15:25:31 | Freitag, 1. Juli 2005
Im Mai verteidigte der Bischof von Fulda in einem Interview die Fusionspläne, durch die er die Pfarreien seiner Diözese zusammenlegen will. Doch seine Argumente überzeugen nicht. Von Gabriele Freudenberger, Frankfurt.
(kreuz.net) Manche Aussagen im
Interview des Bischofs von Fulda mit dem „Fels“ sind für mich von den
Fakten her unverständlich. Im Gespräch mit der katholischen Monatszeitschrift begründete Mons. Heinz
Josef Algermissen den von ihm für seine Diözese gewollten „Pastoralen Prozeß“.
So spricht Bischof
Algermissen zum Beispiel vom Priestermangel und sagt wörtlich: „Aus einer pastoralen Notwendigkeit heraus
haben wir uns vor nunmehr drei Jahren diesem Prozeß als Antwort auf die Wirklichkeit der Seelsorgesituation
und des Priestermangels gestellt.“
Fakt ist hingegen folgendes: Im Bistum Fulda gibt es in den nächsten
ein bis zwei Jahrzehnten keinen dramatischen Priestermangel, wenn er nicht durch die Schaffung der neuen
Pastoralverbünde provoziert wird.
Das Durchschnittsalter der aktiven Priester liegt laut Christof Ohnesorge,
Pressesprecher des Bistums, derzeit bei 51 Jahren.
Auf einen aktiven Priester kommen momentan etwa durchschnittlich
1800 Katholiken. Ungefähr jeder zweite aktive Priester in der Pfarrseelsorge kann in den nächsten Jahren
auf einen Ruhestandsgeistlichen zurückgreifen, jeder vierte auf einen ständigen Diakon und jeder zweite
auf eine Gemeindereferentin.
Die Behauptung des Bischofs ist also sachlich falsch.
Für ziemlich problematisch
halte ich auch seine Äußerungen hinsichtlich ausländischer Priester.
Bischof Algermissen sagt: „Die
Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt deutlich, daß der Einsatz von ausländischen Priestern mitunter
zu Schwierigkeiten in den Gemeinden führte, über die ich als Bischof nicht hinwegsehen kann.“
Es ist
aber bekannt, daß dies die Ausnahme ist und es im Bistum Fulda nachweislich sehr gute Erfahrungen mit
ausländischen Priestern gibt.
Bischof Algermissen weigert sich jedoch offensichtlich, zusätzliche ausländische
Priester in sein Bistum aufzunehmen, um einem geringfügigen Rückgang der Priesterzahlen entgegenzuwirken.
Falls er an der These eines wirklichen Priestermangels festhält, befindet er sich im Widerspruch zu
den Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils aus dem Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe in
der Kirche (Nr. 6) und dem Dekret über Dienst und Leben der Priester (Nr. 10).
Hinsichtlich der Interview-Frage
zur Bedeutung von Laien bemerkt Bischof Algermissen, daß durch die Pastoralverbünde priesterliche Aufgaben
nicht an Laien übertragen werden sollen.
Aber warum werden dann im Bistum Fulda scharenweise ehrenamtliche
Laien zu Wortgottesdienstleitern ausgebildet?
67 Frauen und Männer haben bereits an einem Kurs teilgenommen
und Zertifikate erhalten, die sie „befähigen“, (Wort-) Gottesdienste vorzubereiten und zu leiten. Weitere
Kurse sind geplant.
Die Liturgie ist jedoch eine spezifisch klerikale Aufgabe. Selbst wenn Laien grundsätzlich
Wortgottesdienste halten dürfen, sollen sie das nicht tun, wenn genügend Priester oder Diakone vorhanden
sind.
Werden sie trotz fehlender Notwendigkeit für Wortgottesdienste herangezogen, so legt sich der
Verdacht nahe, daß die Kleriker aus ihrer Zuständigkeit verdrängt werden sollen.
Die Erfahrung anderer
Diözesen beweist übrigens, daß durch die bewußte Förderung von Wortgottesdiensten mit der Zeit der
wesentliche Unterschied zur Eucharistiefeier auch wegen des mangelnden religiösen Wissens nivelliert
wird.
Warum werden also zur Zeit im Auftrag des Bistums Fulda zahlreiche Fortbildungsveranstaltungen
angesetzt, um Laien sowohl liturgisch wie auch pastoral zu schulen?
Erzbischof Dr. Johannes Dyba warnte
immer wieder vor der Gefahr einer fortschreitenden „Klerikalisierung“ haupt- und ehrenamtlicher Laien,
die hierdurch eindeutig betrieben wird.
Mehr als fragwürdig erscheint schließlich die Aussage des Bischofs
von Fulda, daß die Pastoralverbünde das Ergebnis eines bistumsweiten, von ihm in 2002 angestoßenen
Dialogprozesses in allen Gemeinden sei.
Die Idee der Pastoralverbünde hat Bischof Algermissen eindeutig
aus dem Erzbistum Paderborn mitgebracht. Sie ist keineswegs das Ergebnis eines „bistumsweiten Dialogprozesses“
in Fulda.
Die allermeisten Menschen in den Pfarreien des Bistums interessieren sich gar nicht dafür.
Sie sind zudem nicht ausreichend informiert, geschweige denn gefragt worden.
Selbst von denen, die regelmäßig
am kirchlichen Leben teilnehmen, wissen die wenigsten, was im Zuge des „Pastoralen Prozesses“ geplant
ist, vor allem nicht, welche verheerenden Folgen die geplante Umstrukturierung für die Zukunft der Gläubigen
und ihre Pfarreien besitzt.
Die Pastoralverbünde führen praktisch zur Auflösung der Pfarreien, weil
die kirchenrechtlich installierten Pfarrer mit der Zeit von ihren Pfarreien abgekoppelt werden.
Die einzelne
Pfarrei wird zukünftig nicht durch den rechtlich für sie zuständigen „Oberpfarrer“ geleitet. Denn dieser
muß ja als Manager innerhalb eines bis zu 14.000 Gläubige umfassenden Pastoralverbundes fungieren und
viele Verwaltungsaufgaben erledigen.
Die eigentliche Leitung wird ein Seelsorgeteam aus Laien und „Unterpfarrern“
haben, in dem die Regeln der Gruppendynamik gelten. Außerdem scheinen die Pastoralverbünde mehr einen
„innerkirchlichen Konkurs“ zu verwalten, als von einem neuen Missionsgeist geprägt zu sein.
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