10:23:32 | Sonntag, 17. Juli 2005
Im Namen des Fortschritts haben offensichtliche Experten sechs Bedingungen erarbeitet, unter denen ein Affenhirn teilweise oder vollständig durch menschliche Hirn-Stammzellen ersetzt werden kann. Wissenschaftler oder Tierquäler?
(kreuz.net, Baltimore) Eine internationale Gruppe von 22 Biotechnologen, Medizinern, Primatologen, Philosophen
und Rechtsanwälten hat ein Jahr lang über die biotechnologische Produktion von Affen mit Menschenhirnen
verhandelt.
Die Gruppe wurde von Dr. Ruth Faden von der John Hopkins Universität in Baltimore geleitet.
Baltimore ist die größte Stadt im US-Bundesstaat Maryland. Die Stadt befindet sich an der Ostküste
der Vereinigten Staaten.
Die Ergebnisse wurden in der Freitagsausgabe des US-Magazins ‘Science’ veröffentlicht.
Die Autoren betrachten ihr Papier als Ergänzung zu den kürzlich von der Wissenschaftsakademie der USA
vorgestellten Leitlinien zur embryonalen Stammzellenforschung.
Die jüngste Publikation geschieht nicht
grundlos.
Biotechnologen hoffen immer noch auf den Einsatz von Hirn-Stammzellen zur Behandlung von Krankheiten
wie Alzheimer, Parkinson oder anderen komplexen Hirnerkrankungen.
Es wird aber oft übersehen, daß auf
diesem Gebiet bislang
keine nennenswerten Erfolge erzielt worden sind.
Sollten Erfolge dennoch möglich
sein, müßten sie in den USA zuerst an Tieren nachgewiesen werden. Das verlangt die dortige Arzneimittelbehörde.
Normalerweise werden solche Nachweise an kleinen Nagern – Ratten oder Mäusen – durchgeführt.
Eine
Gruppe von US-Biotechnologen versucht zum Beispiel, eine Maus mit einem Gehirn zu züchten, das
vollständig
aus menschlichen Hirn-Stammzellen besteht.
Versuche mit Nagetieren genügen allerdings nicht, um Therapien
zu erproben, welche höhere Hirnleistungen betreffen.
Dazu braucht es größere Tiere, vorzugsweise Affen.
Schon im September 2001 wurden in den USA erstmals menschliche Hirn-Stammzellen in das Gehirn von Affen
implantiert.
Jetzt stellen sich die Biotechnologen im genannten Artikel von ‘Science’ die Frage, ob man
bei einem Affen das ganze Gehirn durch menschliche Hirn-Stammzellen ersetzen könnte.
Die Frage sei –
natürlich – theoretisch.
Derzeit wolle das niemand, beschwichtigen die Autoren. Man denke lediglich
darüber nach, welche Regionen in den Affen-Gehirnen vermenschlicht werden könnten.
Das ist eine im
Wissenschaftsbetrieb üblicherweise verwendete Taktik.
Bevor ein neuer Damm gebrochen wird, zettelt man
eine öffentliche Diskussion darüber an. Die produzierte Diskussion dient dazu, den gewünschten Dammbruch
vorzubereiten.
Die Biotechnologen können sich vorstellen, daß eine Transplantation menschlicher Hirn-Stammzellen
dazu führen könnte, „daß die daraus hervorgehende Kreatur menschenähnliche kognitive Fähigkeiten
entwickelt, die für ihren moralischen Status relevant sind.“
Unter „moralischem Status“ versteht die
Gruppe Fähigkeiten wie das Fühlen von Freude, Trauer, Sprache, Rationalität und Beziehungsfähigkeit.
Um die Grenze zwischen Mensch und Tier aufrechtzuerhalten, definierte man darum sechs Grenzen, die bei
der Produktion von Affen-Menschen eingehalten werden sollen.
Erstens sei die Zahl der transplantierten
menschlichen Hirn-Stammzellen abzuwägen. Der menschliche Anteil in einem Affenhirn sei zu dosieren.
Zweitens müsse das Alter der Tiere, denen Hirn-Stammzellen eingepflanzt werden, beachtet werden. Gehirnveränderung
bei Tieren im Fetalstadium sind viel folgenreicher als bei erwachsenen Tieren.
Drittens sei die verwendete
Affenart genau auszuwählen. Nach dem Urteil der Biologen kommen Schimpansen dem Menschen am nähesten.
Viertens sei die Größe der Tierhirne zu beachten.
Fünftens die Hirnregion, in welche die menschlichen
Stammzellen injiziert werden, von Bedeutung.
Sechstens sei zu beachten, ob die Versuche an kranken oder
gesunden Tieren durchgeführt würden.
Was die Affenmenschen über diese Tierquälereien denken, wird
man – wenn es soweit ist – von ihnen selber erfahren können.
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