Kirchenverkauf
Korruption?
In Bochum soll eine große neogotische Kirche abgerissen werden. Klerus und Denkmalamt scheinen einander bei der Zerstörung des Gotteshauses in die Hände zu spielen. Dafür leistet die örtliche Stromgesellschaft ihren Beitrag, um die Kirche ins rechte Licht zu rücken.
(kreuz.net, Bochum) Warum gibt es für die Marienkirche in Bochum-Mitte keine sogenannte Feststellung des Denkmalwertes? Warum wird das Gotteshaus nicht unter Schutz gestellt?

Die Stadt Bochum befindet sich 20 km westlich von Dortmund im Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Für einen Denkmalpfleger aus einem anderen deutschen Bundesland ist die Antwort offensichtlich:

Der Grund ist eine fachlich fehlerhafte Anwendung beziehungsweise Nichtanwendung des Denkmalschutzgesetzes durch die zuständigen Behörden.

In Bochum gebraucht man in Sachen St. Marien schon ganz offen ein anderes Wort: Korruption.

Wer kann erklären, warum St. Marien nicht auf der Denkmalliste steht? Die Kirche ist das viertälteste, vollkommen erhaltene, intakte und stadtprägendste Gebäude des Citybereichs.

Doch beim geplanten Abriß des Gotteshauses ziehen verschiedene verstrickte Gremien am selbstgemachten Strick.

Das Zugpferd bei der beabsichtigten Zerstörung der Kirche ist der katholische Klerus. Unermüdlich arbeitet Propst Hermann-Josef Bittern mit Rückendeckung des Bischofs von Essen, Mons. Felix Genn, an der Vernichtung von St. Marien.

Es ist kein Geheimnis, daß der Boden, auf dem die Kirche steht, ein höchst attraktives „Filetgrundstück“ inmitten der City ist.

Jetzt schauen alle Augen auf Frau Oberbürgermeister Dr. Ottilie Scholz (56). Sie kann die Marienkirche retten, wenn sie will.

Denn um auf die Liste der Denkmäler der Stadt Bochum gesetzt zu werden, braucht es nicht viel.

Das beweist die vollkommen unbedeutende St. Josef-Kirche im Ortsteil Wattenscheid aus den Jahren 1959-1961.

Vor 14 Tagen wurde das Gotteshaus auf Antrag der unteren Denkmalbehörde der Stadt Bochum unter Denkmalschutz gestellt. Die Kirche ähnelt einer phantasielosen Fabrikhalle und hat im Laufe der Zeit verschiedene Veränderungen erfahren.

St. Josef ist außerdem vollkommen unsichtbar in ein Siedlungsgebiet eingefügt.

Der Denkmalschutz erklärt, daß ein „öffentliches Interesse“ an der Erhaltung und sinnvollen Nutzung von St. Josef besteht, „da dieses Objekt bedeutend für die Stadt Bochum ist und für seine Erhaltung und Nutzung wissenschaftliche, baugeschichtliche und städtebauliche Gründe vorliegen.“

Die Unterschutzstellung erfolgte im Einvernehmen mit dem Landschaftsverband Westfalen Lippe.

Der Landschaftsverband ist die obere Denkmalbehörde in Münster unter Leitung von Prof. Dr. Eberhard Grunsky – der gleiche Dr. Grunsky, der es weiterhin ablehnt, die Marienkirche als schützenswert zu bezeichnen.

Doch was für die Josefskirche recht ist, sollte für die Marienkirche billig sein.

Die St. Marienkirche ist sehr zentral gelegen. Ihr 70m hoher Turm ist von allen Einfahrtsachsen der Stadt sichtbar.

Ein Rätsel.

Den Schaden, den diese Vorgehensweise im Fall der Marienkirche der katholischen Kirche einzubringen droht, scheinen die Funktionäre der kirchlichen Führungsebene nicht zu sehen.

Derzeit interessiert das Grundstück offensichtlich mehr als das Gotteshaus. Doch auch das hat seinen Haken.

Denn nach wie vor ist die Stiftungsurkunde von St. Marien unauffindbar. Somit sind die Eigentumsverhältnisse rechtlich nicht geklärt. Damit ist die Frage offen, wem das Grundstück zufällt, sollte die Kirche abgerissen werden.

Erst kürzlich schrieb ein Diplom-Theologe in einer lokalen Tageszeitung:

„Die Hirten im Bistum Essen sind nicht mehr bereit, die ihnen anvertraute, mittlerweile kurzgeschorene und leergemolkene Herde zu weiden.“

Dafür bekommen die Katholiken Unterstützung vom Stromwerk der Stadt Bochum.

Am nächsten Wochenende findet in der Stadt ein großes Musikfestival statt.

Dabei wird die „bedürftige Marienkirche“ – wie sich die Stadtwerke Bochum ausdrücken – drei Tage lang ab 23.00 Uhr durch eine Lasershow ins rechte Licht gesetzt.

Die Bürger von Bochum kämpfen mit den Stadtwerken Bochum weiterhin um den Erhalt dieses bedeutenden Sakralbaus, das den Bochumern ein Stück Heimat ist.
      
4 Lesermeinungen
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#4   Isidor   16:39:44 | Montag, 22. Mai 2006
Kooruption „Stahlglocke“
Sehr geehrte LeserInnen und auch Herr Eichholz !
Wenn Sie die Hintergründe, die sich um die Marienkirche und besonders um das „Filetgrundstück“ ranken besser kennen würden, dann müßten sie ihre Meinung schnellsten revidieren.
Halten Sie weiterhin Augen und Ohren geöffnet – es wird sich noch viel ereignen in Bochum diesbezüglich.
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#3   stahlglocke   19:26:16 | Dienstag, 5. Juli 2005
Hier geht es nicht um Korruption
Liebe Leser,
bei allem verständlichen Hin und Her um die Bochumer St. Marien-Kirche:
Dieser Fall ist nur EIN Beispiel für die Zukunft des Bistums Essen. Man rufe sich dich Seite des Bistums www.bistum-essen.de auf und gehe auf „Kirche vor Ort“. Dort findet sich auf vielen Seiten diverser Kirchengemeinden die Planungen für Zusammenlegungen und Schließungen von Kirchen, deren Ausmaß bei jedem Katholiken schlicht und ergreifend Schrecken verbreiten muss. Dort zeigt sich, was mit dem Erbe unserer Väter in Zukunft geschehen wird. Gleich ob Neogotik oder Betonarchitektur: Es geht hier um den Untergang unzähliger Gotteshäuser – und das Bistum Essen macht – neben anderen – hier nur den Anfang!
Ein weiteres Beispiel für die Diözese Essen: Die ehemalige Franziskanerklosterkirche Christkönig in Bochum-Mitte. Die dortige Gemeinde lebt – nach etlichen Schließungsgerüchten – ob sie dem hier im allgemeinen vertretenenen kath. Glaubensverständnis entsprechen mag oder nicht.
Jedenfalls hat man dort seit einigen Jahren tausende von Euros gesammelt, um der Kirche die rechte Beleuchtung, die rechte Farbe und den rechten Glanz zu geben. Und nun steht diese Kirche auf dem „Index“! Wie gesagt: es geht hier nicht um Korruption, sondern um die offensichtliche Meinung der Diöszesanleitung, alles defizitere Glaubensgebäudegut möglichst schnell abzustoßen. Wo sind die Missionare für das Missionsland Deutschland?!
Winfried Eichholz, Bochum
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#2   thaumaturgos   15:26:38 | Dienstag, 5. Juli 2005
es ist
schade dass es so unsachlich zu geht
und man sich hier nicht entblödet die eucharistie als cramnerische feier zu denunzieren … aber, wenn leute, die die alten kirchensprachen (syrisch, altäthiopisch, latein, griechisch) nur von mysteriellen charakter kennen, dann ist nichts zu erwarten
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#1   Andreas   22:18:21 | Montag, 4. Juli 2005
…der Teufel scheut das Weihwasser
Irgendwie glaube ich, daß es hierbei noch um mehr geht, als nur um Korruption.
Klar, der attraktive City-Platz…
die drückenden Erhaltungskosten…
die aufgelöste Pfarrei…
der ohnehin fehlende Bezug zur Opferstätte…

Ich glaube, am Schluß hat man nur Angst, daß die FSSPX noch den Bau kaufen könnte, um dann die Menschen mittels des Mysteriums wieder in diese Kirche zu ziehen.
Bevor dies passiert, reißen wir lieber ab!
Oder müßten wir uns sonst eingestehen, daß Cranmers Mahlfeier doch nicht das Gelbe vom Ei ist?
Ich glaube, hier hat jemand Angst, nicht mehr, nicht weniger.
Eigentlich zum Heulen, wenn man bedenkt, wie viele Kirchen vor hundert Jahren gebaut wurden, oftmals schöne, würdige Kirchen.
Abreißen? Die calvinistischen Betonbunker der 60er und 70er, die so liturgiereformiert inspiriert sind, gerne!!
Ich helfe mit! Wer noch?
„Ihr sollt das Haus meines Vaters nicht zu einer Räuberhöhle machen!“
„Der Boden, auf dem Du stehst, ist heilig…“
„Ich habe diesen Ort erwählt und geheiligt! Mein Herz und meine Augen sollen da bleiben alle Tage!“
Steht in so einem alten, staubigen Buch voller komischer Geschichten…
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