16:00:22 | Dienstag, 12. Juli 2005
Sie reden wieder miteinander, der aufsässige Pfarrer und der von ihm öffentlich gedemütigte Bischof. Schweizer Medien sprechen jetzt von Vertrauensbildung. In Röschenz selber träumen die einen von einer Konzelebration zwischen Bischof und Pfarradministrator. Andere beschäftigen sich mit Mordphantasien.
(kreuz.net, Röschenz) Zwischen dem
rebellischen Pfarradministrator Franz Sabo von Röschenz in Baselland
und dem Bischof von Basel, Mons. Kurt Koch, fand kürzlich ein Gespräch statt. Dies berichtete die Schweizer
Boulevardzeitung ‘SonntagsBlick’.
Nach Angaben des Basler Generalvikars, Pater Roland-Bernhard Trauffer
OP, soll es sich nicht um das erste Treffen gehandelt haben.
Damit scheinen sich die Fronten zwischen
dem Bischof und dem ungehorsamen Administrator aufzuweichen.
Den Tarif haben die Röschenzer schon lange
vorgegeben. Die einzige Lösung des „Falles Sabo“ besteht in einer bedingungslosen Kapitulation des Bischofs
und die Aufhebung der Strafmaßnahmen gegen den schuldiggewordenen Pfarradministrator.
Dadurch solle
das gegenseitige Vertrauen in Ruhe wiederhergestellt werden.
Im März hatte der Bischof von Basel dem
skandalträchtigen Priester per Ende September 2005 die Missio canonica entzogen. Die Missio canonica
ist die vom Diözesanbischof ausgesprochene kirchliche Sendung. Ohne sie kann kein Priester in einer Diözese
eine offizielle Funktion ausüben.
Der Schritt wurde notwendig, nachdem Sabo mehrmals öffentliche Haßtiraden
gegen seinen Bischof und die Kirche geritten hatte. Zusätzlich empörte er die katholischen Gläubigen
durch eine offizielle Erklärung, wonach er in Basel mit einem Mann und einer Frau zusammenwohne und seine
Sexualität auslebe.
Der Priester zeigte bislang vor dem Bischof keine Reue über sein umstrittenen Handlungen
und Aussagen.
Einsichtiger gab er sich dagegen im Gespräch mit dem ‘SonntagsBlick’. Dort gestand der
abtrünnige Administrator ein, im Verhalten gegenüber seinem Bischof Fehler gemacht zu haben:
„Heute
würde ich einiges anders sagen, als ich es getan habe“, erklärte er dem Boulevardblatt demütig.
Sabo
fügte jedoch sogleich hinzu, daß er von seinem Vorgesetzten Bischof Koch dieselbe Haltung ihm gegenüber
erwarte.
Über den Inhalt des Gesprächs zwischen dem Skandalpriester und seinem Bischof wurde weder
von Seite der Pfarrei Röschenz noch vom bischöflichen Ordinariat in Solothurn etwas bekannt gegeben.
Der Bischof von Basel residiert nicht in Basel, sondern in der Nordschweizer Stadt Solothurn.
Der versöhnliche
Sabo erklärte dem ‘SonntagsBlick’, er wolle seine Energie für die Suche nach einer guten Lösung verwenden
und weitere Konfrontationen vermeiden.
Für die überraschende Glättung der Fronten dürfte der Präsident
der Schweizerischen Bischofskonferenz, Mons. Amédée Grab (75), keine kleine Vermittlerrolle gespielt
haben. Im Anschluß an das letzte Treffen der Schweizer Bischofskonferenz Anfang Juni erklärte er:
„Der
Ausschluß einer ganzen Gemeinde kann keine Lösung sein.“
Jetzt träumt der Röschenzer Kirchgemeindepräsidenten
Holger Wahl von einer Konzelebration mit Bischof und Administrator in Röschenz. Sie dürfte in der nächsten
Zeit nicht in Erfüllung gehen.
Denn so friedliebend und realitätsbezogen sind die Röschenzer gar nicht.
Im Internetauftritt der Pfarrei wird nämlich schon an der nächsten Legende gegen Bischof und Generalvikar
gesponnen.
Auf der Homepage säuselt man zwar über Bereitschaft zu einer Kompromißlösung zwischen
der Kirchgemeinde und dem Bischof sowie über Vertrauen und Zukunftsperspektiven.
Doch dann kommt ein
Buchtip.
„Mord im Vatikan – Ermittlungen gegen die katholische Kirche“ heißt der Titel des wertvollen
Werkes, das die Pfarrei ihren Internetgästen wärmstens empfiehlt.
Das Buch handelt vom Schweizergardisten
Cédric Tornay, der 1998 im Vatikan zuerst den Kommandanten der Garde und dann seine Frau ermordete und
sich anschließend selber richtete.
In Wahrheit – erfährt man aus der Pfarrei Röschenz – sei Tornay
ermordet worden. Darum sei das empfohlene Buch für die Röschenzer sozusagen eine geistliche Pflichtlektüre.
Der kompetente Rezensent kommt zum Ergebnis:
„Für uns ist aber besonders interessant, wer da an vorderster
Front mitspielt.“
Wer wohl?
Sie werden es nicht erraten:
Pater Roland Trauffer, der gegenwärtige Generalvikar
der Diözese Basel.
Der Mörder ist bekanntlich immer der G…
Die katholische Kirchgemeinde Röschenz
empfiehlt diese wertvolle Analyse allen, „die einen Eindruck von den Ränkespielen hinter der sorgfältig
polierten Fassade des Vatikans gewinnen möchten“.
In Röschenz scheinen die moralischen Verirrungen
inzwischen auch den Verstand in Mitleidenschaft zu ziehen.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.