Befreiungstheologie
Diktator gegen Bandit
In Venezuela gehen gegenwärtig ein emeritierter Kurienkardinal und der Staatspräsident medial gegeneinander los. Der Kardinal fordert das Volk auf, sich gegen das Staatsoberhaupt zu wehren. Der Präsident will, daß der Papstes etwas gegen seinen Klerus unternimmt. Recht haben wohl beide.
(kreuz.net, Caracas) In Venezuela spitzt sich der langjährige Streit zwischen der Katholischen Kirche und Staatspräsident Hugo Chávez zu. Am Sonntag forderte der emeritierte Kurienkardinal Rosalio Castillo in einem Interview mit der venezolanischen Tageszeitung „El Universal“ das Volk auf, sich gegen Präsident Chávez zu erheben.

Der Präsident widersetze sich der Demokratie und den Gesetzen des Landes. Aus diesem Grund sei es rechtmäßig, wenn ihn das Volk stürze. Die Wahlen, die ihn an die Macht gebracht haben, seien eine „Pantomime gewesen, in die niemand Vertrauen haben kann.“

Hugo Chávez ist seit 1999 Staatspräsident von Venezuela. Er vertritt einen linksnationalistischen Kurs und wird gerne mit dem kubanischen Diktator Fidel Castro verglichen.

Trotz häufiger Unruhen während seiner Regentschaft haben 58% des Volkes Chávez bei einem Referendum im Jahr 2004 als Präsident bestätigt. Aufgrund seiner Sozialpolitik hat der autokratische Präsident große Teile der Bevölkerung hinter sich.

Präsident Chávez vergleicht sich gerne mit Jesus. Er wolle mit Hilfe des Sozialismus das Reich Gottes auf Erden errichten. Kürzlich erklärte er, daß keine Regierung in der Geschichte Venezuelas dem Auftrag von Christus, dem Erlöser, so nahe gekommen sei wie die seine.

Dagegen betont Kardinal Castillo, daß es dem Präsidenten nicht um die Armen gehe, sondern um die Erhaltung seiner Macht. Es bestehe die akute Gefahr eines Umbaus der Republik in eine Ein-Mann-Diktatur nach dem Vorbild von Kuba.

Präsident Chávez hat sich in der Vergangenheit praktisch den gesamten Grundbesitz Venezuelas unter den Nagel gerissen. Die Unterstützungen für die Armen finanziert er durch Ölexport. Venezuela ist der drittgrößte Ölexportstaat der Welt.

„Ich bin überzeugt, daß es sich bei den Zuständen in diesem Land um eine Diktatur handelt“, unterstrich der Kardinal seine Aufforderung an das venezolanische Volk. Gleichzeitig erklärte er, daß er als emeritierter Kardinal nicht das Sprachrohr der Katholischen Kirche sei. Es besteht aber kein Zweifel, daß die Bischöfe des Landes ausnahmslos eine ähnliche Position wie er vertreten würden.

Die Anklagen aus dem Mund des Kardinals ließ der linksnationalistische Staatspräsident nicht lange auf sich sitzen.

Bei einem Fernsehauftritt am Sonntag abend warf er dem kritischen Kirchenfürsten vor, ein Bandit zu sein.

Vor laufender Kamera beschimpfte er den Kardinal als vom Teufel besessen. Der Präsident ließ die Öffentlichkeit außerdem wissen, daß er den Papst über den sich ihm widersetzenden Kardinal informieren wolle.

Bereits in der vergangenen Woche hatte sich der Präsident beim neuen Apostolischen Nuntius in Caracas über die venezolanische Bischofskonferenz beschwert.

Die Bischöfe würden gegen seine Regierung ankämpfen. Außerdem seien sie „realitätsfremd“.

In der Zwischenzeit erklärte der Kardinal, daß er täglich zu Gott bete, daß er das Land von der Geißel der Regierung von Chávez befreien möge.

Chávez führe die „unseligste Regierung in der Geschichte des Landes“.
      
3 Lesermeinungen
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#3   peterpan   10:00:36 | Donnerstag, 15. Dezember 2005
chavez wurde rechtmässig gewählt
Die USA (Jimmy Carter) hatten die Wahlen sehr genau beobachtet und keine Unregelmässigkeiten festgestellt.
Chavez hatte mit über 70% klar gewonnen, so stark kann man gar nicht fälschen!!
Leute, ihr solltet euch besser informieren und nicht nur Reuters Schlagzteilen lesen!
Lest mal das hier:Diskussion Chavez www.domrep.ch/forum/viewtopic.php?t=216&start=0&…
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#2   Athanasius   22:35:37 | Dienstag, 19. Juli 2005
Linker Populist
Chavez ist ein linker Populist der sein Land ins Chaos stürzt. Er hat kein Grund einen Kardinal anzuklagen.
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#1   Elendester Sünder   13:18:25 | Dienstag, 19. Juli 2005
Warum Bandit?
Mit welchem Grund warf el Presidente dem Kardinal vor, ein Bandit zu sein?
Aus dem Artikel erschließt sich mir nicht, warum beide recht haben sollen?
Dem Inhalt des Artikels nach scheint mir das Vorgehen des Kardinals gerechtfertigt zu sein.
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