Was im Bistum Regensburg wirklich geschah
Vor wenigen Tagen trat der oberste Laie in der Diözese Regensburg eine Lawine gegen seinen Bischof los. Jetzt erhielt er Rückendeckung vom obersten Laien Deutschlands und vom obersten Laien in Bayern. Ein neues Kapitel der seit dem Zweiten Vatikanum so eifrig betriebenen Communio-Ekklesiologie.

Doch dem Vorsitzenden seines Diözesanrates – Fritz Wallner – paßten die Neuerungen nicht in den Kram. ‘Diözesanrat’ nennt sich das oberste Laiengremium eines Bistums in Deutschland.
Tat der Bischof etwas Verbotenes?
Eigentlich nicht. Denn ein Diözesanbischof ist in der Handhabung dieser Satzungen völlig autonom. Er muß dafür weder die Erlaubnis der Pfarrgemeinderäte und schon gar nicht jene des Diözesanrates einholen.
Doch das wollte der Vorsitzende des Diözesanrates nicht hören. Er forderte eine Aussetzung der bischöflichen Anordnung. Die – fadenscheinige – Begründung: Der Bischof habe den Diözesanrat nicht konsultiert.
Der Generalvikar lehnte den Vorschlag in Übereinstimmung mit dem Kirchenrecht dankend ab.
Da verwandelte sich Diözesanratsvorsitzender Wallner in einen Rädelsführer.
Er beschloß, sich am 8. Juli mit den Dekanatsräten im Exerzitienhaus Werdenfels zu treffen. Das Haus befindet sich in Nittendorf rund 10 Kilometer westlich von Regensburg.
Doch der Generalvikar verbot die bischofsfeindliche Zusammenkunft.
Statt sich zu fügen, organisierte man kurzerhand einen anderen Veranstaltungsort. Der Generalvikar wiederholte sein Verbot auch für diese Versammlung.
Es half nichts.
Die Rebellen trafen sich schließlich letzten Freitag in der Schloßgaststätte Eichhofen. Eichhofen liegt einige Kilometer westlich von Nittendorf, wo die ursprüngliche Versammlung hätte stattfinden sollen.
Am letzten Montag kritisierte der Generalvikar das Verhalten des Diözesanratsvorsitzenden scharf: „Es ist bestürzend, daß ein Mitglied der Kirche so wenig Ahnung von seinen Aufgaben hat.“
Der Diözesanbischof habe bei der Änderung der Satzungen für die Pfarrgemeinderäte in Übereinstimmung mit dem Kirchenrecht gehandelt: „Hier sollte sich Herr Wallner erst kundig machen, bevor er mit unqualifizierten Äußerungen an die Öffentlichkeit geht.“
Wallners Stellungnahmen zeigten, daß er ein Kirchenverständnis besitzt, das der Lehre der Kirche widerspricht, erklärte der Generalvikar.
Gestern Mittwoch schwappte der Fall über die Grenzen des Bistums Regensburg.
Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Professor Hans Joachim Meyer – der oberste Laie Deutschlands – veröffentlichte einen privaten Briefwechsel mit dem Bischof von Regensburg über die Auseinandersetzungen um Wallner.
Das ‘Zentralkomitee der deutschen Katholiken’ – kurz: ZdK – ist ein deutschlandweiter Zusammenschluß von katholischen Verbänden, Gremienvertretern und Politikern.
Für die Veröffentlichung des Briefwechsels – die gegen den Bischof von Regensburg gerichtet war – erntete der ZdK-Präsident sogar aus den eigenen Reihen Kritik.
Das sei kein konstruktiver Beitrag für die Beilegung des Konfliktes, erklärte der oberste bayrische Laienvertreter, der Vorsitzende des Landeskomitees, Helmut Mangold in einer Stellungnahme am Mittwoch in München.
Das ‘Landeskomitee’ ist ein kirchlich anerkannter Zusammenschluß von Laien auf der Ebene des Freistaates Bayern.
Mangold appellierte an den Bischof von Regensburg und seinen Diözesanrat, „den Konflikt in einem sachlichen und konstruktiven Dialog beizulegen“.
Seinen Appell für „Einheit und gute Zusammenarbeit in der Kirche“ benützte er auch für einen Rundumschlag gegen Bischof Müller:
Aus sachlich nicht erkennbaren Motiven würden in der Diözese Regensburg die schon „seit Jahrzehnten bewährten Prinzipien einer guten Zusammenarbeit von Katholikenräten mit Pfarrern und dem Bischof“ in Frage gestellt.
Bischof Müller habe die Satzung für die Pfarrgemeinderäte „abrupt“ geändert. Dabei habe er es unterlassen, die dafür vorgesehenen rechtlichen Bestimmungen zu beachten:
„Jede Form einer klärenden und sachlichen Kommunikation ist bisher verweigert und zurückgewiesen worden“ – so der oberste Laie Bayerns.
Am Rande der Ereignisse verwies ein deutscher Priester im Zusammenhang mit der Kirche seines Landes auf Mt 12,25: „Jedes Reich, das in sich gespalten ist, wird verwüstet werden, und keine Stadt und kein Haus, das in sich entzweit ist, kann Bestand haben.“
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Freitag, 29. Juli 2005 19:15
Romano: @Finthen
Ich komme nicht aus Regensburg, habe aus der Ferne aber dasselbe Gefühl. Sehr eindrucksvoll ist m.E.
der Briefwechsel zwischen Bischof Müller und Prof. Meyer vom ZdK. Der Bischof argumentiert dort nicht,
sondern ist schlicht pampig. Es lohnt sich m.E., diesen Briefwechsel beim ZdK einmal anzuforden.
Selbst wenn er in der Sache recht haben sollte (bei der einseitigen Statutenänderung für die Räte kann man darüber aber wirklich trefflich streiten!), ist diese Art des Umgangs schlicht eine Katostrophe. Wenn konservativ, dann bitte im Ton verbindlich und mit sachlichen Argumenten begründet. Darauf haben die „Laien“, die in den jeweiligen Gremien sitzen und häufig durchaus kluge Köpfe sind, einen Anspruch. Und ich als Laie bin gerne bereit gehorsam zu sein; aber ich möchte einen Bischof haben, der bereit ist, mir mit Argumenten zu erläutern, warum ich das sein muss.
Selbst wenn er in der Sache recht haben sollte (bei der einseitigen Statutenänderung für die Räte kann man darüber aber wirklich trefflich streiten!), ist diese Art des Umgangs schlicht eine Katostrophe. Wenn konservativ, dann bitte im Ton verbindlich und mit sachlichen Argumenten begründet. Darauf haben die „Laien“, die in den jeweiligen Gremien sitzen und häufig durchaus kluge Köpfe sind, einen Anspruch. Und ich als Laie bin gerne bereit gehorsam zu sein; aber ich möchte einen Bischof haben, der bereit ist, mir mit Argumenten zu erläutern, warum ich das sein muss.
Freitag, 29. Juli 2005 18:24
Finthen: Was geschieht in Regensburg?
Zu Bischof G.L. Müller möchte ich folgendes sagen: er tut mir leid. Sein Sekundant GV Gegenfurtner sagt
so und sein Pressesprecher (einer von circa zehn Zuarbeitern in Sachen Publicity) muss das Gegenteil hinbiegen.
Der Bischof bricht seit Amtsantritt laufend Knatsch vom Zaun. Er glaubt, mangelnde Sozialkompetenz und primitivsten Anstand mit dem Pochen auf seine Unfehlbarkeit im „apostolisches Amt“ ersetzen zu können. Er lässt wie ein Sektierer nur seine eigene Meinung gelten dort, wo man gut und gern über verschieden Wege zum gleichen Ziel reden können müsste. Er baut drehbuchartig immer wieder neue Feindbilder auf, zuerst Wir-sind-Kirche und AKR, jetzt der Diözesanrat und das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken. Wie ein Boxer verpasst er jedem „eine blutige Nase“, der eine eigene Meinung zu äußern wagt. „Viel Feinde, viel Ehr!“ weiß er, das kommt bei ewiggestrigen Traditionalisten wie Heinrich Wachter und vor allem in Rom gut an. Pfarrer Trimpl hat er von der Kanzel herab öffentlich ehrenrührig beschimpft und seine Crew muss das als heiligen Verkündigungsauftrag ausgeben. Für einen Fehler hat er sich meines Wissens noch nie entschuldigt. Und er ist nachtragend wie ein Elefant. Autorität wäre etwas anderes, dies ist lediglich autoritäres Herrschaftsgehabe. Mit der Gesinnung des Jesus von Nazareth finde ich keinerlei Ähnlichkeit, allenfalls würde dieser solche „Hohepriester“ zum Tempel hinausjagen.
Der Bischof bricht seit Amtsantritt laufend Knatsch vom Zaun. Er glaubt, mangelnde Sozialkompetenz und primitivsten Anstand mit dem Pochen auf seine Unfehlbarkeit im „apostolisches Amt“ ersetzen zu können. Er lässt wie ein Sektierer nur seine eigene Meinung gelten dort, wo man gut und gern über verschieden Wege zum gleichen Ziel reden können müsste. Er baut drehbuchartig immer wieder neue Feindbilder auf, zuerst Wir-sind-Kirche und AKR, jetzt der Diözesanrat und das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken. Wie ein Boxer verpasst er jedem „eine blutige Nase“, der eine eigene Meinung zu äußern wagt. „Viel Feinde, viel Ehr!“ weiß er, das kommt bei ewiggestrigen Traditionalisten wie Heinrich Wachter und vor allem in Rom gut an. Pfarrer Trimpl hat er von der Kanzel herab öffentlich ehrenrührig beschimpft und seine Crew muss das als heiligen Verkündigungsauftrag ausgeben. Für einen Fehler hat er sich meines Wissens noch nie entschuldigt. Und er ist nachtragend wie ein Elefant. Autorität wäre etwas anderes, dies ist lediglich autoritäres Herrschaftsgehabe. Mit der Gesinnung des Jesus von Nazareth finde ich keinerlei Ähnlichkeit, allenfalls würde dieser solche „Hohepriester“ zum Tempel hinausjagen.
Samstag, 23. Juli 2005 05:37
Lilith: @Umkehrbefreit
Falls du es noch nicht weißt… der Dalai Lama wurde von Papst Johannes Paul II zum Friedensgebet in Assisi eingeladen. Der Papst hat damals also keinerlei Bedenken gegen diesen Mann oder gegen diese Zusammenkunft gehabt. Willst du ihm jetzt wiedersprechen, wo du doch so kirchentreu bist?
Samstag, 16. Juli 2005 16:44
Ampere: Laien-Mitsprache
Das ZdK ist einmal gegründet worden, damit die Laien sich für die Belange der Kirche und des Papstes einsetzen. Leider ist heute daraus eine Front gegen das Lehramt der Kirche geworden. Im Gespräch mit einem Bischof über das ZdK und die Möglichkeiten der Einwirkung entgegnete dieser, daß man gegen das Zdk und seinen Vorsitzenden praktisch nichts unternehmen könne. Vergleichbar gilt das vermutlich für die Laien der diözesanen Strukturen. Bischof Gerhard Ludwig Müller ist zu beglückwünschen für seine klare Linie für Papst und Lehramt. Er scheint noch den Versuch zu machen, die Verhältnisse in seinem Bistum ins Lot zu bkommen. Hoffentlich glückt es ihm und vor allem: hoffentlich hält er durch! So mancher Bischof hat angesichts seiner Diözesanräte kapituliert …
Freitag, 15. Juli 2005 08:09
virOblationis: zugegeben: polemisch formuliert
Hoffentlich muß der Heiland vor Seiner Wiederkunft nicht auch erst einen Konsultationsprozeß durchführen.
Freitag, 15. Juli 2005 00:07
Gotthard: Königsherrschaft
@konrad
„Aber es geht um die Königsherrschaft des auferstandenen Christus in Seiner Kirche. Dieser will der Bischif von Regensburg zum Durchbruch helfen.“
Hat der Bischof und sein Generalvikar dafür das Monopol?
Bischof Manfred Müller hat in dieser Hinsicht wohl einen ganz schlechten Dienst getan bzw ihm war die Königsherrschaft des auferstandenen Christus uninteressant. Denn:
Er hat – nach der Verabschiedung der Satzung der Pfarrgemeinderäte durch den Diözesanrat – diese Satzung in Kraft gesetzt.
Wohlgemerkt: in Kraft gesetzt – nicht angeordnet!
Anordnungen eines Bischofs scheinen der Königsherrschaft des auferstandenen Christus also eher zum Durchbruch zu verhelfen als In-Kraft-Setzungen nach einem Konsultationsprozess…
Der auferstandene Jesus Christus – Herr des Bistums Regensburg – wird sich wohl wundern.
„Aber es geht um die Königsherrschaft des auferstandenen Christus in Seiner Kirche. Dieser will der Bischif von Regensburg zum Durchbruch helfen.“
Hat der Bischof und sein Generalvikar dafür das Monopol?
Bischof Manfred Müller hat in dieser Hinsicht wohl einen ganz schlechten Dienst getan bzw ihm war die Königsherrschaft des auferstandenen Christus uninteressant. Denn:
Er hat – nach der Verabschiedung der Satzung der Pfarrgemeinderäte durch den Diözesanrat – diese Satzung in Kraft gesetzt.
Wohlgemerkt: in Kraft gesetzt – nicht angeordnet!
Anordnungen eines Bischofs scheinen der Königsherrschaft des auferstandenen Christus also eher zum Durchbruch zu verhelfen als In-Kraft-Setzungen nach einem Konsultationsprozess…
Der auferstandene Jesus Christus – Herr des Bistums Regensburg – wird sich wohl wundern.
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