Vatikan
Vatikanische Formulierungen
Sturm im Wasserglas um eine Formulierung im Kondolenzschreiben des Papstes für die Opfer des Anschlages von London. Was hat der Papst genau gesagt?
(kreuz.net, Vatikan) Die linkskatholische US-Wochenzeitung ‘National Catholic Reporter’ berichtete von einer früheren Fassung des päpstlichen Kondolenzschreibens für die Opfer von London. Das Blatt berief sich dabei auf vatikanische Quellen.

In dieser Version seien die Anschläge als „antichristlich“ bezeichnet worden. Der Text sei von Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano verfaßt worden.

Diese Fassung gelangte offenbar noch am Vormittag der Anschläge – am Donnerstag, dem 7. Juli – an die Medien und blieb nicht ohne Reaktionen.

Bereits am frühen Donnerstag nachmittag empörte sich die Nachrichtenagentur ‘ANSA’ über den verwendeten Ausdruck. ‘ANSA’ ist die führende italienische Nachrichtenagentur.

Die ‘ANSA’-Meldung war für viele weitere Agenturen und Zeitungen ein gefundenes Fressen.

Als die Vatikanische Pressestelle das Kondolenzschreiben um 14.33 Uhr veröffentlichte, war der bemängelte Ausdruck „antichristlich“ verschwunden.

Jetzt wurden die Terrorakte als „barbarische Handlungen gegen die Menschheit“ bezeichnet.

Die ‘ANSA’ betrachtete eine Richtigstellung als unnötig. Man veröffentlichte lediglich das Beileidstelegramm im Wortlaut.

Während des weiteren Tages sangen die Journalisten weitere Strophen der alten Leier: Der Papst habe die Attentate auf die Ebene eines Religionskrieges gehoben.

Viele Schreiber benützten die Gelegenheit, um ihrem Haß gegen die Kirche freien Lauf zu lassen.

Am letzten Samstag erklärte der Sprecher des Vatikan, Joaquin Navarro-Valls, gegenüber dem ‘National Catholic Reporter’, daß der Papst nie beabsichtigt habe, die Terroranschläge als „antichristlich“ zu bezeichnen.

Er habe den Direktor von ‘ANSA’ brieflich aufgefordert, eine entsprechende Berichtigung vorzunehmen.

Ein führender Mitarbeiter der Römischen Kurie bestätigte aber gegenüber dem ‘National Catholic Reporter’, daß der Ausdruck „antichristlich“ im Entwurf des Kondolenzschreibens gestanden wäre.

Eine Rohfassung des Beileidstelegramms sei aus dem Staatssekretariat an die Nachrichtenagentur ‘ANSA’ ergangen, noch bevor sie vom Heiligen Vater bestätigt wurde.

Der journalistische Fehler von ‘ANSA’ habe darin bestanden, diesen Entwurf als vom Papst bestätigte Endfassung hinzustellen.

Der ungenannte Kuriale meinte dazu:

„Kardinal Sodano leistet gute Arbeit. Aber wenn es um das Nachrichtenwesen und die Bedeutung geht, die bestimmte Sätze in der öffentlichen Diskussion haben, ist er manchmal eine Katastrophe.“
      
1 Lesermeinung
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#1   Uwe Schmidt   09:54:08 | Mittwoch, 13. Juli 2005
antichristlich
Also das nehme ich Sodano aber nicht ab, dass ihm das „antichristal“ so rausgerutscht sein soll! Ich werde mir merken, dass er offensichtlich mit dem Weißen Haus und den Neocons unter einer Decke steckt (die ja von einem herbeigeredeten christlich-muslimischen Religionskrieg profitieren wollen)! Unmöglich!
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