Röschenz
Röschenz auf der Siegerstraße
Sie reden wieder miteinander, der aufsässige Pfarrer und der von ihm öffentlich gedemütigte Bischof. Schweizer Medien sprechen jetzt von Vertrauensbildung. In Röschenz selber träumen die einen von einer Konzelebration zwischen Bischof und Pfarradministrator. Andere beschäftigen sich mit Mordphantasien.
(kreuz.net, Röschenz) Zwischen dem rebellischen Pfarradministrator Franz Sabo von Röschenz in Baselland und dem Bischof von Basel, Mons. Kurt Koch, fand kürzlich ein Gespräch statt. Dies berichtete die Schweizer Boulevardzeitung ‘SonntagsBlick’.

Nach Angaben des Basler Generalvikars, Pater Roland-Bernhard Trauffer OP, soll es sich nicht um das erste Treffen gehandelt haben.

Damit scheinen sich die Fronten zwischen dem Bischof und dem ungehorsamen Administrator aufzuweichen.

Den Tarif haben die Röschenzer schon lange vorgegeben. Die einzige Lösung des „Falles Sabo“ besteht in einer bedingungslosen Kapitulation des Bischofs und die Aufhebung der Strafmaßnahmen gegen den schuldiggewordenen Pfarradministrator.

Dadurch solle das gegenseitige Vertrauen in Ruhe wiederhergestellt werden.

Im März hatte der Bischof von Basel dem skandalträchtigen Priester per Ende September 2005 die Missio canonica entzogen. Die Missio canonica ist die vom Diözesanbischof ausgesprochene kirchliche Sendung. Ohne sie kann kein Priester in einer Diözese eine offizielle Funktion ausüben.

Der Schritt wurde notwendig, nachdem Sabo mehrmals öffentliche Haßtiraden gegen seinen Bischof und die Kirche geritten hatte. Zusätzlich empörte er die katholischen Gläubigen durch eine offizielle Erklärung, wonach er in Basel mit einem Mann und einer Frau zusammenwohne und seine Sexualität auslebe.

Der Priester zeigte bislang vor dem Bischof keine Reue über sein umstrittenen Handlungen und Aussagen.

Einsichtiger gab er sich dagegen im Gespräch mit dem ‘SonntagsBlick’. Dort gestand der abtrünnige Administrator ein, im Verhalten gegenüber seinem Bischof Fehler gemacht zu haben:

„Heute würde ich einiges anders sagen, als ich es getan habe“, erklärte er dem Boulevardblatt demütig.

Sabo fügte jedoch sogleich hinzu, daß er von seinem Vorgesetzten Bischof Koch dieselbe Haltung ihm gegenüber erwarte.

Über den Inhalt des Gesprächs zwischen dem Skandalpriester und seinem Bischof wurde weder von Seite der Pfarrei Röschenz noch vom bischöflichen Ordinariat in Solothurn etwas bekannt gegeben.

Der Bischof von Basel residiert nicht in Basel, sondern in der Nordschweizer Stadt Solothurn.

Der versöhnliche Sabo erklärte dem ‘SonntagsBlick’, er wolle seine Energie für die Suche nach einer guten Lösung verwenden und weitere Konfrontationen vermeiden.

Für die überraschende Glättung der Fronten dürfte der Präsident der Schweizerischen Bischofskonferenz, Mons. Amédée Grab (75), keine kleine Vermittlerrolle gespielt haben. Im Anschluß an das letzte Treffen der Schweizer Bischofskonferenz Anfang Juni erklärte er:

„Der Ausschluß einer ganzen Gemeinde kann keine Lösung sein.“

Jetzt träumt der Röschenzer Kirchgemeindepräsidenten Holger Wahl von einer Konzelebration mit Bischof und Administrator in Röschenz. Sie dürfte in der nächsten Zeit nicht in Erfüllung gehen.

Denn so friedliebend und realitätsbezogen sind die Röschenzer gar nicht.

Im Internetauftritt der Pfarrei wird nämlich schon an der nächsten Legende gegen Bischof und Generalvikar gesponnen.

Auf der Homepage säuselt man zwar über Bereitschaft zu einer Kompromißlösung zwischen der Kirchgemeinde und dem Bischof sowie über Vertrauen und Zukunftsperspektiven.

Doch dann kommt ein Buchtip.

„Mord im Vatikan – Ermittlungen gegen die katholische Kirche“ heißt der Titel des wertvollen Werkes, das die Pfarrei ihren Internetgästen wärmstens empfiehlt.

Das Buch handelt vom Schweizergardisten Cédric Tornay, der 1998 im Vatikan zuerst den Kommandanten der Garde und dann seine Frau ermordete und sich anschließend selber richtete.

In Wahrheit – erfährt man aus der Pfarrei Röschenz – sei Tornay ermordet worden. Darum sei das empfohlene Buch für die Röschenzer sozusagen eine geistliche Pflichtlektüre.

Der kompetente Rezensent kommt zum Ergebnis:

„Für uns ist aber besonders interessant, wer da an vorderster Front mitspielt.“

Wer wohl?

Sie werden es nicht erraten:

Pater Roland Trauffer, der gegenwärtige Generalvikar der Diözese Basel.

Der Mörder ist bekanntlich immer der G…

Die katholische Kirchgemeinde Röschenz empfiehlt diese wertvolle Analyse allen, „die einen Eindruck von den Ränkespielen hinter der sorgfältig polierten Fassade des Vatikans gewinnen möchten“.

In Röschenz scheinen die moralischen Verirrungen inzwischen auch den Verstand in Mitleidenschaft zu ziehen.
      
10 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#10   Marcel   20:08:50 | Mittwoch, 13. Juli 2005
Loriot: wo laufen sie denn?
Es tut mir leid, werter Pelagius, aber auch beim erneuten Durchlesen Ihres ursprünglichen Artikelchens kann ich nicht erkennen, woran der Leser die Ironie Ihres Wortes „Ewiggestrige“ hätte erkennen sollen – um das es mir immerhin einzig ging.
Daß Sie die Konzelebration nicht mögen, was uns eint, ist deutlich geworden, aber nicht, warum Sie die „Ewiggestrigen“ bemühten. Verstärkt wird die Frage noch dadurch, daß man als aufmerksamer Leser sich Ihrer Attäckchen gegen die FSSPX in der Vergangenheit erinnert (*) und in diesem Kontext Ihr neues Beiträgchen las. Der aufmerksame Leser sah sich also durch Ihre Zeilen konfrontiert mit dem von den Modernisten so sehr geliebten Begriffchen „Ewiggestrige“, das sie besonders den Traditionellen zuteilen, und folgerte also: erneutes Breitseitchen gegen die FSSPX…
Im Zweifelsfall tendiere ich dazu, Ironie, Humor, usw., entsprechend deutlich zu kennzeichnen, eben weil die meisten dem Schreiber fremden Leser nicht in den gewohnten Gedankengängen des Schreibers vertieft sind. Das hat Viroblationis schon gut gesagt.
Doch damit genug, ich möchte nicht unnötig griffelspitzen und kann zudem dank Ihrer erneuten Teilklärung rekonstruieren, was Sie hier gemeint haben.
(*) Z.B. das Priorats-Buchauslagen-Rosenkranz-Bier, das Sie sich nicht verdienten. :-)
Redaktion benachrichtigen
#9   Pelagius   17:17:06 | Mittwoch, 13. Juli 2005
Werter Marcel,
nichts läge mir ferner, die Vorgänge von Röschenz mit denen um die Verfechter der überlieferten Glaubenslehre und Liturgie auch nur in irgendeiner Weise miteinander zu vergleichen. Damit würde ich ja meinen eigenen Standpunkt diskreditieren.
Selbstverständlich war sowohl der Ausdruck „ewiggestrig“ wie auch die Aussicht darauf, durch Konzelebration könnten die vorliegenden Konflikte mit den kämpferischen Anhängern der Tradition beigelegt werden, in besagtem Zusammenhang ironisch gemeint.
Ich halte es für eine ausgesprochen tragische Entwicklung, daß die „Ecclesia Dei“-Gruppen, eine nach der anderen, sich zum Erweis ihrer Communio mit der kirchlichen Hierarchie in die Konzelebrationskollektive einreihen. Und da das natürlich von offizieller Seite gerne gesehen, ja gefördert wird, drängte sich eben die Parallele zum Fall Röschenz, wo man ebenfalls durch eine Konzelebration den angeblichen Frieden demonstrieren will, auf.
Ja, man sollte sich gelegentlich die Mühe machen, genauer hinzusehen, hinzuhören und zu lesen. Daß in deutschen Landen der Sinn für Ironie verkümmert ist, ist allerdings hinlänglich bekannt.
Redaktion benachrichtigen
#8   Marcel   09:34:40 | Mittwoch, 13. Juli 2005
Die ewige Lehre der Kirche ist unveränderlich
Pelagius, Ihre kurze Stellungsnahme war verständlich, wie auch Ihr Seitenhieb über das Wörtchen „ewiggestrig“. Dieser entspringt Ihrer Feindschaft gegen die einzige Kongregation, welche die authentische katholische Tradition weltweit theoretisch verteidigt und praktisch lebt: der FSSPX. (*)
Die FSSPX in einem Atemzug mit dem Ketzer von Röschenz zu nennen, wie Sie es entsprechend des öfteren tun, gab mir Gelegenheut, kurz über Ihre konfuse, eben typisch nachkonziliare, Haltung zu den Begriffen „ewiggestrig“ (=die hl. Überlieferung der Kirche) und „modern“ (=der Bruch mit der Lehre seit dem V.II) auszulassen, dabei den Katholiken Chesterton zitierend, der diesen „Progressismus“ aufzeigte und entlarvte. Er vermochte eben, eine Quintessenz in zwei Sätzchen zu packen, wozu andere zwei Seiten benötigten.
Der Neo-Konservativismus, der in der Praxis einen – meistens ungewollten – tatsächlichen Liberalismus (=Modernismus) bewirkt und somit unzählige Häresien begünstigt, wie man ihn seit dem V.II in Perfektion kennt, vor allem durch die unseligen Worte und Taten des JP2, ist schwerer zu erkennen und zu fassen als eine offene Ketzerei, und somit viel gefährlicher für die Kirche.
Deswegen fallen so viele gutgläubige Katholiken auf ihn herein.
(*) Das heißt nicht, daß sich nicht noch viele Katholiken als „Einzelkämpfer“ um die Bewahrung des überlieferten Glaubensgutes redlich und oft mit bewundernswertem Einsatz bemühen.
Redaktion benachrichtigen
#7   virOblationis   08:05:52 | Mittwoch, 13. Juli 2005
ad Pelagium
Vielleicht ist die beabsichtigte Aussage Ihres Beitrages auch nicht ohne weiteres für jeden verständlich, da nur angedeutet, nicht ausformuliert. Auch ich habe einige Schwierigkeiten, den genauen Sinn jener Zeilen zu verstehen. – Es geschieht eben, das kenne ich auch von mir selbst, daß man etwas schreibt und erst später sieht, wie vertraut einem selbst die Gedankengänge gewesen sind, so daß man nur grob skizzierte und für andere nicht ohne weiteres nachvollziehbar schrieb.
Redaktion benachrichtigen
#6   Pelagius   23:59:45 | Dienstag, 12. Juli 2005
@Marcel
Lustig, diese Titulierung „ewigmodern“! Offensichtlich hat Marcel die Stellungnahme nicht einmal verstanden. Als ob ich über die unio per concelebrationem auch nur irgendetwas Positives hätte sagen wollen!
Wo es an Einsicht fehlt, ist ein an sich geistvolles, aber hier völlig deplaziertes Chesterton-Zitat eine nützliche Angelegenheit. Nun denn, wozu mit Leuten streiten, mit denen man vermutlich in über 90 % der Auffassungen einig geht?! Ach, es ist ermüdend…
Redaktion benachrichtigen
#5   Irenäus   22:45:46 | Dienstag, 12. Juli 2005
Schwach
In Anbetracht dieses Artikels drängt sich der leise Verdacht auf, daß S.E. Koch feige einknicken wird. Interessant ist die Bemerkung:“ Eine ganze Gemeinde ausschließen, das geht nicht.“ Warum eigentlich nicht? Dann ist man die Idioten doch los! Seltsam nur, daß man bei den Traditionalisten anscheinend alle exkommunizieren will. Aber vielleicht will der halbgebildete Haufen, egal ob halbkonservativ oder modernistisch, ja ohnehin nur sein eigenes Süppchen kochen.
Redaktion benachrichtigen
#4   Rosa von Lima   20:39:50 | Dienstag, 12. Juli 2005
Fall Röschenz
Das beste wäre, wenn Sabo schnellstens den Koffer packen oder aber eine eigene Sekte gründen würde, wo er dann den Papst spielen könnte. Er und seine Gemeinde weichen so sehr von den Grundsätzen der RKK ab, dass sie darin nicht mehr tragbar sind. Wieso ist Sabo eigentlich Priester geworden??? Er wusste ja zum voraus, was ihn da erwartet und wie er sich seinem Bischof gegenüber zu verhalten hat. Also Bischof Koch bleibt nichts anderes übrig, als ihm die Missio zu entziehen, auch wenn unser „total linkes“ Fernsehen mit Reporter Stefan Klapproth ihn dafür kritisieren. Ein „Priester“, der sich so kirchenwidrig verhält, darf keiner Gemeinde vorstehen.
Redaktion benachrichtigen
#3   Ignatius   20:28:09 | Dienstag, 12. Juli 2005
Progressismus
Hmmmm, ich denke nicht, daß ‘Fortschritt’ in dem Kontext eine besonders glückliche Übersetzung für das englische ‘progress’ von Chesterons Originalsätzchen ist, so wie er es meinte. Dann doch lieber gleich das deutsche Original namens ‘Progress’. Anstatt ‘modernistisch’ sagen viele Traditionalisten ja auch ‘progressistisch’, was dem Sinn Chestertons am nächsten kommt, wie mir dünkt.
Das Original ist meistens am besten. Hier ein paar Meistersätze des Father-Brown-Erfinders über den lachhaften Progressismus:
The Cult of Progress www.chesterton.org/…over/quotations.html
Redaktion benachrichtigen
#2   Marcel   17:07:27 | Dienstag, 12. Juli 2005
Die Wahrheit ist unveränderlich
Sehr interessant, diese Vorgänge in der Kirche. Die Ketzer läßt man gewähren, bei den Rechtgläubigen der Tradition hat man eine – nicht vorhandene – Exkommunikation „festgestellt“ und behandelt sie bis heute ungerechterweise als Quasi-Schismatiker.
Doch dieser Fall zeigt sehr schön die Paralle des Erzbischof Lefebvres zum hl. Athanasius und erlaubt somit über die Lehren der Vergangenheit einen verständnisvolleren Blick auf die Gegenwart und Zukunft.
Lustig auch, was der ewigmoderne Pelagius sagt. Im Gegensatz zu „ewiggestrig“ ist „ewigmodern“ übrigens kein polemisches Wörtchen, sondern der traurig gehetzte Alltag jener, die modern sein möchten. Wert heute modern ist, ist morgen schon veraltet („ewiggestrig“) und muß sich wieder dem Morgen anpassen… Ein Teufelskreis, in den sich unsere heutige Gesellschaft völlig verzettelt hat, und seit dem V.II leider auch die größten Teile der Kirche.
Der weise Chesterton faßte dieses Modernisten-Problem in zwei Sätzchen zusammen: „Meine Haltung bezüglich Fortschritt wechselte von Gegnerschaft zu Langeweile. Ich habe längst aufgehört, mit den Leuten zu argumentieren, die den Donnerstag dem Mittwoch vorziehen, weil es Donnerstag ist.“
Redaktion benachrichtigen
#1   Pelagius   16:12:40 | Dienstag, 12. Juli 2005
Wieder einmal…
… soll eine Konzelebration den Frieden bringen. Mit ihr scheint man das allseits einsetzbare Mittel zur Schaffung kirchlicher Einheit gefunden zu haben. Wenn dieser Pfarrer Sabo es tut – ja, dann müssen es die Ewiggestrigen doch eigentlich auch, oder?
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
RöschenzSabo stellt auf stur Röschenz„Er hat seine unkatholische Einstellung selbst dokumentiert“ RöschenzEin Bischof mit Rückgrat RöschenzFür den Bischof in die Bresche RöschenzEinige Tropfen Balsam RöschenzTrostpreis aus Bamberg RöschenzApplaus für den Sieger RöschenzIn Röschenz hat nur der Rebellen-Pfarrer das freie Wort RöschenzPfarrherrlicher Wutausbruch RöschenzGehässig und böse? RöschenzWird aufsässige Pfarrei christkatholisch? RöschenzEin Flair für Homos und Ketzer und viel Rückendeckung von der Pfarrei
RSS Feed  •  News Ticker  •  Werbebanner  •  Visitenkarte  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net