Prälat Leopold Schagerl – ein unbeschriebenes Blatt?
Am 11.11. fing der Fasching an. In St. Pölten ging diese Ära allerdings vor kurzem zu Ende. Krenns Generalvikar Fasching wird von Küngs Prälat Schagerl abgelöst. Statt dem bunten Treiben wird nun ein „gemäßigt konservativer“ Kurs – so heißt es – gefahren. Ein Kommentar.
(kreuz.net, St. Pölten) Etiketten gehören zum heutigen Leben, leider auch zur heutigen Kirche. Doch
Etiketten verdecken meist den Blick auf die Realität, so wie sie wirklich ist. Menschen werden oft ungerecht
und vorurteilshaft etikettiert und katalogisiert. Da ist die Rede von „Progressisten“, „Modernisten“,
von „Traditionalisten“ und „Fundamentalisten“. Hinter diesen Etiketten steht die implizite Annahme einer
Struktur von Parteiungen und Interessensgruppen in der Kirche, eine Struktur demokratischen Zuschnitts,
die der gottgewollten Konstitution der katholischen Kirche in der Wurzel widerspricht. Die einzig legitime
Einteilung in der Kirche ist: katholisch oder nicht katholisch (ein halb-katholisch ist der Sache nach
unmöglich und absolut auszuschließen, auch wenn manche Wahnwitzige dies immer noch glauben mögen).
Am Tag des hl. Leopold, dem 15. November, wurde der Name des neuen Generalvikars der Diözese St. Pölten
bekannt gegeben: Prälat und Kanonikus Leopold Schagerl, der von Bischof Krenn ins Domkapitel geholt worden
und seit 1994 als Direktor der Finanzkammer der Diözese St. Pölten tätig war. Sofort stand die Etikette
für ihn bereit: gemäßigt konservativ. Etwa deshalb, weil er von Bischof Krenn ins Domkapitel geholt
und in sein Amt gehoben wurde? Wer so kurzschlüssig urteilt, sollte bedenken, daß es Bischof Krenn selbst
war, der den späteren Weihbischof Fasching zum Generalkvikar erwählte und auch später, als Spannungen
und mangelnde Loyalität offensichtlich wurden, diese Entscheidung unbegreiflicherweise nie rückgängig
gemacht hat.
Die Etikette „konservativ“ ist zudem äußerst vage. Wird sie vielleicht gerade deshalb
dem neuen Generalvikar angedichtet, den man nur schwer einschätzen kann? Der Ausdruck „konservativ“ bedarf
einer inhaltlichen Bestimmung: konservativ worin?
Konservativ in der beharrenden Treue zum unaufgebbaren
Schatz des katholischen Glaubens oder vielleicht „konservativ“ in der Beharrung auf die leider in der
Vergangenheit allzuoft geduldeten disziplinären Verstöße oder Mißstände in Liturgie, Katechese, Predigt
oder Sakramentenspendung, die nunmehr von manchen Priestern und Laien fast als selbstverständliches Anrecht
angesehen werden? Gerade hier müßte auch der neue Generalvikar kraft seines Amtes als Vikar des Bischofs
eindeutig und unmißverständlich Position beziehen und Mißstände nach Maßgabe seines Amtes beseitigen.
Dann erst wird man sehen, was er selbst unter „konservativ“ versteht. Bisher hat sich Prälat Schagerl
öffentlich nie zu Fragen der kirchlichen Ordnung oder des Glaubens im Sinn der Kirche geäußert. Auch
ein mutiges öffentliches Zeugnis zu Papst und Bischof ist mir von ihm bisher nicht bekannt geworden.
Vielleicht verstehen manche diese Tatsache als Auszeichnung für den neuen Generalvikar. So dürfte es
das beigefügte „gemäßigt“ zumindest nahelegen. Sollen mit dem „gemäßigt“ jene beruhigt werden, die
immer noch der völlig grundlosen Ansicht sind, daß der neue Diözesanbischof von St. Pölten – Opus
Dei! – in der Diözese eine radikale Wandlung zum „Konservativen“ vorantreiben wollte, vielleicht mit
etwas mehr Glück als sein Vorgänger? Soll das „gemäßigt“ den neuen Gerenalvikar auch in jenen Kreisen
der Diözese annehmbar machen, die im Hinblick auf eine bloß herbeiphantasierte „konservative“ Unterwanderung
der Diözese geradezu Phobien gezüchtet haben?
Oder soll der Ausdruck „gemäßigt“ die „kluge Variante“
des Konservativen in der Kirche preisen: nur ja nirgends anecken und mit allen auskommen, selbst wenn
dabei die katholische Identität, Lehre, Liturgie und Disziplin auf der Strecke bleiben?
Prälat Schagerl
ist seiner Herkunft und Lebensgeschichte nach ein sehr praktischer und bodenständiger Mann. Keine schlechte
Voraussetzung für einen Generalvikar. Doch ohne gute theologische und kanonistische Kenntnisse wird man
eine Diözese nicht mitleiten können. Deshalb fordert das kirchliche Gesetzbuch, daß der Generalvikar
entweder ein Doktorat oder ein Lizentiat im kanonischen Recht oder in der Theologie besitzen, bzw. daß
er zumindest ein wirklicher peritus sein müsse. Die erstgenannte Voraussetzung – der akademische Grad –
ist bei Prälat Schagerl nicht der Fall, die zweite wird er erst unter Beweis stellen müssen.
Eine Gefahr
ist von daher vorauszusehen: Aus eigenem Mangel wird er sich fachlichen Rat und Unterstützung bei anderen
suchen müssen. Möge er sich dabei nicht an jene wenden, die ihn zu instrumentalisieren versuchen, um
selbst Einfluß und Macht zu gewinnen. Das Beispiel seines Vorgängers im Amt und jener üblen Ohrenbläser,
die dort ihr eigenes Süppchen zum Schaden der Diözese gekocht haben, mögen ihm Warnung sein.
Dem neuen
Diözesanbischof darf man wünschen, daß er mit seiner Wahl des Generalvikars mehr Glück habe als sein
Vorgänger.
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4 Lesermeinungen
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Manager wichtiger als Akademiker Mir persönlich ist der neue Generalvicar äußerst sympathisch, und
ich glaube, daß er einen guten Zugang zu den Niederösterreichern finden wird, für die ihre Dorfgemeinschaften
eine dominierende Rolle spielen. Eine fehlende akademische Vertiefung – denn nichts anderes ist ein Doktorat –
halte ich für überhaupt keinen Mangel. Gerade Verwaltung verlangt eher Managerfähigkeiten ab, und akademischer
Theologe ist er ja eh. Bei Bischof Krenn war das Gegenteil der Fall: er hatte gleich mehrere akademische
Titel – darunter natürlich auch den Doctor –, er war sogar Univ.-Prof., aber als praktischer Manager
und Leiter der Diöcese war er leider heillos überfordert. Das ist die bittere Realität. Sein Weihbischof
war ihm da keine so „große Stütze“, wie er immer behauptete. Krenns Wunschnachfolger als Hilfsbischof
soll übrigens Prälat Küchl gewesen sein. Der hatte schon hin und her überlegt, welche Titolar-Diöcese
er wählen sollte …
#3 Benedicta 21:55:40 | Freitag, 19. November 2004
ad unfaire Anmaßungen Soviel mir bekannt ist hat GV Kanonikus Schagerl nicht mal den Magister. Bin also
höchst verwundert, warum gerade er als Generalvikar ernannt worden ist. Sollte die Enthüllung über
die mangelnde Bildung Schagerls roncallis Problem mit dem Artikel gewesen sein, soll mich bitte mal jemand
darüber aufklären, warum es so toll ist, die Wahrheit zu verschweigen.
#1 Catholicus 22:51:43 | Donnerstag, 18. November 2004
Loyalität Man sollte dem neuen GV eine faire Chance geben. Vor allem soll ein GV ja loyal zum jeweiligen
Bischof sein, der seinerseits wieder an die Grundloyalität gegenüber dem Glauben der Kirche gebunden
ist …