Die Palästinensischen Autonomiebehörden sprachen den abgesetzten Patriarchen von Jerusalem von Vorwürfen der Immobilienschacherei frei. Er sei unschuldig. Andere Stimmen halten die neuen Ergebnisse für politisch motiviert.
(kreuz.net, Jerusalem) Die Palästinensischen Autonomiebehörden erklärten gestern Montag nach mehrwöchiger
Untersuchung, daß Irenaios I. am Verkauf von Kirchengut in der Jerusalemer Altstadt nicht beteiligt gewesen
sei.
Irenaios I. kam bei seinem eigenen Kirchenvolk wegen undurchsichtiger Immobilienspekulationen unter
schwere Anklage. Mitte Mai setzte ihn sein Rat – die „Heiligen Synode“ – als Patriarch von Jerusalem ab.
Irenaios I. weigerte sich, den Entscheid zu akzeptieren und das griechisch-orthodoxe Patriarchat in Jerusalem
zu verlassen. Er wies alle Anschuldigungen zurück und erklärte, daß er mit den Immobilienverkäufen
nichts zu tun habe.
Doch Ende Mai bestätigte ein pan-orthodoxes Konzil in Istanbul in Anwesenheit von
Irenaios I. die Entscheidung der „Heiligen Synode“ von Jerusalem. Seitdem wird der Patriarch von der orthodoxen
Gemeinschaft wie ein gewöhnlicher Mönch behandelt. Er hat aber seine patriarchalen Gemächer in Jerusalem
immer noch nicht verlassen.
Jetzt bekam der Ex-Patriarch Schützenhilfe von den Palästinensischen Autonomiebehörden.
Diese haben nach eigenen Angaben keine Beweise finden können, die den abgesetzten Patriarchen belasten
würden. Ein entsprechender Bericht der Behörde wurde in der Montagsausgabe der Jerusalemer Tageszeitung
Al-Quds veröffentlicht.
Irenaios I. habe sich gegenüber der Kommission kooperativ gezeigt: „Er war
an den Transaktionen zu keinem Zeitpunkt beteiligt“ – so die Behörde: „Und er hat kein Geld empfangen.“
Die Immobilienkäufe seien illegal gewesen, da kein verantwortlicher Kirchenvertreter, geschweige denn
die Heilige Synode unterschrieben habe.
Irenaios I. sei das Opfer einer Verschwörung. Diese sei von
führenden Klerikern und israelischen Extremisten lanciert worden, um den Patriarchen aus jeweils unterschiedlichen
Motiven loszuwerden.
Ranghohe palästinensische Beamte erklärten unter dem Siegel der Anonymität, daß
die Autonomiebehörden eine gewisse Reue bei Irenaios honorieren wollten. Ziel der Untersuchung sei gewesen,
die Verkäufe rückgängig zu machen. Patriarch Irenaios I. habe diesbezüglich seinen guten Willen gezeigt
und kooperiert.
Erzbischof Aristarchos, Exekutivsekretär des Patriarchats und Mitglied der „Heiligen
Synode“, die Irenaios I. absetzte, forderte trotz der Entlastung durch die zuständige Behörde den Rücktritt
des Patriarchen:
„Er ist trotz allem verantwortlich, weil er den langfristigen Pachtverträgen zugestimmt
hat.“
Aristarchos ist ein hochgebildeter Mönch und von tadelloser persönlicher Integrität. Neben Griechisch
und Englisch, spricht er auch Hebräisch, Arabisch und Deutsch.
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