Ettal befindet sich in Oberbayern unweit
der Grenze nach Tirol.
Die öffentliche Resonanz des Todes von Abt Niggl entsprach nicht der Bedeutung
der heimgegangenen Persönlichkeit.
Er war zeit seines Lebens ein treuer Diener seiner Kirche.
Das nahmen
ihm die Medienbosse erwartungsgemäß über seinen Tod hinaus übel.
Ab in den KriegDer spätere Abt
wurde am 28. April 1922 in der 12.300-Seelen-Gemeinde Murnau am Staffelsee – zwanzig Kilometer nördlich
von Ettal – geboren.
Er war das erste Kind der Eheleute Georg und Maria Niggl. Man taufte ihn auf den
Namen Georg.
Der Vater sah in ihm einen Nachfolger für die familieneigene Hammerschmiede.
Doch der
damalige Ortspfarrer, Hw. Martin Lohr, schlug dem frommen Burschen vor, das Gymnasium der Abtei Ettal
zu besuchen.
Als er in der 7. Klasse war, wurde der spätere Abt als Funker nach München und Ende Dezember
1941 in die Sowjetunion abkommandiert.
Dort erlitt er, 22jährig, einen Kieferdurchschuß.
Diese leidvolle
Erfahrung führte ihn zur Begegnung mit der Botschaft von Fatima. Sie bestimmte fortan sein Denken und
Handeln.
Der unübertreffliche LotteriegewinnIm Juli 1945 wurde der Verstorbene aus der US-amerikanischen
Kriegsgefangenschaft entlassen.
Noch im September des gleichen Jahres trat er in die Benediktinerabtei
Ettal ein.
1946 legte er die einfache Profeß ab.
Danach studierte er Theologie und Philosophie in Eichstätt.
Der Erzbischof von München und Freising, Michael Kardinal von Faulhaber († 1952), weihte ihn im Jahr
1950 zum Priester.
Seine lateinische Primizmesse zelebrierte der Neugeweihte am 9. Juli 1950 in der Murnauer
Pfarrkirche Sankt Nikolaus.
Das Priestertum Christi betrachtete er zeitlebens als unübertrefflichen
Lotteriegewinn seines Lebens.
Zum Abt von Schäftlarn gewähltZunächst wirkte Pater Thomas als Präfekt
und Lehrer in der Abtei Scheyern in Oberbayern.
Er promovierte in München in Byzantinistik.
Danach
kehrte er nach Ettal zurück.
Er wirkte am dortigen Gymnasium von 1957 bis 1973 als Lehrer für Latein,
Griechisch und Geschichte.
Pater Thomas war für sein sanftes Wesen bekannt.
Im Jahr 1961 wurde er zum
Abt des Klosters Schäftlarn im Landkreis München gewählt.
Er mußte die Wahl ablehnen, weil er im
selben Jahr zum Ettaler Prior ernannt wurde.
Prio-Administrator und Abt von WeltenburgIm Jahr 1973
wurde der Verstorbene zum Prior-Administrator der Abtei Weltenburg – zwischen Ingolstadt und Regensburg –
berufen.
Drei Jahre später wählten ihn seine Mitbrüder zum Abt.
Vor allem der damalige Bischof Rudolf
Graber († 1992) von Regensburg setzte sich für diese Wahl ein.
Der spätere Kardinal Paul Augustin Mayer
OSB († 2010) war ursprünglich dagegen.
Rettung vor dem UntergangDer Neugewählte war der dritte Abt
nach der Wiedergründung des Klosters und der 69. Abt insgesamt.
Weltenburg ist das älteste Kloster
in Bayern.
Abt Niggls Wappenspruch lautete „Per Mariam ad Jesum“ – Durch Maria zu Jesus.
Konsequent
prägte er das Kloster am Donaudurchbruch als Marien-Gebetsstätte.
Sein Amt übte der Abt bis zum 2.
Oktober 1995 aus.
Abt Thomas rettete das altliberale, kränkelnde Kloster vor dem Untergang.
Während
andere altliberal umnachtet waren, beseitigte er Volksaltäre, unterband die Handkommunion und zelebrierte
so barock wie möglich.
Als Firmspender verteilte er noch Watschen.
Obgleich auch so mancher widerspenstige
Mönch eine solche gebraucht hätte, war in Gegenwart des Abtes immer fröhliche Stimmung.
Die Güte
in PersonAbt Niggl führte das Kloster Weltenburg aus den Schulden.
Er gründete die Heimvolkshochschule
der Weltenburger Akademie.
Außerdem war er der große Vorbeter bei vielen Sühnenächten und Anbetungsstunden.
Zu seinem Freundeskreis gehörten der ehemalige bayrische Ministerpräsident Max Streibl († 1998), Herzog
Albrecht von Bayern († 1996) und Prälat Georg Ratzinger (87).
Der Ministerpräsident Franz Josef Strauß
(† 1988) überreichte ihm für seine Verdienste um den Freistaat den bayerischen Verdienstorden.
Für
den bayrischen Schauspieler und Regisseur
Georg Lohmeier (85) war er Traupriester.
Untergebenen und einfachen
Leuten gegenüber war er die Güte in Person.
Er unterstützte alles KatholischeFür die Anliegen der
Altgläubigen war Abt Niggl stets aufgeschlossen.
So erbat er für sich und seine Mitbrüder in Rom die
Erlaubnis, privat die Alte Messe zu feiern.
Ein Frater durfte in Wigratzbad studieren und dort die niederen
Weihen empfangen.
Alles was marianisch-fromm war, unterstützte er nach Kräften, so das Mariendogma
Miterlöserin.
Abt Niggl war es schließlich auch, auf dessen Interventionen hin die Erscheinungsstätte
Heroldsbach wenigstens als Gebetsstätte anerkannt wurde.
Die letzten JahreSchlagzeilen machte Abt
Niggl vor allem als prominentes Mitglied des Engelwerkes.
Altliberale Gegner verhinderten deswegen eine
Verlängerung seiner Amtszeit als Abt.
Nach seinem Rücktritt kehrte er in sein Profeßkloster Ettal
zurück.
Er war Ordenskaplan der Militiae Sanctae Mariae (Marienritter).
Besonders setzte er sich für
den Eucharistischen Liebesbund der Seherin
Barbara Weigand ein.
An Weihnachten 2008 wurde er schwer krank
und bettlägerig.
Bis zu seinem Tod opferte er sich als Sühneseele.
Als er nicht mehr schreiben konnte,
diktierte er bis kurz vor seinem Hinscheiden geistliche Rundbriefe.
Seine letzte irdische Ruhestätte
fand er am 15. Dezember in der Klostergruft der Abtei Weltenburg. R. I. P.
Da er zwölf Jahre die sieben
Vaterunser und Ave Maria der Heiligen Birgitta von Schweden gebetet und diese auch verbreitet hat, ist
anzunehmen, daß er ohne Fegefeuer in den Himmel gekommen ist.
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