Zweites Vatikanum
Laisierter Ex-Abt und Konzilsteilnehmer erinnert sich an das Zweite Vatikanum
Konzelebration mit dem gemeinen Kirchenvolk, Samthandschuhe, Eisenfäuste und die Hierarchie der Minderheiten. Über Allerheiligen versammelten sich italienische „Basisgemeinden“, um zum 40. Jubiläum einem Konzil nachzutrauern, das es nie gab.
(kreuz.net, Verona) In Verona (Norditalien) versammelten sich vom 30. Oktober bis zum 1. November die italienischen „Basisgemeinden“ und weitere, dem Geist der 60er Jahre verpflichtete linkskatholische Gruppen Italiens zum Anlaß des 40. Jubiläums des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Bei dem Kongreß der linkskatholischen italienischen Gruppen trat auch der in den 60er Jahren berühmt gewordene laisierte Ex-Abt des Römischen Benediktinerklosters St. Paul vor den Mauern, Giovanni Franzoni (76), auf. Franzoni wurde nach dem Zweiten Vatikanum dafür bekannt, daß er die hl. Messe mit dem gemeinen Kirchenvolk konzelebrierte und die Wandlungsworte von allen Anwesenden sprechen ließ.

Als Benediktinerabt von St. Paul im Rang eines Bischofs nahm Franzoni persönlich an den letzten zwei Sessionen des Konziles teil. In seinem Vortrag in Verona über das letzte Konzil unterstrich er, daß viele Kompromisse notwendig waren, um die große Mehrheit der Bischöfe hinter die Konzilsbeschlüsse zu bringen. Darum seien oft Klauseln wie „sofern die Zeit reif ist“ oder „sofern der Bischof einverstanden ist“ in die Texte eingeflossen. Dadurch sei die Verwirklichung der Konilsbeschlüße stark eingeschränkt worden.

Franzoni vertrat auch die Auffassung, daß Papst Paul VI. die theologische Debatte des Zweiten Vatikanums brüsk unterbrochen habe, als er bei der Eröffnung der vierten Session der Konzilsarbeiten sagte: „et erit ultima“ („und [diese Session] wird die letzte sein“).

„In diesem Augenblick“, erzählt Franzoni, „verstand ich, daß die hierarchische Struktur der Kirche sehr stark war und die Türen des Dialoges und der Auseinandersetzung, die sie selber eröffnet hatte, schließen konnte, wann immer sie wollte. „Franzoni begann nach eigenen Angaben zu begreifen, „daß man von den Institutionen vielleicht etwas mehr hätte erwarten können als das, was tatsächlich eingetroffen ist, aber nicht viel mehr.“ Denn die Verantwortlichen für jede wirkliche Wandlung in der Kirche seien die Gläubigen: aber „es wird keine Veränderungen geben, wenn wir Angst haben.“ „Wenn wir zögern, können wir nicht erwarten, daß die Bischöfe Motoren der Veränderung werden.“

Im Gegenteil. Die „Hierarchie der Minderheiten“ und das Pontifikat von Johannes Paul II. haben deutlich gezeigt, daß die Bischöfe immer versuchen werden, „mit Samthandschuhen und Eisenfaust“ die Mehrheit zu kontrollieren und niederzudrücken, die versucht die Freiheit der Gläubigen zu erobern. Doch die Hierarchie sei weniger zu fürchten als die Trägheit der Laien.

„Der ‘Skandal’ des Konzils besteht vor allem darin, zur Schaffung einer Gemeinschaft von Gläubigen beigetragen zu haben, die beschlossen hat, das eigene christliche Engagement ohne Delegierung und Weisungen von oben zu leben, in der Gewißheit, Kirche zu sein und in der Annahme der Verantwortung, persönlich zur Erneuerung der Kirche beizutragen.“
      
3 Lesermeinungen
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#3   Dolfus   14:33:24 | Sonntag, 19. Dezember 2004
@marcellus
Wie erhebend ist der originale Text. Ich erinnere mich, wie innerlich bewegt ich war , als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe (wußte ja nichts von der Manipulation der Version, die sonst heute gesungen wird).
Der alte Text paßt auch besser zur eingängigen Melodie als die zahnlose Light-Version, außerdem paßt er inhaltlich viel besser zum gegenwärtigen Kirchenkampf. Aber deswegen mußte der Text ja aus dem Volksgedächtnis getilgt werden. (Psychologische Kriegsführung.)
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#2   marcellus   07:49:12 | Sonntag, 19. Dezember 2004
Ein Haus voll Glorie schauet ?!
Ich möchte meinem Vorredner in der grundlegenden Analyse, was auf dem Konzil und in seinem Gefolge geschehen ist, durchaus zustimmen. Aber ich habe dabei Bauchschmerzen, denn wenn man in der Seelsorge des Jahres 2004 steht, wird man schnell mit Entsetzen wahrnehmen müssen, daß die Zeit kaum zurückzudrehen ist. Ich sehe es als Chance, daß man beispielsweise verschiedene Formen des Gottesdienstes sehr lebensnah gestalten kann, wobei natürlich die Würde des Gottesdienstes immer gewahrt bleiben muß. Dennoch ist es ein trauriger Befund, den es zu konstatieren gilt : Ausgeräumte und verschandelte Kirchen, fast völlige Vernichtung der wertvollen Volksandachten, Verstümmelung und Abschaffung vieler beim Volk beliebter Kirchenlieder, Pastoralassistenten und sogenannte Seelsorger und Seelsorgerinnen, die sich aufführen, als wären sie der liebe Gott höchstpersönlich, Volksaltäre, an denen ein liturgischer Vorsteher seine Show abzieht und dem Allerheiligsten(wenn denn überhaupt noch im Hochaltar reponiert) seinen Hintern hinreckt oder um ein letztes Beispiel zu nennen : Kommissionen, Gremien, Räte bis zum Ersticken. Selig, wer da noch eine einigermaßen vernünftige Landpfarre als seine Heimstätte hat. Eines muß man den konziliaren Kirchenstürmern lassen: Die alten Strophen unseres herrlichen Liedes „Ein Haus voll Glorie schauet“ haben sie wirklich ad absurdum geführt! Ich aber singe mitsamt der Gemeinde dennoch aus voller BRust- vielleicht auch aus Sehnsucht heraus:“ Wohl tobet um die Mauern der Sturm in wilder Wut; das Haus wird’s überdauern, auf festem Grund es ruht! Gott, wir loben Dich, Gott, wir preisen Dich! O laß im Hause Dein uns all geborgen sein!“
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#1   joergx2000   13:19:02 | Donnerstag, 18. November 2004
Skandal des Konzils ? Einen Moment mal bitte…
Der Skandal des letzten Konzil war ein Packt mit den Feinden der Kirche :
-Sieg der Freimaurer mit Zulassung der
Religionsfreiheit, wo in alles Kulten plötzlich der heilige Geist wehte. Dadurch wurden die wesentliche Unterschiede zwischen allen menschlich erfundenen Religionen und der katholischen verwischt.
-Sieg der Protestanten mit der Erfindung einer neuen Liturgie durch Streichung der Teile,Formen und Wahrheiten denen diese sich wiedersetzen. Dadurch wurde das protestantische Reduktionschristentum rehabilitiert und mit den Dekret über den Ökumenismus auf eine Stufe mit der Kirche Christi gestellt.
-Sieg des Atheismus durch totales
Totschweigen über das Kommunistische
Regime und deren barbarische Todsünden. Dies geschah aus falscher Rücksichtnahme zu den Orthotoxen Kirchen, die aber unter dem Kommunistischen Regime nicht etwa verfolgt wurden sondern mit dessen Interessen verquikt waren.
Mit Jeder-bleibt-wie-er-ist-Ökumene an statt Rückkehrökumene und Religionsfreiheit statt Bekenntniss zur einen Kirche Christi die die Katholische Kirche IST kann man nicht mehr Gläubige für die Wahrheit des Glaubens gewinnen. Die göttlichen Gnadenströme versiegen vorallem dank der Ehrfurchtslosigkeit der Neuen Messe.
Doch wenn wir alles getreu dem Motto des hl. Papst Pius X in Christus wieder erneuern und alle Hinzufügungen, Änderungen und Weglassungen die mit der mit der traditionellen Lehre der Kirche von 1958 nicht übereinstimmen beseitigen geht es auch wieder aufwärts.
Einen wesentliche Funktion an der Erneuerung der Kirche hat der Papst. Seine Aufgabe ist ja nicht die Erfindung von neuen Wahrheiten – wie die Religionsfreiheit die von allen traditionellen Päpsten scharf verurteilt wurde – sondern sich und die Kirche in den Dienst des Glaubens und der immerwährenden Wahrheiten und Anweisungen Christi zu stellen. text
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