[ « 513 514 515 516 517 » ]
Donnerstag, 18. November 2004 13:20
kreuzfalsch: „Homosexuelle Initiative“ entschuldigt sich bei der Eisenbahn
Die Österreichischen Bundesbahnen ernteten heftige Homo-Proteste, als sie das Ansinnen eines Wiener Vereins von Homosexuellen verhinderten, zwei Züge der Österreichischen Bundesbahnen im kommenden Fahrplanjahr ‘Homosexuelle Initiative’ zu nennen. Jetzt hat sich der Homo-Verein für die Angriffe entschuldigt.
(kreuz.net) In einer Medienaussendung vom 18. November 2004 hat sich die Homosexuelle Initiative (HOSI) Wien bei den Österreichischen Bundesbahnen für die – wie es heißt – „Bieridee“ entschuldigt, im kommenden Fahrplanjahr zwei ÖBB-Züge „Homosexuelle Initiative“ taufen zu wollen. Der Einfall sei von zwei Neumitgliedern gekommen, die sich im Übereifer des Frischbekehrten in die Sache verbohrt hätten.

„Es ist nicht einzusehen, was das 25-jährige Bestehen der HOSI mit den Österreichischen Bundesbahnen zu tun hätte“, meinte die HOSI-Wien-Obfrau Bettina Nemeth in ihrer Medienaussendung reumütig. Der HOSI-Hausmathematiker habe berechnet, wieviele Geburtstagskuchen die HOSI mit dem Geldbetrag, den die Zugnamenaktion gekostet hätte, kaufen könnte und sei zum Schluß gekommen, daß es sinnvoller sei, das Geld gewinnbringend in Aktien der Ring-Bäckerei anzulegen.

Frau Nemeth erklärte sich glücklich darüber, daß die Zugnamen nicht zustande gekommen sind. Es wäre eine Unverschämtheit gewesen, Liebhabern der Deutschen Sprache und Reisenden einfacherer Bildungsschichten einen von Fremdwörtern durchsäten Zugnamen und Zungenbrecher wie „Homosexuelle Initiative“ zuzumuten.

Außerdem sei auch inhaltlich nicht einzusehen, warum ein Abstraktbegriff wie „Initiative“ plötzlich „homosexuell“ sein solle. Das entlarve einen extremistischen Panhomosexualismus, der einer pluralistischen und multikulturellen Gesellschaft scharf widerspreche. Eine panhomosexualistische Haltung schlage auch jenen Mitmenschen ins Gesicht, die aufgrund der angespannten Wirtschaftslage andere Sorgen hätten, als beständig von Sex zu reden.

Der Entscheid der ÖBB-Manager habe deshalb nichts mit einer „lesben- und schwulenfeindlichen Haltung“ zu tun, sondern sei vielmehr ein Zeichen von gesundem Menschen- und Hausverstand, welcher gar nicht überbewertet werden könne und einigen HOSI-Eiferern kurzfristig abhanden gekommen sei, anerkannte die HOSI-Vositzende.

Daß der Vorschlag der HOSI unausgegoren gewesen sei, zeige sich auch daran, daß er vom „Taufen“ der Züge gesprochen habe. Die HOSI sei keine fromme religiöse Vereinigung und wolle auch im Vokabular, das sie verwende, eine klare Distanz zur Kirche aufrechterhalten. Sie lege sogar Wert darauf – unbeschadet des peinlichen Ausrutschers mit dem Wort „taufen“ – ein Verein zu sein, der „gegen bigotte Vorurteile, Irrationalismus, Obskurantismus und religiösen Wahn“ sowie gegen die zügellose Verwendung von Schlagwörtern, die das selbständige Denken beinträchtigen, kämpfe.

Auch der HOSI-Wien-Obmann Christian Högl äußerte sich zum Entscheid der ÖBB: „Wir fühlen uns plötzlich wieder in unsere Anfangszeit zurückversetzt.“ Dafür danke er den ÖBB. Diese hätten ihm mit ihrem harten aber notwendigen Entscheid noch einmal das glückliche Gefühl des Neubeginns vermittelt. Das sei für eine Organisation, die sich „Initiative“ nenne besonders wichtig, weil eine „Initiative“ (vom Lateinischen „initium“= Anfang) ständig darauf angewiesen sei, am Jungbrunnen ihres Beginns neu aufzutanken. Neue Anfänge zu setzen sei außerdem in jeder Organisation wichtig, um Alltagsroutine und Systemblindheit zu überwinden.

In der Medienaussendung distanzierte sich die HOSI auch von ihrer „läppischen Aussage“, wonach die ÖBB-Manager, die den vorgeschlagenen Zugnamen abgelehnt haben, mit ihren Ansichten im mittleren ÖBB-Management überleben könnten, es aber damit nicht zum EU-Kommissar brächten.

Natürlich wisse auch die HOSI, daß es für die Leitung eines Großunternehmens wie die ÖBB nicht weniger Geschick und Fähigkeiten bräuchte als für den EU-Erwachsenenkinderspielplatz, wo die Ämter, wie jüngste Beispiele bewiesen, nicht aufgrund von Kompetenzen, sondern auf der Basis ideologischer und fundamentalistischer Vorurteile sowie homosexueller Intoleranz vergeben würden.

Zum Schluß appellierte die HOSI an die SPÖ und die Grünen, ihr zu helfen, für das übernächste Fahrplanjahr 2005/6 vernünftige Zugnamen auszutüfteln. Die HOSI verstehe das als einen konstruktiven Beitrag, um dadurch beiden Parteien eine sinnvolle Beschäftigung zu vermitteln.
Weiterlesen:
1 Lesermeinung:
Dienstag, 7. Dezember 2004 10:19
Dolfus: Vorgänge in Österreich
Das wäre wirklich einmal eine sinnvolle Beschäftigung für SPÖ und Grüne. Immerhin leistet sich die SPÖ sogar eine parteieigene „Denkwerkstatt“ unter den Ägiden der Leider-Nein-Ministerin und Leider-Nein-Bundespräsidentin Ex-Superintendentin Gertraud Knoll, die bei Straßenschlachten beim Regierungswechsel 2000 aufhorchen ließ (Motto: „Widerstand“) – als die Sozialisten nach 30 Jahren die Regierung abtreten mußten.
Seltsames bahnt sich an.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
Copyright © 2008 kreuz.net