15:59:27 | Sonntag, 25. Dezember 2011
Schwindet die Religion, gewinnen Habsucht und kurzlebige Moden an Macht. Die Rechnung bezahlen die Kinder und Familien.

(kreuz.net) Schon vor Jahrzehnten erkannte der US-Ökonom Paul Samuelson († 2009): Der Homo oeconomicus
zeugt keine Kinder.
Monetär betrachtet ist es irrational, Kinder zu bekommen.
Eltern finanzieren die
WirtschaftAllein die Ausgaben für ihren Grundbedarf erreichen über die Jahre Hunderttausende Euro.
Der eigentliche materielle Verzicht ist damit aber noch gar nicht beziffert.
Sofern Eltern ihre Kinder
eigenhändig betreuen, verzichten sie auf Erwerbseinkommen.
Wenn sie ihre Kinder in die Obhut Dritter
geben, zahlen sie oft hohe Beiträge.
Die Gesamtkosten von Kindern sind um so höher, je länger diese
wirtschaftlich unselbständig bleiben.
Mit den verlängerten Ausbildungszeiten sind Kinder in den letzten
Jahrzehnten immer teurer geworden.
Eltern zahlen für die gestiegenen Qualifikationsansprüche der Wirtschaft
einen hohen Preis.
Leicht zu verstehenZwar beteiligt sich über Leistungen wie das Kindergeld oder
Ausbildungsbeihilfen auch die Allgemeinheit an den Kosten der Kindererziehung.
Diese Zuschüsse decken
aber nur einen kleineren Teil der Kinderkosten ab.
Anders als Medienberichte zu den vermeintlich üppigen
„Subventionen“ für Familien mitunter suggerieren, bleiben Kinder für ihre Eltern fiskalisch betrachtet
immer ein Verlustgeschäft.
In (post)modernen Gesellschaften ist das Geld, wenn nicht das „Maß aller
Dinge“, so doch zumindest ein zentraler Erfolgsmaßstab.
Warum Menschen heute auf Kinder verzichten ist
deshalb „rational“ leicht nachvollziehbar und braucht eigentlich gar nicht erklärt zu werden.
Glück
und LebenssinnViel interessanter ist die Frage, warum sich immer noch so viele Menschen für Kinder
entscheiden.
Ihre Beweggründe sind vor allem emotionaler Natur. Sie haben Freude daran, Kinder aufwachsen
zu sehen.
Sie sehen in ihnen Glück und Lebenssinn.
Sie fürchten um den GenußEltern unterscheiden
sich grundlegend von bewußt und gewollt Kinderlosen.
Letztere stimmen Elternschaft bejahenden Statements
wie „ohne Kinder kann man nicht glücklich sein“ oder Kinder geben einem das Gefühl, „wirklich gebraucht
zu werden“ viel seltener zu.
Wesentlich häufiger befürchten sie, wegen eines Kindes ihr Leben nicht
mehr „wie bisher genießen“ zu können.
Nicht modernWarum betrachten manche Menschen Elternschaft als
Hindernis ihrer Selbstverwirklichung, andere dagegen als ihre Lebenserfüllung?
Erhellend sind in dieser
Hinsicht Erkenntnisse zu kinderreichen Eltern.
Im Gegensatz zu früheren Zeiten sind Eltern mit drei
und mehr Kindern heute eine relativ kleine Minderheit.
Ökonomisch sind sie klar im Nachteil. Mit wachsender
Kinderzahl verzichten Mütter immer häufiger auf Erwerbseinkommen.
Gleichzeitig wachsen die Kosten für
Kinder. Das pro Kopf verfügbare Einkommen sinkt deutlich.
Beschränken müssen sich kinderreiche Eltern
besonders in ihrer Freizeit.
Sie können sich seltener Urlaubsreisen leisten und gehen seltener „auswärts“
essen.
„Modern“ und „schick“ ist ein solcher häuslicher Lebensstil sicher nicht.
Spießige Medien-Helden
In der Medien- und Werbewelt dominieren konsumfreudige Paare und Singles, die ein aufregendes Berufsleben
haben und sich in ihrer Freizeit in Restaurants, Diskotheken oder auf Reisen vergnügen.
Abwechslungsreich
ist meist auch das Beziehungsleben der Medien-Helden.
Krisen, Trennungen und Partnerwechsel sind die
Regel, langjährige Verheiratete dagegen Raritäten.
Aus der Warte dieser Trendsetter erscheinen die
Lebensformen kinderreicher Eltern „spießig“.
Achtzig ProzentMehr als achtzig Prozent leben verheiratet
zusammen. Die allermeisten von ihnen in erster Ehe.
Grundlage ihres Familienlebens ist nicht die postmoderne
„sukzessive Polygamie“, sondern eine auf Lebenszeit angelegte monogame Paarbeziehung.
Ihre Lebenserfüllung
sehen sie nicht darin wechselnde Partner und Lebensstile auszuprobieren, sondern sich langfristig zu binden.
In einer auf Komfort und Flexibilität geeichten Multi-Optionsgesellschaft erscheinen kinderreiche Familien
als Antiquität.
Die meisten kinderreichen Familien sind frommWas motiviert Menschen sich für einen
solch unmodernen Lebensentwurf zu entscheiden?
Eine oft unterschätzte Rolle spielt die Weltanschauung.
Den meisten kinderreichen Eltern ist der Glaube an Gott wichtig. Sie unterscheiden sich darin markant
vom Durchschnitt der säkularen Gesellschaft.
Mit Religiosität einher geht aber nachweislich eine größere
Bereitschaft, auf eigenen Komfort zu verzichten, sich für das Wohlergehen anderer einzusetzen und sich
in einer Ehe endgültig zu binden.
Schwindet der religiöse Lebenshorizont, gewinnen materielle Geldinteressen
und kurzlebige Moden an Macht – zum Schaden des Familienlebens und der Gesellschaft.
Der Text ist eine
leicht überarbeitete Fassung einer Dezember-Aussendung des ‘Institus für Demographie, Allgemeinwohl
und Familie’.
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