16:13:39 | Montag, 30. Januar 2012
„Eltern geschockt: 39jährige wird Nonne“. Wäre sie Prostituierte oder Rauschgiftsüchtige geworden, hätten ihr die Medienbosse keine solchen Schlagzeilen nachgeworfen.

Die Webseite der Klarissen-Kapuzinerinnen im Kloster Bethlehem.
(kreuz.net) Die Kirchenmusikerin Claudia Rohm aus Plaidt wird bei den Klarissen-Kapuzinerinnen der ewigen
Anbetung im Kloster Bethlehem zu Koblenz-Pfaffendorf eintreten.
Das berichtete der Online-Auftritt der
‘Rhein-Zeitung’ am 3. Januar.
Der strengste Orden überhaupt?Die ahnungslose Zeitung bezeichnet die
Klarissinnen als angeblich „strengsten katholischen Orden überhaupt“.
Plaidt ist eine 5800-Seelen-Ortsgemeinde
im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz.
Das Kloster Bethlehem wurde im Jahr 1904 gegründet.
Es besteht aus dreizehn Schwestern, praktizierte die Ewige Anbetung und lebt von der Hostienbäckerei.
Keinen Kontakt mehr zur DekadenzDie Rhein-Zeitung wird melodramatisch: „Die 39jährige hat vor, von
nun an bis an ihr Lebensende hinter Klostermauern zu leben – nahezu ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt.“
Fräulein Rohm habe „fast sechs Jahre lang“ Stillschweigen über ihren immer konkreter werdenden Entschluß
bewahrt.
In den letzten 17 Jahren wirkte sie als Chorleiterin im Kreis Ahrweiler.
Ihre Abschiedsveranstaltung
war ein Krippenspiel zur Menschwerdung Jesu.
Das Resultat einer katholischen Familie„Ich habe in meinem
Elternhaus das Glück gehabt, daß sie ihren Glauben positiv vorgelebt haben“ – erklärte Fräulein Rohm
vor der Zeitung:
„Sie achteten darauf, daß ich und meine beiden Geschwister regelmäßig zur Kirche
gingen.“
In der Familie sei „auch vielleicht mehr gebetet worden als in anderen.“
Zudem habe sie „unendlich
viele Bücher“ über das Gebet, über Heilige und ihr Leben gelesen:
„Das hat mich sehr beeindruckt und
in mir eine große Sehnsucht, einen großen Hunger geweckt, ein solches Leben führen zu wollen.“
In
Gebets- und Freundeskreisen fand Fräulein Rohm viele Gleichgesinnte.
Strikte AbgrenzungFräulein Rohm
hat bisher zuhause gewohnt. Ihr Eintritt ins Kloster fällt ihren Eltern darum erwartungsgemäß nicht
leicht:
„Als ich es meiner Mutter im September 2010 sagte, fing sie sofort an zu weinen, weil sie gespürt
hat, daß es mir sehr ernst ist und daß ich das auch durchziehen werde.“
Den Eltern falle „das Loslassen“
sehr schwer: „Mein Vater sagt nicht viel, aber er trägt schwer daran.“
Im ersten Klosterjahr bekommen
die Eltern eine Sonderstellung und dürfen einmal im Monat Kontakt zu ihrer Tochter aufnehmen – „entweder
im Sprechzimmer des Klosters, per Brief oder Telephon.“
Das zweite Noviziatsjahr wird dagegen sehr streng:
„Da habe ich keinerlei persönlichen Kontakt zu niemandem aus meinem alten Umfeld.“
„Meine Eltern dürfen
mir zwar Briefe schreiben, aber ich kann nicht selbst antworten, nur über diese dritte Person, die Informationen
an meine Eltern weitergibt.“
Ein anderer Mensch befiehltFräulein Rohm fürchtet sich nicht vor dieser
Umstellung:
„Jesus war auch seinen Eltern bis zum dreißigsten Lebensjahr untertan, war ihnen gehorsam.“
Das Fräulein vertraut darauf, „daß Gott ihr über einen anderen Menschen sagt, was gut für mich ist.“
„Dann kamen die Zweifel“Vor etwa sechs Jahren sprach Fräulein Rohm zum ersten Mal mit dem Beichtvater
über ihren Klosterwunsch:
„Er riet mir, mit niemandem darüber zu sprechen, damit ich ihn in Ruhe überdenken
kann.“
Sie besuchte Exerzitien bei den Berliner Vinzentinern, nahm an Wallfahrten teil und war auf dreimal
für je eine Woche im Gästehaus des Klosters Bethlehem: „Dann kamen die Zweifel.“
Fräulein Rohm gibt
Beispiele: „Ich werde nie mehr Unternehmungen mit meinen Nichten machen, auf Reisen oder schwimmen gehen
können.“
Die Prüfung war groß: „Mir ging es nicht gut damit, und ich kam zu dem Entschluß, daß dieser
Weg doch nicht der richtige für mich war.“
Ein großer FriedeDennoch ließ das Fräulein im Gebet
nicht locker: „Willst du wirklich, daß ich ins Kloster gehe?“ – fragte sie Gott.
Im Februar durfte sie
eine einwöchige Probe in Klausur im Kloster verbringen: „Drei Tage zweifelte ich, doch dann war mir klar,
daß ich das und nichts anderes wollte.“
Sie wartete danach drei Wochen: „Die plötzliche Euphorie, die
sich in mir breit gemacht hatte, hielt immer noch an – bis heute.“
Und: „Es hat sich ein großer Frieden
in mir ausgebreitet.“
Zahlreiche Gespräche mit Freunden und Zeichen bestärkten Fräulein Rohm in ihrem
Entschluß.
Dann geht man eben mitAuf die Frage, warum sie in ein geschlossenes Kloster eintritt, antwortet
sie: „Wenn man sich verliebt hat, sucht man auch nicht nach einem anderen Mann.“
Im Kloster Bethlehem
könne sie ihrer Liebe zu Gott und ihm selber am nächsten sein: „Wenn der Geliebte nach Australien geht,
geht man eben mit.“
Im Gebet sei sie Jesus Christus, der mir das wichtigste ist, am nächsten:
„Ich
möchte mich außerdem nicht noch mit 60 oder 70 Jahren fragen, ob ich berufen bin.“
Nichts, was ablenkt
Ihre zukünftige Klosterzelle hat Fräulein Rohm schon gesehen:
„Es ist sehr schön – ein Tisch, ein
Schrank, ein Bett und eine Kniebank für das Gebet vor einem Kreuz.“
Und: „Da ist nichts, was stört
oder ablenkt.“
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