Prominenz
Privates vom Pressesprecher des Vatikan
Joaquin Navarro-Valls verbrachte in seiner Jugend viel Zeit mit seiner früh verstorbenen Schwester. Er war damals ein leidenschaftlicher Tango-Tänzer und Schauspieler.
(kreuz.net, Rom) Der Pressesprecher des Vatikan, Joaquin Navarro-Valls, ließ sich für die jüngste Ausgabe des italienischen Boulevardmagazins ‘Espresso’ lang interviewen.

Der Interviewpartner befragte den Pressesprecher zu seinen Tränen vor laufender Kamera angesichts des Todes von Papst Johannes Paul II.

In diesem Augenblick habe er seine ganze Verwundbarkeit gezeigt, erklärte Navarro dazu:

„Bis zu diesem Augenblick erfüllte ich meine Pflicht, über den sich ständig verschlechternden Zustand von Johannes Paul II. zu informieren. Bis dahin hielt ich meine Emotionen zurück.“

Dann sei er von einem deutschen Journalisten gefragt worden, wie er den Verlust persönlich erfahre: „Ich war von Schmerz durchdrungen und konnte meine Tränen nicht zurückhalten.“

Dann stellt Navarro seinem Interviewpartner eine Gegenfrage:

„Wissen Sie, welches das erste Gebet war, das von den anwesenden Personen im Augenblick des Todes von Papst Johannes Paul II. gesprochen wurde?“

„Ein ‘Requiem aeternam’?“ – rät der Interviewpartner.

„Nein: Das ‘Te Deum’, der feierliche Hymnus der Danksagung.“

Man habe natürlich nicht für den Tod, sondern für 84 fruchtbare Jahre auf Erden gedankt.

Zur Frage, ob er damit gerechnet habe, als Vatikansprecher bestätigt zu werden, erklärte Navarro:

„Nicht im geringsten.“

Er habe bereits andere Pläne geschmiedet und überlegt, zu seiner ersten Liebe – der Medizin – zurückzukehren. Navarro ist ausgebildeter Arzt.

Der Journalist nutzt das Stichwort „Liebe“, um das Gespräch auf das Thema ‘Frauen’ zu bringen.

Die Entscheidung, Numerarier des Opus Dei zu werden und auf eine Familie zu verzichten, sei ihm – so Navarro – nicht schwer gefallen: „Die Ehelosigkeit hat mir geholfen, mich selbst zu überwinden.“

Die unverheirateten Laienmitglieder des Opus Dei werden „Numerarier“ genannt.

Ob er die Nähe eines Familienlebens vermisse? „Ich habe diese Art von Verlangen niemals gespürt.“

Vielmehr habe ihm sein zölibatärer Weg in der Kirche ermöglicht, sich um seinen Beruf als Mediziner und um die – wie Navarro sich ausdrückt – „transzendentale Dimension“ zu kümmern.

Und seine eigene Familie?

Sein Vater sei ein sehr scharfsinniger Rechtsanwalt gewesen. Seine Mutter – nunmehr 91 –, sei stets um ihre fünf Kinder bemüht gewesen: „Sie war hingebungs- und liebevoll.“

Besonders geliebt habe er seine Schwester Assunta.

Assunta starb – erst 35jährig – an einem plötzlichen Hirn-Aneurysma: „Es war sehr schön, mit ihr zusammen zu sein.“ Sie hinterließ vier kleine Kinder.

Der Tod seiner Schwester sei für ihn immer noch eine offene Wunde:

„Wir waren wie ein Paar, mit einem außergewöhnlichen Verständnis füreinander.“ Er sei bei der Geburt ihrer Kinder zugegen gewesen.

Assunta war nur ein Jahr älter als er:

„Wir machten alles gemeinsam. Wir tanzten sogar. Als wir jung waren, baten uns die Leute, auf Parties Tango zu tanzen.“

Auch seine damalige Freundin sei dort gewesen. Doch er habe mit seiner Schwester getanzt:

„Es scheint, daß wir recht gut waren.“

Ob das in die Zeit falle, da er sich auch als Stierkämpfer betätigt habe?

„Das ist eine Legende“, erklärte der Pressesprecher.

Sie sei vor einigen Jahren erfunden worden, vielleicht, weil er Spanier sei, vermutet Navarro:

„Wenn Sie mit Nachdruck schreiben, daß dies ein Gerücht ist, werde ich ihnen im Gegenzug etwas Wahres erzählen“ – feilscht der Vatikansprecher mit seinem Berufskollegen.

„Schießen Sie los.“

„Ich war einmal Schauspieler – und ich war sogar sehr gut.“

Er habe während der Universitätsjahre auf der Bühne gestanden – obwohl das Studium der Medizin sehr anstrengend gewesen sei.

Im Sommer habe die Schauspielgruppe oft Stücke von Shakespeare aufgeführt. Er habe dabei unter anderem Hamlet und Romeo verkörpert.

Was der Grund für die Änderung seines Lebenswandels gewesen sei?

Im Alter von ungefähr 25 Jahren habe er den hl. Josemaría Escrivá getroffen. Das Eintauchen in das Gedankengut des Heiligen habe es ihm erlaubt, den Glauben mit der Arbeit als Arzt zu verbinden.

Obwohl Navarro für sein Alter sehr gut aussehe – schmeichelt der Interviewpartner – sei er doch schon 69 Jahre alt.

Er sei – so Navarro –, ob des Älterwerdens nicht traurig, sondern überrascht.

Eines Tages habe er bemerkt, daß er die Kunst des Tennisspielens, die ihm früher sehr leicht von der Hand ging, nicht mehr beherrsche:

„Bin ich vielleicht aus der Übung? Nein: Ich werde alt.“

Ob er sich vor dem Altwerden fürchte?

„Nicht im geringsten.“ Es sei unsere Kultur, die das hohe Alter als Beleidigung empfinde.

Vielleicht habe die Art und Weise wie Johannes Paul II. gealtert sei, als Vorbild gewirkt: „Der Papst hat uns gelehrt, daß das Leben zum Tod führt, aber daß der Tod nicht das letzte Ende des Lebens ist.“

Navarro verwies diesbezüglich auf den römischen Moralisten Lucius Annaeus Seneca († 65) und den griechischen Philosophen Sokrates († 399 v. Chr.).

Beide hätten an der Schwelle des Todes unterstrichen:

„Selbst wenn ich fünf Jahre alt bin, sagt mir der Tod, daß ich von ihm profitieren kann. Wenn ich ihn vor Augen habe, werde ich mein Leben erfüllt leben. Wenn ich die erdichteten Werte einer Kultur akzeptiere, die den Tod verschweigt, werde ich sterben, ohne jemals wirklich gelebt zu haben.“

Joaquin Navarro-Valls erblickte am 6. Februar 1936 in Cartagena das Licht der Welt. Cartagena ist eine Hafenstadt im Südosten Spaniens. Er studierte Medizin, Psychologie und Journalismus. 1961 promovierte er in Medizin und lehrte an der Medizinischen Fakultät. 1968 schloß er das Studium des Journalismus und 1980 der Kommunikationswissenschaften ab. Johannes Paul II. ernannte ihn 1984 zum Direktor des vatikanischen Pressebüros. Papst Benedikt XVI. bestätigte ihn vor wenigen Monaten in diesem Amt.

Zur Heimseite des Pressesprechers des Vatikan in englischer, spanischer und italienischer Sprache
      
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