14:04:07 | Mittwoch, 20. Juli 2005
Der größte Massenmörder des 20. Jahrhunderts?
Nur einen Monat nach dem Tod seines Vorgängers kündigte Benedikt XVI. an, ihn heiligsprechen zu wollen. Diese Eile ist ungewöhnlich. Doch der Schritt bestätigt, was viele über Johannes Paul II. denken: daß er ein außerordentlich guter Bursche gewesen ist. Von Michael Cook.
(kreuz.net) Doch bevor sich die Gläubigen zu sehr in diese Sache hineinsteigern, wäre da noch ein Detail
zu klären: Ob Karol Woityla in Wahrheit nicht vielleicht der größte Massenmörder des 20. Jahrhunderts
gewesen ist.
Sollte das tatsächlich der Fall sein, wäre eine Heiligsprechung nur die zweitbeste Idee.
Hören wir, was die Advokaten des Teufels zu sagen haben.
Der Journalist Nicholas Kristof erklärte
im Mai in der ‘New York Times’, daß die vatikanische Ablehnung des Kondoms Hunderttausende von Menschenleben
gekostet habe. Das sei einer der „tragischsten Fehler der Kirche in den ersten zwei Jahrtausenden ihrer
Geschichte“ gewesen.
Das einflußreiche Londoner Magazin ‘New Statesman’ publizierte kurz nach dem Tod
des Papstes einen Leitartikel. Darin wurde behauptet, daß Johannes Paul II. „mehr zur Verbreitung von
AIDS in Europa beigetragen habe als die Schlepperindustrie und die Prostitution zusammen“.
In der Tageszeitung
‘The Australian’ prophezeite Rosemary Neill gar, daß die vatikanische Uneinsichtigkeit in der Kondomfrage
eines Tages als „Verbrechen gegen die Menschheit“ bezeichnet werde.
Polly Toynbee – die vorher offensichtlich
einen ganz giftigen Pilz gefrühstückt hatte – verglich den verblichenen Papst im April sogar mit Lenin:
„Beide stellten extremistische Ideologien vor das Leben und Glück der Menschen und bezahlten dafür
einen unvorstellbaren menschlichen Preis.“
Sogar Ärzte stimmten ein. Die weltweit führende medizinische
Zeitschrift ‘The Lancet’ beschuldigte im März einen unwissenden und sturen Papst, „unüberwindliche Hindernisse
gegen die Seuchenprävention aufgerichtet zu haben.“
Ich weiß nicht, ob irgendeiner dieser Journalisten
je ein AIDS-Hospiz besucht oder AIDS-Patienten umarmt hat, wie das Johannes Paul II. tat – oder ob sie
sich wie Johannes Paul II. für die Freigabe von internationalen Geldern für die AIDS-Bekämpfung eingesetzt
haben.
Im wesentlichen handelt es sich bei den zitierten Autoren um die gleiche Gruppe von Menschen,
die es liebt, auch alles andere schlechtzumachen, was der verstorbene Papst getan hat.
Dennoch. Eine
Behauptung wurde aufgestellt. Sie verdient eine Anhörung.
Ist der Vorwurf gerechtfertigt?
Zweifellos
wütet AIDS in Afrika als eine furchtbare Seuche.
Die jüngste Untersuchung in Swaziland – einem winzigen
Königreich von 2 Millionen Menschen, das von Südafrika umgeben ist – ergab in der dortigen Bevölkerung
eine Infektionsrate von 42.6% – die höchste der Welt. Tendenz steigend.
Im Jahre 2002 waren erst 38.6%
der Bevölkerung infiziert: „Swaziland wird ausgelöscht werden“, erklärt ein einheimischer Sozialarbeiter
verzweifelt.
Zahlen aus anderen afrikanischen Ländern sind fast so fatal.
Gemäß UNAIDS – dem HIV/AIDS-Programm
der Vereinten Nationen – leben zwei Drittel der HIV/AIDS-infizierten Menschen in Schwarzafrika.
Am Ende
des Jahres 2004 waren 25.4 Millionen Schwarzafrikaner infiziert. 3 Millionen kamen alleine in diesem Jahr
hinzu.
Die Lebenserwartung bei der Geburt ist deshalb in neun afrikanischen Ländern unter 40 Jahre gefallen.
Es handelt sich um: Botswana, Zentralafrika, Lesotho, Malawi, Mozambique, Ruanda, Swaziland, Zambia und
Zimbabwe.
In Zimbabwe lag die Lebenserwartung bei der Geburt im Jahre 1990 bei 52 Jahren. Im Jahre 2003
betrug sie nur noch 34 Jahren.
Das sind erschreckende, unglaubliche, herzzerreißende Zahlen.
Doch den
Papst in diesem Zusammenhang zum Sündenbock zu stempeln hat etwas Absurdes und Irrationales an sich.
Als ob die finsteren Wolken sich auflösen und plötzlich die Sonne scheinen würde, wenn wir nur genügend
Nadeln durch die Voodoo-Puppe von Johannes Paul II. stechen.
Die Schuld für die AIDS-Tragödie in Afrika
auf die Schultern eines einzigen Mannes zu laden, ist eine jener Ideen, die – in den Worten von George
Orwell – „so dumm sind, daß nur Intellektuelle daran glauben können.“
Zwei höchst zweifelhafte Voraussetzungen
liegen den genannten Kritiken zugrunde.
Die erste besteht im wesentlich darin zu behaupten, daß afrikanische
Katholiken dem großen Weißen Vater so ergeben sind, daß sie, wenn sie sich der fleischlichen Unzucht
außerhalb der Ehe hingeben, mit Prostituierten herumspielen oder sich eine dritte Frau nehmen, in frommer
Andacht auf das Kondom verzichten, weil der Papst ihnen erzählt hat, es so zu machen.
Frau Toynbee beruft
sich mit beschwörenden Worten auf die Macht des Vatikan über 1.3 Milliarden Gläubige und die persönliche
Autorität des Papstes, die bei den Ärmsten und hilflosesten Gläubigen am stärksten sei.
Doch Frau
Toynbee kann nicht gleichzeitig die volle Flasche und den betrunkenen Kapuziner haben.
Die einfältigen
dunkelhäutigen Katholiken können nicht zugleich beides sein: zu gut, um Kondome zu benützen, und zu
schlecht, um der fleischlichen Versuchung zu widerstehen.
Der Journalist Brendan O’Neill – der sich selber
als Ex-Katholik beschreibt und die katholische Sexualmoral ablehnt, hat diese rechthaberische Argumentation
in der Online-Zeitung ‘Spiked’ so beschrieben:
„Die einzige Voraussetzung, um an die sagenhafte simplizistische
Gleichung „vatikanische Verlautbarungen = AIDS in Afrika“ zu glauben, besteht darin, die Afrikaner als
kleine Automaten zu betrachten, die genau das tun, was man ihnen sagt.“
Es genügt, Landkarten mit der
AIDS-Verbreitung über Landkarten zu legen, welche die Verteilung der katholischen Bevölkerung in Afrika
darstellen, um die Verbindung zwischen der Katholischen Kirche und der Verbreitung von AIDS kläglich
untergehen zu lassen.
In Swaziland ist nur etwa 5% der Bevölkerung katholisch. In Botswana mit einer
HIV-Infektionsrate von 37% der Bevölkerung sind es gerade mal 4%.
In Südafrika sind 22% der Bevölkerung
HIV-infiziert aber nur 6% katholisch.
Dagegen besitzt Uganda einen Katholikenanteil von 43% der Bevölkerung.
Die HIV-Infektionsrate des Landes liegt bei 4%.
Es sieht eher danach aus, daß die AIDS-Situation in
Afrika ohne die Katholische Kirche viel schlimmer aussehen würde.
Denn die afrikanische AIDS-Katastrophe
hat den Papst nicht unberührt gelassen. Vor zehn Jahren rief er Wissenschaftler und Politiker der ganzen
Welt auf, jedes verfügbare Mittel einzusetzen, um dieser Geißel ein Ende zu bereiten.
Geantwortet haben
die Katholiken.
Ungefähr 27% der weltweiten Gesundheitsfürsorge für HIV/AIDS-Patienten wird von katholischen
Organisationen geführt, wie sogar ‘The Lancet’ zugegeben hat.
Auf diese Weise ist ein Netzwerk von Kliniken
entstanden, das auch die ärmsten, entferntesten und vernachlässigsten Völker Afrikas erreicht.
Diese
Statistiken sind ein erster Beweis, daß die Wahrheit genau das Gegenteil von dem ist, was uns die oben
erwähnten Medien vorsingen.
Damit erhärtet sich unser Verdacht, daß die katholische Observanz die
beste Vorbeugung gegen AIDS ist.
Der zweite Teil dieses Artikels wird morgen veröffentlicht werden.
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