13:20:41 | Donnerstag, 18. November 2004
Die Österreichischen Bundesbahnen ernteten heftige Homo-Proteste, als sie das Ansinnen eines Wiener Vereins von Homosexuellen verhinderten, zwei Züge der Österreichischen Bundesbahnen im kommenden Fahrplanjahr ‘Homosexuelle Initiative’ zu nennen. Jetzt hat sich der Homo-Verein für die Angriffe entschuldigt.
(kreuz.net) In einer Medienaussendung vom 18. November 2004 hat sich die Homosexuelle Initiative (HOSI)
Wien bei den Österreichischen Bundesbahnen für die – wie es heißt – „Bieridee“ entschuldigt, im kommenden
Fahrplanjahr zwei
ÖBB-Züge „Homosexuelle Initiative“ taufen zu wollen. Der Einfall sei von zwei Neumitgliedern
gekommen, die sich im Übereifer des Frischbekehrten in die Sache verbohrt hätten.
„Es ist nicht einzusehen,
was das 25-jährige Bestehen der HOSI mit den Österreichischen Bundesbahnen zu tun hätte“, meinte die
HOSI-Wien-Obfrau Bettina Nemeth in ihrer Medienaussendung reumütig. Der HOSI-Hausmathematiker habe berechnet,
wieviele Geburtstagskuchen die HOSI mit dem Geldbetrag, den die Zugnamenaktion gekostet hätte, kaufen
könnte und sei zum Schluß gekommen, daß es sinnvoller sei, das Geld gewinnbringend in Aktien der Ring-Bäckerei
anzulegen.
Frau Nemeth erklärte sich glücklich darüber, daß die Zugnamen nicht zustande gekommen
sind. Es wäre eine Unverschämtheit gewesen, Liebhabern der Deutschen Sprache und Reisenden einfacherer
Bildungsschichten einen von Fremdwörtern durchsäten Zugnamen und Zungenbrecher wie „Homosexuelle Initiative“
zuzumuten.
Außerdem sei auch inhaltlich nicht einzusehen, warum ein Abstraktbegriff wie „Initiative“
plötzlich „homosexuell“ sein solle. Das entlarve einen extremistischen Panhomosexualismus, der einer
pluralistischen und multikulturellen Gesellschaft scharf widerspreche. Eine panhomosexualistische Haltung
schlage auch jenen Mitmenschen ins Gesicht, die aufgrund der angespannten Wirtschaftslage andere Sorgen
hätten, als beständig von Sex zu reden.
Der Entscheid der ÖBB-Manager habe deshalb nichts mit einer
„lesben- und schwulenfeindlichen Haltung“ zu tun, sondern sei vielmehr ein Zeichen von gesundem Menschen-
und Hausverstand, welcher gar nicht überbewertet werden könne und einigen HOSI-Eiferern kurzfristig
abhanden gekommen sei, anerkannte die HOSI-Vositzende.
Daß der Vorschlag der HOSI unausgegoren gewesen
sei, zeige sich auch daran, daß er vom „Taufen“ der Züge gesprochen habe. Die HOSI sei keine fromme
religiöse Vereinigung und wolle auch im Vokabular, das sie verwende, eine klare Distanz zur Kirche aufrechterhalten.
Sie lege sogar Wert darauf – unbeschadet des peinlichen Ausrutschers mit dem Wort „taufen“ – ein Verein
zu sein, der „gegen bigotte Vorurteile, Irrationalismus, Obskurantismus und religiösen Wahn“ sowie gegen
die zügellose Verwendung von Schlagwörtern, die das selbständige Denken beinträchtigen, kämpfe.
Auch der HOSI-Wien-Obmann Christian Högl äußerte sich zum Entscheid der ÖBB: „Wir fühlen uns plötzlich
wieder in unsere Anfangszeit zurückversetzt.“ Dafür danke er den ÖBB. Diese hätten ihm mit ihrem harten
aber notwendigen Entscheid noch einmal das glückliche Gefühl des Neubeginns vermittelt. Das sei für
eine Organisation, die sich „Initiative“ nenne besonders wichtig, weil eine „Initiative“ (vom Lateinischen
„initium“= Anfang) ständig darauf angewiesen sei, am Jungbrunnen ihres Beginns neu aufzutanken. Neue
Anfänge zu setzen sei außerdem in jeder Organisation wichtig, um Alltagsroutine und Systemblindheit
zu überwinden.
In der Medienaussendung distanzierte sich die HOSI auch von ihrer „läppischen Aussage“,
wonach die ÖBB-Manager, die den vorgeschlagenen Zugnamen abgelehnt haben, mit ihren Ansichten im mittleren
ÖBB-Management überleben könnten, es aber damit nicht zum EU-Kommissar brächten.
Natürlich wisse
auch die HOSI, daß es für die Leitung eines Großunternehmens wie die ÖBB nicht weniger Geschick und
Fähigkeiten bräuchte als für den EU-Erwachsenenkinderspielplatz, wo die Ämter, wie jüngste Beispiele
bewiesen, nicht aufgrund von Kompetenzen, sondern auf der Basis ideologischer und fundamentalistischer
Vorurteile sowie homosexueller Intoleranz vergeben würden.
Zum Schluß appellierte die HOSI an die SPÖ
und die Grünen, ihr zu helfen, für das übernächste Fahrplanjahr 2005/6 vernünftige Zugnamen auszutüfteln.
Die HOSI verstehe das als einen konstruktiven Beitrag, um dadurch beiden Parteien eine sinnvolle Beschäftigung
zu vermitteln.
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Ocean 20:55:26 | Mittwoch, 25. Mai 2011
#1
Dolfus 10:19:09 | Dienstag, 7. Dezember 2004