„Ich habe den Fischer genommen, damit deutlich wird, daß ich es bin, der wirkt“
Heute nachmittag konsekrierte der Bischof von St. Pölten, Mons. Klaus Küng, seinen Nachfolger auf dem Bischofsstuhl von Feldkirch, Mons. Elmar Fischer. Unter den 800 Festgästen waren der Apostolische Nuntius in Österreich sowie alle österreichischen Bischöfe. Die Predigt von Mons. Klaus Küng.
(kreuz.net, Feldkirch) Bischof werden bedeutet eine große Herausforderung. Ein Bischof soll Zeuge der
christlichen Hoffnung sein oder – wie Papst Johannes Paul II. es formulierte – „Diener des Evangeliums
Jesu Christi für die Hoffnung der Welt“.
Ich wünsche Dir, lieber Elmar, daß Du selbst mit Zuversicht
erfüllt die Diözese Feldkirch mit neuer Hoffnung beflügelst.
Allem anderen voran wünschen sich die
Gläubigen einen guten Hirten.
Auch in unserer Zeit ist „der gute Hirte“ das bevorzugte Bild für die
Charakterisierung der Aufgabe des Bischofs, weil Jesus gesagt hat: „Ich bin der gute Hirt. Ich kenne die
meinen, und die meinen kennen mich“, aber auch wegen der Bedürfnisse der Menschen heute.
Der Bischof
soll die Menschen auf den Weg zurückführen, wenn sie ihn verloren haben. Er soll durch seine Arbeit
dazu beitragen, daß Heilung geschenkt wird.
Die Verdunstung des Glaubens, die vielfältige Ursachen
hat, ist bei vielen voll im Gange.
Viele sind aus irgendeinem Grund verletzte Menschen, oft schon von
ihrer Kindheit her, nicht selten bedingt durch eine falsche Lebensweise, durch Mißverständnisse und
nicht verarbeitete Probleme.
Der Bischof soll Rückhalt sein für alle, die mit ihm zusammen um die Weitergabe
des Glaubens und die Seelsorge bemüht sind.
Ich wünsche Dir dabei, lieber Bischof Elmar, Gottes Segen.
Alle wissen wir, daß in unserer Zeit die Aufgabe des Bischofs nicht einfach ist. Trotzdem bin ich davon
überzeugt, daß wir in dieser Stunde froh und zuversichtlich sein dürfen.
Eine Bischofsweihe ist eine
heilige Handlung, durch welche die Vollmacht übertragen wird, die Christus den Aposteln erteilt hat.
Sie begründet eine bestimmte Art der Wirksamkeit. Wir dürfen die Worte des Propheten Jesaja „Der Geist
Gottes, des Herrn ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt“, die Jesus auf sich selbst bezogen hat,
direkt mit der Bischofsweihe in Verbindung bringen.
Dem Weihekandidaten werden von den anderen Bischöfen
die Hände aufgelegt. Es wird ihm das Haupt gesalbt. Später wird er selbst auf Grund der empfangenen
Weihe als Bischof anderen die Hände auflegen und sie salben.
Durch die Weihehandlung nehmen diese Worte
heute und jetzt Gestalt an. Sie werden zu einem prophetischen Wort, das in unsere Zeit hereinreicht.
Wir dürfen Hoffnung haben, trotz der Größe der bischöflichen Aufgabe und trotz der persönlichen Begrenztheit,
die jedem Menschen, auch dem Bischof anhaftet.
Wahrscheinlich bedenken wir zuwenig, daß der Bischof
und seine Wirksamkeit ganz im Dienste Jesu Christi stehen, der wie es in ‘Pastores gregis’ heißt, „der
ewige und eingeborene Sohn des Vaters und mit dem Hl. Geist Gesalbte ist“.
Gerade deshalb braucht der
Bischof kein Übermensch zu sein.
Der heilige Augustinus hat im Zusammenhang mit dem Petrusamt die Frage
an Christus formuliert:
„Warum hast du dir Petrus als Stellvertreter gewählt und nicht einen blendenden
Redner, einen Senator oder einen Kaiser? Jesus gibt zur Antwort: ‘Ich habe den Fischer genommen, damit
deutlich wird, daß ich es bin, der wirkt’.“
Da die Wirksamkeit des Bischofs und aller, die an der Weitergabe
des Glaubens mitwirken, ganz von der Verbundenheit mit Christus abhängig ist, muß als Folge davon seine
Sorge groß sein, daß das Evangelium Jesu Christi unverkürzt verkündet wird.
Das ist heutzutage nicht
einfach.
In einer Wohlstandsgesellschaft ist die Versuchung groß, einem Lebensstil zu verfallen, der
vor allem auf materielles Wohlergehen, auf Erfolg, auf Abwechslung und Unterhaltung ausgerichtet ist und
der oft von einem christlichen Lebenswandel wegführt. Da ist es eine große Herausforderung, das Evangelium
Christi unverkürzt zu verkünden.
Viele wollen es nicht hören.
Trotzdem ist es wichtig, denn die Folgen
falscher Lebensweisen sind oft schwerwiegend: Knechtschaften entstehen, auch Enttäuschungen, innere Leere,
Verletzungen und Belastungen aller Art.
Die Menschen finden ihr eigentliches Ziel nicht.
Diese Verkündigung
ist nicht bloß Aufgabe des Bischofs.
Alle Getauften und Gefirmten sind für die Weitergabe des Glaubens
verantwortlich. Besonders wichtig sind die christlichen Familien, wichtig sind auch die christlichen Lehrer,
unerläßlich ist der Dienst der Priester und Diakone, der Religionslehrer und der Pastoralassistenten.
Der Bischof trägt aber die Letztverantwortung. Ich möchte dich, lieber Bischof Elmar, ermutigen, liebevoll,
aber auch fest für die Lehre Christi einzutreten.
Nur die Wahrheit macht frei.
Die Aufgabe der Kirche
besteht aber nicht nur darin, eine bestimmte Botschaft, nämlich die christliche, zu verbreiten.
Das
Herz dieser Botschaft ist – wie Papst Johannes Paul II. unermüdlich betonte – eine Person, und zwar Jesus
Christus. Die Aufgabe der Kirche besteht darin: Christus, seine Selbsthingabe am Kreuz und seine Auferstehung
in den Gemeinden, überall im Land zu vergegenwärtigen, den Menschen zu bringen.
Auch in diesem Zusammenhang
gibt es heute gewisse Gefahren: z.B. die Gefahr, zu meinen, man könne sich selbst erlösen oder man brauche
manches nicht.
Der eine braucht keine Beichte, weil er der Meinung ist, alles selbst mit Gott ausmachen
zu können. Der andere braucht keine Eucharistie, weil er sagt, er könne auch im Wald oder auf den Bergen
gut beten.
Bis sie eines Tages merken werden, was ihnen entgangen ist, daß sie Christus, den Erlöser
verloren haben.
Lieber Bischof Elmar, sage den Menschen: „Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn“. Es lohnt
sich, bewußt zu machen, wie nahe uns der Herr ist und wie sehr er uns beisteht. Auch das ist nicht nur
eine Aufgabe des Bischofs, sondern aller, die mit der Seelsorge betraut sind. Aber der Bischof ist auch
darin der Letztverantwortliche.
Ich bitte dich, keine Mühe zu scheuen, um insbesondere im Zusammenhang
mit der Eucharistiefeier und der Sakramentenspendung wenn nötig die entsprechenden Klärungen herbeizuführen,
denn es geht um die Vermittlung der Erlösung.
Schließlich möchte ich die Worte des hl. Petrus aus
der zweiten Lesung dem neuen Bischof und allen, die mit ihm zusammenwirken, ans Herz legen:
„Vor allem
haltet fest an der Liebe zueinander“.
Von der Bemühung um den Zusammenhalt aller hängt die Fruchtbarkeit
der Arbeit in einem großen Maße ab.
Wenn um Christi willen, um der Menschen und der Kirche willen Verständnis
füreinander aufgebracht, die Zusammenarbeit gesucht und gepflegt, gegenseitige Liebe bewußt gelebt werden,
entsteht sicher bleibende Frucht, auch dann, wenn wir alle gestehen müssen, daß wir in unseren Fähigkeiten
begrenzt und oft schwach sind.
So wünsche ich Dir, lieber Elmar, viel Kraft, Gottes Kraft, ein festes
Vertrauen in die Hilfe des Herrn und die Hilfe der anderen. Ich wünsche Dir Optimismus und Gelassenheit,
ein großes Herz, das Dich zur Liebe zu allen befähigt.
Möge Dir Maria, die Mutter der Kirche, in allem
beistehen.
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